Corporate Social Responsibility

Corporate Social Responsibility (CSR) ist in der Wahrnehmung vieler eine neue Forderung an Unternehmen Beiträge zu ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit zu leisten. In der jüngeren Vergangenheit wurde noch lediglich erwartet hochwertige und sichere Produkte zu produzieren und durch nachhaltiges und gesetzeskonformes Wirtschaften Arbeitsplätze zu sichern. Vgl. Fries, Ries und Brink 2015.

Doch die Kultur unternehmerischer Verantwortung existiert mit dem Ehrbaren Kaufmann seit der Antike in Europa. Erst der Nationalsozialismus verdrängte dieses Kulturgut in der Ausbildung und Praxis von Kaufleuten, sodass CSR heute wiederaufkommt. Selbstverständlich gab es immer schwarze Schafe. Vgl. Schwalbach und Klink 2015.

Wirtschaftssysteme dienen der Versorgung der Menschen mit Gütern, indem sie die Menschen Arbeitsteilig zur Wertschöpfung für andere bringen und ihnen im Gegenzug Tauschmittel für die Selbstversorgung zukommen lassen. Sie lösen das Versorgungsproblem einer Zivilisation. Hierbei gibt es „Güter“, die profitabel aber gesellschaftlich nicht erwünscht sind, also eigentlich „Ungüter“ sind und es gibt auch eine Entfremdung von Versorgung und Luxus, sodass viele „Güter“ eigentlich keinen tatsächlichen Versorgungswert haben, sondern Kompensation für mangelnden Selbstwert und Selbstsicherheit sind.

CSR zielt auf die moralische Begründung von Geschäftstätigkeit und fordert von Wirtschaftssubjekten tatsächlichen Versorgungswert nach gesellschaftlichen Maßstäben zu leisten. Investoren, Führungskräfte und Mitarbeiter werden aufgefordert Verantwortung für tatsächliche Wertschöpfung und Minimierung negativer Externalitäten zu übernehmen. Negative Externalitäten sind volkswirtschaftliche Schadschöpfung, deren Kosten nicht durch den Marktpreis wiedergespiegelt werden, wie z. B. Umweltvergiftung die Grundwasserreinigungskosten erhöhen.

Dieser Artikel möchte zunächst die verschiedenen „Spieler“ der Wirtschaft im Kontext von CSR untersuchen, um das Handlungspotential einzuordnen, dann die moderne CSR bündig vorstellen und letztlich in der Gesamtschau die Erkenntnisse kritisch reflektieren. Die Ergebnisse werden in einem Fazit zusammengefasst.

„Spieler“ im Kontext von CSR

Künstliche Intelligenz hin oder her, der zentrale Spieler im wirtschaftlichen Geschehen ist der Mensch. Der Mensch tritt im wirtschaftlichen Geschehen in unterschiedlichen Rollen auf. Als Konsument, Mitarbeiter, Führungskraft, Investor, Mitglied einer Interessensvertretung, der Medien oder Non-Governmental Organisations (NGOs), als politischer Entscheidungsträger und / oder als Handlungssubjekt der Judikative.

Zunächst soll der Mensch im wirtschaftlichen Geschehen nach Sednak 2015 erläutert werden. Das wirft zentrale Fragen bezüglich Verantwortung und Vertrauen auf, die ebenfalls erläutert werden. Anschließend sollen Unternehmen entsprechend ihrer Stakeholder charakterisiert werden. Dann folgen Abschnitte zu den einzelnen Stakeholdern, um noch einmal Unternehmen aufzugreifen und im Kontext der Stakeholdereinflüsse aus Perspektive der CSR zu erläutern.

Menschen im Wirtschaftsgeschehen

Menschen treten nach Sednak 2015 in drei abgrenzbaren Rollen auf: 1. mitmenschlich-kooperativ, 2. unternehmerisch und 3. menschengemäß respondierend. Die Ausführungen dieses Abschnitts lehnen sich an Sednak 2015 an.

Mitmenschlicher Kooperationspartner

Wirtschaft wird im Kern durch Kooperation in den Grundakten Herstellen und Tauschen durch Menschen ermöglicht. Durch zunehmende Automatisierung könnte menschliche Arbeit möglicherweise in den nächsten Dekaden im Potential ersetzt werden. Lösungsansätze für dieses Szenario zeigt der Utilitismus. Aber im Fokus hiesiger Darstellungen steht auch der Akt des Tauschens.

Da der Tausch unterschiedliches betrifft benötigt er ein Vertrauen gedachter Gleichwertigkeit der getauschten Güter, da Fairness ein wesentliches Merkmal zwangsfreien Tauschens ist. Damit ist Vertrauen zentral für zwangsfreie wirtschaftliche Transaktionen und Schuldverhältnisse.

Vertrauen wird mühsam aufgebaut und geht schnell verloren. Vertrauen in Systeme leitet sich aus dem Vertrauen in Personen sowie auch der Vertrautheit an und für sich ab. Deswegen sind zwischenmenschliche Versprechen und der Umgang mit gebrochenen Versprechen zentral für die Vertrauensbildung.

Nach Suchanek 2015 gibt es eine Bestätigungs-Wiederlegungs-Asymmetrie des Vertrauens. Denn Vertrauensnehmer erwarten aufgrund ihres Vertrauens Bestätigung ihrer Erwartung, sodass eine solche nicht besonders wahrgenommen wird. Widerlegungen der Vertrauenserwartung hingegen stellen Enttäuschungen dar und werden stark wahrgenommen. Deswegen bedeutet Vertrauensbildung im wesentlichen Widerlegungen zu vermeiden, anstatt Bestätigungen zu erzeugen.

Wenn Vertrauen zentral für jede Geschäftstätigkeit ist und bedeutet eine Widerlegung eigener Vertrauenswürdigkeit zu vermeiden, ist wiederum Verantwortung ein zentraler Anspruch an Wirtschaftssubjekte. Nach Schwalbach und Klink 2015 umfasst Verantwortung notwendige Grundprinzipien, tatsächliche Verpflichtungen und Verdiensthandlungen. Folglich kommen in Bezug auf Verantwortliche bzw. verantwortlich gemachte Personen nicht nur Nichtschädigungsgebote (negative Verantwortung) sondern auch prosoziale Einstellungen und Wohlverhaltenspflichen (positive Verantwortung) zu Anwendung. Letztlich kommt es auf die Versprechen bzw. kulturellen Erwartungen an.

Unternehmerischer Mensch

Der Mensch als unternehmerisches Selbst übersetzt Möglichkeiten in Gelegenheiten. Es geht darum Gewinnchancen zu nutzen, Innovationen zu entwickeln, Risiken zu tragen, Kontakte und Abläufe zu koordinieren und die Logik des Marktes zu verstehen. Der Mensch tritt hier entsprechend der Gestaltungsmöglichkeiten, seiner Gestaltungsfähigkeit und seines Gestaltungswillens visionär auf.

Durch die Beschäftigung mit den Gegenständen der Sorge und des Kümmerns bildet der Mensch seine Identität. Er geht mit seiner gesamten Persönlichkeit in diese identitätsstiftenden Projekte ein. Nicht alle Erwerbstätigkeit leistet einen Beitrag zur Identitätsarbeit.

Menschengemäßer Respondent

Als menschengemäßer Respondent reagiert das Wirtschaftssubjekt auf Probleme anderer, die er zu lösen sucht, und versucht die Lebensqualität anderer zu steigern. Hier wird also vom Problem auf Lösungen hin gearbeitet, nicht von den Möglichkeiten auf Visionen hin.

Fazit: Menschen im Wirtschaftsgeschehen

Menschen organisieren arbeitsteilig kooperativ die Versorgungsleistung der Zivilisation (Mitmenschlicher Kooperationspartner) als Subjekte der Verantwortung in Beziehungen des Vertrauens, lösen Probleme und steigern die Lebensqualität basierend auf zwischenmenschlichem Feedback (Menschengemäßer Respondent) und erarbeiten Visionen entsprechend der Gestaltungsmöglichkeit und ihrer Persönlichkeit und Motivation (Unternehmerischer Mensch).

Stakeholder eines Unternehmens

Unternehmen bilden in Wertschöpfungsketten Kapital-Arbeits-Kombinationen (hier wird Boden als eine Form realen Kapitals betrachtet) um Produkte / Dienstleistungen an Konsumenten zu veräußern. Die Unternehmen agieren in einem Rechtsgefüge und mehr oder minder organisierten Gesellschaften. Um in Kapital und Arbeit zu investieren, können Unternehmen sich aus Rücklagen, Fremdkapital und Eigenkapital sowie Mischformen finanzieren. Unternehmen befinden sich üblicherweise im Wettbewerb.

Damit sind die Stakeholder von Unternehmen zunächst Konsumenten als Märkte hohen Wertschöpfungsniveaus (Einkommen) und / oder hoher Bevölkerungszahl. Sodann ihre Arbeitnehmer und Führungskräfte sowie ihre Lieferanten und Investoren. Hier wird Kapital und Wissen über Technologieforschung und Bildung ermöglicht. Letztlich bilden die Nationen mit ihren Rechtssystemen und kontinuierlicher Gesetzgebung und Jurisdiktion weitere Stakeholder, kodifiziert und / oder in Entstehung. Hier greifen externe Stakeholder wie Interessensvertretungen, NGOs und Medien an. Wettbewerber können Stakeholder sein, sofern Kooperationen kartellrechtlich zulässig sind.

Konsumenten

Konsumenten optimieren ihren Lebenskonsum entsprechend ihres Budgets, sodass (kurzfristig) höchster Nutzen für sie erzeugt wird. Ihr Budget ist abhängig von ihrer Faktorproduktivität, ihrem Einsatz entsprechend dieser Leistungsfähigkeit und den Marktbedingungen für diese Leistungen am Arbeitsmarkt. Ihr Nutzen ist notwendig bis psychologisch-situativ, entsprechend des Budgets.

Wenn Konsumenten ihren Konsum bewusst und reflektiert nach ihren Vorstellungen planen und planen können (Transparenz), anstatt sich verführen zu lassen, entstehen Marktleistungen von Wertschöpfungsketten, die den Vorstellungen der Konsumenten entsprechen. Es ist aber kein Geheimnis, dass viele Marktleistungen intransparent sind und durch psychologische Beeinflussung als werthaltig erscheinen.

Es gibt diverse Studien zur Gespaltenheit der Konsumenten, deren Bekundungen von ihrem tatsächlichen Verhalten stark abweicht. Gründe können neben der Heuchelei dieser Personen auch Überforderungsphänomene in Kaufentscheidungen sein. Es ist jedoch so, dass lediglich das tatsächliche messbare Verhalten der Konsumenten für Unternehmen relevant ist.

Faktisch gesehen bringt es nichts, wenn Konsumenten ihre kognitive Dissonanz auflösen, um ihr tatsächliches Verhalten zu rechtfertigen. Dieses kulturelle Phänomen schwächt das Vertrauen in Bekundungen von Menschen erheblich und hat massiven Einfluss auf generalisiertes Vertrauen. Dies zu steigern erfolgt vor allem im Kontext reflektierter Beziehungsführung. Vgl. Kontrafaktisches Schlussfolgern und generalisiertes Vertrauen.

Externe Stakeholder

Externe Stakeholder sind organisierte Menschenguruppen, die im Wege von Lobbyismus, Rechtsklagen und Meinungsbildung staatliche Akteure und Konsumenten für bestimmte Themen sensibilisieren und auch (tendenziöse) Haltungen fördern sowie Unternehmen in Schranken weisen. Sie schaffen so indirekt und direkt Bedingungen für Unternehmen über Regulation und Beeinflussung / Überzeugung der Konsumenten.

Mitarbeiter und Führungskräfte

Personal eines Unternehmens sind Menschen mit Bedürfnissen und Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung (Restriktionen). Wohlstand würde bedeuten, seine Lebenszeit so zu gestalten, dass die Bedürfnisbefriedigung optimiert wird, durch Einkommen, Lebensqualität auf der Arbeit und individuelle Zeitgestaltung.

Arbeitsmärkte koordinieren diese unvollständigen Verträge über Dienstleistung / Werk sowie Einkommen und Arbeitsbedingungen, sind aber nicht vollständig transparent. Zu arbeiten bedeutet zu einem gewissen Grad Unterordnung und Aufgabe von Autonomie entsprechend der Markt- und Rechtsbedingungen – es geht um Dienstbarkeit. Das liegt in der Natur der Sache, aber meistens haben Menschen Alternativen und Entscheidungsmöglichkeiten mithin Mitverantwortung. Auf manchen Arbeitsmärkten sind Arbeitnehmer jedoch machtlos.

Machtlosigkeit findet sich vor allem für einfache Tätigkeiten geringer Qualifizierung und aufgrund strukturell geringer Verhandlungsmacht. So dürfen Pflegekräfte z. B. nicht streiken und Langzeitarbeitslose / Hartz-IV-ler sind nicht am Wohlstand beteiligt und zur Bewerbung und Arbeitsannahme gezwungen. Das ist durchaus kritisch, wie folgender Artikel aufzeigt: Arbeitsvermittlung 4.0.

Auch gibt es systematische Schwächung von Gewerkschaften und Koordination von Großunternehmen über Vermögens- und Führungseliten, die systematisch Macht zugunsten eines Auseinanderdriftens der Einkommensschere aufbauen, anstatt Verantwortung für Verteilungsgerechtigkeit und Beiträge zur Zufriedenheit zu leisten. Vgl. den Artikel Glücksländer zum Zusammenhang zwischen Einkommen und Zufriedenheit, der aufzeigt, dass das opportunistisch bis soziopathisch ist.

Lieferanten

Lieferanten sind grundsätzlich eigene Unternehmen, die auch in anderen Rechtsgebieten und Kulturen ansässig sein können, aber der Business-to-Business-Markt ist anders strukturiert als derjenige zu Konsumenten. Ganz grob wird hier viel analytischer Verhandelt, sodass Fakten eher gewichtet werden als psychologische Entscheidungskriterien.

Da Lieferanten ihre Leistung an Märkten anbieten, bedarf es regelmäßig der Koordination der Abnehmer, um diese zu beeinflussen, wenn das für sie nicht direkt naheliegt. Deswegen ist es eine extreme Forderung, dass Unternehmen Verantwortung für die Wertschöpfungskette übernehmen sollen – oft und insbesondere kurzfristig ist dies kaum möglich. Kooperation von Wettbewerbern gegenüber den Lieferanten ist zudem kartellrechtlich eventuell problematisch.

Investoren

Investoren bilden Portfolios entsprechend ihres Budgets, die Spitzenrenditen entsprechend der Risikoposition des Portfolios fordern. Bergius 2015 weist darauf hin, dass institutionelle Investoren entsprechend ihrer treuhänderischen Pflichten sämtliche relevante Risikofaktoren, also auch Risikofaktoren durch negative Externalitäten, berücksichtigen müssen und in einen effektiven Aktionärsdialog mit den Unternehmen eintreten müssen. Sie verletzen sonst ihre Sorgfaltspflichten.

Grundsätzlich verringert die Berücksichtigung und Minimierung von negativen Externalitäten in Unternehmen das Risiko des Marktportfolios, sodass Unternehmen zwischen CSR und Rendite eine strategische Position am Kapitalmarkt beziehen können – dies ist nicht ausgeschlossen.

Weiterhin weist Bergius 2015 darauf hin, dass Eigentum gemäß Grundgesetz verpflichtet, wenn auch das nicht weiter im Gesetz konkretisiert ist. Hierin liegt jedenfalls eine Verantwortungszuschreibung gegenüber Investoren, die möglicherweise mit der allgemeinen Haltung maximale erwartete Rendite fordern zu können nicht vereinbar ist.

Erwägungen die Refinanzierung von Unternehmen von der Maximierungsforderung der Rendite hin zu fairen Entlohnungen für Kapitalgeber umzustrukturieren, sind durch Risikogutachter und fixe erwartete Rendite denkbar, müssten aber in Bezug auf alles investitive Eigentum angewendet werden, also auch Immobilien und Grundstücke und das wäre sehr bürokratisch. Dies schafft jedoch auch qualifizierte Arbeitsplätze. Das Konzept ist in folgendem Artikel erläutert: Nachhaltiger Kapitalmarkt.

Staat

Nach Verständnis der Gesellschaftstheorie hat der Staat die Aufgabe / das Privileg für das Volk Regelungen und öffentliche Güter zu verantworten. Er schafft so konkrete und abstrakte Güter für das Gemeinwohl, die Bürger und Wirtschaftsubjekte individuell und in Beziehungen ausstatten. Deswegen ist ein Dialog mit den Subjekten und Institutionen der Subjekte innerhalb, wie auch außerhalb der Nation Grundlage der hoheitlich-regulatorischen Entscheidungsfindung.

Grundsätzlich wäre es die Verantwortung von Machthabern die entsprechende Staatsorganisation eines Gesellschaftsvertrags zu etablieren, wenn auch derartige Verfassungen historisch im Wege der Gewalt erkämpft wurden und noch heute Machthaber versuchen Verfassungen außer Gefecht zu setzen (Soziopathie).

Exkurs zum Bürgertum

Es ist meines Erachtens auch Teil unserer deutschen Kultur eher von Macht als von Verantwortung zu reden. Viele Menschen streben nach Macht und Status, wenige zeigen Demut vor Verantwortung. Viele Menschen haben positive Visionen, zeigen dann jedoch ihr desillusioniertes Menschenbild und sagen z. B.:

„Es geht in unserer Welt nur um Macht und Geld.“

Derartige „Erkenntnisse“ mit Negativbeispielen, die auf alle generalisiert / übertragen werden, dienen dem Opportunisten als Rechtfertigungsgrundlage für selbstbezogenes und schädliches Handeln. Menschen deren Verantwortungsübernahme ich faktisch beobachtet habe, sagten mir gegenüber:

„An solchen Leuten nimmt man sich kein Vorbild.“

Hier geht es, wie auch beim Konsumenten oder Menschen im Allgemeinen um Auflösung kognitiver Dissonanz. Ein menschlich-psychologisches Phänomen, das bizarrer Weise nicht zur Allgemeinbildung gehört. Allgemein wissen die wenigsten Menschen etwas über das Menschsein in Bezug auf neurophysiologische Phänomene wie Emotionen und Kognition und deren Verzerrung sowie auch soziale Beeinflussung.

Der fundamentale Attributionsfehler der Sozialpsychologie z. B. weist nach, dass menschliches Attributierungsverhalten von Verhalten anderer auf deren Persönlichkeit im Regelfall Schwachsinn ist, weil wir Menschen eher durch die (soziale) Situation als durch unsere Persönlichkeit im Verhalten / Handeln geleitet sind. Zu Regulation und Ausschöpfung von Emotionen und Kognition vergleiche den Artikel Selbstregulation.

Ich z. B. werde regelmäßig als Sozialist wegen einiger Artikel und als Sozialschmarotzer in meist weniger konstruktiven Online- und Real-life-Situationen abgewertet. Aber meine Artikel greifen nun mal aktuelle Debatten wie Digitalisierung, Grundeinkommen, Nachhaltigkeit, CSR usw. auf, die Forderungen von Menschen nach mehr Gerechtigkeit in der öffentlichen Debatte sind, sodass ich Lösungsansätze erarbeite, die nun mal naturgemäß vom Ist-Zustand abweichen. Hier fließen zwar meine Werte indirekt ein, aber ich bin nicht mein Artikel. Der Artikel ist üblicherweise eine Anwendung fachlichen Wissens und nicht Argumentation entsprechend meiner Persönlichkeit.

Diese Beteiligung am gesellschaftlichen Diskurs, die meine Bildung im Kontext moderner Forderungen anwendet, um Wissen (vernetzte Information) zu bilden ist zum einen Arbeit an der Gesellschaft, wenn auch nicht vergütet, und damit ein Beitrag, der mich klar vom Sozialschmarotzer abgrenzt, und zum anderen eine Investition in meine Fähigkeit wirtschaftlich zu arbeiten, den mein Studium ist derartig informationslastig und breit, dass es Zeit braucht die Informationen gegeneinander abzuwägen und zu vernetzen.

Wie soll ich am Arbeitsmarkt auftreten, also mein Arbeitsangebot definieren, wenn ich nicht weiß, was meine Leistungsfähigkeit ist? Das die meisten Menschen behaupten man solle einfach etwas nehmen und sich hocharbeiten, ist weniger Zeichen von Verantwortungsübernahme, als von materieller Abhängigkeit und mangelnder Fähigkeit sozialen Druck auszuhalten und im Kontext der Volkswirtschaft ineffizient.

Würden sie sich mit Volkswirten auseinandersetzen, könnten diese Ihnen erklären, dass man sich gegen Widerstand als Arbeitnehmer für seine Faktorproduktivität einsetzen sollte: Sie sollten sich nicht unter Wert verkaufen. Es wird nie vernünftige Einstiegsjobs geben, wenn sich Absolventen nicht dafür einsetzen.

Ich könnte also argumentieren, dass Generationen von Absolventen mich „verraten“ haben, weil sie den nächst besten Job wählten und so Unternehmen / Führungsstrukturen Macht zukommen lassen haben. In dieser Debatte hört man im Übrigen fast nie, dass Absolventen neues Wissen in Unternehmen tragen würden, wenn man ihnen verantwortungsvolle Positionen gäbe.

Viele Absolventen, die das durchschauen sind letztlich gezwungen Unternehmer aufzutreiben, die sie in verantwortungsvoller Position einsetzen (Start-ups, Kleinunternehmen mit Personalmangel). Solche Kontakte sind jedoch schwierig aufzubauen. Für Recruiter wäre es durchaus eine Überlegung wert, welche Konsequenz (Adverse Selektion) eigentlich die Machtausübung auf Absolventen hat – im Extremfall sammeln sich „Idioten“ in Großunternehmen, die durch mangelnde persönliche Autonomie auffallen.

Unternehmen und CSR

In Bezug auf Verantwortung von Unternehmen stellt sich zunächst die Frage, wer das oder die Verantwortungssubjekte sind. Klar ist, dass Verantwortungssubjekte kulturell den Ehrbaren Kaufmann zum Ideal erarbeitet und früher auch vermittelt bekommen haben. Letztlich stellt sich die Frage, wie Verantwortung mit Möglichkeit vereint werden, da Verantwortung ohne Gestaltungsspielraum nicht tragbar und die Zuschreibung unfair wäre. Nach diesen Gesichtspunkten folgt die Gliederung dieses Abschnitts.

Verantwortungssubjekt

Nach deutschem Arbeitsrecht werden Führungskräfte dem Unternehmen zugeordnet und die Belegschaft dem Betriebsrat. Regulatorisch wird so eine theoretisch soziopathensichere Organisation des Kampfes etabliert. CSR und Verantwortung fordern aber, dass Führungskräfte und Belegschaftsvertreter keine Soziopathen und Opportunisten sind, sondern kooperieren. Letztlich sollte der Experte, der die Führung berät wohl eher Kooperationspartner als Widersacher sein. Anleitung zur Kooperation bietet der Artikel Kooperationsmanagement.

Gerade in Deutschland ist es aber üblich, sich auf sein Recht und explizite Verpflichtungen zu berufen und weitere Verantwortung von sich zu weisen – so mein Eindruck. Verantwortung wird an Institutionen delegiert. Dies korreliert auch mit Statistiken zur Reife von Erwachsenen, die mehrheitlich reaktiv-ängstlich anstatt proaktiv-visionär sind. Vgl. Anderson und Adams 2016. In Bezug auf Recht und unreflektierte Forderungen basierend auf einem „Recht“ ist der Artikel Integration bestimmt aufschlussreich.

Wie dem auch sei, jedenfalls werden Führungskräfte dem Unternehmen zugeschrieben, und sind damit im Kontext von CSR die zentralen Subjekte der Verantwortung. Die Führungskräfte sind jedoch selbst hierarchisch vertikal und horizontal segmentiert organisiert, sodass sie Verantwortungs- und Einflussbereiche haben, die von oben koordiniert werden sollen. Damit liegt die Verantwortung für die Koordination beim obersten Management.

Dieses Verantwortungssubjekt, das oberste Management ist nicht unabhängig und auch rechtlich nicht legitimiert das Geschäft einzustellen (Kündigungsgründe), weil es aus gesellschaftlicher Sicht Schadschöpfung betreibt, die jedoch profitabel ist, in solchen Fällen kann es möglicherweise das Unternehmen wechseln.

In solchen Fällen wären also die Investoren verantwortlich unredliche Geschäfte nicht zu finanzieren und ein soziopathensicheres Rechtssystem würde diese Geschäfte verbieten. Hier käme also eine Verantwortung des Staates hinzu, die sich in Deutschland auf die Bundestags- und Bundesratsabgeordneten beläuft oder die richterrechtliche Konkretisierung von Eigentum verpflichtet. Für uns relevant sind die Geschäftsmänner, die als Führungskraft oder Investoren auftreten. Für sie wurde der Ehrbare Kaufmann als Ideal seit der europäischen Antike entwickelt und bis zum Nationalsozialismus auch gelehrt.

Ehrbarer Kaufmann

Nach Schwalbach und Klink 2015 (dieser Abschnitt folgt deren Darstellung) existiert ein Ehrbarer Kaufmann im engeren wie im weiteren Sinne. Dies erwächst der historischen Unterscheidung von innerer und äußerer Ehre. Die eine attributiert das Individuum sich selbst, während die andere das Umfeld dem Individuum zuschreibt. Der historische Begriff der Ehre wird heutzutage mit dem Begriff Verantwortung erfasst.

Der Ehrbare Kaufmann im engeren Sinne beschreibt die Eigenverantwortung. Aufbauend auf humanistischer Grundbildung benötigt jeder Ehrbare Kaufmann umfassendes wirtschaftliches Fachwissen. Neben der theoretischen Ausbildung kommt das praktische Wissen durch Tätigkeit in Unternehmen hinzu. Diese Bildung wird umschlossen von einem gefestigten Charakter der sich an Tugenden orientiert, die Wirtschaftlichkeit fördern:

„Redlichkeit, Sparsamkeit, Weitblick, Ehrlichkeit, Mäßigkeit, Schweigen, Ordnung, Entschlossenheit, Genügsamkeit, Fleiß, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung, Reinlichkeit, Gemütsruhe, Keuschheit und Demut muss der Kaufmann in einem Lern- und Erziehungsprozess erwerben, um ein Ehrbarer Kaufmann zu werden.“ – Schwalbach und Klink 2015, S. 189.

Dieser Charakter dient der eigenen körperlichen und seelischen Gesundheit für ein erfülltes Leben mit langfristig ausgerichteter Geschäftstätigkeit. Er ermöglicht Geschäftsbeziehungen durch Vertrauen, welches durch Stärkung der eigenen Glaubwürdigkeit geschaffen wird. Der Ehrbare Kaufmann wird durch diesen Charakter vor unüberlegten Handlungen, um sich kurzfristig auf Kosten anderer Vorteile zu verschaffen (Opportunismus), geschützt.

„Im Ehrbaren Kaufmann sind Wirtschaft und Ethik nicht voneinander zu trennen, sie sind zu einer Einheit verschmolzen, mit dem Ziel erfolgreich zu wirtschaften (Wert zu schaffen)“ – Schwalbach und Klink 2015, S. 189.

Ehrbare Kaufmänner entwickeln ein Verantwortungsbewusstsein für die Dinge, die ihren geschäftlichen Erfolg bedingen. Dies wird durch den Ehrbaren Kaufmann im weiteren Sinne erfasst. Zunächst geht es um das Verantwortungsbewusstsein auf Unternehmensebene, dann auch jenes gegenüber der Gesellschaft. Ersteres prägt seinen Alltag stärker als letzteres.

Auf Unternehmensebene geht es zunächst um Mitarbeiter, dann um Geschäftskunden und Lieferanten gefolgt von Investoren und Wettbewerbern. Mitarbeiter bedingen direkt den Erfolg und sollen fair und menschlich behandelt werden, wenn auch Disziplin und Leistung zu fordern ist. Geschäftskunden, Lieferanten und Investoren sollen nach den Grundsätzen des Ehrbaren Kaufmanns behandelt werden, mit dem Ziel langfristig gute Beziehungen zu ihnen aufzubauen und zu erhalten. Wettbewerbern soll der Ehrbare Kaufmann ein loyaler Konkurrent sein.

Kaufmänner verdanken der Gesellschaft die Grundbildung ihrer Angestellten, die öffentlich finanzierte Infrastruktur, die den Gütertransport ermöglicht und das politische System, das die Eigentumsrechte sichert. Dem Ehrbaren Kaufmann ist dies bewusst.

Er zielt auch darauf den Endkonsumenten zu schützen, weil deren Zufriedenheit zukünftige Verkäufe ermöglichen könnte, während unzufriedene Kunden den Ruf eines Unternehmens beeinträchtigen. Er stärkt die Gemeinde, weil er ihr sein qualifiziertes Personal zu verdanken hat. Der Ruf des Unternehmens in der Gemeinde wirkt zusätzlich auf die Motivation der Mitarbeiter. In Bezug auf die Öffentlichkeit verdankt er ihr, dass er seine Interessen bekunden kann und über seine gesellschaftlich bedeutsame Rolle aufklären kann. Ohne die soziale Marktwirtschaft wäre das Unternehmen gar nicht möglich. Rechtssicherheit wird durch das System geleistet.

„Eine politische Tätigkeit ist für den Ehrbaren Kaufmann nicht ausgeschlossen, um die wirtschaftlichen Interessen der Ehrbaren Kaufleute in der Regierung zu vertreten und um in der Politik das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge zu stärken.“ – Schwalbach und Klink 2015, S. 190.

Letztlich kommt die Sphäre der Umwelt hinzu:

Als verantwortlich Entscheidender hat [der Ehrbare Kaufmann] auch die langfristigen Folgen für die Umwelt zu bedenken, mit Hinblick auf die nachhaltige Sicherung des Fortbestands des Unternehmens, auch über mehrere Generationen hinweg.“ – Schwalbach und Klink 2015, S. 190.

Ökonomisch nachhaltige Strategien von Unternehmen

Ökonomisch nachhaltig waren in der jüngeren Vergangenheit (moderne Strategieforschung) vor allem Qualitätsführer oder Kostenführer. Zudem ist das Überleben von Unternehmen kritisch mit der Investition verknüpft. Vgl. Homburg und Krohmer 2009. Pragmatisch betrachtet können Unternehmen nur dann CSR-konform agieren, wenn das im Kontext des Wettbewerbs profitabel ist (Business Case for CSR). Vgl. Schreck 2015.

Schreck 2015, S. 73, Abb. 1 unterteilt Geschäfte nach gesellschaftlich erwünscht und ökonomisch sinnvoll in einer 2×2-Matrix:

Er erarbeitet dazu, dass Unternehmen durch CSR-Maßnahmen entweder Differenzierungs- oder Kostenvorteile erhalten müssen (intern) z. B. durch ökologische und / oder soziale Produktinnovation oder extern Chancen in Form von neuen Märkten bzw. Marktsegmenten und ethischen Kapitalmärkten erschließen bzw. Risiken in Form von Kundenabwanderung, Investorenabwanderung und Druck externer Anspruchsgruppen z. B. durch Wertewandel reduzieren müssen.

In Bezug auf die Konfliktfälle konstatiert er, dass sie in einen Business Case überführt oder unerwünscht und unprofitabel werden sollen. Während es Hilfe zum Konfliktmanagement gibt, ist unklar, wer die Konfliktparteien sind. Denkbar sind Subventionen für unprofitable, aber erwünschte Wertschöpfung sowie Steuern und Verbote für profitable aber unerwünschte Wertschöpfung durch den Staat. Interessant wäre aber auch den Grundsatz, Eigentum verpflichtet dahingehend zu konkretisieren, dass unerwünschte aber profitable Geschäfte zu sanktionieren sind. Dies könnte der Staat oder die Jurisdiktion bei entsprechender Klage hervorbringen. Letztlich können auch Innovationen möglicherweise Konfliktfälle lösen.

Grundsätzlich jedoch widersprechen diese Maßnahmen (abgesehen von Innovation) der Grundidee theoretischer CSR, freiwillig zu sein, sodass verantwortungsvolle Unternehmen sich hervortun können. Gleichwohl ist es gewachsene Erkenntnis, dass unsere Systeme soziopathensicher zu gestalten sind, weil eben Soziopathen und Opportunisten existieren, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden.

Hier könnten Transparenzregulierungen über Externalitäten von Wertschöpfung durch den Staat Wirkung über Konsumentenboykott dieser Unternehmen erzielen, was ein dynamischerer / flexiblerer Ansatz ist. Problematisch an diesem Ansatz ist jedoch, dass manche Konsumenten – insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Einkommensschere – gezwungen sind das billigste Produkt zu kaufen.

Moderne CSR

Der Corporate-Responsibility-Managementprozess (CR) nach Fries, Riess und Brink 2015 erfolgt in folgenden Phasen:

  1. Strategieentwicklung & Ziele.
  2. Governance & Organisation.
  3. CR-Maßnahmen.
  4. Messung.
  5. CR-Kommunikation.

Nach dem Corporate Responibility Index 2013 gibt es zentrale Abweichungen von den Erfolgskriterien für die Phasen des Managementprozesses, sodass folgende Empfehlungen zentral waren:

  • CR sollte in die Gesamtstrategie und das Kerngeschäft implementiert werden.
  • CR bedeutet in einen aktiven Dialog mit allen Stakeholdern zu treten.
  • CR sollte in der gesamten Wertschöpfungskette und allen Geschäftsprozessen wirksam werden, also kulturell oder per Durchgriffsrecht der CR-Verantwortlichen.
  • CR sollte mit regelmäßigen Messungen und Prüfungen einhergehen.

Diese Empfehlungen zeigen, dass Unternehmen mit CR hadern. Auch eine Orientierung an Benchmarks zeigt das Unternehmen eher versuchen nicht die schlechtesten im Bereich CR zu sein, als die Besten.

Kritische Reflektion

Die Verantwortungssubjekte der Unternehmen, also die Führungshierarchie sind Menschen die mit dem Ideal des Ehrbaren Kaufmanns im Hinterkopf zwischen den Stakeholdern vermitteln sollen. So erarbeitete Kompromisse sollen durch CR-Management in der gesamten Wertschöpfungskette etabliert werden.

Konsenslösungen der Stakeholder und Unternehmen sind vielleicht in ferner Zukunft durch neue oder massiv restrukturierte Unternehmen mit entsprechendem strukturellen Eingriff der internationalen Gemeinschaft denkbar – Unternehmen sind eher träge und pfadabhängig. Konstruktive Ansätze dazu bieten folgende Artikel:

  1. Herstellung von Konvergenz,
  2. Nachhaltiger Kapitalmarkt und
  3. Utilitismus.

Für nachhaltigkeitsorientierte Konsumenten bietet folgender Artikel eine Entscheidungshilfe für nachhaltige Kaufentscheidungen.

Wir konnten sehen, dass Unternehmen erwünschte Wertschöpfung, die unprofitabel ist, nicht leisten können und profitable, aber unerwünschte „Wertschöpfung“ nicht fundamental aufgeben können. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Verantwortungssubjekte sind hier beschränkt.

Strategisch konnten wir sehen, dass Qualitätsführer durch CSR Differenzierungsvorteile erzielen können, was zumeist bedeutet, dass die Konsumenten eine höhere Zahlungsbereitschaft haben, und dass Kostenführer durch CSR-Maßnahmen Kostenvorteile erzielen müssen. Beides kann auch durch Vorteile an ethischen Kapitalmärkten realisiert werden. Auch hier sind die Gesaltungsmöglichkeiten der unternehmerischen Verantwortungssubjekte beschränkt.

Es konnte gezeigt werden, dass Transparenzregulierung über Wirkung auf die Konsumenten letztlich Investoren und unternehmerische Verantwortungssubjekte und die Belegschaft zu Anpassung an moralische Forderungen der Gesellschaft per Boykott oder ethischer Selbstbindung von Banken treiben können.

Derartige Regelungen sind jedoch freiwillig und werden nicht von allen Menschen getragen, sodass z. B. bei amoralischen Geschäftspraktiken Soziopathen oder Opportunisten Informationen verheimlichen und weniger wohlständige Personen zum Kauf „verpflichtet“ sind. Hier ist es klassische Staatsaufgabe durch Subventionen, Steuern, Gebote und Verbote regulatorisch in die soziale Marktwirtschaft einzugreifen, sodass soziopathensichere Systeme in der Jurisdiktion durchgesetzt werden können.

In Bezug auf Großunternehmen und Holdinggesellschaften finden Elitenforscher Netzwerke, die wie Seilschaften Führungspositionen vermitteln, sodass normale Bürger als Leistungsträger ab einer gewissen Karrierestufe nicht mehr befördert werden. Diese Führungselite verfügt wohl über private Bildung und ist auch durch Vermögen wohl anders aufgewachsen als der Großteil der Bevölkerung.

In einem solchen Kontext zum Ehrbaren Kaufmann herangezogen zu werden entzieht sich den öffentlichen Bildungsinstitutionen und auch dem lebenspraktischen Bezug zu den Problemen einer Gesellschaft. Derartige Führung kennt auch die Unternehmensabläufe eher auf hohem Abstraktionsniveau durch Zahlen, Produkte und Berichte, statt durch Erfahrung in der Unternehmenstätigkeit, sodass der Bezug zum Menschen im Unternehmen den Eindruck der Instrumentalisierung und Verdinglichung hinterlässt.

In Gesprächen mit Rentnern wurde mir vermittelt, dass zu einem gewissen Zeitpunkt in Deutschland menschliche Gemeinschaft in der Belegschaft bewusst sabotiert wurde. Mit der Konsequenz heutiger Isolation der Mitarbeiter. Mir fehlt es jedoch an Erfahrung, um das einschätzen zu können. Vergleiche folgenden Artikel zur Isolation, der versucht die Theorie zu beschreiben.

Fazit

Verantwortung bedeutet für Führungskräfte die Stakeholder (Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Investoren, Wettbewerber, Saatsakteure und externe Stakeholder, wie Medien, NGOs und Interessensgruppen) in Dialoge einzubinden, um Kompromisse zu erarbeiten.

Es kann jedoch nicht von Unternehmen erwartet werden jetzt unerwünschte Produkte und Dienstleistungen vom Markt zu nehmen, ohne die Chance zur langfristigen Innovation / Restrukturierung geboten bekommen zu haben, wenn das die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens gefährdet. Das liegt außerhalb der Möglichkeiten von Führungskräften. Ein solcher Schritt kann lediglich von Konsumenten und Eigentümern realisiert werden oder durch gesetzliches Verbot – mit der Konsequenz von Arbeitsplatzverlusten. Diese Personen sind dort in der Verantwortung.

Ein wesentlicher Schritt Verantwortung durch Konsumenten zu ermöglichen, ist Transparenzregulierung bezüglich der Nachhaltigkeitsdimensionen sozial, ökologisch und ökonomisch. Derartige Regulierung ist national nur zu gewissen Grenzen realisierbar, besser wären internationale Vereinbarungen.

Als Wirtschaftssubjekte Europas können wir mit dem Ehrbaren Kaufmann auf ein gewachsenes und verloren gegangenes Kulturgut zurückblicken, das wir wiederaufleben lassen können. Hier geht es um Fachwissen und Charakter im engeren Sinne und Verantwortung auf Unternehmens- und Gesellschaftsebene im weiteren Sinn.

Der CR-Managementprozess erfolgt in den Phasen:

  1. Strategieentwicklung & Ziele.
  2. Governance & Organisation.
  3. CR-Maßnahmen.
  4. Messung.
  5. CR-Kommunikation.

Und soll letztlich Differenzierungs- oder Kostenvorteile ermöglichen, wenn nicht die Wettbewerbsfähigkeit regulatorisch oder kooperativ koordiniert wird. Letzteres könnte in einigen Fällen kartellrechtlich problematisch sein.

Während im Kapitalismus letztlich die Individuen ihre Vorlieben zum Ausdruck bringen können sollten, kann der Staat die Privatautonomie aus Kollektivinteressen begrenzen und Zwangsentscheidungen entsprechend der Möglichkeiten, die Sachzwänge offen lassen, verhindern oder abmildern. Somit trägt jeder Bürger eine Teilverantwortung in Bezug auf seinen Wirkungskreis, wie Arbeit, Konsum, Investition sowie politische und ehrenamtliche Aktivität.

Anderson, R. J. und Adams, W. A. 2016: "Mastering Leadership - An Integrated Framework for Breakthrough Performance and Extraordinary Business Results".
 
Bergius, S. 2015: "CSR und Finanzmarkt - Investoren fordern ESG-Leistungen und Transparenz von Unternehmen", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

Fries, A.; Riess, B. und Brink, A. 2015: "CRI Corporate Responsibility Index 2013 - Erfolgsfaktoren unternehmerischer Verantwortung", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

Homburg, C. und Krohmer, H. 2009: "Marketingmanagement - Strategie - Instrumente - Umsetzung - Unternehmensführung".

Schreck, P. 2015: "Der Business Case for Corporate Social Responsibility", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

Schwalbach, J. und Klink, D. 2015: "Der Ehrbare Kaufmann als individuelle Verantwortungskategorie der CSR-Forschung", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

Sednak, C. 2015: "CSR - eine humanistische Sichtweise", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

Suchanek, A. 2015: "Vertrauen als Grundlage nachhaltiger unternehmerischer Wertschöpfung", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..


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Positives Denken

Erfahren Sie hier, die Komponenten Positiven Denkens, wie Sie Ihr Positives Denken durch Tests einschätzen können, wann Positives Denken hilfreich oder problematisch ist in Bezug auf Gesundheit, psychisches Wohlbefinden, Selbstregulation und Erfolg sowie Liebe und Partnerschaft. Lesen Sie, wie sie Ihr Positives Denken trainieren können. Eine Übersicht finden Sie im Fazit des Artikels. Hier finden Sie auch eine Fragenliste, die es Ihnen erlaubt angemessene Entscheidungen in Bezug auf Positives Denken zu treffen. Die Darstellungen richten sich nach Schütz und Hoge (2007).

Was ist positives Denken?

Positives Denken ist ein Begriff aus der Alltagspsychologie. Wissenschaftliche Konzepte, die unter den Begriff fallen, sind: Internale Kontrollüberzeugungen, Selbstwirksamkeitserwartungen, Hoffnung, Optimismus und günstige Attributionsstile.

Kontrollüberzeugung

Glaubt eine Person, sie habe ihr Schicksal durch ihr Handeln selbst in der Hand, anstatt zu glauben, ihr Leben werde durch äußere Umstände bestimmt, so liegen internale Kontrollüberzeugungen anstatt externaler Kontrollüberzeugungen – also Positives Denken – vor. Ein Test der Kontrollüberzeugungen kann hier käuflich erworben werden.

Selbstwirksamkeitserwartung

Die Selbstwirksamkeitserwartung besteht aus zwei Komponenten. Zum einen wird erwartet, dass eine Handlung geeignet ist, um ein Ziel zu erreichen (Konsequenzerwartung) und zum anderen wird erwartet, dass man selbst in der Lage ist, diese Handlung erfolgreich auszuführen (Kompetenzerwartung). Beide Komponenten sind Kennzeichen Positiven Denkens, denn bereits die Erwartung einen Lösungsweg zu kennen ist positiv. Ein kostenloser Test der Selbstwirksamkeitserwartung findet sich hier. Beantworten Sie die zehn Fragen auf einer Skala von (1) stimmt nicht, (2) stimmt kaum, (3) stimmt eher und (4) stimmt genau, addieren Sie die Werte Ihrer Antworten und vergleichen Sie sie mit dem Mittelwert einer deutschen Bevölkerungsgruppe Erwachsener (29,28) bzw. von Studenten (29,60).

Hoffnung

Hoffnung ist die Überzeugung, sowohl den Willen als auch die Möglichkeit zu haben, seine Ziele zu erreichen. Unterschieden wird zwischen der zielgerichteten Energie (Agency) und der Planung Ziele zu erreichen (Pathway). Einen englischsprachigen Test finden sie auf Seite drei dieser Pdf-Datei. Beantworten Sie die Fragen und bilden Sie den Mittelwert zu den beiden Skalen.

Optimismus

Es werden unterschiedliche Konzepte des Optimismus unterschieden. Der allgemeine Optimismus wird dispositionaler Optimismus genannt und misst die Neigung, das Leben von der besten Seite aufzufassen und auf einen guten Ausgang der Dinge zu vertrauen. Ein Test findet sich auf der letzten Seite dieser Pdf-Datei. „Trifft ausgesprochen zu“ hat den Wert vier und „trifft überhaupt nicht zu“ den Wert null. Die Mittelwerte für die Optimismusskala (9,00), die Pessimismusskala (6,81) und die Gesamtskala (14,18) finden sich unter Ergebnisse / Itemkennwerte auf Seite drei.

Weitere Optimismuskonzepte unterscheiden die Realität stark verzerrende und situationsunangepasste Optimismusarten von weniger extremen (und günstigeren) Varianten, je nachdem, ob ein Betroffener die Augen vor den Risiken verschließt oder sich Mut bei deren Bewältigung zuschreibt. Defensiver Optimismus z. B. blendet Risiken aus und funktionaler Optimismus verzerrt die Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf Risiken positiv. Letztlich werden noch Erwartungen von vagen Phantasien getrennt. Positive Erwartungen sind förderlich, während positive Phantasien in Bezug auf die effektive Selbstregulation hinderlich sind.

Attributionsstile

Attributionsstile betreffen die gewohnheitsmäßige Antwort auf Warum-Fragen bezüglich Ereignissen. Unterschieden werden die Aspekte internal und external, dauerhaft und vorübergehend sowie allgemein und spezifisch.

[Ein günstiger Attributionsstil ist die] (…) gewohnheitsmäßige Tendenz, sich das Zustandekommen von Ereignissen auf eine Art und Weise zu erklären, die Anlass zur Zuversicht gibt.

Günstige Ereignisse sollten demnach tendenziell internal, allgemein und dauerhaft attribuiert werden, während ungünstige Ergebnisse tendenziell external, vorübergehend und spezifisch attribuiert werden sollten. Getestet werden Attributionsstile mit dem Attributional Style Questionaire bzw. dem German Attributional Style Questionaire. Diese Fragebögen konnte ich jedoch nicht online finden.

Positives Denken und Gesundheit

[Positives Denken] (.) führt dazu, dass Menschen sich aktiv um ihre Gesundheit kümmern und beugt dadurch Krankheiten und anderen körperlichen Beschwerden vor, vermindert das Ausmaß von Beschwerden, beschleunigt die Genesung und verringert die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls. Darüber hinaus wirkt Positives Denken hilfreich, indem es das Immunsystem stärkt, im Umgang mit Belastungen unterstützt und zur Bildung eines besseren sozialen Netzes beiträgt. (…) Ungünstige Nebenwirkungen einer positiven Einstellung sind im Vergleich zu den günstigen Konsequenzen verhältnismäßig harmlos.

Zu den ungünstigen Nebenwirkungen des Positiven Denkens zählen, dass in nicht kontrollierbaren Situationen das Bemühen um eine Veränderung der Situation aussichtslos ist und selbst zur Quelle der Belastung wird, dass extrem hohe Selbstwirksamkeitserwartung und Kontrollüberzeugung zu riskantem Verhalten verleiten und dass eine Vernachlässigung gesundheitsrelevanter Informationen vorliegt, die nicht von unmittelbarer Bedeutung sind.

Während das Erleben von Hilflosigkeit die Gesundheit belastet, stärkt das Erleben von Kontrolle die Gesundheit. Es ist damit hilfreich sich ein Leben einzurichten, indem man auf viele Details, die nicht zwangsläufig mit einer Erkrankung zu tun haben, Kontrolle ausüben kann, um sich seine Lebensumwelt zu gestalten.

Positives Denken und psychisches Wohlbefinden

Viele Studien bescheinigen den verschiedenen Formen Positiven Denkens günstige Konsequenzen für psychisches Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit. Gemeint ist dabei ein positives Umdenken und aktives Gestalten der Lebensfreude, ohne dabei potentielle Schattenseiten außer Acht zu lassen.  So steht eine höhere Selbstwirksamkeitserwartung in Zusammenhang mit geringerem Belastungserleben und rückblickender Pessimismus stärkt das Gefühl etwas erreicht zu haben, was schwierig zu erreichen war bzw. lässt Rückschläge aus einer Perspektive erscheinen, in der ein besonders ehrgeiziges Ziel verfolgt wurde. Problematisch ist, dass langandauernde Belastungen die Bewältigungsressourcen von Optimisten erschöpfen und internale Kontrollüberzeugungen bei nicht kontrollierbaren Verschlechterungen belastend wirken, weil sich die Person für etwas verantwortlich macht, was außerhalb ihrer Kontrolle liegt.

Positives Denken, Selbstregulation und Erfolg

Kontrollüberzeugung, Selbstwirksamkeit und Optimismus stehen mit Führungsqualitäten in Zusammenhang. (…) Internale Kontrollüberzeugungen stehen im Zusammenhang mit Berufszufriedenheit. (…) Bei gleicher Ausgangslage führt Hoffnung zu höherem Studienerfolg. (…) Im Sport sagen Selbstwirksamkeitserwartungen bei Konkurrenten mit ähnlichen Fähigkeiten die Erfolgschancen vorher. (…) Selbstwirksamkeit und Kontrollüberzeugung stehen in Zusammenhang mit Erfolg bei Diäten, Nikotinentwöhnung und sportlicher Betätigung. (…) Menschen, die positiv denken, leiden weniger unter Angst, sind motivierter und arbeiten ausdauernder. (…) Positives Denken hilft, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen.

Aussagen wie diese – belegt durch Studien – zeigen, dass positive Einstellungen helfen, Ziele zu erreichen, bessere sportliche Leistungen zu erbringen und in Studium und Beruf erfolgreicher zu sein. Dabei können positive Einstellungen mangelnde Grundlagen nicht ersetzen, sondern lediglich helfen, existierendes Potential voll auszuschöpfen.

Hilfreich ist es, sich spezifische Ziele zu setzen und vage positive Tagträume durch konkrete Erwartungen zu ersetzen. Denn vage positive Tagträume behindern das erreichen eines Ziels mehr, als dass sie helfen. Sich auf seine Selbstwirksamkeitserwartung zu verlassen ist nur dann sinnvoll, wenn man bereits Erfahrungen mit einer Situation gesammelt hat.

Positives Denken in Liebe und Partnerschaft

Positives Denken hilft Freundschaften und Beziehungen zu knüpfen, denn die eigene Erwartungshaltung beeinflusst, wie wir eine Person wahrnehmen und uns ihr gegenüber verhalten. Unser Verhalten wird entsprechend wahrgenommen und erwiedert. So entsteht ein Prozess in dem die Erwartungshaltung bestätigt und gefestigt wird (Sich-selbst-erfüllende-Prophezeihung). Im Falle zu hoher Erwartungshaltung, bleiben die Ansprüche oft unerfüllt und es kommt zu Missverständnissen. Hier sollten die Ansprüche angepasst werden.

Beziehungen, in denen sich die Partner stark idealisieren, sind glücklicher, vertrauensvoller und dauerhafter als Beziehungen weniger positiv illusorischer Menschen. Herrscht weiterhin ein wohlwollender Erklärungsstil, sind Beziehungen zufriedener und stabiler, wohingegen pessimistische Erklärungsstile das Lösen von Konflikten behindern und nachhaltig die Qualität und Stabilität einer Beziehung beeinträchtigen. Wechselseitige positive Beeinflussung der Partner durch Selbstwirksamkeit bezüglich der Beziehung  stärkt die Beziehung und sichert die Paarzufriedenheit. Paare mit internaler Kontrollüberzeugung bezüglich der Beziehung sind am glücklichsten, während Paare mit externaler Kontrollüberzeugung bezüglich der Beziehung vergleichsweise unglücklich sind. Für den erhalt einer Beziehung werden fünf subjektiv positive Interaktionen pro einer subjektiv negativen Interaktion empfohlen.

Positives Denken hilft Sympathien zu gewinnen und schneller Zugang zu anderen Menschen zu finden. Außerdem schützt Positives Denken tendenziell vor schädlichen Einflüssen, wie Zweifel oder einer negativen Sicht des Partners, und stabilisiert so die Beziehung und die Beziehungszufriedenheit. Negative Aspekte Positiven Denkens treten auf, wenn z. B. Gewalttätigkeit verharmlost wird, oder, wenn die optimistische Perspektive sich aufgrund des Partnerverhaltens nicht halten lässt. Letzteres führt zu Enttäuschung und Unzufriedenheit.

Wann ist Optimismus schädlich und Pessimismus hilfreich?

Ängstliche Personen profitieren von einem defensiven Pessimismus. Negative Erwartungen sind für defensive Pessimisten entlastend und motivierend. Im interkulturellen Kontext wurde zudem festgestellt, dass für Asiaten Pessimismus im Zusammenhang mit aktiver Problembewältigung steht. Europäer hingegen weisen hier einen Zusammenhang mit psychischen Problemen auf. Allgemein hilft Pessimismus in Situationen, in denen die erwarteten Risiken hoch sind. Genauso wie Hoffnung und Freude haben auch Skepsis und Trauer ihre Berechtigung und dürfen nicht als Krankheiten behandelt werden, die es durch Positives Denken zu heilen gilt – negative Emotionen sind zumeist ein Richtungsgeber für wichtige Lebensentscheidungen.

Herkunft und Lernen Positiven Denkens

Zunächst wird die Herkunft Positiven Denkens erläutert, dann die Methoden, um Positives Denken zu erlernen.

Herkunft Positiven Denkens

Die Lebenszufriedenheit wird auf eine genetische Prädisposition für bestimmte Denkmuster und Verhaltensweisen zurückgeführt. Extraversion, emotionale Stabilität und Positives Denken führen zu höherer Lebenszufriedenheit.

Dispositionaler Optimismus wird in seiner Varianz zu 25 % durch genetische Faktoren erklärt. Weiterhin relevant ist das Ausmaß und die Qualität elterlicher Fürsorge und das Beispiel der Eltern – insbesondere der Mutter. Allerdings stehen sozioökonomische Variablen und schulische und berufliche Leistungen im Zusammenhang mit dispositionalem Optimismus.

Ein positiver Erklärungsstil wird über eine Prädisposition für Denkmuster, das Modelllernen vor allem an der Mutter, elterliche – vor allem mütterliche –  Akzeptanz, fehlender Einsatz psychischer Kontrolle (z. B. Liebesentzug) der Eltern, die Attribuierung durch Lehrer und durch Lebensereignisse erklärt. Negative familiäre Ereignisse führen zu pessimistischen Erklärungsstilen.

Kontrollüberzeugungen bilden sich durch frühkindliche Erfahrungen. Förderlich ist insbesondere eine Bestrafung und Belohnung die sich am Verhalten des Kindes orientiert anstatt von den Stimmungen der Eltern abhängig zu sein, denn Kontrolle und die Erfahrung von Hilflosigkeit führen zu externalen Kontrollüberzeugungen. Lebensereignisse, wie Scheidungen der Eltern, befördern externale Kontrollüberzeugeungen, wohingegen die Wertschätzung der Eltern mit internalen Kontrollüberzeugungen zusammenhängt.

Selbstwirksamkeitserwartungen bilden sich durch Erlebnisse und Erfahrungen in Zusammenhang mit bestimmten Leistungen. Lerngelegenheiten fördern die Selbstwirksamkeit, während eine starke Behütung eines Kindes durch die Eltern kontraproduktiv ist. Selbstwirksamkeitserwartungen werden auch durch stellvertretendes Lernen, wie Vorstellungen, verbale Belehrungen und das erleben positiver Emotionen gebildet.

Lernen Positiven Denkens

Um Positives Denken zu lernen helfen eigene positive Erlebnisse und persönliche Erfolge, Modelllernen, verbale Überzeugung, vorgestellte Erlebnisse und das Erleben körperlicher und emotionaler Zustände.

Um eigene positive Erlebnisse zu generieren ist das setzen von spezifischen Zielen hilfreich. Zudem sollte das angestrebte Verhalten geübt werden und es sollten Bewältigungs- und Problemlösungsstrategien erlernt werden.

Die verbale Überzeugung basiert auf positivem Feedback oder dem Hinterfragen und Verändern negativer Denkmuster. Negative Denkmuster können durch das Verfahren der Disputation hinterfragt und verändert werden. Dabei soll eine Person die folgenden Schritte verinnerlichen und selbst anwenden:

Zunächst werden die Auslöser negativen Denkens identifiziert, sodann die diesbezüglichen Gedanken und Reaktionen. Die negativen Gedanken und Reaktionen werden sodann in einer Disputation angefochten. Dabei werden Gegenbeweise und alternative Erklärungen gesucht und die Konsequenzen der Reaktionen werden auf ihre Nützlichkeit hin untersucht. Abschließend wird die Situation neu eingeschätzt.

Das Erlernen von Entspannungstechniken moduliert das Erleben körperlicher und emotionaler Zustände positiv und leistet so einen Beitrag zu Positivem Denken.

Fazit

Positives Denken scheint Menschen zu veranlassen, besser für ihre Gesundheit zu sorgen und Probleme aktiv zu bewältigen. Die Fähigkeit, Dinge mit Zuversicht zu betrachten, das Augenmerk auf das Positive zu richten und anderen mit Wohlwollen zu begegnen, macht positiv denkende Menschen zu beliebten Zeitgenossen und hilft ihnen, stabilere, zufriedenere Beziehungen zu führen. Außerdem gibt ihnen ihre Zuversicht Motivation und Kraft, um sich höhere Ziele zu setzen, härter und ausdauernder an deren Umsetzung zu arbeiten und sich weniger leicht entmutigen zu lassen. Das ermöglicht ihnen wiederum, in ihrem Beruf und in anderen wichtigen Lebensbereichen erfolgreich zu sein. (…)

Andererseits kann ein hohes Maß an Zuversicht dazu führen, dass Menschen zu viel Energie in Ziele investieren, die unerreichbar sind und so Gesundheit und Wohlbefinden belasten. Ebenso ist es möglich, dass Optimisten bestimmte Risiken unterschätzen bzw. ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen und sich dadurch in Schwierigkeiten oder gar in Gefahr bringen. Darüber hinaus kann die Überzeugung, das eigene Schicksal maßgeblich beeinflussen zu können, die Anpassung an Situationen erschweren, in denen das Individuum, objektiv gesehen, wenig Kontrollmöglichkeiten hat. (…)

[Z]ahlreiche Ergebnisse [deuten] darauf hin, dass eine leicht optimistische, etwas unrealistische Sicht der Dinge günstig ist, eine extreme Verzerrung einer wie auch immer gearteten objektiven Realität aber problematisch.

Ein wichtiges situatives Merkmal ist die Kontrollierbarkeit einer Situation. Ist die Situation durch eigenes Handeln nicht besserbar, können Versuche, die Situation zu akzeptieren oder positiv umzuinterpretieren, den Betroffenen helfen, sich zu entspannen, das Gefühl der Kontrolle wiederzuerlangen und sogar zu günstigen Auswirkungen auf das Immunsystem führen. Ist die Situation hingegen kontrollierbar, bergen Illusionen über die Zukunft und unrealistischer Optimismus die Gefahr, dass sie notwendiges Handeln verhindern.

Bezüglich der Handlungsphasen sollten Entscheidungen so realistisch wie möglich getroffen werden, während die Umsetzung leicht optimistisch betrachtet werden sollte, um Motivation und Durchhaltevermögen zu stärken. In Bezug auf Probleme sollte die Einstellung vor Eintritt des Problems die Vorbereitung unterstützen und nach Eintritt des Ergebnisses Mut machen, die nächste derartige Aufgabe anzugehen.

Wichtig ist auch die Berücksichtigung differenzierter Kriterien. So sind Zielkonflikte durch Prioritätensetzung aufzulösen, die individuelle Wirksamkeit gegenüber der Sozialverträglichkeit abzuwegen und die Verfolgung kurzfristiger Ziele gegenüber der Verfolgung langfristiger Ziele zu gewichten.

In Bezug auf Persönlichkeitsmerkmale wurde festgestellt, dass ängstliche Menschen von defensiven Pessimismus profitieren können, da sie so Probleme antizipieren und vorbeugen können.

Hilfreiche Fragen bezüglich des eigenen Positiven Denkens sind:

  • Wie ausgeprägt ist mein Optimismus (Zuversicht oder Erhabenheit)?
  • Worauf beruht meine Zuversicht (Erfahrung oder Bauchgefühl)?
  • Habe ich die möglichen Gefahren bedacht?
  • Ist meine Einschätzung der Situation angemessen?
  • Was sind die Konsequenzen meiner Einstellung?
  • Bin ich flexibel genug, bei Erfolglosigkeit aufzugeben?

Viel Gesundheit, Wohlbefinden, Erfolg und Liebe mit Ihrem wohldosierten Positiven Denken!

Quelle:

Schütz, A.; Hoge, L. (2007): "Positives Denken", Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart.


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Kooperationsmanagement – Kooperationen effektiv, effizient und flexibel gestalten

Kooperationen sind Prozesse die nach den Kriterien Effektivität, Effizienz und Flexibilität auszulegen sind. Vgl. Bogaschewsky und Rollberg (1998). Erfahren Sie hier, welche Effektivitätskriterien zu beginn einer Kooperation zu beachten sind, wie die Flexibilität einer Kooperation erhalten bleibt und welche Faktoren eine effiziente Kooperation ausmachen.

Effektive Kooperation

Die Effektivität einer Kooperation bemisst sich nach Kaschny et. al. (2015) daran, dass ein Bedarf an Wissen, Know-how oder finanziellen Mitteln für jeden Kooperationspartner dauerhaft gedeckt wird (Win-win-Situation).  Es sollten demnach komplementäre Kernkompetenzen und strategische Ziele aufeinander treffen. Die Aufgaben- und Rollenverteilung sollte fair sein, um dauerkonflikte aus Ungleichgewichten zu vermeiden. Schutzrechtliche Fragestellungen, Haftungsansprüche und der Umgang mit Mittelrückflüssen sollten geklärt sein, um existenzielle Konflikte zu vermeiden. Letztlich ist es wichtig, dass die Bedeutung der Kooperation für alle Partner ungefähr gleich ist und kein Partner ein Dominanzstreben zeigt, damit die Kooperation unter Gleichgestellten stattfindet und so von allen Seiten aufrechterhalten werden will.

Flexible Kooperation

Nach Dammer (2011) braucht eine Kooperation ein hinreichend flexibles, und dennoch stabiles Regelwerk. Zudem sollte die Eigenständigkeit der Kooperation nicht durch eine zu enge Kontrolle durch die Partnerunternehmen behindert werden. Dies schadet der Entwicklung der Kooperation und mindert ihre Leistungsfähigkeit ernsthaft. Es sollte vielmehr auf die Erarbeitung eines Leitbildes gesetzt werden, welches der Leitlinie folgt, die sich durch die Zielperspektiven der Kooperation selbst beschreiben lässt. Die Zukunftsorientierung der Kooperation sollte durch flexible interne Strukturen, die Bereitschaft zur weiteren Qualifizierung und deren Unterstützung, die Produktentwicklung und Organisationsentwicklung (Innovationsorientierung) als Thema befördert werden.

Effiziente Kooperation

Die Darstellungen folgen im Wesentlichen Dammer (2011). Zunächst gibt es zwei übergeordnete Bedingungen, die das effiziente Arbeiten eines Netzwerkmanagers erheblich erleichtern.

Zunächst sollte die Kooperation den Charakter der Eigenständigkeit besitzen. Also einen eigenständigen Stellenwert zugemessen bekommen, der jenseits ihrer direkten Funktionalität für jedes einzelne Partnerunternehmen liegt. Dieser eigenständige Stellenwert der Kooperation sollte aktiv zur Geltung gebracht werden. Sinn dieser Forderung ist es, eine Kooperation in ihrer Unvorausschaubarkeit zu würdigen und sich darauf zu verlassen, dass die Kooperation Vorteile generiert die nicht zwangsläufig sofort sichtbar oder erahnbar sind.

Weiterhin sollte eine Entwicklungsorientierung vorliegen, bei welcher die Kohärenz in der Veränderung rekonstruiert wird, sodass Veränderungen als zielgerichtet erfolgend interpretiert werden. Die Steuerung der Kooperation sollte in diesem Sinne den Prozess kontinuierlicher Verbesserung aufrecht erhalten und die Zukunftsorientierung der Kooperation befördern. Auch nach Kaschny et al. (2015) ist die Lernbereitschaft der Kooperationspartner von entscheidender Bedeutung. Sinn dieser Forderung ist es, die Zweckpassung der Kooperation fortschreitend zu gewährleisten.

Die eigentlichen Effizienzkriterien einer Kooperation sind Vertrauen, Konfliktfreundlichkeit, Lösungsorientierung, Transparenz, Verbindlichkeit und Kommunikation. Diese sechs Faktoren stehen gleichwertig nebeneinander und sind aufs innigste miteinander verwoben. Ihr Sinn ist, dass sie die effiziente Kooperation ermöglichen.

Vertrauen meint, dass man glaubt und aushält, dass die Handlungen einzelner Partner und das was insgesamt geschieht, zum Nutzen der Kooperation im Sinne ihrer Ziele ist. Die Kooperationspartner verzichten bewusst auf eine wasserdichte Absicherung und zeigen stattdessen Vertrauen gegenüber den Partnern, der Kooperation und sich selbst. Kaschny et. al. (2015) zielen wohl auf diesen Aspekt, wenn sie die Kooperationserfahrung und Kooperationsbereitschaft der Partner betonen. Ein wichtiger Aspekt, der von Dammer (2011) nicht aufgegriffen wird ist, dass Vertrauen sukzessive aufgebaut werden kann, sodass die Vertrauensinvestitionen bei Erfolg sukzessive erhöht werden können.

Konfliktfreundlichkeit meint eine Einstellung unter der Maxime: „wir profitieren von unseren Konflikten“. Dabei ist es wichtig sich die Vorzüge von Konflikten zu verdeutlichen: Konflikte spiegeln die realen Kräfte und Tendenzen in der Kooperation, helfen die Grenzen der Kooperation auszuloten und sind der wichtigste Motor für Veränderungen. Gleichwohl empfehlen Kaschny et. al. (2015) eine geringe kulturelle Distanz und Kompatibilität der Erfahrungen, Werte und Prinzipien der Kooperationspartner. Klar abgesteckte Verantwortungsbereiche und festgelegte Modi der Zusammenarbeit (Entscheidungsfindung, Konfliktmanagement, etc.) können hier ebenfalls helfen, so Kaschny et. al. (2015).

Mit Lösungsorientierung gemeint, ist die Orientierung an den Kooperationszielen als Schutz vor Partikularinteressen und die pragmatische Analyse von Fehlern, Problemen, Konflikten und Erfolgen. So wird überzogenes positives Denken aber auch die leidige Suche nach dem Sündenbock umgangen.

Transparenz hat die herausragende Bedeutung der genauste Indikator für das Verhältnis der Kooperation zu den einzelnen Partnerunternehmen und umgekehrt zu sein. Transparenz ist nicht grenzenlos möglich, denn keinem beteiligten sind alle bei ihm wirksamen Kräfte bekannt und verfügbar, sodass bewusste Absichten hier wenig zählen. Das tatsächliche Verhalten jedoch definiert die Reichweite, den Spielraum und die Handlungsmacht einer Kooperation, da diese von den intern zulässigen und verfügbaren Informationen und Strategien abhängt. In der Transparenz zeigt sich zudem der Großteil der Vertrauensinvestition der einzelnen Partner. Wohl der Transparenz förderlich ist auch die Forderung von Kaschny et. al. (2015) nach einer Zusammenarbeit der Partner direkt auf Mitarbeiterebene.

Die Verbindlichkeit drückt die Intensität des Bindungsgefühls aus. Als internes Regelwerk über Erwartungen an andere und die legitime Forderung anderer an einen selbst, wird eine Richtung vorgegeben, die, wenn sie tatsächlich umgesetzt wird, mehr Eigeninitative impliziert als im Regelwerk verlangt. Die faktische Verbindlichkeit lässt einen Schluss auf die Wichtigkeit zu, die die Partner der Kooperation tatsächlich beimessen.

Kommunikation ist das Austauschen von Informationen zwischen Individuen und Institutionen, und ist somit das Medium und der „Klebstoff“ der Kooperation. Kommunikation sollte regelmäßig, ausreichend und angemessen erfolgen. Das Klima der Kooperation drückt sich zum einen in der Kooperation aus und wird zum anderen durch die Kommunikation geschaffen. Lösungsorientierte Kommunikation erlaubt die Aufklärung der Selbstverständnisse und blinden Flecke der Partner, die aufeinanderprallen. In Bezug auf angemessene Kommunikation weisen Kaschny et. al. (2015) insbesondere auf den respektvollen Umgang hin.

Ein Aspekt den Kaschny et. al. (2015) zusätzlich zu den sechs Faktoren hervorheben ist die Qualität der Mitarbeiter und des Managements in der Kooperation.

Fazit

Gemäß den Grundsätzen des Projektmanagements – vgl. Kuster et. al. (2011) – ist in der Initialisierungsphase eines Kooperationsprojektes die Effektivität besonders zu gewichten. Effektivitätskriterien sind:

  • Existenz einer dauerhaften Win-win-Situation,
  • Vorliegen komplementärer Kernkompetenzen und strategischer Ziele,
  • faire Aufgaben- und Rollenverteilung,
  • Klärung schutzrechtlicher Fragestellungen,
  • Klärung von Haftungsansprüchen,
  • Klärung des Umgangs mit Mittelrückflüssen,
  • Vorliegen ungefähr gleicher Bedeutung der Kooperation für die Partner und
  • kein Vorliegen von Dominanzstreben eines der Partner.

Dabei ist grundsätzlich auf Flexibilität zu achten. Flexibilitätskriterien sind:

  • Kooperationsleitbild statt Kontrolle,
  • flexible interne Kooperationsstrukturen,
  • Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterqualifizierung und
  • Innovationsorientierung.

Im Verlauf der Kooperation werden die Effizienzkriterien zunehmend wichtig. Von übergeordneter Bedeutung ist es dabei, dass der Kooperation ein eigenständiger Wert beigemessen wird, dass dieser zur Geltung kommt und dass eine Entwicklungsorientierung vorliegt. Dies schließt insbesondere die Lernbereitschaft mit ein. Die Faktoren der Effizienz die dadurch gefördert werden sind:

  • Vertrauen statt wasserdichter Absicherung sukzessive aufbauen (Kooperationsbereitschaft),
  • Konfliktfreundlichkeit leben und durch Passung Reibungsflächen abbauen,
  • lösungsorientiert die Ziele der Kooperation pragmatisch beachten (Lösungsorientierung),
  • transparentes Verhalten zeigen, um die Informationen und Strategien der Kooperation zu erweitern (Transparenz),
  • Verbindlichkeit aus Eigeninitative generieren,
  • regelmäßig, ausreichend und angemessen kommunizieren (Kommunikation) und
  • qualifizierte Mitarbeiter und Manager einbinden.

Zusammengenommen kann so ein optimiert effektiver, effizienter und flexibler Kooperationsprozess gestaltet werden.

Quellen:

Bogaschewsky, R.; Rollenberg, R. (1998) "Prozeßorientiertes Management", Springer (o. A.).

Dammer, I. (2011) "Gelingende Kooperation ("Effizienz")" in "Netzwerkmanagement - Mit Kooperation zum Unternehmenserfolg", S. 37 - 47; Hrsg. Becker, T.; Dammer, I.; Howaldt, J.; Loose, A. Springer (Heidelberg, Dodrecht, London, New York), 3. Auflage.

Kaschny, M.; Nolden, M.; Schreuder, S. (2015) "Innovationsmanagement im Mittelstand - Strategien, Implementierung, Praxisbeispiele", Springer Gabler (Wiesbaden).

Kuster, J.; Huber, E.; Lippmann, R.; Schmid, A.; Schneider, E.; Witschi, U.; Wüst, R. (2011) "Handbuch Projektmanagement", Springer (Heidelberg, Dodrecht, London, New York), 3. Auflage.

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Konfliktmanagement – Das Ausleben einer produktiven Konfliktkultur

Pannen, Konflikte und Aporien

Nach Gerhard Schwarz sind Pannen zu vermeiden und Konflikte zu pflegen.

Pannen sind Missverständnisse oder Fehler die auf Unvermögen zurückgeführt werden können und für die Weiterentwicklung der Betroffenen keine Bedeutung haben sowie deren Lösung grundsätzlich bekannt ist.

Konflikte entstehen, wenn widersprüchliche Interessen von unterschiedlichen Menschen oder Menschengruppen vertreten werden und zumindest eine Abhängigkeitsvermutung in der Erreichung der Interessen besteht. Konflikte haben eine besondere Bedeutung für die Weiterentwicklung der Betroffenen.

Eine besondere Klasse der Konflikte sind Aporien. Aporien weisen mindestens zwei einander widersprechende Interessen auf, die jeweils berechtigt und voneinander abhängig sind. Aporien sind nur durch einen echten Konsens lösbar.

Ist also eine Lösung bekannt, handelt es sich um eine Panne, die möglichst reibungsarm geklärt und gelöst werden sollte. Treten jedoch Widersprüche auf, so besteht ein echter Konflikt oder sogar eine Aporie. Aporien sind daran zu erkennen, dass eine Lösung des Konflikts alle widersprüchlichen Interessen beinhalten sollte – die Interessen sind voneinander abhängig. Eine einseitige Entscheidung bezüglich eines aporetischen Konflikts ist stets unvollständig, es ist eine Lösung erforderlich in der alle Parteien sogesehen Recht behalten – ein Konsens.

Konfliktlösungen

Die Arten der Konfliktlösung lassen sich hierarchisch anordnen, sodass durch einen Lernprozess höhere Ebenen der Konfliktlösung erreicht werden können:

  1. Flucht
  2. Vernichtung
  3. Unterwerfung
  4. Delegation
  5. Kompromiss
  6. Konsens

Flucht und Vernichtung stellen archaische Muster der Konfliktbewältigung dar. Menschen verfügen über eine Anlage, die es ihnen nahelegt sich entsprechend dieser Lösungsstrategien zu verhalten. Es handelt sich folglich um so etwas, wie Basisreaktionen. Das ist deswegen problematisch, weil die Partei, die das niedrigste Konfliktniveau erreicht, definiert, auf welcher Ebene sich der Konflikt befindet.

Flucht, als Konfliktlösungsstrategie, erweist sich zur Distanzgewinnung und in kurzfristigen Beziehungen als sinnvoll. Hitzige Gemüter können dadurch abgeregt werden, dass eine der Parteien sich zurückzieht. Problematisch ist jedoch das ausblenden des Konfliktes – der Konflikt schwehlt so innerhalb der Parteien weiter und führt zu Belastungen, die sich sogar in der körperlichen Gesundheit niederschlagen können. In langfristigen Beziehungen also, ist es erforderlich echte Konflikte anzuerkennen und zu bearbeiten, um der unterschwelligen Belastung zu entgehen.

Es liegt in der Natur der Sache, das ein Konflikt, der mit Flucht gelöst werden soll, in einer langfristigen Beziehung durch temporär auftretende Vernichtungskämpfe gezeichnet ist. Dann nämlich, wenn die Belastung aus dem Fluchverhalten höher ist, als die Belastung aus der Konfrontation. Vernichtung ist die zweite Stufe der Konfliktbewältigung und entspricht dem archaischen Muster des kämpferischen Verhaltens. Das Problem mit der Vernichtungsstrategie liegt jedoch darin, dass der „Gegner“ dauerhaft vernichtet werden muss. Das ist in langfristigen Beziehungen jedoch nicht (gesetzeskonform) möglich. Weiterhin verpassen die Beteiligten die Chance sich weiterzuentwickeln und verharren in unangenehmen Kämpfen.

Als Resultat entsteht der Tausch von Selbstbestimmung gegen Sicherheit durch Unterwerfung. Mal ordnet sich der eine unter und mal der andere, sodass ein gewisses Maß an Fairness entsteht, mit dem die Beteiligten zurecht kommen müssen. Es ist jedoch so, dass derartige Agreements letztlich zu Gunsten einer dominanten Partei ausfallen und sich im Regelfall keine echte Fairness einstellt. Dadurch bleibt eine Restbelastung erhalten, die den Antrieb bildet Konflikte durch außenstehende Dritte lösen zu lassen.

In dieser Phase der Konfliktbewältigung durch Delegation werden unparteiische Dritte dazu aufgefordert den Konflikt zu entscheiden. Die resultierenden Entscheidungen, etwa durch Gerichte, hinterlassen Verlierer, da sie grundsätzlich hierarchische Entscheide hervorbringen. Es liegt somit in der Natur der Delegation, dass eine Unzufriedenheit verbleibt, die der langfristigen Beziehung entgegenwirkt. Diese Unzufriedenheit ist der Grund, warum höhere Arten der Konfliktbewältigung angestrebt werden. Ein weiterer Grund liegt darin, dass Aporien nun mal nicht durch Entscheidungen für eine Seite sinnvoll gelöst werden können, da beide Interessen in der Lösung aufgehen müssen, da Sie beide berechtigt sind. Hier kann gar keine Entscheidung von außen erfolgen.

Im betrieblichen Kontext können höhere Konfliktlösungen nur erreicht werden, wenn der systemische Widerspruch aus Hierarchie und Konfliktkompetenz zugunsten der Konfliktkompetenz ausgelegt wird. Das bedeutet, dass Machtentscheide durch Autoritäten (Delegation) vermieden werden und stattdessen die Konfliktkompetenz der Parteien gefordert und gefördert wird. Dieser Aspekt ist von zentraler Bedeutung für die produktive Konfliktkultur in Unternehmen.

Kompromisse erzielen in (zentralen) Bereichen Teileinigungen und hinterlassen somit bei jeder Partei das Gefühl etwas verloren zu haben. Dies liegt daran, dass Menschen ihre Verluste stets mehr beachten als ihre Gewinne. Letztlich kann jedoch ein Modus erreicht werden, der den Gegensatz des Konfliktes soweit entschärft, dass die Handlungsfähigkeit aller Parteien nicht weiter beeinträchtigt wird. Eine Ausnahme bilden Aporien. Hier kann der Kompromiss keine Lösung sein, da die vernachlässigten Aspekte, die der Einigung fern bleiben, nun mal berechtigt sind und in die Lösung zu integrieren wären.

Der Konsens hingegen löst Aporien. In einer Synthesephase reifen die Ansichten der ursprünglichen Gegenparteien so heran, dass sie akzeptieren, dass die Gegenansicht innerhalb der eigenen Ansicht ebenfalls erforderlich ist. Somit entsteht etwas Neues, was in der Lage ist die ursprünglichen Gegenansichten zu vereinen – ein echter Konsens.

Konfliktintervention

Um den Prozess der Konfliktlösung zu beschleunigen empfehlen sich die folgenden Interventionen, die auf der Ebene des Konflikts (Zwischenmenschlich, Dreicksbeziehung, Gruppen, Systeme) ansetzen sollten:

  • Befindet sich der Konflikt in der Fluchtphase, sollte die Anerkennung des Konfliktes durch alle betroffenen Parteien sichergestellt werden.
  • Befindet sich der Konflikt in der Phase Vernichtung, sollte es vermieden werden eine Seite zu stützen. Weiterhin sollte die Delegation des Konfliktes bzw. Machtentscheide ausgeschlossen werden.
  • In den Phasen Unterwerfung, Delegationsversuche und Kompromiss sollte die Verschiedenartigkeit der Positionen innerhalb der Parteien betont und eine Konsenslösung befürwortet werden.
  • In der Konsensphase sollten keine eigenen Lösungen angeboten werden, sondern die Kontrahenten sollten selber eine Lösung finden.

Fazit

Konfliktbewältigung stellt hohe Ansprüche an die Belastbarkeit der Kontrahenten. Einfache Lösungen sind nicht zu erreichen, da vielmehr eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Gegenüber und mit den unterschiedlichen Interessen erforderlich ist. Hieraus resultieren hohe Anforderungen an die Konfliktlösungskompetenz der Betroffenen. Sie müssen z. B. emotionale Spannungen und Rückschläge aushalten und dennoch sachlich vorankommen. Für die Konfliktkultur eines Unternehmens bedeutet dies, dass Machtentscheide grundsätzlich zu vermeiden sind, auch wenn sie sich als Scheinlösung anbieten. Vielmehr muss die Konfliktkompetenz der Mitarbeiter gefordert und gefördert werden: Konflikte müssen anerkannt werden, die Kontrahenten müssen diese eigenständig lösen, die Sachebene muss betont werden und der Konsens angestrebt sein.

Quelle: Gerhard Schwarz (2014) "Konfliktmanagement", Springer Gabler (Wiesbaden).


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