Nachhaltiger Kapitalmarkt

Hinführung

Am Kapitalmarkt werden Waren, Schuldscheine, Anteile und Optionen sowie Devisen gehandelt. Schuldscheine berechtigen zu zukünftiger Auszahlung bis zu einem Ablaufdatum, Anteile berechtigen zur Mitbestimmung und Teilhabe an Ausschüttungen und Optionen berechtigen zum Kauf von Anteilen. Devisen sind Währungsgeschäfte.

Der Wert eines Wertpapiers (Kurs) ist grundsätzlich der Kapitalwert zukünftiger Auszahlungen:

(1)   \begin{equation*} Kurs = \sum \limits_{t=1}^{\infty} \frac{CF_{t}}{(1+r)^t} \end{equation*}

Dabei ist CF_{t} der Cashflow / Ausschüttungsbetrag in Periode t und r die Verzinsung einer risikolosen Anleihe.

Damit bezahlt man im Gleichgewicht den fairen Preis eines zukünftigen Zahlungsstroms, der es erlaubt sich an der Marktrendite zu beteiligen.

Diese Wertpapiere werden in einem Portfolio gehalten:

(2)   \begin{equation*} Depot = \sum \limits_{i=1}^{\infty} \frac{CF_{1,t} + CF_{2,t} + ... + CF_{n,t}}{(1+r)^t} \end{equation*}

Da der Cashflow unsicher ist, ist der erwartete Cashflow gemeint. Der erwartete Cashflow CF_{i,t} ist die Summe aller Szenarien S mit deren Ausschüttungen CF_{i,t,s} mal der Wahrscheinlichkeit des Eintritts p_{i,t,s}:

(3)   \begin{equation*} CF_{i,t} = \sum \limits_{s=1}^{S} (CF_{i,t,s}*p_{i,t,s}) \end{equation*}

Da die Risiken zwischen den einzelnen Wertpapieren miteinander korreliert sind, ist eine optimale Konfiguration des Depots eine Rendite-Sicherheits-Maximierung für ein gegebenes Budget. Zur Bestimmung der Risiken und Renditeerwartungen werden historische Daten und zukünftige Prognosen verarbeitet.

Aus Unternehmensperspektive gilt es die Renditesicherheit zu maximieren, um im Wettbewerb mit anderen Unternehmen günstig Eigenkapital aufzunehmen. Entsprechend des Zwangs zur Maximierung der Renditesicherheit ergibt sich eine Fluktuation an den dominanten Positionen eines Rendite-Risiko-Verhältnisses (effizienter Rand) für verschiedene Anlagefristen. Dieser Zwang führt dazu, dass Arbeit so günstig wie möglich einzukaufen ist.

Hierin liegt die Ursache für eine Elitenbildung vermögender Personen und der von Ihnen eingesetzten obersten Führung, die durch einfache Forderung und Erzeugung von impliziten Weisungen über das “Controlling”-System einen “Anspruch” auf Renditemaximierung erlangen, während die Leistung von den Arbeitnehmern erbracht wird. Sogar die Innovationen werden Vermögensbestandteil des Unternehmens, und damit der Eigner, während der Erfinder eine Abfindung erhält. Dies ist nicht leistungsgerecht.

Wie können fairere Verhältnisse geschaffen werden?

Insolvenzmarkierende Maximalrenditenkennlinie

Der eigentliche Sinn von Kapitalmarktgeschäften in Bezug auf Unternehmenseigner liegt darin, einen Anreiz zur Geldvergabe zu bieten. Dies bedeutet Geldwerterhaltung bei Inflation und Kompensation von Konsumverzicht. Eigentlich geht es sogar nur um die Glättung des Einkommens im Leben, sodass Geldwerterhaltung hinreichend wäre. Die derzeitigen Verhältnisse sind hingegen unmäßig und unfair.

Deswegen bräuchten wir eine globale Regulation, die eine Kennlinie festlegt, die eine angemessene erwartete Rendite festschreibt (Rendite-Risiko-Kennlinie). Angemessenheit liegt vor allem in der Geldwerterhaltung bei etwa 2 %iger Inflation in Europa eventuell mit einem Anreiz versehen. Diese Kennlinie hätte auch Einfluss auf die Fremdkapitalvergabe / Kreditzinsen.

Diese Kennlinie entspräche der Maximal- sowie Minimalrendite entsprechend einer Risikobeurteilung. Kann ein Unternehmen mehr Ausschütten, verbleiben Spielräume für die Arbeitsentlohnung und Investitionen, kann es mittelfristig weniger ausschütten, gilt das Unternehmen als Insolvent.

Eine derartige Regulation nimmt Unternehmen Druck und führt zur Risikoreduktion im Ernstfall – das läuft in Einklang mit einer Nachhaltigkeitsorientierung. Der Aktienkurs sollte durch die Veränderungen der Risiken bestimmt werden, was mit vernünftiger Anlage im Einklang steht. Dazu müsste die Ausschüttung proportional zum Aktienkurs sein.

Wenn der Kurs zu einem definierten Zeitpunkt die Einschätzung der Rendite für alle Szenarien wiederspiegelt und gesetzlich eine Rendite-Risiko-Kennlinie, also ein Ausschüttung bei einem bestimmten Risiko bestimmt ist, spiegelt der Kurs die Markteinschätzung des zukünftigen Risikos. Es kann aus dem Kurs bestimmt werden, welcher Ausschüttungsbetrag der Rendite-Risiko-Kennlinie auszuzahlen ist.

Fraglich ist jetzt, ob das zu Spekulation in normalen Transaktionen führen würde. Der Verkäufer ist motiviert den höchsten Verkaufserlös zu erzielen und der Käufer hat folgenden unsicheren Zahlungsstrom:

(4)   \begin{equation*} Kapitalwert = -Kaufpreis + \sum \limits_{t=1}^{T} \frac{CF_{Kurs, t}}{(1+r)^t} + Verkaufserloes_{T} \end{equation*}

Da der Kurs das Risiko misst und die Rendite durch das Risiko bestimmt wird, kommt es nur auf den Verkaufserlös an. Der Verkaufserlös ist der zukünftige Kurs in Periode T, nach der Haltedauer. Spekulation würde bedeuten, bewusst teuer einzukaufen, um eine höhere Risikobewertung zu erzielen, um damit eine höhere Ausschüttung zu erhalten und das Wertpapier dann zu veräußern. Das funktioniert solange das Unternehmen nicht insolvent geht – es würde in eine falsche Risikokategorie eingeordnet werden und der Renditedruck auf Unternehmen bliebe vergleichbar zur derzeitigen Situation.

Deswegen kann das Risiko für die Bemessung der Ausschüttungen nicht durch den Kurs bestimmt werden, sondern müsste von einer unabhängigen Behörde in einem standardisierten Verfahren durch Expertengutachten bestimmt werden.

Im Ergebnis bedeutet dann Kapitalanlage Konsumglättung unter Geldwerterhaltung, sofern ähnliche Regelungen für andere Rechtsformen von Unternehmen getroffen werden. Investitionsanreize gehen nicht verloren, sind sogar noch stärker, da die Arbeitnehmer direkt von ihrem Erfolg profitieren. Die Regulation ist auf nationaler Ebene nicht gut umsetzbar, da dann Renditen eines Landes im Vergleich zur übrigen Welt niedriger, wenn auch sicherer wären.

Fazit

Der derzeitige Kapitalmarkt für Anteilsscheine begünstigt eine Elitenbildung, die die breite Masse der Bevölkerung unterdrückt. Eine insolvenzmarkierende Maximalrenditenkennline proportional zum Wechselkurs würde Eigner fair entlohnen und z. B. eine Arbeitseinkommensmaximierung ermöglichen. Die Bestimmung der Risikoklasse erfordert Expertengutachten einer neu ins Leben gerufenen Behörde. Die entsprechende Regulation ist ein Thema internationaler Kooperation.

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Als Wirtschaftsingenieur (Maschinenbau), der sich stets fortbildet, erarbeite ich Lösungsansätze für eine bessere Zukunft und trage begleitendes Wissen zusammen. Mein Blog dreht sich um Visionen für Menschen im Kontext gesellschaftlicher Systeme und technologischem Fortschritt. Aktuell versuche ich ein Portal für nachhaltiges Einkaufen zu entwickeln. Hier finden Sie Informationen und können das Projekt fördern: OptEcoBuy

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Veröffentlicht von

Marius Alexander Schulz

Als Wirtschaftsingenieur (Maschinenbau), der sich stets fortbildet, erarbeite ich Lösungsansätze für eine bessere Zukunft und trage begleitendes Wissen zusammen. Mein Blog dreht sich um Visionen für Menschen im Kontext gesellschaftlicher Systeme und technologischem Fortschritt. Aktuell versuche ich ein Portal für nachhaltiges Einkaufen zu entwickeln. Hier finden Sie Informationen und können das Projekt fördern: OptEcoBuy

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