Sozialkapitalismus im IT-Zeitalter (Utilitismus)

Einleitung

Es gibt bis jetzt zwei grundsätzliche Ansätze um das Versorgungsproblem eines sozialen Systems zu lösen, den Kapitalismus und den Sozialismus. Aus ökonomischer Perspektive nutzt der Kapitalismus das individuelle streben nach Nutzen, um Arbeit für die ökonomische Nutzenerstellung bereitzustellen, während er Privateigentum garantiert, während der Sozialismus soziales Eigentum kennt und das Interesse an einem funktionierenden System (mittelbarer Nutzen) dazu nutzt, Arbeit für die ökonomische Nutzenerstellung bereitzustellen. Viele Menschen sind der Überzeugung, dass der Kapitalismus sich durchgesetzt hat und der Sozialismus nicht effizient funktioniert.

Durch die technologische Entwicklung in IT-Hardware, Cluster-Algorithmen und selbstlernender Algorithmen, entstehen flexible Lösungsautomaten basierend auf den besten Verfahren, die bekannt sind, und menschliche Arbeit wird zum Teil und möglicherweise irgendwann im Potential substituiert. Es gibt derzeit eine große Debatte darum, wie sich die Gesellschaft im Kontext zunehmender flexibler Automatisierung menschlicher Arbeit entwickelt.

Mir ist aufgefallen, dass die Probleme des Sozialismus in Bezug auf die Leistungsmotivation und Regelkonformität durch flexible Automatisierung lösbar sind. Ein abgeleitetes Modell möchte ich hier vorstellen und zur Diskussion vorlegen.

Automatisierte Unternehmen

Ich unterscheide in meiner Betrachtung, basierend auf meiner ökonomischen Intuition, automatisierte Unternehmen und Humanunternehmen.

Betriebliche Funktionen, die optimal oder mit der besten bekannten Heuristik “lösbar” sind, werden per Gesetz verpflichtend in automatisierte Unternehmen ausgelagert, die jedes Humanunternehmen in Anspruch nehmen muss (Regulation), um die betriebliche Funktion zu erfüllen.

Wie funktioniert das? Es werden sich meines Erachtens automatisierte privatwirtschaftliche Unternehmen entwickeln und diese sollte der Staat aufkaufen und mit einer automatischen Preissetzungslogik und Investitionslogik ausstatten. Um die Wohlfahrt zu maximieren sollte die Preissetzungslogik den Konkurrenzpreis simulieren und mit einem Gewinnaufschlag versehen. Dieser Gewinnaufschlag wird im Wesentlichen als bedingungsloses Grundeinkommen an die Bevölkerung ausgezahlt, sodass sich in einem demokratischen Prozess der Abwägung zwischen Einkommen und Konsummöglichkeiten der Gewinnaufschlag bestimmt.

Die Automatisierung eröffnet die Möglichkeit, die automatisierten Unternehmen unter regulatorische Restriktion zu stellen, die absolut bindend und durchsetzbar ist. Das ist meines derzeitigen Erachtens genauso wohlfahrtsoptimal wie eine Pigue-Steuer um Externalitäten zu “internalisieren”, erzeugt aber zusätzlich ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Meinem bisherigen Verständnis des Nachhaltigkeitsbegriffs nach bedeutet das, dass automatisierte Unternehmen sequenziell optimiert werden sollten, und zwar beginnend mit einer ökologischen Optimierung auf die die Optimierung entsprechend der betrieblichen Funktion folgt. Der europäischen Zielsetzung der sozialen Nachhaltigkeit wird die Systemkonfiguration von sich aus gerecht – soweit ich das momentan verstehe.

Diese automatisierten Unternehmen befinden sich also im Staatseigentum und ihre verteilbaren Gewinne werden gleichmäßig auf die Bevölkerung als bedingungsloses Grundeinkommen verteilt.

Es verbleibt ein privatwirtschaftlicher Anreiz die automatisierten Unternehmen zu optimieren, um den Preis senken zu können und so mehr “Share-of-Wallet” zu erzielen, also Anteil am Budget der Konsumenten. Gleichwohl können die automatisierten Unternehmen logisch und empirisch innoviert werden, weil sie Algorithmen sind, deren Leistung messbar ist.

Humanunternehmen

Humanunternehmen übernehmen Kreativitätsleistungen, zwischenmenschliche Leistungen und Innovationen. Sie befinden sich systemisch in einem klassischen Kapitalismus unter der Nebenbedingung automatisierte Unternehmen für bestimmte betriebliche Funktionen nutzen zu müssen, und haben deswegen in Bezug auf sich selbst klassische Innovationsanreize. Die Anreize automatisierte Unternehmen zu bilden ergeben sich aus dem Aufkaufsgebot für den Staat. Die Anreize für die Verbesserung von zu nutzenden automatisierten Unternehmen ergeben sich aus der oben angeführten Share-of-Wallet-Optimierung.

Abschätzung von Konsequenzen

Humanunternehmen erzeugen möglicherweise nicht genug Arbeitskapazität und die strukturelle Arbeitslosenquote steigt. Arbeitslose werden jedoch durch die Umverteilung der Erträge von automatisierten Unternehmen finanziert (Verteilungsgerechtigkeit). Es bestehen allerdings nach wie vor individuelle Anreize, das Einkommen durch Arbeit zu erhöhen (Leistungsgerechtigkeit). Humanunternehmen erzeugen entsprechend der kapitalistische Funktionsweise nach wie vor ökonomischen Fortschritt und Variantenvielfalt (ökonomische Nachhaltigkeit). Die Bedingungen des Kapitalismus stehen jedoch in Verbindung mit einer z. B. ökologischen Restriktion, Staatspräferenzen können in Teile des kapitalistischen Systems verbindlich installiert werden (Moralisierung des Kapitalismus durch Staatsorganisation).

Wenn wir unterstellen, dass die Menge von Fortschritt und vernünftiger Variantenvielfalt ermöglichender Faktoren begrenzt ist, aber alle Probleme gelöst werden können, konvergiert das System gegen einen Sozialismus basierend auf kapitalistischem Versorgungssystem ohne Arbeit, der sich nach den individuellen Präferenzen der Menschen richtet, sofern die Staatsorganisation die Variante nicht indirekt eingeschränkt hat (das ist etwas anderes als Planwirtschaft).

Restriktionen

Ein Staat der dieses System individuell, also nicht in globaler Koordination einführen möchte, müsste sehr wahrscheinlich Importe beschränken und verminderte Exporte in kauf nehmen.

In einem demokratischen Prozess würde das bedingungslose Grundeinkommen seiner Höhe nach entsprechend der Möglichkeiten definiert. Hieraus resultiert die “Gefahr”, dass ab einer gewissen Automatisierungsquote auf den kapitalistischen Teil der Wirtschaftsordnung verzichtet wird, um den Konsum erhöhen zu können. Dies wäre eine vorgenerationenopportunistische Verhaltensweise, die mit Erziehung eingedämmt werden könnte. Diese Erziehung ist jedoch nicht anreizkompatibel.

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Nutzen Sie das untenstehende Feld für Kommentare. Wenn Sie mir persönlich Rückmeldung geben wollen, schreiben Sie mir eine E-Mail an marius.a.schulz@web.de.

Ihre Ideen und Gefühle sind wertvoll: Was möchten Sie mitteilen? Haben Sie Fragen?