Diskussion: Gemeinwohl-Ökonomie

Rechtliche Legitimation durch die Verfassung

“Eigentum verpflichtet (…) sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.”, ist der Ausgangspunkt der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung zu behaupten, dass eine Abstimmung der Wirtschaft mit einer Gemeinwohlzielsetzung geboten durch die Verfassung ist. Im Konkreten Fall der deutschen Verfassung ist dies jedoch kein Wirtschaftsgebot sondern ein Abwehrrecht der Bürger und juristischen Personen gegenüber staatlicher Willkür – grundsätzlich kodifiziert unsere Verfassung solche Gebote für den Staat. Sie können also den Staat verklagen, wenn er sein Eigentum nicht zum Wohle der Allgemeinheit verwendet. Gleichwohl strahlen manche Verfassungsgebote in das bürgerliche Recht aus und dies könnte auch hier der Fall sein, sodass Privateigentum dem Allgemeinwohl zu dienen hat. Es ist also etwas vereinfacht zu sagen, es handle sich um ein universell auf Privateigentum übertragbares Gebot, vielmehr sind Übertragungen im Einzelfall zu begründen.

Kernkonzeption Gemeinwohlökonomie

Trotz des mangelnden universellen Anspruchs, ist die Gemeinwohl-Ökonomie-Konzeption wirtschaftspolitisch möglich (Teil des Lösungsraums) und damit vorstellens- und diskussionswürdig.

Im Zentrum der wirtschaftlich orientierten Eingriffe steht die Gemeinwohlbilanz und ein System gemanagter Wechselkurse nach Keynes sowie eventuell ein Negativzinssystem sowie Gewinnverwendungsverbote. Weiterhin werden Schranken für die Verwendung und Kumulation von Gewinnen und Privateigentum vorgeschlagen sowie demokratie- und zufriedenheitsförderliche Erziehung und Bildung.

Gemeinwohlbilanz

Die Gemeinwohlbilanz soll ein Standard werden, der Transparenz bezüglich werteorientierten Wirtschaftens gemeinverständlich und öffentlich dokumentiert und in einer Indikatorik zusammenfasst. Die erreichten Punkte der Gemeinwohlbilanz werden dann verpflichtend auf Produkte in Form eines Nudging-Systems aufgebracht z. B. grün für vorbildlich usw. Gemeinwohlbilanzen sollen ähnlich einer Wirtschaftsprüfung privatwirtschaftlich geprüft und staatlich stichprobenartig kontrolliert werden.

Die indizierten Werte sind aus Verfassungsanalysen hervorgegangen und betreffen die Werte, Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz und Mitentscheidung. Sie werden jeweils auf alle Stakeholder*Innen bezogen und in Subkategorien aufgegliedert. Die Gesamtpunktzahl ergibt sich aus der Aufsummation von 50 maximal möglichen Punkten pro Kategorie-Stakeholder*Innen-Feld. Die Kategorien sind also gleichgewichtet. So soll der Konsument am Ort des Kaufes einfacher Preise von vergleichbaren Gemeinwohl-Leistungsträgern vergleichen können und Transparenz über z. B. unethische Nidrigpreise erhalten.

Besondere Forderung ist nun, dass Gemeinwohl-Bilanz-Ergebniss-Gruppen unterschiedliche wirtschaftspolitische Regularien auferlegt bekommen sollen, sodass es finanziell lohnenswert für Unternehmen ist höhere Ergebnisse anzustreben, weil z. B. Steuern erlassen werden. Diese Belohnungs- bzw. Sanktionsstruktur soll Wirtschaft mit Gesellschaftszielen alignen.

Kritik

Die Gemeinwohlbilanzierung entspricht in weiten Teilen meinem Konzept des Transparenznudgings in den Dimensionen soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit (Vgl. Nachhaltigkeit). Der zentrale unterschied wäre, dass die Gewichtung der Indikatoren in der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung aus einem demokratischen Prozess hervorgehen soll, sodass mit Gesellschaftspräferenzen die Anreizstruktur der Wirtschaftspolitik demokratisch definiert werden soll z. B. in einem Bürgerkonvent.

In meinem Konzept hingegen sollen Konsumenten durch Konjoint-Analyse – dies ist ein graphisches Verfahren, Präferenzen zu erheben – Indikatoren bzw. Dimensionen entsprechend ihrer Präferenzen erheben und dann ihre persönlich bevorzugten Produkte angezeigt bekommen. Dies erfordert digitale Berechnung der Rangfolge der Produkte am Einkaufsort basierend auf den Indikatoren (mathematisch: Euklidische Distanz Support Vector Maschinen). Hier würde eine Gesellschaftspräferenz aus den tatsächlichen Präferenzen der Bürger errechnet werden – eventuell kontinuierlich. Dieser Aspekt, an Märkten entsprechend der eigenen Präferenzen entscheiden zu können, ist so ungefähr der höchste Wert einer Marktwirtschaft. Ich denke dieser Aspekt wäre sehr Interessant für die eher demokratisch verwurzelte Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung, um die Gemeinwohlbilanz am Markt zu flexibilisieren und eventuell einen Konvent mit tatsächlichen Präferenzen zu unterfüttern.

Grundsätzlich sind jedoch genau derartige transparenzschaffenden Standards und deren Berücksichtigung in der Wirtschaftspolitik das zielführendste Mittel Wirtschaft zu regulieren eventuell auch im Kontext von Restriktionen für Werbung bzw. mediale Beeinflussung – sie sind ein systemischer Hebel.

Die Gemeinwohlbilanz-Gruppen bezogene Wirtschaftspolititk entspricht summarisch einer Pigue-Steuer, die relative Preise von Produkten beeinflusst. So schlägt z. B. auch Friedrich Wegenstein Zölle entsprechend wirtschaftspolitischer Standards vor, um nicht z. B. prekäre Arbeit lokal zu verbieten, dann aber global zu importieren (Vgl. Diskussion: Knapp Wertvoll Sparsam).

System gemanagter Wechselkurse nach Keynes

Wirtschaftspolitisch gilt das Trilemma der offenen Volkswirtschaft – sie können zwei von drei Freiheiten wählen, während die Dritte dann beschränkt ist. Die Freiheiten sind: Kapitalmobilität, feste Wechselkurse und geldpolitische Konjunkturpolitik.

Ein System gemanagter Wechselkurse kann entweder Kapitalmobilität oder geldpolitische Konjunkturpolitik erlauben, nicht jedoch beides. Wollen Sie also weiterhin Inflation stabilisieren können, müssen Sie auf Kapitalmobilität verzichten. Das entspricht der Politik Chinas.

Jetzt ist jedoch die Idee, die festen Wechselkurse in Perioden an die Fundamentalwerte anzupassen, sie zu managen. Dies soll über eine internationale intergovernmentale Organisation erfolgen. Theoretisch würde das erlauben, Kapitalmobilität zu ermöglichen und Wechselkursspekulation abzufangen. Das System entspricht also ungefähr dem Goldstandard oder Bretton-Woods-I-System, sofern nicht die Kapitalmobilität beschränkt würde.

Negativzinssystem

Grundsätzlich sollen Banken auf ihre Kernfunktionen gebunden werden und Finanzinvestments an Kapitalmärkten sowie diese Märkte verboten werden. Weiterhin sollen sie Kreditinvestitionen mit einer verbindlichen vorgelagerten Gemeinwohlprüfung bewerten, bevor die finanzielle Risikoprüfung erfolgt, um die Kreditkonditionen festzulegen. So sollen im Sinne einer Portfoliodenkweise sogar besonders gemeinwohlorientierte Projekte subventioniert werden.

Hier greift auch das regulatorische Negativzinssystem, bei dem Geldeinlagen bei Banken zum einen verbindlich sind und das Geld sich mit der Zeit entwertet, sodass Kredite zu günstigeren Konditionen vergeben werden können und so die Produktpreise sinken. Dies hätte den Effekt, dass besonders wohlhabende Leute (Nettozinsgewinner*Innen von heute) sich nicht den Mehrwert der Arbeit von konsumgebundenen Leuten (Nettozinsverlierer*Innen von heute) aneignen, sondern konsumgebundene Menschen geringere Kosten hätten. Konsumgebunden soll bedeuten, dass Menschen mit geringem Einkommen und Vermögen gar keine oder nur wenig Ersparnis bilden können. In dieser Situation können reiche Leute nur konsumieren oder gründen, wobei Anlage nicht mehr wirklich möglich ist, da auch das Einkommen begrenzt würde, also z. B. mit 100% Steuer belegt würde, wenn es einen Maximaleinkommenswert übersteigt – Geld wird zum öffentlichen Gut.

Kritik

Schmelzende Ersparnisse motivieren Konsum und sind besonders riskant in Schattenmärkte zu münden, die einer Professionalisierung des Bargelds im Kopfkissen entsprechen dürften, sodass nicht nur eine Einkommens- sondern auch eine Vermögenskontrolle erforderlich werden würde – es geht also um Meldepflichten für Einkommen und Vermögen und deren Kontrolle. Die ganze Logik von Kapitaleinkommen würde aufgelöst werden und im Sinne einer linken Politik insbesondere niedrige Einkommenssegmente entlasten. Mithin müsste Rentenversicherung insbesondere umlagebasiert anstatt kapitalmarktbasiert sein.

Gewinnverwendungsverbote

Nach der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung sollen Gewinne in ihrer Verwendung beschränkt werden. Finanzinvestments sollen verboten werden, sodass nur durch Nutzwerte Einkommen erzielt werden kann. Banken sollen nur nichtgewinnorientiert sein dürfen. Ausschüttungen an nicht Mitarbeiter sollen Verboten werden, sodass Arbeit die einzige Quelle von Einkommen wird. Firmenaufkäufe und -Fusionen sollen nicht gegen den Willen der Belegschaft möglich sein, sodass eine demokratische Unternehmensentscheidung den VERKAUF von Unternehmen verbieten kann und regelmäßig soll, um dem “Fress- und Wachstumszwang” in der Wirtschaft zu entgegnen (Vgl. zum derzeitigen System Finanzsystem). Und Parteispenden von juristischen Personen sollen untersagt werden.

Kritik

Ich habe den Verkauf besonders hervorgehoben, da ein Kaufsverbot im internationalen Kontext schwieriger durchzusetzen wäre als ein Verkaufsverbot. Das Trockenlegen der Kapitalanlage zusammen mit der Vermögensbegrenzung entzieht dem Wirtschaftssystem den zentralen Innovationsantrieb im Sinne der Rationalisiserung, die langfristig die Produktionskapazität und damit den Wohlstand der Bevölkerung sichert, eben die Ressourceneffizienz des Wettbewerbs. Dementsprechend verbleibt nur dieser mittelbare Anreiz zur Ressourceneffizienz, ohne das Druck besteht danach zu streben. Derartige mittelbare Anreize gelten als Grund für das Scheitern des realisierten Sozialismus. Wir würden also eventuell ein Versiegen von Innovation und realem Wirtschaftswachstum erleben, genau dies reduziert im Gegenzug aber auch den Druck im System.

Einkommens- und Vermögensschranken

Die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung fordert neben einem Mindest- auch einen Maximallohn und Vermögensbegrenzungen, die zwar Leistungsanreize bieten, aber individuelle Beeinflussung von Politik und Wirtschaft verunmöglichen, die im Widerspruch zur Gleichheit der Bürger in einer Demokratie steht, sowie ausschließliches Einkommen aus Arbeit. Erbe soll ab einem Maximalsatz des Erbes und der Schenkung sozialisiert und eventuell als demokratische Mifgift ausgezahlt werden.

Kritik

Einen Mindest- und Maximallohn halte ich ebenfalls für vernünftig, aber ich würde die Lohnstufen ebenfalls in Relation zueinander bringen, damit das “Kontinuum” ebenfalls fair aufgegliedert würde, nicht also der normale arbeiter im unteren Einkommensband und die Elite im oberen Einkommensband ohne einen vernünftigen Übergang in der Mitte angesiedelt würde. Die Innovationsanreizproblematik könnte eventuell gerettet werden, wenn von einer Kopplung an Absolutwerte wie einen Mindest- und oder Maximallohn (das bedingt sich ja dann) verzichtet würde und statt dessen fixe Verteilungsquoten als Relationen zum Gewinn nach Investitionen und Rücklagen definiert werden – so entsteht firmenabhängiger verdienst, der mit Innovation zunimmt. Hier wären eventuell Abfindungen / Wertschöpfungsbeteiligungen für ausscheidende Mitarbeiter zu regulieren oder per Gemeinwohlbilanz zu fördern. Weiterhin verbliebe das Verkaufs- und Fusionsverbot besonders relevant. Zur Vermeidung von unerwünschten Abweichungen im internen Unternehmensgefüge (Hierarchie) dürfte es notwendig sein die relativen Entlohnungen an Jobanforderungen zu binden, anstatt den Unternehmen zur Disposition zu überlassen. Eventuell ist auch hier eine Förderung durch die Gemeinwohlbilanz möglich.

Gerade im derzeitigen Wirtschaftssystem erachte ich die vernünftige Konzeption von Vermögensgrenzen und / oder Erbschaftsregeln für einen der wichtigsten Schritte – wir alle verdanken unseren individuellen Erfolg zum Einen eher den Leistungen vorhergehender und unserer Generation (dazu zählen auch die Ganzen öffentlichen Güter) und zum Anderen unseren Anstrengungen, nicht jedoch werden normale Bürger mit dem Privileg der leistungsarmen Weltgestaltungsmacht geboren und können mit einfachen Analysen oder Zukäufen von Expertise Unternehmenswertschöpfungsströme (Kapitalrendite) nicht nur kaufen sondern auch noch in Wettbewerb zueinander setzen, um das Maximale zu erhalten. Ich erachte es für grob fahrlässig enormes Vermögen zu vererben, da es der Gemeinschaft zustehen sollte und Kinder entfremdet, und würde eine derartige Regulation auch begrüßen (Vgl. Finanzsystem).

Die Kopplung von Einkommen an Arbeit, sodass Anteile an juristischen Personen keine Ausschüttung erwarten lassen sofern man nicht (unternehmens demokratisch legitimiert) dort arbeiten darf, würde grundsätzlich eine Kontrolle erfordern, ob nur auf dem Papier oder tatsächlich gearbeitet würde. Dies zu konzipieren wäre schwierig.

Erziehung und Bildung

Wie so häufig werden wesentliche Kritiken am Bildungswesen wiederholt, die insbesondere die persönlichen Ich-Kompetenzen betreffen, wie Gefühlskunde, Wertekunde, Kommunikationskunde und Demokratiekunde (Vgl. dazu auch Ich-Kompetenzen). Weiterhin werden Naturkunde, Kunsthandwerk und Körpersensibilisierung thematisiert. Ziel ist ein reichhaltiges werteorientiertes Innenleben zu ermöglichen, dass nicht übermäßig durch extrinsische Surrogate Befriedigung erfährt.

Fazit

Wirtschaft mit unseren Werten abzustimmen, ist sicherlich vernünftig. Die Gemeinwohlbilanz oder eine vergleichbare Indikatorik und Pigue-Steuern, sowie die Vermögensbegrenzung und die Vetorechte gegen Unternehmensveräußerungen kann ich gut mittragen, aber die Dynamik der Ressourceneffizienz durch Wettbewerb um Kapital aufzulösen ist für mich doch recht gewagt, auch wenn intrinsische Motivation bestehen bleibt – im Sozialismus ist dies neben der Planwirtschaft schief gelaufen (soweit mir bekannt); ich verbleibe dazu bei den Anmerkungen zu Verteilungsquoten und Jobanforderungszuordnung zu diesen. Meinen persönlicher Ansatz zu diesem Thema finden sie hier (Vgl. Nachhaltiger Kapitalmarkt).

Das Buch ist empfehlenswert, da es viele kontemporäre Themen anspricht und versucht konstruktiv behandelt. Es ist jedoch etwas polemisch.

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Diskussion: Knapp Wertvoll Sparsam

“Wir leben derzeit in einem das gesamte Leben dominierenden Wirtschaftssystem, welches versucht, auf Basis der unrealistischen Fiktion eines immerwährenden Zuwachses an materiellen Gütern alle Voraussetzungen zu zerstören, auf den es selbst steht.” Friedrich Wegenstein (2019) “Knapp Wertvoll Sparsam – Wirtschaftswachstum ist kein Fortschritt.

Herr Wegenstein – ein Betriebswirt und Großvater – beschäftigt sich mit der Spannung von Wirtschaft und Demokratie auch vor dem Hintergrund der Generationengerechtigkeit.

Demokratie

Demokratie bedeutet für den Menschen Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit und er besitzt ein Anspruch auf Lebensgrundlagen und Arbeit. Für die (supranationalen) Staatengebilde bedeutet sie Autarkie, Handlungsfähigkeit und Legitimation. Wegenstein möchte Arbeit als Menschenrecht verstanden wissen und zielt auf deren identitätsstiftende Komponente und die Selbstfinanzierung ab.

Wirtschaft

Wirtschaft strebt strategisch kalkulierend nach finanziellem Erfolg, ist opportunistisch, kurzsichtig und manipulativ, strebt nach Marktmacht und rationalisiert die Ressourcen gnadenlos, wobei sie maximal rechtshörig ist.

Der Konflikt zwischen Arbeit und Kapital erfolgt zu Ungunsten der Arbeit, da Kapital durch leichtere Verwendbarkeit wesentlich mehr Kräfte entfaltet. So kommt es, dass enorme Vermögens- und Einkommensungleichgewichte herrschen.

Menschen werden im System an allen Fronten übervorteilt – von Wahlmanipulation über Konsumindoktrination bis hin zum Leistungszwang.

Natur & Menschenrecht

Ursächlich für die Verwürfnisse ist prestigestreben um sich nivellierende Vorreiterrollen durch Anhäufung von Konsumprodukten im Sinne einer Sucht, die schon gar nicht mehr sinnhaltig oder befriedigend ist – zum Teil Kreditfinanziert.

Dem sollte seines Erachtens folgendes Prinzip entgegenstehen:

“Nur verdienen was man braucht, nur das ausgeben, was man verdient, und nur das verbrauchen, was unabdingbar notwendig ist.”

Fortschritt und Wohlstand

So möchte er auch Fortschritt in tatsächlichen Nutzen für den Menschen gesehen haben, sodass Unternehmen soziale Systeme sind und der Geldwert sich über die Verwendung bestimmt, statt über die Ziffer.

Wohlstand soll das gesamte Leben und alle Gesellschaftsschichten in Hinsicht der Zufriedenheit, Gesundheit und internationaler Kooperation betrachten und auch durch individuell relevante Informationssysteme beobachtbar machen. Dem Staat und der Gemeinschaft kommt die Rolle zu, Rahmenbedingungen für die individuelle Befriedigung körperlicher, sozialer und geistiger Bedürfnisse zu schaffen.

Das bedeutet insbesondere auch eine vollständige Berichterstattung durch Medien.

Lösungsvorschläge

Wegenstein möchte die Demokratie fördern, die Umwelt schützen und Wirtschaftsgesetze erlassen. Seine Vorschläge versteht er als Impulse für demokratische Prozesse, nicht als abschließende Lösung für komplexe / komplizierte Sachverhalte.

Demokratieförderung

  • Auf internationaler Ebene möchte Wegenstein gelebte Demokratie beobachten. Irritierend sind z. B. Vertreter demokratischer Staaten, die mit autokratischen Methoden ungelegene Stimmabgaben in internationalen Gremien sanktionieren – dies ermangelt der Legitimation durch die Fundamente dieser Demokratien und des Volkes.
  • Undemokratische Einflussnahme und Lobbyparteispenden möchte er strafrechtlich ahnden.
  • Antidemokratische Parteien sollen Werbeverbot erhalten und die demokratische Abschaffung der Demokratie soll verboten werden. Parteien sollen erst zu Wahl zugelassen sein, wenn sie beleghaft prodemokratisch sind.
  • Auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene sollen unabhängige Organisationen das Demokratieerlebnis prägen, ohne das Mehrfachfunktionen bestehen – dem Wähler soll kein intransparenter Parteiapperat gegenüberstehen.
  • Politiker sollen unabhängig durch Einkommen aber auch durch Beruf sein und Ämter nur kurz wahrnehmen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Das soll mehr Menschen ermöglichen politische Ämter zu tragen. Auch sollen Politiker Inszenierung abbauen und authentisch-bürgernah sein mit tatsächlichen Maßnahmenerarbeitungen.
  • Staatsangestellte sollen von Parteieinflüssen unabhängig sein.
  • Bürger sollen in den Künsten der Demokratie geschult sein, also z. B. im Diskurs und demokratische Bürgerpflichten wahrnehmen – zum Schutz aller. Politische Debatten sollen enttabuisiert und lösungsorientiert geführt werden.
  • Der Staat soll einfache Gesetze erlassen ohne viele Querverweise und tendenziöse Sonderregelungen.
  • Steuern sollen Kapitaleinkommen mehr belasten, Areitseinkommen entlasten und proportional zu Arbeitsbedingungen so veranschlagt werden, dass gewünschte Arbeitsbedingungen anreizkompatibel sind. Umwelt-, Entsorgungs- und Recyclingabgaben sollen eingerichtet werden.
  • Die Staatsverschuldung soll gedeckelt werden.
  • Importgüter sollen an gesetzliche Standards des Inlands gebunden oder vom Import ausgeschlossen werden, um einheimische Produktion lediglich mit strukturell vergleichbaren Gütern in Konkurrenz zu setzen – es bringt nichts Standards zu etablieren und dann Produkte aus Schwellenländern zu importieren, die diese Standards nicht kennen.

Umweltschutz

Wegenstein strebt Verbote und Verpflichtungen an, um Umweltschutz generationenübergreifend zu gewährleisten. Verbote sollen mit Strafen bewährt sein.

  • Verbot des Verbrauchs und der Verschmutzung lebenswichtiger Ressourcen inklusive Boden.
  • Verbot vorprogrammierter Alterung von Produkten.
  • Verbot nicht absolut notwendiger Verpackung.
  • Verbot jedes vermeidbaren Energie- und Ressourcenverbrauchs.
  • Recyclingverpflichtung.
  • Verplichtung erneuerbare Energien zu nutzen.

Wirtschaftsgesetze

  • Transparenz im Einzelhandel – alle relevanten Informationen für Käufer inklusive Wettbewerbsinformationen.
  • Beschränkung der Unternehmensgrößen.
  • Stärkung des Unternehmers durch weniger Börsenfinanzierung (langfristige Investoren).
  • Bindung des Höchstverdienstes an den Mindestverdienst.
  • Arbeitszeitverkürzung bei Arbeitsverknappung.
  • Verbot von Krediten für Konsum und Spekulation.
  • Kostenwahrheit – Einpreisung von Externalitäten über Pique-Steuern.

Diskussion

Demokratie zu fördern ist m. E. vor allem ein Thema der Interaktion – wie wollen wir miteinander umgehen? Unsere Werte müssen im tatsächlichen Verhalten ankommen und statt von Macht sollten wir von Verantwortung reden. Politiker sollten Befangenheit transparent machen. Was ich sagen möchte ist, dass Wegenstein gar nicht auf die Theorie des Gesellschaftsvertrags eingeht. Politiker, Bürger, Kapitalisten und Führungsorganisationen sind letztlich einer (Welt-)Gemeinschaft verpflichtet zumindest aber übernehmen wir hier alle Verantwortung in gewissen Bereichen füreinander und müssen uns aufeinander verlassen können. Interaktionsdefinitionen sind zentrale Bereiche der persönlichen Reifung (Vgl. Menschen groß machen).

Konkrete Maßnahmen zur Demokratieförderung kann ich nicht gut beurteilen, aber mir schwebt eine Digitalisierung demokratischer Prozesse vor – Regionalgruppen gehen durch Vertretung in übergeordnete Gruppen auf und aktuelle Themen werden diskutiert und abgestimmt. Gar nicht unbedingt rechtswirksam, aber öffentlich und mit Feedback.

Verbote und Verpflichtungen sind erst dann wirksam, wenn sie auch kontrolliert und durchgesetzt werden. Hierzu müssten geeignete Maßnahmen erarbeitet werden, sodass die Regeln nicht nur auf dem Papier stehen. Das Problem sehe ich insbesondere bei der Durchsetzung von Arbeitsbedingungen im Ausland. Hier sind eventuell Transparenzregulierung und Gutachten durch unabhängige Gutachter einzurichten. Auch glaube ich, dass Kostenwahrheit und Transparenz im Einzelhandel vielleicht besser durch Vertrauen in Optimierungsverfahren lösbar wären, als durch sperrige Produktkataloge (Vgl. CO2-Steuer).

Das Kartellrecht sollte ein ernstzunehmendes Ziel haben und nicht unterminierbar sein, auch sollten Marktspiralen von Kartellen aufgenommen werden (Vgl. Marktspiralen). Vielleicht sind aber auch Größenbeschränkungen sinnvoll. Jedenfalls ist es frustrierend, dass konzentrierte multinationale Großunternehmen die Regeln und Auswahl auf allen Märkten bestimmen, auch dem Arbeits- und Start-up-Markt (Vgl. Finanzsystem).

Corporate-Governance-Themen sind neben der Besteuerung von Kapitalvermögen und Automaten (Vgl. Utilitsmus) und Entlastung des Arbeitseinkommens von besonderer Bedeutung. Hier schlage ich vor über angemessene Renditen zu debattieren, sodass die Forderungen des Kapitals nicht alle anderen Märkte auslutschen, weil sie die Geschäftsführung einsetzen (Vgl. Nachhaltiger Kapitalmarkt). Insbesondere eine Definition von ehrbaren Kaufleuten (Vgl. CSR und ethical capitalist) und die Relationalisierung von Gehaltsniveaus im Führungsgefüge gegenüber dem Arbeitsgefüge ist hier auch vernünftig.

In Bezug auf die doch etwas negative Interpretation von Wirtschaft möchte ich anführen, dass die Betriebswirtschaft auf dem “Menschen”-Bild des Homo Ökonomikus basiert und aus dieser Perspektive funktionale Menschenbilder für die diversen Markt- und Vertragssituationen selektiert. So verfügen z. B. die Kommunikationspolitik der Unternehmen über Informationsverarbeitungswissen der Menschen, Arbeiter werden mit Werten, Bedürfnissen und anderen Motivations- und Leistungsfaktoren erfasst und Business-2-Business-Verhältnisse unterliegen Einblicken in professionelle strategische Kooperation und Verhandlungsführung. Es ist also in der Tat so, dass Unternehmen, als hierarchisch-ergebnisbewertete Expertensysteme mit enormen Ressourcen insbesondere relativ einfachen Konsumenten und Arbeitern gegenüberstehen – Übervorteilung geschieht in der Tat.

Anmerkung

Das Buch “Knapp Wertvoll Sparsam” weist eine hohe Informationsdichte auf und kann hier nur in Grundzügen dargestellt werden. Es greift auf aktuelle Daten zurück und beschreibt detailliert und anschaulich, aber etwas bestimmt, zentrale Probleme von Wirtschaft, Politik und Arbeit im Kontext der Demokratie. Sollten diese Themen Sie interessieren, kann ich das Buch empfehlen.

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CO2-Steuer

Was passiert, wenn ein Mensch feststellt, dass er ein Idiot ist? Sie wachen eines morgens auf und stellen fest: Die ganze Welt hat riesen Probleme – Klimawandel führt zu Katastrophen, Tornados, Extremwetter, Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis… das ganze Ökosystem kann kippen, die Versorgung der Menschen mit dem Mindesten, also Nahrung und Trinkwasser leidet unter Übersäuerung, Verunreinigung und Übersalzung und Pestizide rotten Bestäuberbestände aus, Großgrundbesitzer beuten Wehrlose aus – auf Plantagen, für Mineralien, Müll und Plastik sammelt sich, Tiere werden verdinglicht, eingezäunt, geschreddert, gezüchtet, notgeschlachtet – outputoptimiert.

Die “Lebenslüge” unseres Wohlstands ist enorm – wir haben kaum Möglichkeit zurzeit das Richtige zu tun – kann man überhaupt wissen, was wirklich nachhaltig ist? Haben wir diese Transparenz und Aufklärung gegenüber Wertschöpfungsketten und deren Produkten?

Aber kommen wir zurück zur Frage: Was passiert, wenn ein Mensch feststellt, das er ein Idiot ist? Sie erwarten vielleicht eine Verhaltensänderung: “Jetzt Krempel ich mein Leben um, es muss sich was ändern!”, aber die menschliche Psyche kennt einige Fallstricke. Z. B. lösen wir kognitive Dissonanz, also unangenehme Selbsteinschätzungen gerne durch beschwichtigende Informationen auf: “Mein Nachbar ist noch schlimmer, der fährt ein SUV und hat eine Nesspresso-Kaffemaschine.”, oder “Ich hab ja eh keine Wahl, die Wirtschaft bietet einem nur Pest oder Cholera.” und vielleicht auch kontrastierend: “Nachhaltigkeit ist totaler Schwachsinn, da probieren ein paar Forscher ihren Job zu erhalten und betreiben Glaskugelforschung – den Klimawandel gibt´s nicht, ich wähle die AfD!”.

Für gewöhnlich sind die Dinge, die uns dann so einfallen nicht direkt “falsch”, aber sie sind unwesentlich oder zurechtgepriemelt, um zu passen – Im Hip Hop sagt man: “fake!”. Das sehen Sie auch an der Aussage zu den Optionen unserer “Lebenslüge”: In der Tat ist es sehr aufwändig nachhaltig einzukaufen – mein letzter Nahrungsmitteleinkauf stammt aus Europa und weiter entfernten Regionen, Bio kann ich mir nicht immer leisten. Was da an Transport-CO2 drinsteckt, Plastikmüll, Pestiziden – pfff, keine Ahnung. Ich brauchte was zu essen, hab mich zum Supermarkt geschleppt und genervt eingekauft – was brauch ich, was könnte helfen, was fallen mir für Gerichte ein, was ist günstig usw. . Zuhause angekommen setzte dann mein Gewissen ein – shit!

Pigue-Steuer

Hier kommt die CO2-Steuer bzw. allgemeiner die Pigue-Steuer ins Spiel. Sind negative Effekte von Produkten und Dienstleistungen nicht eingepreist – sieht man es nicht am Preis -, dann ist die knappheits- bzw. werthaltigkeitsabbildende Funktion der Preisbildung nicht mehr gegeben – Smiths´ unsichtbare Hand funktioniert nicht mehr. Eine Pigue-Steuer misst diesen fehlenden Preisaufschlag und preist in im Wege eine Abgabe ein, die es auch erlaubt Geschädigte im Wege der Subvention oder durch öffentliche Güter zu entschädigen oder einfach die Gemeinschaft / Nation zu finanzieren – was zurückzugeben.

Wären alle sogenannten negativen Externalitäten – ökonomisch und nach unseren Wertemaßstäben – über Pigue-Steuern eingepreist, könnten Sie einfach das günstigste Produkt kaufen, das die richtige Qualität hat – das wäre noch komplex genug. Sie müssten Werbung, Erfahrung, Marken, Zertifikate, Wissen usw. prüfen, um einen halbwegs zutreffenden Qualitätseindruck zu gewinnen. Hierbei helfen uns Institute, wie Stiftung Warentest oder Gutachten zu Antriebskonzepten usw. – Transparenz ist enorm wichtig und eine Menge an Information. Information kostet Zeit, und damit Geld in Produktion und Konsum.

Informationskosten und weitere Hürden

Wenn Sie also eine CO2-Steuer fordern, bedeutet das für Unternehmen Carbon Controlling, wenn Sie darüber hinaus umfassende Nachhaltigkeitserwägungen Fordern, brauchen Unternehmen Konzepte, wie das Global-Reporting-Initiative-Framework, und wenn dann auch noch alle Innovationen wasserdicht auf Risiken abzusichern sind, kostet das eine Menge Forschungs- und Zulassungsgelder. Das ist für viele Innovationen im Bereich Nachhaltigkeit eine Hürde: während der Absatz (Business Case for Sustainability) hochgradig unsicher ist, weil Nachhaltigkeit noch nicht im Mainstream angekommen sein dürfte, entsteht ein Haufen an Kosten, um Produkte zu innovieren, Wertschöpfungsketten zu regionalisieren (höhere Löhne) und die Nachhaltigkeit zu belegen. Deswegen gibt es eigentlich nur Zertifikate für ausgewählte Probleme, die sich – sofern nicht korrupt – im Wesentlichen auf werbewirksame und kaufwirksame Nachhaltigkeitsaspekte beziehen, die Komplexität regelmäßig jedoch ausblenden.

Wird eine marktdurchdringende CO2-Steuer für diverse Produkte eingeführt, müssen alle Unternehmen diese Informationsleistung erbringen und sie ist kein Wettbewerbsnachteil mehr – die Hürde “verschwindet”. Auch werden Innovationen in CO2-sparende Produkte zu Wettbewerbsvorteilen. Aber CO2 ist wie bereits aufgezeigt nur ein Element von Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit bedeutet soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit. Zur sozialen Nachhaltigkeit gehören Dinge, wie Ausschluss von Kinderarbeit, faire Entlohnung, faire Arbeitsbedingungen, angemessener Kündigungsschutz, Finanzierung von Transistionszeiten der Arbeitslosigkeit und Weiterbildung.

Das Ideal und die Planwirtschaft

Eigentlich ist das Thema so komplex, dass wir so etwas wie eine Marktwirtschaft bräuchten, die sich im Wettbewerb um Nachhaltigkeit befindet, denn Regeln oder Regulation können die Komplexität nicht wirklich überschauen. Das ist ein bisschen wie Planwirtschaft im Sozialismus – ineffizient, ineffektiv, unflexibel.

Vielleicht tuen sich deswegen politisch Verantwortliche so schwer mit harter Regulierung, wie einer CO2-Steuer oder CO2-Zertifikate-Handel. Wir wollen jedoch festhalten, dass an mancher Stelle schon etwas getan wurde: CO2-Zertifikatehandel im Energiesektor, Nachhaltigkeitsaufklärung, Social Entrepreneurship, Impact Investment, Doughnut Economics, Umweltdemonstrationen, Boykotte – es gibt Bewegung.

Gerade auch Social Entrepreneurship zeigt auf, dass es Menschen gibt, die Verantwortung übernehmen wollen, mitdenken und Empathie besitzen – der Ehrbare Kaufmann und Corporate Social Responsibility existieren (Zu Informationen zu Verantwortungsthemen vergleiche CSR und the ethical capitalist).

Stellen Sie sich mal vor, alle deutschen Ingenieure und andere Profis würden versuchen richtig sinnvolle Produkte zu entwickeln – eigentlich eine riesen Chance und die Methodik ist auch schon weit entwickelt (Vgl den bescheidenen Beitrag: Nachhaltigkeit, der der Produktentwicklung entsprungen ist).

Was sind Nachteile einer CO2-Steuer

Neben der schwierigen bzw. bürokratischen Regulation der Steuer sind Maßnahmen, die relative Preise verändern eher im unteren Einkommenssegment bindend und wirksam. Es könnte zu einer Steigerung des allgemeinen Preisniveaus kommen und Einkommen entwerten und “gezwungen” zum kauf von nachhaltigen Produkten sind eher die Massen, als die Vermögenden. So findet nicht unbedingt eine Verantwortungsübernahme durch die Gesamtgesellschaft, den Menschen statt – reiche juckt das im Zweifel nicht. Das ist schade, weil gerade Reiche enormen Einfluss auf Innovationen haben, indem Sie Preisaufschläge für Innovationen zahlen können und die Technologien somit in ihrer realen Kostenreduktion finanzieren. Üblicherweise werden Innovationen erst über die Zeit zu Massengütern, während sie am Anfang nur den besonders interessierten zur Verfügung stehen. Nicht umsonst also führen wir die Debatte zur Verantwotungsübernahme und vorbildlichem Verhalten der Reichen.

Weitere Nachteile ergeben sich im internationalen Handel. Werden z. B. in Deutschland steuern für CO2 erhoben, aber in anderen Absatzmärkten einer handelbaren Industrie nicht, entstehen Komplexitätskosten, um Produkte für die einzelnen Märkte zu entwickeln. Gleichwohl hätte das den Vorteil einer Zukunftsgerichtetheit des Produktportfolios im Nachhaltigkeitsbereich – also so ungefähr das Gegenteil vom SUV und eher so etwas wie funktionale, multimodale und autonom fahrende Sharingkonzepte basierend auf regenerativen Energien (Vgl. Logistik der Zukunft).

Der SUV ist im übrigen eventuell für eine Anti-Nachhaltigkeitsspirale verantwortlich (Vgl. Modellierung von Marktspiralen) und mir als Ingenieur ist es in der Tat peinlich und es macht mich tieftraurig, das eine unserer Kernindustrien in Deutschland schlichtweg asoziale Marketingkonzepte vermarktet, anstatt MASCHINEN zu bauen, die Probleme vernünftig lösen – Schande über euch! Das ist ungefähr so, wie ein Teammitglied das nicht nur Trittbrett fährt, sondern auch noch versucht maximalen Schaden anzurichten, und so etwas nennt man Soziopathie.

Weitere Nachteile im internationalen Handel entstehen dann, wenn die Absatzmärkte sich regional beschränken und das Nachhaltigkeitsziel nicht wirklich erreicht wird, weil Länder nicht mitziehen. Gut wären also internationales wirksames Engagement. Hierfür gibt es Anzeichen und internationale Vereinbarungen, auch da gibt es Bewegung – nur nicht schnell genug.

Was ebenfalls nachteilig an einer CO2-Steuer ist, ist dass Sie für viele Zwang bedeutet und Bevormundung – würden Sie lieber eine nachhaltige Maschine aus Überzeugung bauen oder, weil der Kostendruck das nahelegt? Würden Sie sich lieber durch Verantwortungsübernahme hervortun, oder dazu rechtlich gezwungen sein? Es gibt viel Kritik am “auscrowden” von intrinsischer Motivation durch harte Regulation.

Was sind Alternativen zur CO2-Steuer

Ein zentrales Element auch der CO2-Steuer ist Transparenz. Wäre es wettbewerbsneutral Transparenz herzustellen, könnten Konsumenten, liebe Mitbürger, besser Entscheiden, was sie durch ihren Kauf unterstützen wollen. Transparenz bedeutet, dass unabhängige Experten Zieldimensionen durch Kennwerte und Gutachten beurteilen und raten – das könnte gesetzlich verpflichtend und damit wettbewerbsneutral sein. Transparenz herzustellen bedeutet nicht nur Informationen zusammen zu stellen, sondern sie auch geeignet zu vermitteln. Hier spielt Transparenz-Nudging eine interessante Rolle (Vgl. z. B. SuscisionHelper). Nudging bedeutet übersetzt anschubsen und im Kontext, die Expertengutachten in einfache Hinweise zu verdichten, wie Reihenfolgen, Noten, Ampelfarben oder ähnlich.

Eine weitere Alternative sind Verbote – es ist grundsätzlich möglich besonders averse Produkte einfach zu verbieten. Das beschränkt zwar die materielle Freizügigkeit, bedeutet aber z. B. das alle Menschen gleichermaßen betroffen sind, also auch Reiche. Gleichwohl müssen Verbote kontrolliert und durchgesetzt werden und es können Schattenmärkte entstehen, wie z. B. beim Alkoholverbot in den USA.

Das Gegenteil einer Steuer ist eine Subvention – man könnte besonders wünschenswerte Produkte durch Subventionen oder Umlagen fördern und konkurrenzfähig machen, wie z. B. bei der Energieumlage.

Letztlich existiert auch die besonders softe Methode der Meinungsbildung, um Bürger zu motivieren verantwortliche Konsumenten zu werden, Führungskräfte zu motivieren nachhaltige Strategien und Maßnahmen verantwortungsvoll zu ergreifen, Reiche und Konzerne zu motivieren Steuern zu zahlen und Innovatoren zu motivieren in der Suchrichtung voranzuschreiten.

Abwägung – Was ist der richtige Weg?

Im Kern geht es meines Erachtens tatsächlich um gesamtgesellschaftlichen Wandel – vom Individualismus in Richtung Kollektivismus, von Opportunismus in Richtung Verantwortung, von Autoritätssystemen zu Vernetzung und Dezentralität, von Arbeitsfokus zu Bürgertum und Gemeinschaft, von Erfolg ist Reichtum zu Erfolg ist Zufriedenheit (Vgl. Glücksländer), von Reaktivität zu Proaktivität, von Toleranz zu Diversität und Akzeptanz, von Beschwerde zu Kostruktivität, von Unwissend zu emotional Intelligent, von Nationalismus zu Weltoffenheit, von Massenproduktion zu Mass-Customization, von Globalisierung zu Handelsteritorien (Vgl. Herstellung von Konvergenz), von Hierarchie zu Koordination (Vgl. Unternehmenskonzeptionen), von Sozialismus versus Kapitalismus zu Digitalisierung (Vgl. Utilitismus), von Drucksystem zu Motivation und von Existenzsicherung zu Verteilungsgerechtigkeit (Vgl. Arbeitsvermittlung 4.0 und Gerechtigkeit – eine Beschwerde) sowie von Ausbildung zu lebenslangem Lernen.

Die Themen der Zeit sind mannigfaltig und fordernd. Ein junger Mann, dessen Artikel ich nicht mehr finde, hatte argumentiert, dass die Entwicklung der Strömung, die sich in der AfD manifestiert inklusive Rassismus und Radikalisierung, auf der Sicherung des Gefühls ein guter Wohlstandsmensch zu sein basiert – früher war man stolz bessergestellt zu sein, das hatte man sich als Volk verdient, heute sind wir Ausbeuter und Sozialschmarotzer, obwohl wir viel Arbeiten.

Mit Komplexität umzugehen erfordert viel Agilität und enorme Verarbeitungskapazität sowie – und davon haben deutsche besonders wenig – Frustrationstoleranz, Emotionale Intelligenz und Hoffnung (Vgl. Selbstregulation, Positives Denken und Bewusstseinsreifung). Komplexität ist auch schwer alleine zu verarbeiten, wir brauchen uns, wir brauchen Gemeinschaft, wir brauchen Kooperation (Vgl. Kooperationsmanagement). Wir sollten Soziale Medien und Digitalisierung zu zielführender und hilfreicher Vernetzung einsetzen (Vgl. Wissensmanagement). Und wir können nicht im Kämpfen und Verdrängen / Flüchten und Gerichtsurteilen verharren, sondern müssen uns wertschätzen – die Würde des Menschen ist unantastbar (Vgl. Konfliktmanagement) bedeutet Menschen Respekt zu zollen und Empfehlung statt Neid.

Ich komme also zum Schluss, dass wir ein Portfolio von genannten Maßnahmen brauchen – wir brauchen Meinungsbildung und Appell genauso wie harte Regulation. Aber was hilft wirklich, Transparenzregulierung und Transparenznudging oder umfängliche CO2-Steuern. Hilfreich finde ich insbesondere die Abkehr von einer statischen Entscheidung hin zu einer dynamischen Betrachtung: wir können erst Transparenz regulieren und Nudgingsysteme ausbauen, bevor wir – falls erforderlich – zunehmend hart regulieren. Wir können in einem Prozess eine Balance aus softer und harter Regulierung entwickeln, die sich an das Problem herantastet. Angefangen mit den großen Brocken, denn wir arbeiten gegen die Zeit und wenn wir nichts tun, müssen wir eventuell irgendwann hochriskante Geoengineering-Projekte durchführen, um zu überleben.

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