Diskussion: It´s Time for Politics to Grow Up

Dieser Vorschlag ist universell und einzigartig. Universell, weil er positive Ideen ausdrückt, die von vielen traditionellen und modernen Kulturen geteilt werden, und so von allen verstanden werden kann. Einzigartig, als konstruktive Synthese für unser aller Fortschritt in einer Form, die Diversität aufblühen lässt und nicht von spaltender Politik untergraben wird. – Dorian Furlonger (2019): “It´s Time for Politics to Grow Up”, Übersetzung von Marius A. Schulz.

Zentrale universelle Normen, die Furlonger aufnimmt sind die vertrauenshaltige Reziprozitätsnorm, die Goldene Regel und der Grundsatz systemisch-individueller Freiheit:

  • Ich gehe auf dich zu, in der Hoffnung, dass du auf mich zugehst.
  • Ich behandle andere so, wie ich selbst behandelt werden möchte.
  • Ich erlaube mir nur jede Freiheit, die nicht andere in ihrer Freiheit behindern.

Lebensqualität – ehrlich und bedacht

Er konfiguriert diese drei moralischen Grundsätze in Bezug auf Lebensqualität. Lebensqualität erfasst er als subjektive Beurteilung, die überlegt, autonom und wissensbefähigt erfolgt in Bezug auf:

  1. Leben in gutem physischen und sozialen Umfeld (mit einer guten Mischung aus Sicherheit und Chancen in physischer und sozialer Hinsicht).
  2. Leben eines erfüllten Lebens.
  3. Leben in Selbstachtung.

Im Kontext der Allgemeinheit erweitern sich folglich die Beurteilungskriterien hin zu:

  1. Ich beurteile frei von Beeinträchtigung meines Denkens (wie z. B. Manipulation oder Gruppenzusammenhalt).
  2. Ich beurteile mit offenem Zugang zu gegenwärtig relevantem Wissen, dass ich reflektieren konnte.

Schließlich zeigt sich die Integration der moralischen Normen in der Berücksichtigung der Selbstbeschränkung eigener Lebensqualität sofern sie andere oder die Gesamtgesellschaft in ihrer Lebensqualität behindern würde und der Aussage sich auf bedeutsame Unterstützung von Mitmenschen und Institutionen verlassen zu können.

Damit setzt Furlonger auf eine ehrliche und bedachte Bekundung unserer Lebenszufriedenheit. Das steht – so Furlonger implizit – in starkem Kontrast zu den Machtspielen einer Klientelpolitik, die “vorbildhaft” inszeniert wird – die Machtpolitik.

Machtpolitik nutzt sophistische Techniken, statt dem “mutual higher-self thinking”, dem selbstabstrahierenden Denken zum gemeinsamen Wohl.

Kritik

Zentral scheint mir die Fragestellung der Integration fremder Interessen in die eigenen Fühlens-, Denkens- und Verhaltensweisen zu sein. Entsprechend meiner Konzeption egoistisch-empathischen Verhaltens strebt Furlonger hier die Beachtung von Fremdinteressen an – sie sind zu bedenken. Das unterscheidet nach meiner Konzeption von Opportunismus oder gar Soziopathie, die ohne Berücksichtigung der Konsequenzen eigenen Handelns für andere auskommt.

Diese Fragestellung, also die Integration von Fremdwirkung ist jedoch ein zentrales Thema der Ethik – wir können meistens nicht alle Konsequenzen unseres Handelns absehen. So sind wir z. B. als unperfekte Wesen auf Integration entsprechend unserer Intention angewiesen (Vgl. Integration) und die Optimierung gemeinsamer Entscheidungen kann zwar modelliert werden (Vgl. Homo Ökonomikus), aber nur für ausgewählte Stakeholder, nicht das ganze System.

Hier ist folglich die richtige Konsequenz, sich Mühe mit der Modellierung von Konsequenzen eigenen Verhaltens (dazu zählt auch Kommunikation) zu geben und abzusichern aus positiver Intention zu handeln, nicht aber aus “Überforderung” und mangelndem Verständnis für die subjektiven Situationen anderer aufzugeben, Fremdwirkung zu berücksichtigen.

Dieser Anspruch ist keineswegs neu, sondern im alteuropäischen Kulturgut z. B. des Ehrbaren Kaufmanns in der sogenannten inneren Ehre erfasst (Vgl. Corporate Social Responsibility), war aber im Kontext des zweiten Weltkrieges in Vergessenheit gebracht worden. Heute finden wir diese Ideen im Kontext von Integrität, Authentizität und Verantwortung.

Konstitution

Nach Furlonger sollte folgendes Kernprinzip in die Verfassung aufgenommen werden:

In allen politischen und administrativen Entscheidungen muss die Priorität in der Zielsetzung liegen, dass die Menschheit sich hin zu nachhaltiger Lebensqualität für alle entwickelt und zwar basierend auf offenem und transparentem Wissen.

Dieses Kernprinzip elaboriert er in neun Regeln, die wie folgt zusammengefasst werden können:

  1. Lebensqualität für alle ermöglichen:
    1. Freiheit für Lebensqualität, solange andere nicht eingeschränkt werden.
    2. Entscheidungen und Infrastruktur zur Ermöglichung von Lebensqualität.
    3. Mutual higher-self thinking in Politik und Administration.
  2. Nachhaltigkeit:
    1. Ökologische Nachhaltigkeit.
    2. Soziale Nachhaltigkeit ohne Monokulturen.
    3. Langfristorientierung und Beachtung des Gesamtkontext.
  3. Offenes und transparentes Wissen:
    1. Breite Wissensforschung in allen Bereichen.
    2. Förderung von Fähigkeiten durch Bildungsoffenheit und -Distribution.
    3. Nutzung von Wissen und wissensgerechte Prüfung von Entscheidungen.

Diese Regeln sollen sich gegenseitig verstärkend im Gesamtkontext entfalten, sind also designed, um eine systemische Dynamik hervorzubringen.

Kritik

Furlonger entwirft eine ähnliche Konzeption wie Doughnut Economics. Hierbei geht es um Mindeststandards und Einhaltung von oberen Limits, also dem Setzen von Nebenbedingungen für die freie Entfaltung – in beiden Konzepten in Bezug auf soziale und materielle Mindeststandards und planetäre obere Grenzen unserer ökologischen Lebenswelt.

Furlonger betont mit seinen Regeln die Wichtigkeit von Gleichheit und Gleichwertigkeit mithin Gerechtigkeit der individuellen Entfaltung gegenüber der Einschränkung der Entfaltung Dritter. Diese Form der relationalen “Beschränkung” wird sowohl intranational als auch international eingesetzt.

Hierin zeigt sich eine zunehmende Integration von ökonomischer, ökologischer und sozialer, und damit auch politischer, Nachhaltigkeit. Konzeptionell nach Furlonger fehlt damit vor allem das Feedback bzw. die Integration der Expertise der Bildungsverantwortlichen.

Hierin dürfte das Fundament bürgerlichen Handelns durch Wissensaneignung und Kompetenzvermittlung liegen, die nicht im sozialen und medialen Miteinander erwächst. Während Furlonger auf umfassende Offenheit und Transparenz von Wissen abzielt, habe ich mich eher mit der Vernetzung von Spezialisten beschäftigt (Vgl. Jigsaw-Bildungswesen und Wissensmanagement).

Damit entsteht aus meiner Perspektive insbesondere die Frage, wie das Wissen in Form spezialisierter Aneignung in einem Expertensystem vernetzt werden kann und ich stehe der Allgemeinbildung vor diesem Hintergrund kritisch gegenüber – kann wirklich jeder so vieles Wissen, oder brauchen wir Arbeitsteilung im bürgerlichen Bereich?

Politische Implikationen

In Bezug auf politische Implikationen unterscheidet Furlonger zwischen Staatsorganisation, der Rolle der Politiker, der Rolle des Bürgertums und der Öffentlichkeit sowie der internationalen Verhältnisse.

  1. Staatsorganisation:
    1. Gewaltenteilung.
    2. Unabhängig gewählte Prüfungsinstitutionen gegen Veruntreuung.
    3. Repräsentativität des Staates durch Abbildung der Interessenslagen der Menschen.
  2. Rolle der Politiker:
    1. Ablage der Führerinterpretation gegenüber einer Interpretation als Dienstleister / Steward gegenüber den Menschen.
    2. Vereidigung der verfassungsgemäßen Verantwortung und Verpflichtung.
    3. Wahrung der Diskursqualität öffentlicher Debatten.
  3. Rolle des Bürgertums und der Öffentlichkeit:
    1. Eigenverantwortung für die eigenen Lebensqualität und Partizipation am politischen Geschehen (Bürgertum).
    2. Öffentliche Erwartung von bedeutsamer Anwendung der Prinzipien und Regeln.
  4. Internationale Verhältnisse:
    1. Kooperationsgrundsatz gegenüber Drittstaaten.
    2. Auffassung von Gewalt (und Macht) als letztes Mittel und gescheiterten Verhältnissen.

Kritik

Meiner bescheidenen Meinung nach – es handelt sich nur begrenzt um meinen Kompetenzkreis – manifestiert sich die politische Intention Furlongers vor allem in den staatsorganisatorischen Strukturen mit ihren nationalen und internationalen Kontrolleinrichtungen. Zu einem Gewissen grad wird Vertrauen über diese Kontrolleinrichtungen ermöglicht insbesondere aber durch Transparenz bestätigt, und sorgt somit für das Klima fruchtbarer Debatten, die im Kontext zunehmender Digitalisierung auch eine Form der Transparenz und Qualität erreichen könnten, die ein mündig argumentierendes Bürgertum fördern könnte.

Natürlich bedeutet dies, dass das Bürgertum für diesen Prozess auch einstehen sollte und so mitkontrollierend Wirkung entfaltet – insbesondere in liberalen Demokratien. Letztlich entscheiden natürlich unsere individuellen Selbstansprüche in kollektiver Durchdringung, wie unsere Strukturen aufgebaut sind (Vgl. Menschen groß machen) und wir können schließlich zunächst am besten bei uns und dann an den Strukturen angreifen, aber es besteht Gefahr der Überforderung.

Ökonomische Implikationen

Furlonger denkt Ökonomie problembezogen von den Zielen her, wenn er Märkte (auch Finanzmärkte) und Geschäftspraktiken mit Lebensqualität für die Menschheit abgestimmt wissen will, sodass Preise und Indikatoren die Lebensqualität messen und zwischen den Menschen abstimmen und Unternehmen zu werteorientierten Systemen mit transparentem Schutz vor illegalen Aktivitäten sind sowie Professionalität stimuliert wird.

Dem Staat kommt darüberhinaus die Förderung von Forschung in Lebensqualität bedingende Technologien und Wissen zu und die Unterstützung des Arbeitsmarktes. Dabei soll der Arbeitsmarkt durchaus Jobs zugunsten der Lebensqualität aller verschieben / aufgeben können, aber die Betroffenen sollen Unterstützung in der Jobtransition erhalten. Deswegen soll der Staat auch die Entstehung von Arbeitsplätzen insbesondere in Verbindung mit Lebensqualität fördern und Wandel in der Ökonomie und ökonomische Schocks mit Perspektive auf die Arbeitserhaltung und Transitionsförderung managen.

Die Korrektur von Preisbildung, die nicht mit realen Kosten und Nutzen harmoniert soll in einem Prozess kontinuierlicher Aufdeckung mit geeigneten Maßnahmen von Meinungsbildung über Entscheidungsunterstützung bis hin zur Besteuerung und Regulation erfolgen.

Kritik

Unternehmen balancieren Anforderungen von Absatz- und Faktormärkten mit den Faktoren Arbeit, Finanzkapital, Potentialgüter und Rohstoffe im Kontext von Wettbewerb. Dabei gibt es auf dem Absatzmarkt allgemeine Preisanteile und individuelle Preisanteile, während letztere die Spielräume auf den anderen Märkten ermöglichen. Somit liegt in professionell agierenden Unternehmen stets Fokus auf der Wettbewerbsposition über Preis und Leistung(-swahrnehmung).

Da Herr Furlonger Standards für Unternehmen einrichten möchte, müssen diese zu allgemeinen Preisanteilen werden, sodass sie anreizkompatibel im Wettbewerb sind. Hierzu kann geeignete Transparenz an Absatzmärkten eingerichtet werden oder es können Regulationsstandards geschaffen werden.

Das grundsätzliche Thema ist, dass Regulation und Transparenz bzw. Standards nachlaufend konzeptioniert sind gleichwohl sie häufig strukturell eingreifen. Das bedeutet, dass wir ausgehend von wahrgenommenen Problemen Standards etablieren, um diese Probleme und vergleichbare Problemmöglichkeiten auszuregulieren oder entscheidungswirksame Bewusstheit herzustellen und aufrecht zu erhalten – dieses reaktive Muster ist also nachlaufend. Können wir Probleme antizipieren, können wir vorauslaufend-prognostisch regulieren und beeinflussen.

Deswegen sind z. B. Transparenzframeworks basierend auf systematischer Analyse von ungewünschten Marktresultaten, die am (Absatz-)Markt wirksam werden in höherem Maße vorauslaufend, als die Korrektur von ungewünschten Marktresultaten durch Regulation und Beeinflussung. Hier setzt z. B. das Transparenznudging an, dass umfängliche Indikatoren in Kaufnudges überführt, sodass Produkte unabhängig vom Involvement der Konsumenten gut beurteilt werden können und zwar in Bezug auf messbare Eigenschaften, sodass die Vertrauenseigenschaften nur einen geringen Anteil ausmachen.

Professionelle Konsumenten (also z. B. der Verbraucherschutz) würden hier Signale von Unternehmen erwarten, die durch Transparenz echte Werte vermarkten. Hier stellen wir fest, dass die Wertschöpfungsketten am Absatzmarkt eher auf extreme Abweichungen reagieren, als auf Best Practices – Enttäuschung also relevanter ist, als Qualität behaupte ich. Diese Interpretation – sofern sie real ist – legt nahe, dass Unternehmen lediglich den extremen und medial wirksamen Vertrauensbruch meiden, anstatt proaktiv Standards zu erarbeiten.

Eine Institutionalisierung von Qualitätsstandards in Kaufhinweise überbrückt diesen blinden Fleck der Endkonsumenten, sofern das Vertrauen in die Transparenzframeworks besteht. Dies bedeutet nach den Grundsätzen der Privatautonomie, dass diese Transparenzframeworks den Konsumenten bestmöglich individuell beraten, keinesfalls aber bevormunden sollten. Hier ist auch eine Vermittlung und Transparenz der Indikatoren in bildenden Prozessen zu vermitteln – Vertrauenseigenschaften eines Transparenzframeworks sind von erheblicher Bedeutung.

Transparenz ist keinesfalls eine ungewöhnliche volkswirtschaftliche Forderung, sondern eine grundlegende Annahme effizient funktionierender Märkte. Allerdings sind in der öffentlichen Wahrnehmung eher Zertifikate und Marken präsent, die betriebswirtschaftliche Lösungen darstellen, also Geschäftsmodelle sind. Transparenzframeworks mit entsprechender Regulation oder Marktdurchdringung hingegen sind ganzheitliche Ansätze soweit derzeit absehbar. Meines Erachtens ist es wichtig die Debatte hier zu konzentrieren und sich bewusst zu machen, dass Unternehmen und auch Finanzinstitute aufgrund der systemischen Zusammenhänge auf derartige Ansätze von sich aus reagieren – in der Wirtschaft sollte fundiert am richtigen Hebel eingegriffen werden. Eine Übersicht zu Nachhaltigkeitsregulierung liefert der Artikel CO2-Steuer.

In Bezug auf die verbleibenden Vertrauenseigenschaften, also z. B. genehmigte Pharmazie- oder Pestizidforschung, die aufgrund von Informationsasymmetrien und Unmöglichkeit der Vorablangzeitstudie Spielräume für unverantwortliche Geschäftspraktiken lassen, müssen nachträgliche Transparenz eine Reputationswirkung entfalten, die vernünftige und verantwortliche Unternehmen befördern, aber letztlich braucht es in der Tat Verantwortungsbewusstsein und moralisches Handeln auf individueller und organisatorischer Ebene (Vgl. zu Verantwortungskonzepten Corporate Social Responsibility und the ethical capitalist). Streng genommen müsste man die Forschung verstaatlichen und die Nutznießer zum einen mit einer separaten Forschungssteuer belegen und zum anderen auf genehmigte Produkte beschränken.

Bildungswesen Implikationen

Furlonger hält folgende Elemente der Bildung für erwartbar:

  1. Jeder Mensch sollte hochwertige Bildung in der Jugend erhalten und im Erwachsenenalter sollte Bildung stimuliert werden und leicht zu finanzieren, wenn nicht sogar kostenlos sein.
  2. Bildung soll alle Felder enthalten, die für Lebensqualität relevant sind.
  3. Bildungswissenschaften sollten exzessiv erforscht und verbessert werden.
  4. Leistungserfolgskontrollen, die nicht der Zertifizierung von beruflicher Qualifikation dienen, sollten darauf abzielen, Strategien für besseren individuellen Lernfortschritt abzuleiten, statt soziale Pyramiden durch Selektion voranzutreiben.
  5. In der Gesamtschau soll Bildung Menschen befähigen gute Entscheidungen selbstständig treffen zu können (überlegt, autonom und wissensbefähigt), sodass sie ihre Lebensqualität verbessern können, ohne andere in ihrer Lebensqualität zu beschränken.

Furlonger erarbeitet auch die Felder der Bildung, die relevant sind, um Lebensqualität zu ermöglichen:

  1. Sprach-, Kommunikations- und Lernkompetenz.
  2. Wissenschaft von Natur und Technologie, die Verständnis der zugrundeliegenden Faktoren unserer Leben bildet inklusive der Wissenschaftstheorie, wie derartige Erkenntnisse gewonnen werden.
  3. Alles relevante Wissen, um Entscheidungen im globalen Nachhaltigkeitskontext treffen zu können.
  4. Vorurteilsfreie Bildung zu menschlichen Gesellschaften auf der Welt inklusive Kulturdifferenzen, Formen der nationalen Staatsorganisation und internationalen Eingliederung und Unterschiede der Lebensführung, physikalischen Umgebung und dem Umgang mit besonderen Herausforderungen. Ziel ist Entscheidungen im globalen sozialen Kontext treffen zu können.
  5. Unparteiische Bildung zur eigenen Nation aus sozialer, physischer und historischer Perspektive.
  6. Verständnis von Moral, Werten und menschlicher Bewusstheit (menschenbezogenes Wissen) aus Perspektive relevanter Forschung, wie Ethik, Psychologie und Neurophysiologie.
  7. Bildung zu Logik, systemischem Denken und Entscheidungsfindung mit Befähigung Offenheit mit kritischem Denken zu balancieren.
  8. Bildung zu menschlichen Beziehungen.
  9. Wissen und Fähigkeiten, um das Leben und die Karriere managen zu können.
  10. Bildung in Kunst und Sport im Kontext sozialer Kompetenz, Begeisterung und Stimulation sowie der Erhaltung physischer und mentaler Gesundheit.
  11. Anleitung zu bürgerschaftlichem Engagement in Politik und sozialen Belangen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene inklusive motivationaler Aspekte.
  12. Wissen um die intendierte Verfassung und was die zugehörigen Regeln bedeuten.

Kritik

Bildungskonzeptionen sind nicht mein Kompetenzkreis, aber aus subjektiver Erfahrung halte ich insbesondere Wissen um Recht, Menschsein und kulturelle, wie erkenntnistheoretische Wahrnehmungs- und Verhaltensunterschiede für zu wenig durchgängig vermittelt. Im Übrigen ist Bildung ein Prozess, und damit nach Effektivität, Effizienz und Flexibilität zu gestalten, wobei insbesondere Flexibilität in unseren historisch autoritär geprägten System zu wenig bedacht scheint, um eine intensive Profilbildung in Bezug auf Wissen und Kompetenzen hervorzubringen, die im Kontext der Allgemeinbildung zukunftsgerichtet Arbeitsteilung in Kooperation ermöglicht und dabei die Motivation der Lernenden betont. Ich habe dazu im Artikel Jigsaw-Bildungswesen versucht meine Eindrücke zu reflektieren.

Zentrale Zusammenstellungen meiner wissensbasierten Beschäftigung mit dem Menschsein finden Sie im Abschnitt Ich-Kompetenzen.

Fazit

Dorian Furlonger widmet sich zentralen Grundsätzen einer Konstitution und betrachtet deren Implikationen in den zentralen Gesellschaftsstrukturen: Staatsorganisation / Politik, Wirtschaft und Bildung. Die Ausführungen bleiben nicht auf nationaler Ebene hängen, sondern widmen sich auch der internationalen Gemeinschaft.

In diesem Sinne rückt er den Wert des Universalismus in den Vordergrund – wir sind eine Menschheit auf einem Planeten. Diese fundamentale Wahrheit möchte er in unseren zentralen Strukturen global wiederfinden. Deswegen sollten die Bürger der Nationen ihre Erwartung an die Politik erhöhen und sich selbst konstruktiv und mitmenschlich im Sinne höchster Lebensqualität für alle einbringen.

Eine interessante Diskussion scheint mir die Verständigung zwischen Menschen, die einen Wert zugunsten von Macht entwickelt haben mit Menschen, denen Macht eher wenig motivierende Kraft gibt, da mir der Eindruck entstanden ist, dass letztere auf eine “Macht des Sozialsinns” setzen, deren Relevanz für machtorientierte Menschen vielleicht der Verständigung bedarf. Dies scheint mir eine interessante Fragestellung, die offen geblieben ist.

Anmerkung

Das knapp gehaltene Buch von Dorian Furlonger ist in diesem Artikel in den wesentlichen Aussagen erfasst. Gleichwohl erzeugen die Darstellungen von Furlonger vielschichtige Details über Zusammenhänge, Motivation und Interaktion der Prinzipien und Regeln, die hier nicht abgebildet werden können uns sollen. Ich kann das kurze Buch empfehlen. Schade ist lediglich, dass das Buch ohne Würdigung von zum Teil Lebensleistungen von Forschern durch Referenzierung auskommt, und sich damit etwas der wissenschaftlichen Gemeinschaft entzieht.

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Gerechtigkeit – eine Beschwerde

Der nachfolgende Artikel versucht konstruktiv zu sein, aber es ist ein sehr emotionales Thema. Die Enttäuschung junger Menschen, die realisieren, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert, nachdem sie versucht haben das Beste aus sich zu machen und Verantwortung für ihre Entwicklung übernommen haben, ist groß. Zu sehen und zu hören, wie Worthülsen in Bezug auf zentralste Werte unserer Gesellschaft propagiert werden, um Menschen ohne fachliche Spezialisierung in Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsrecht ein Gefühl eines erstebenswerten Zustands vorzuspielen, ist schmerzlich. Und dann auch noch diese Mitmenschen, die als blinde Passagiere Anpassungsleistungen erbringen, um dem hinterherzurennen, was man ihnen als werthaltig suggeriert hat und dann “legitimiert” durch “Erfolg” / “Normalität” meinen einen abschätzig behandeln zu dürfen um ihren instabilen Selbstwert zu erhöhen.

Die ewige meinungsbasierte Mitläufer-Kritik an jedem Konzept ohne inhaltlich zu argumentieren, Zensur auf Blogs, Ablenkung von den Themen, Grabenkämpfe nur um oberflächlich Eindruck zu schinden, Konsum von Blogs ohne Feedback, ohne Diskussion: Ich betreibe seit fast drei Jahren einen Blog aus intrinsischer Motivation heraus, aber es ist extrem enttäuschend zu sehen, wie wenig mitgedacht wird, wie viel konsumiert wird und wie wenig konstruktives Feedback man erhält.

Ich hatte in den letzten neun Jahren kontinuierlich taffeste Probleme im intellektuellen, wie sozialen Bereich zu bewältigen und so gut wie keine zwischenmenschliche Unterstützung – im Gegenteil die Leute um mich herum produzieren förmlich Probleme. Dieser Artikel drückt einfach mal aus, was aus mir raus muss. Und im Kern möchte ich der großen Mehrheit dieser Gesellschaft (jung wie alt) mitteilen, dass es mir peinlich ist, was aus Ihnen geworden ist. Wir leben in einer Gesellschaft vieler ichschwacher, unreflektierter und unausgeglichener Personen, die durch ihren Schwachsinn andere am Vorankommen behindern. Die wenigsten Menschen merken überhaupt, wenn man sich für sie einsetzt und unsere Kultur flacht ab; von Dankbarkeit ganz zu schweigen.

Mich haben in den letzten drei Jahren Mitbürger (Vermieter, zwei Führungskräfte) um insgesamt etwa 1.950 € gebracht, weil ich es nicht leisten und finanzieren kann, sie zu verklagen. Solche Menschen sind unfassbar erbärmlich, weil ich als junger Mann nun mal keine finanziellen Spielräume habe und sie nicht mal wirklich ihr eigenes Geld verwalten. Ich wurde in den letzten neun Jahren von drei Frauen, in die ich beziehungstechnisch investiert hatte, nach der Trennung kommunikativ blockiert – macht man heute so: passt mir nicht, blockier ich. Mein Freundeskreis hat einen Opportunisten freie Hand gelassen mich kontinuierlich zu schikanieren, bis ich ihn nach letztmaliger Bitte um Hilfe nach vier Jahren verlassen habe. Mitbewohner in meiner vormaligen WG haben in Kooperation mit der Nachbarwohnung – vermutlich einer faschistischen Gruppierung aus Nordhessen von denen ich mich nicht habe einschüchtern lassen – 5 1/2 Jahre Mobbing gegen mich betrieben, während ich die Verantwortung in der WG getragen habe und sämtliche Mitbewohner, die nicht am Mobbing selbst beteiligt waren, haben sich rausgehalten. Jetzt wohne ich in einer WG mit einer wahrscheinlich soziopathischen Nachbarin, die höchstwahrscheinlich mein T-Shirt auf dem Wäscheständer aufgeschlitzt hat, deren Mutter mich als Sozialschmarotzer bezeichnet, und einem Nachbarn, der kollerisch und penibel ist. Diese Leute werden vom Vermieter unterstützt, wo die Rechtslage andere Maßstäbe vorsieht und, weil ich keine Kraft mehr für solchen Schwachsinn aufbringen möchte, weil das in Rechtsverfahren mündet, die wenig bringen, toleriere ich die “Machtkonstellation”. Die ganzen Lasten neben meinem anspruchsvollen Studium haben mich psychisch in eine Situation gebracht, die viel Zeit zur Bewältigung vereinnahmt. Diese Leute beeinträchtigen meine Lebensführung, meinen Erfolg, meine Gesundheit für nichts und wieder nichts. Das ist meine soziale Situation und so etwas prägt unser Verhalten / Handeln, aber mein Ruf wird systematisch geschädigt und auf Abweichungen von der Norm aus persönlichen Charakteristika attributiert.

Ich garantiere Ihnen, dass ich nicht eine Person kenne, die in meiner Situation so eisern versucht hätte das Beste daraus zu machen und das viele gewalttätig oder suizidal geworden wären. Für diese taffe Leistung habe ich noch nicht ein Wort der Anerkennung von irgendwem erhalten.

Was ich damit sagen möchte ist, dass Verantwortungsübernahme in diesem meinigen Teil der Gesellschaft bestraft wurde und wenn das verallgemeinerbar ist, dann befindet sich unsere Gesellschaft in einer Entwicklungsdynamik des Zerfalls. So etwas führt zu Krieg und Leid.

Es geht hier nicht um Mitgefühl, ich möchte, dass Sie ihre Kinder erziehen, sich selbst reflektieren und einen sozialen Beitrag leisten und aufhören Anpassungsleistungen unreflektiert zur Norm zu erklären. In dieser Gesellschaft stimmt etwas nicht, auf der Beziehungsebene und was sie dadurch verlieren, ist das höchste Gut für ein soziales Wesen.

Leistungsgerechtigkeit

Gesellschaftlicher Wert unternehmerischer Leistung liegt in der Versorgung der Weltbevölkerung mit Gütern und der identitätsstiftenden Arbeit in einer Weltgemeinschaft. Reales Wirtschaftswachstum soll bedeuten, Versorgung mit weniger Zeitaufwand sicherzustellen und Kapazitäten freizusetzen. Deswegen sind Innovation und Arbeit die wesentlichen Beiträge.

Führung dient der Koordination, Motivation und Repräsentation. Führungskräfte sind aufgrund ihrer Verantwortung mit Kompetenzen ausgestattet. Kapitalgeber sollen für Konsumverzicht entschädigt werden und den Wert ihrer Leistung erhalten können (Geldwerterhaltung).

Die Entlohnung (zunehmend sortiert) entfällt auf Arbeiter, Innovatoren, Führungskräfte und Kapitalgeber, während die Leistung (zunehmend sortiert) durch Kapitalgeber, Führungskräfte, Arbeiter und Innovatoren erbracht wird. Es gibt im derzeit herschenden Kapitalismus ein Mismatch von Leistung und Einkommen: Unser Kapitalismus ist nicht leistungsgerecht.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein junger Wirtschaftsingenieur und spezialisiert auf Innovation nachhaltiger mechatronischer Produkte im Prozess wie in der vertikalen Organisation von Unternehmen, wie ich. Sie wurden und haben sich ausgebildet, um am zentralen Tätigkeitsfeld Deutschlands zu arbeiten. Damit Sie arbeiten können, brauchen Sie eine Einigung der Gesellschaft auf eine wirtschaftliche Vision, damit Sie richtig investieren können und die durch Diskurs erarbeitet werden sollte, und Sie brauchen gewisse Potentialfaktoren wie Software, Prototypenbau und Mitstreiter – also Kapital.

Wenn Sie ein Unternehmen gründen, haben Sie den Vorteil, dass Ihre Leistung, also immaterielle Güter, wie Patente, ihnen und den Eignern ihres Unternehmens gehören, während in abhängiger Arbeit ein Gehalt und eine Abfindung gegen ihr intellektuelles Kapital getauscht werden und dieses somit den Eignern zusteht. Kurz: Sie sind potentiell der Fortschritt dieser Gesellschaft, Sie ermöglichen Arbeitsplätze, aber andere verdienen mit, weil Sie ihnen Kapital zur Verfügung stellen. Das könnte grundsätzlich fair sein, aber Sie sind abhängig und vulnerabel, währen Kapitalgeber zahlreiche Optionen haben. Man wird Sie – das ist faktisch ein strukturelles Phänomen – ausbeuten. Man lässt Ihnen im Prinzip die Option besser gestellt zu sein, wenn Sie mitspielen, als wenn Sie nicht mitspielen.

In klassischen ökonomischen Modellen würden Sie also mitspielen, aber ich bin im Vertrauen in unser System groß geworden und mir wurden gesellschaftliche Werte vermittelt. Weiterhin handle ich menschlich-psychologisch und bin defakto demotiviert. Ihre ganze Investition in Sinn und höchsten wirtschaftlich-gesellschaftlichen Beitrag wird durch das System korrumpiert.

Verstehen Sie bitte, dass das abgefahren ist, das der “Motor” unserer Wirtschaft ausgebeutet wird. Das ist ähnlich, wie die abgefahrene Diskrepanz der Entlohnung sozialer Leistungen und Nahrungsmitteln gegenüber der Entlohnung von Komfortkonsumprodukten und Statusgütern. Nochmal: Unser Wirtschaftssystem ist nicht leistungsgerecht.

Ein nicht leistungsgerechtes Wirtschaftssystem hat – ähnlich wie der Sozialismus – eine Anreizproblematik. Während im Sozialismus Trittbrettfahren eintritt, tritt im Kapitalismus Machtsicherung ein. Sie verdienen in unserem System am meisten, wenn Sie Macht zugesichert bekommen. Ideologisch wird eben das durch Verantwortung und Leistungsgerechtigkeit begründet, aber faktisch wird Ausbeutung zur Normalität, wie Sie überall sehen können außer in der Meinungsbildung.

Unsere Kultur hat heere Werte, ist aber im tatsächlichen Verhalten in maßgeblichen Entscheidungssituationen opportunistisch bis soziopathisch. Einige Menschen wägen immerhin zwischen Egoismus und Beitrag ab. Zentrale Bereiche unserer Kultur werden immer kämpferischer, individualistischer, weniger moralisch und statusorientiert. Argumentationen weichen vermehrt Meinungsäußerungen, Grabenkämpfen und Interessensvertretungen – wofür bilden wir eigentlich die Experten aus?

Paradoxer Weise – hören Sie mal den Rapper Gzuz – werden Statussymbole, wie hochmotorisierte Großwagen, Cocain, Staatsrebellion, Selbstjustiz und Gewalt sowie transaktionsorientierte, unverbindliche Intimbeziehungen zu Erfolgskriterien (Hedonismus und Macht), während die Rahmenbedingungen auf denen unser individueller Wohlstand und Frieden historisch basiert, wie Umwelt, Gesundheit, Gesellschaftsvertrag, Beziehungen, Erziehung, Kultur, Vertrauen usw. faktisch nahelegen, dass eben diese “Erfolgskriterien” einen Sozialschmarotzer ausmachen. Es gibt bei mir eine direkte Korrelation zwischen sogenannten “Erfolgreichen”, die als Vobilder inszeniert werden, und negativem Affekt. Menschen, die Sie höchstwahrscheinlich toll finden, ekeln mich, machen mich traurig und machen mich wütend.

Jetzt ist nur mein Ansatz anders als der von Gzuz: Ich versuche durch Überzeugungstransferdialektik eine Rückbesinnung auf Werte und Diskurs zu bewirken und Lösungen für uns alle zu erarbeiten, während Gzuz – seinen Inhalten nach – einen Machtbereich sichert und mit seinen Freunden im Kampf gegen den Rest der Welt steht. Ich stehe damit in der Tradition der Menschen, die unsere Gesellschaft aufgebaut haben und Gzuz in der Tradition der Oligarchen.

Mir geht es nicht um Gzuz – den ich gerne höre um abzuschalten und Energie freizusetzen – sondern um die Demonstration, dass die Menschen, die wir als erfolgreich definieren, eher im Gzuz-Bereich unterwegs sind als in der Tradition der Staatsmänner. Dieses Problem ist fundamental im Kapitalismus, wie er derzeit global gestaltet ist und führt dazu, dass unsere Gesellschaften auf der Beziehungsebene stark eingeschränkt sind. Wir kratzen in der Maslow´schen Bedürfnispyramide an der Sicherheitsebene – unkooperativ.

Verstehen Sie mich nicht falsch, aber wenn die Machthaber, die man Verantwortungsträger nennen sollte, nicht arbeiten, sondern auf Stimmungen reagieren und größenwahnsinnige nationalistische Gemüter bedienen. Wenn sie nicht argumentieren, wenn sie nicht unabhängig sind und man von ihnen opportunistisches / soziopathisches Verhalten erwartet, sodass globale Vereinbarungen unmöglich sein dürften, um ein paar Beispiele zu nennen, dann setzen sich diese Menschen über ihre Legitimation hinweg. Das nennt man Schande.

Wenn Führungskräfte im Wesentlichen vordergründig Public Relations betreiben und hintergründig Machtspiele spielen, immer mitlaufen, wenn eine Gesetzeslücke im Wettbewerb ausgenutzt werden kann und sich auf Systemrelevanz ausruhen, anstatt mal zu begreifen, was das eigentlich für eine Verantwortung bedeutet, dann begibt sich kein Mensch, der verfassungsgemäß Wert auf seine Würde legt, in abhängige Arbeit ihnen gegenüber. Das ist Antiführung. Die vernünftigsten Leute arbeiten schlicht und ergreifend nicht im kapitalistischen Teil unserer Gesellschaft, denn da findet Demotivation statt (Adverse Selection).

Wenn Investoren ihre Risiko-Ertrags-Position optimieren, anstatt in Wert zu investieren, stellt sich die Frage, wie ungebildet und realitätsfern diese Leute sind? Positive Assoziationen zu Produkten sind einfacher zu kreieren als faktische Überzeugungen einen Wert gekauft zu haben – Konsumenten sind psychologisch, nicht logisch erreicht worden, mithin bildet Geld wenig faktischen Wert ab. Menschen wie ich greifen durch abgefahren langwierige Überzeugungsarbeit diese Manipulationen auf und korrigieren in Sissifusarbeit den Unfug der in die Welt gesetzt wird – Investoren produzieren soziale Kosten und unsere Arbeit wird immer schwieriger, weil die Leute abstumpfen und immer weniger Handlungsspielraum haben.

Maßnahmenbündel für Leistungsgerechtigkeit

Die erste Maßnahme – und die erfordert nun mal internationale Kooperation – ist die Renditen auf investive Kapitalanlagen zu beschränken. Das ist ein grundlegender Fehler des Kapitalismus, dass die Verhandlungsmacht vermögender Familien (In Realität Erbe, nicht Leistung) ein Drucksystem der Ausbeutung ermöglicht und unsere erbärmliche Kultur das auch noch als “cool” bezeichnet, in solchen Strukturen erfolgreich zu sein. Zu dieser Maßnahme habe ich einen Artikel geschrieben: Nachhaltiger Kapitalmarkt.

Die zweite Maßnahme ist es, die Einkommensverteilung auf die Arbeiter und Führungskräfte in ein Verhältnis zu setzen, welches die Verantwortung und Produktivität wiederspiegelt. Und hier – es tut mir leid – sind nicht die Führungskräfte, sondern die Innovatoren verantwortlich für den Erfolg der Unternehmen. Führungskräfte sind faktisch normale Arbeiter, die eine Koordinationsleistung und Motivationsleistung erbringen sollten. Und Erfinder vermeiden es in abhängiger Arbeit zu arbeiten, weil sie dort intellektuell “enteignet” werden, genau wie im wissenschaftlichen Betrieb. Die Innovatoren, die den Erfolg ihres Unternehmens bedingt haben, bedingen auch ihr Vermögen, mit dem sie die Innovationen aufkaufen und in ihr Unternehmen integrieren. Im Übrigen ist die zentrale Leistung des Top-Managements die Koordination (inkl. Strategie), Motivation und Repräsentation des Unternehmens und hier sehe ich kaum Strategien die ihren Namen verdienen, Drucksysteme und ungelebte Werte – was den Verfall unserer Kultur mitbedingt.

Deswegen wäre es angemessen, wenn Unternehmen, die von einer Erfindung gebrauch machen – auch außerhalb ihres Unternehmens – verpflichtet wären eine Gewinnrate an den Erfinder abzutreten, sodass dieser an der Wertschöpfung seiner Erfindung in allen Märkten beteiligt ist. Das wäre die dritte Maßnahme. Niemand hat etwas gegen reiche Leute, die bahnbrechendes geleistet haben. Wir sind eine Maschinenbauernation und ich kenne nicht einen Erfinder außer in der Wissenschaft – solche Leute sind Vorbilder.

Die vierte Maßnahme ist die Demokratisierung der Führungsbestellung. Es ist schlichtweg falsch, zu behaupten die Eigner würden das Geschäft alleinig ermöglichen. Das Geschäft ermöglichen Erfinder, Arbeiter und das Kapital, womit sie Stakeholder sind, die ein durchsetzbares Mitspracherecht bezüglich der Verwendung ihrer Lebenszeit haben sollten. Das geht soweit, dass man argumentieren könnte, das Erfinder geschäfte verbieten können sollten, wie z. B. im Falle der Atombombe.

Verteilungsgerechtigkeit

Benachteiligte Menschen sind, abgesehen von manchen öffentlichen Gütern, nicht am Wohlstand der Gesellschaften beteiligt. Deutschland zählt mit seinem Sozialsystem zur oberen Klasse, aber es ist an Existenzsicherung orientiert, nicht an Wohlstand. Soziale Sicherung orientiert sich an Güterkörben und verhält sich im Bestfall proportional zu deren Preisentwicklung. Benachteiligte Menschen konsumieren existenznotwendiges zum günstigsten Preis seit Dekaden – es gibt für sie kaum Wirtschaftswachstum und kaum technologischen Fortschritt. Sie werden am Kacken gehalten und es reicht meist nicht für soziale Begegnungen in z. B. Kaffees. Deswegen sind sie wirtschaftlich entmündigte Randgruppen der Gesellschaft, die man selten kennenlernt.

Während die meisten arbeitstätigen Menschen sich immer mehr Wohlstand durch ihre Arbeit leisten können – dank der unterbezahlten Innovatoren -, sinkt die prozentuale Abgabe an benachteiligte Menschen. Während heutzutage viele Menschen um Statussymbole konkurrieren und Plunder ansammeln, leben benachteiligte Menschen vom Mindesten. Ihnen sind höchstwahrscheinlich Statussymbole wichtiger als Mitmenschlichkeit und wie abgefahren das ist werden Sie vermutlich erst verstehen, wenn Sie aufgrund gesundheitlicher Probleme auf der anderen Seite stehen. Sie können sich versichern, diese Leute konnten das meistens nicht – Glück für Sie.

Ich meine das sehr ernst, wenn ich sage, dass der durchschnittliche Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger viel mehr Verantwortung im Konsum übernimmt als der durchschnittliche Arbeitstätige. Und mal ganz direkt: Erklären Sie mal einer solchen Person, welchen Mehrwert ein SUV hat und lassen Sie sich mal erklären, was für so eine Person eine Innovation darstellt.

Bisher habe ich nicht aus wirtschaftlicher Perspektive argumentiert, aber das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Der Wohlstand der Benachteiligten ist an Güterkörbe gekoppelt und definiert damit deren Verhandlungsposition gegenüber Arbeitgebern. Das führt – ohne Mindestlohn – dazu, dass der Niedriglohnsektor ebenfalls an Güterkörbe gekoppelt ist. Die “lustigen” realen Lohnentwicklungen im Niedriglohnsektor sind so stagnant, während die übrigen Löhne bei konstanter Anzahl und Verteilung erwerbstätiger Personen mit dem realen Wachstum des BIP wachsen. So entsteht eine kontinuierlich zunehmende Einkommensschere, die nur überwunden werden kann, wenn die Verhandlungsposition z. B. durch Gewerkschaften oder durch Qualifizierung verbessert wird.

Der Ansatz zur Lösung ist aber ein Mindestlohn, der am Wachstum des BIP wohl beteiligt sein soll. Dies ist eine Segmentierung in arbeitsfähige und nicht arbeitsfähige benachteiligte Menschen, die einen erheblichen Unterschied im Wohlstand bedeutet. Die Verhandlungsmacht arbeitsfähiger benachteiligter Menschen wurde gesetzlich im Preis erhöht.

Insbesondere langfristig entsteht so ein Inflationsdruck proportional zum Wachstum des Mindestlohns, der insbesondere die Preise von einfachen Dienstleistungen erhöht. Diese Dienstleistungen werden dann im Güterkorb der Benachteiligten im Bestfall angepasst. Da aber diese Arbeiter zum Großteil selbst die Produkte konsumieren müssen, die sie produzieren ergibt sich langfristig wieder ein real stagnantes Einkommen, es sei denn es kommt in diesem Bereich zu technologischem Fortschritt – also z. B. in Kaffees, Restaurants, bei Friseuren, Bäckereien, Supermärkten, Fabriken, in der Landwirtschaft usw. . Hier ist aber häufig Substitution des Menschen im Potential zu erwarten oder wenig technologischer Fortschritt. Damit sinkt langfristig die Beschäftigung und es wird Qualifizierung notwendig. Womit wir wieder beim Anfang sind.

Was ich sagen möchte ist, dass das Problem vor allem darin liegt, dass international keine Einigung errungen wird, benachteiligte Menschen an das Wohlstandswachstum zu koppeln. Wir sprechen von “Entwertung” einfacher Arbeit durch Fortschritt – was es tatsächlich gibt -, wo defakto die wirtschaftliche Not der Bevölkerung von Nationen gegeneinander ausgespielt werden. Fehlt es an einer internationalen Vereinbarung, können Nationen nur bei nicht handelbaren Gütern, mithin der Binnenwirtschaft ein Wachstum mit dem Wohlstand ermöglichen. Und das bedeutet, dass Menschen an der Innovationskraft des Landes partizipieren. Das ist die Idee von Verteilungsgerechtigkeit, dass Menschen mit besonderen Chancen Menschen mit Benachteiligungen unter die Arme greifen, weil sie realisieren, dass sie Glück haben.

Was würde passieren, wenn benachteiligte Menschen proportional zum Wirtschaftswachstum finanziert werden? In Bezug auf Arbeit im Niedriglohnsektor kommt es zur gleichen Entwicklung, wie bei einem Mindestlohn: Außer in grundlegenden Bereichen der menschlichen Dienstleistung kommt es zum Beschäftigungsabbau und Qualifizierung ist erforderlich. Diese Qualifizierung führt langfristig jedoch wiederum zu einer Beschäftigung in einem Niedriglohnsektor, weil das durchschnittliche Qualifizierungsniveau steigt. Aber in Bezug auf benachteiligte Menschen findet zumindest keine Unterscheidung in arbeitsfähig und nicht arbeitsfähig statt und die sodann automatisierten Dienstleistungen werden günstiger im Vergleich zum Einkommen / zur Finanzierung. Das ist also reales Einkommenswachstum.

Also nochmal knapp zusammengefasst: Ein Mindestlohn führt zu Automatisierung, Beschäftigungsrückgang, realer Einkommensstagnation und Auseinanderdriften der Einkommensschere, während eine wachstumsproportionale Finanzierung Benachteiligter zu Automatisierung, Beschäftigungsrückgang, realem Einkommenswachstum und Reduktion der Einkommensschere führt. Belastet werden im letzteren Fall die begünstigten, wie das für Verteilungsgerechtigkeit so üblich ist. Ein überraschender Mindestlohn funktioniert nur beim ersten mal, dann kennen die Geschäftsleute das Ding.

Fazit

Ich könnte jetzt ein Fazit schreiben und alles nochmal zusammenfassen, aber es ist mir wichtiger folgendes zu schreiben: Wenn ein Wirtschaftsingenieur mit viel Druck in der Umgebung, anstatt ein heiden Geld durch Arbeiten zu verdienen und ein angenehmes Leben in Wohlstand zu leben, anfängt einen Blog über die zentralen Probleme unserer Gesellschaft zu schreiben, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Kacke am dampfen ist, als das Sie es mit einem Sozialist oder Idealist zu tun haben. Und wenn Sie meinen, dass sei mein persönliches Problem, dann unterschätzen Sie, dass ich anderes Wissen habe als Sie und diese intellektuelle Situation mir gebietet Sie anzusprechen – sie übersehen etwas.

Hier sind – verdammt noch mal – wirklich zentrale Fragen ungeklärt. Und wenn zentrale Fragen ungeklärt sind, dann setzt man sich auf den Allerwärtesten und überlegt, wie zu verfahren ist, anstatt einfach weiter zu machen wie zuvor. Und ich brauche nun mal wirklich Hilfe von Menschen die mitdenken. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie mal kapieren, dass das hier meine Profession ist, mein Kompetenzkreis, darin bin ich ausgebildet und dieser Fakt sollte Ihnen mal etwas Respekt abbringen, sich nicht sofort über mich zu stellen und mit Meinungen und Urteilen um sich zu werfen, sondern sich damit auseinanderzusetzen. In Bereichen, die nicht mein Kompetenzkreis sind, mache ich das auch, weil es Sinn ergibt und anders grob unhöflich wäre.

Wenn wir in dieser Gesellschaft nicht langsam mal anfangen Menschen zu erkennen und zu würdigen, die Verantwortung übernehmen, wird diese Gesellschaft noch weiter verfallen und das bedeutet ganz pragmatisch, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Ihre Nachkommen im Krieg elendig verrecken oder von korrupten unmenschlichen Systemen z. B. unterdrückt, gefoltert und / oder umgebracht werden.

Der Wohlstand in dem Sie leben, den verdanken Sie Generationen von Bildungsbürgern, Staatsmännern und – verdammt nochmal – Menschen die für ihre Rechte verreckt sind.

Während hier die meisten im Land von Statusgütern träumen, lebe ich in einer günstigen WG von Hartz IV, arbeite fast jeden Tag, auch am Wochenende, um Lösungen für uns und mich zu finden, schone die Umwelt so gut ich kann, gehe höflich und konstruktiv mit Mitmenschen um, solange es geht, lerne kontinuierlich und analysiere – verdammt nochmal – abgefahrene Verschwörungstheorien, um die wirklichen Probleme zu identifizieren und Leuten ihre Ängste zu nehmen und investiere alles, was irgendwie übrig bleibt in Fachliteratur. Weil ich Experte für Entscheidungsfindung bin, Entscheidungen beobachte und analysiere und zum Ergebnis komme, dass so gut wie kein Mensch in dieser Gesellschaft Verantwortung versteht und übernimmt.

Ich fühle mich von Ihnen hängen gelassen, und deswegen muss ich alleine Lösungen finden, diese präsentieren und – verdammt nochmal – am Besten in einer Form, die Ihnen ein angenehmes Leseerlebnis ermöglicht, damit ich in den Spiegel gucken kann ohne mich zu ekeln.

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Arbeitsvermittlung 4.0

Grundlagen

Psychosoziale Folgen der Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit derzeit ist für betroffene eine erhebliche Belastung. Wer sich im Umfeld von Jobcentern und Arbeitsämtern umhört, hört viele Geschichten von Frustration, Verzweiflung und Schande. Betroffene fühlen sich in ihrem Selbstwert geschwächt und berichten in Wut von mühsamen und meistens vergeblichen Bewerbungsversuchen. Sie liegen gewissermaßen brach. Depressionen und körperliche Beschwerden führen zu Gesundheitskosten und Leid.

Unternehmensperspektive

Unternehmen orientieren sich an der Normalverteilung von Ausbildungsniveaus und der umgekehrten Gammaverteilung von Erfahrungsjahren (Demographie, Sterblichkeit) in Bezug auf vorwiegend klassische Aufgabenfelder. Sie suchen Kompetenzmassen, um viel Kompetenz für wenig Geld zu erhalten und sich die Gesinnung des Menschen besser aussuchen zu können. Hochspezialisierte Experten sind regelmäßig zu teuer und der Durchschnitt passt von der notwendigen Kompetenz her nicht. Erfahrung findet sich vor allem im mittleren Erwerbsalter. Übrige Arbeitnehmer müssen sich attraktiv machen, wenn es denn geht und haben es schwerer. Es gibt aber Nischen für sie.

Staatsperspektive

Aus Staatsperspektive kosten Arbeitslose, die nicht mehr per Arbeitslosenversicherung finanziert werden (Hartz IV oder Arbeitslosengeld II) den Staat nicht nur Geld, sondern sie zahlen auch keine Einkommenssteuer – es wirkt auf der Ausgaben- und Einnahmenseite. Deswegen ist es fraglich, ob das, was wir heute Existenzsicherung nennen, aus Staatsperspektive gut gemanaged wird, denn die Kosten sind eine Funktion der Investition in den Arbeitssuchenden AI.

(1)   \begin{equation*} Kosten = (AF + VK - ES)*\Delta t(AI) + AI \end{equation*}

Hierbei bezeichnet AF die Finanzierung des Arbeitssuchenden, VK die Verwaltungskosten der Behörde, die keine Investition in den Arbeitssuchenden darstellen, ES die entgangenen Steuereinnahmen und \Delta t die Zeit der Arbeitslosigkeit. Ein beispielhafter Verlauf sieht so aus:
Staatskosten der Arbeitslosigkeit

In der vorliegenden Beispielrechnung sollten also etwa 22.000 € in den durchschnittlichen Hartz-IV-Empfänger an direkter Förderung investiert werden, um die Kosten der Arbeitslosigkeit zu minimieren. In Realität erhalten Hartz-IV-Empfänger regelmäßig Sichtung der Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsgesprächberatung. Regelmäßig erst beim festgestellten Scheitern der Vermittlung werden Fortbildungen ermöglicht. Das erscheint mir falsch und grob fahrlässig.

Volkswirtschaftliche Perspektive

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive soll der Arbeitsmarkt die Menschen entsprechend ihrer höchsten Faktorproduktivität auf Arbeit verteilen. Höchste Faktorproduktivität bedeutet, das jemand an seinem Arbeitsplatz den höchsten Beitrag zum ökonomischen Wohlstand leistet, den er im System leisten kann.

Perspektive der Gerechtigkeit

In Deutschland gibt es nicht nur den Grundsatz der Leistungsgerechtigkeit, sondern auch der Verteilungsgerechtigkeit. Deswegen sollen Menschen, die (temporär) aus ökonomischer Perspektive leistungsunfähig sind am Wohlstand beteiligt werden. Existenzsicherung und auch Sozialhilfe dienen dem Erhalt des Lebens auf Minimalniveau, deswegen sind sie nicht Verteilungsgerecht, denn es findet keine Beteiligung am Wohlstand statt. Die Orientierung am Überleben ist in Deutschland zunehmend problematisch, da der Wohlstand real steigen sollte, während Überleben real stagnant ist.

Arbeitsvermittlung 4.0

Wie sollte eigentlich Arbeitsvermittlung aussehen, wenn sie die dargelegten Grundlagen berücksichtigt und versucht gut zu sein?

Investitionsmentalität

Eine gute Arbeitsvermittlung ist stets auf dem aktuellen Stand von Beschäftigungstrends und kennt die Arbeitgeber gut. Es kann nicht sein, dass das Scheitern von Bewerbungsbemühungen nicht rechtzeitig antizipiert und durch Fortbildung und Qualifizierung konterkariert wird. Weiterhin ist eine Vermittlung eines Individuums mit eigenen Werten, Zielen und Kompetenzen an jedweden Arbeitgeber grober Unfug, da langfristig nur Arbeitnehmer, die zufrieden werden sollten, einen wirklichen Arbeitsplatz vermittelt bekommen haben. Die einfache Abwälzung von Staatskosten auf Irgendwasarbeit, die die Menschen belastet, setzt zum einen falsche Anreize für die Automatisierung unbeliebter Jobs und zum anderen ist das häufig nicht der Ort höchster Faktorproduktivität. Weiterhin führt Fehlvermittlung zu weiteren psychischen Belastungen und destabilisiert im Zweifel den Menschen weiter und führt zu Gesundheitskosten. Die Jobcenter sollten tatsächlich sogar Arbeit nur an kooperierende Firmen vermitteln, die nachweislich gute Arbeitsbedingungen haben, den die Arbeitsvermittlung kann Marktmacht ausüben, die der einzelne Bewerber nicht hat, sodass der Unternehmensmacht etwas mehr gegenüber steht.

Eine gute Arbeitsvermittlung stellt sicher, dass die Arbeitssuchenden nicht brach liegen und degenerieren. Das ist tatsächlich zum ersten psychologische Betreuung ob der Gefahr der Depression, zum zweiten aktive Vermittlung von kleineren Aufträgen als Freelancer und zum dritten Fortbildung und proaktive Qualifizierung zur Kompetenzerweiterung statt reaktiver Umschulung.

Behördenmanagement

Prozesse sind nach den Kriterien Effektivität, Effizienz und Flexibilität auszulegen. Kompetenz und Verantwortung sollten in Deckung zueinander stehen. Das sind zentrale Basics des Managements.

Es kann nicht sein, dass Arbeitssuchende zu Bewerbungschreiben (Menge / Zeit) angehalten werden und bei Zusage zur Annahme verpflichtet sind, wenn erstens klassische Bewerbungen gegenüber Networking und dem Besuch von Messen (deren Reisekosten lediglich bei vorheriger Genehmigung ersetzt werden) unterlegen sind und zweitens Motivation zur Arbeit, also dazu einen Beitrag zu leisten durch Nötigung konterkariert wird. Das ist nicht effektiv. Hier braucht es Kenntnis optimaler Bewerbungsstrategien und entsprechende Vereinbarungen.

Es kann auch nicht sein, dass ein Antrag auf Hartz-IV ein mehrstufiger Prozess ist, der das einreichen von etwa vierzig Angaben mit entsprechenden Belegen bedeutet. Das ist nicht effizient und im Kontext der Digitalisierung extrem veraltet. Solche Daten sollten dem Staat nach einfacher belegter Kundgebung der Personalien und des Umstands der Arbeitslosigkeit vorliegen – per Datenzugriff.

Derartige konstruktive Kritik aber auch Beschwerden werden in deutschen Behörden regelmäßig dadurch abgetan, dass der Mitarbeiter keine Kompetenz in Bezug auf Entscheidungen, Gesetze und Regeln habe, sodass vernünftige flexible Vereinbarungen gar nicht möglich sind. Deswegen sollte eine Arbeitsvermittlung 4.0 ein Wissensmanagement, Änderungsprozesse und Feedbackprozesse fest etabliert haben. Es kann nicht sein, dass mein Angebot Rückmeldung zu erteilen nicht angenommen wird. Hierin liegt eine Chance für die Behörde und den Gesetzgeber der kontinuierlichen Verbesserung. Stagnation ist inflexibel und Mitarbeiter ohne Verhandlungskompetenz können keine Vereinbarungen treffen, sondern maximal (starre) Regeln durchsetzen. Das ist auch für sie frustrierend.

Es ist im übrigen bemerkenswert, dass die Mitarbeiter regelmäßig die für sie relevanten Gesetze kennen, aber keine Ahnung von der Rechtsordnung an und für sich haben, sodass sie keine Einwände als Ableitung aus z. B. dem Grundgesetz oder anderer übergeordneter Rechtsetzung abwägen können. Die Arbeitsvermittlung 4.0 braucht qualifiziertes Personal.

Arbeitssuchendenfinanzierung

Wie bereits angemerkt ist der Ansatz, lediglich das Überleben der Arbeitssuchenden zu sichern unbillig aus Perspektive der Verteilungsgerechtigkeit und eventuell sogar nicht mit dem Grundgesetz zu vereinbaren. Es ist sogar noch schlimmer, denn die Existenzsicherung verkennt zur Zeit, dass Mobilität, Internet und Kommunikationsgeräte existentiell für die Vermittlung von Arbeitssuchenden sind. Dies wird nicht oder nur nach vorheriger begründeter Genehmigung finanziert. Im Übrigen gehen Raucher zugrunde, weil sie mittelfristig nicht von Hartz-IV überleben können. Es ist nun mal brachial schwer mit dem Rauchen aufzuhören, weil es eine Sucht ist – hier ist nicht mal die Existenz gesichert.

Richtig hingegen wäre eine Beteiligung am Wohlstand der Gesellschaft, also eine Finanzierung die proportional zum realen Bruttoinlandsprodukt ist, und folglich mit diesem wächst. Es existiert mit dem Ansatz des Utilitismus sogar eine Finanzierungsform fernab der klassischen Steuer für derartige Finanzierung bis hin zur negativen Einkommenssteuer / zum Grundeinkommen.

Fazit

Arbeitsvermittlung 4.0 bedeutet Investition in Arbeitssuchende, proaktive Beurteilung der Situation des Arbeitsuchenden durch Experten, moderne dynamische Behörden mit einer aktiven Feedbackkultur und einer Kultur der Verantwortung und eine Finanzierung des Arbeitssuchenden die mit dem Wohlstand der Gesellschaft harmoniert. Wenn letzteres zu mehr Langzeitarbeitslosigkeit führt, ist das auch ein wichtiges Signal an die Wirtschaft, attraktive Jobs anzubieten und unbeliebte Jobs zu automatisieren.

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Nachhaltiger Kapitalmarkt

Hinführung

Am Kapitalmarkt werden Waren, Schuldscheine, Anteile und Optionen sowie Devisen gehandelt. Schuldscheine berechtigen zu zukünftiger Auszahlung bis zu einem Ablaufdatum, Anteile berechtigen zur Mitbestimmung und Teilhabe an Ausschüttungen und Optionen berechtigen zum Kauf von Anteilen. Devisen sind Währungsgeschäfte.

Der Wert eines Wertpapiers (Kurs) ist grundsätzlich der Kapitalwert zukünftiger Auszahlungen:

(1)   \begin{equation*} Kurs = \sum \limits_{t=1}^{\infty} \frac{CF_{t}}{(1+r)^t} \end{equation*}

Dabei ist CF_{t} der Cashflow / Ausschüttungsbetrag in Periode t und r die Verzinsung einer risikolosen Anleihe.

Damit bezahlt man im Gleichgewicht den fairen Preis eines zukünftigen Zahlungsstroms, der es erlaubt sich an der Marktrendite zu beteiligen.

Diese Wertpapiere werden in einem Portfolio gehalten:

(2)   \begin{equation*} Depot = \sum \limits_{i=1}^{\infty} \frac{CF_{1,t} + CF_{2,t} + ... + CF_{n,t}}{(1+r)^t} \end{equation*}

Da der Cashflow unsicher ist, ist der erwartete Cashflow gemeint. Der erwartete Cashflow CF_{i,t} ist die Summe aller Szenarien S mit deren Ausschüttungen CF_{i,t,s} mal der Wahrscheinlichkeit des Eintritts p_{i,t,s}:

(3)   \begin{equation*} CF_{i,t} = \sum \limits_{s=1}^{S} (CF_{i,t,s}*p_{i,t,s}) \end{equation*}

Da die Risiken zwischen den einzelnen Wertpapieren miteinander korreliert sind, ist eine optimale Konfiguration des Depots eine Rendite-Sicherheits-Maximierung für ein gegebenes Budget. Zur Bestimmung der Risiken und Renditeerwartungen werden historische Daten und zukünftige Prognosen verarbeitet.

Aus Unternehmensperspektive gilt es die Renditesicherheit zu maximieren, um im Wettbewerb mit anderen Unternehmen günstig Eigenkapital aufzunehmen. Entsprechend des Zwangs zur Maximierung der Renditesicherheit ergibt sich eine Fluktuation an den dominanten Positionen eines Rendite-Risiko-Verhältnisses (effizienter Rand) für verschiedene Anlagefristen. Dieser Zwang führt dazu, dass Arbeit so günstig wie möglich einzukaufen ist.

Hierin liegt die Ursache für eine Elitenbildung vermögender Personen und der von Ihnen eingesetzten obersten Führung, die durch einfache Forderung und Erzeugung von impliziten Weisungen über das “Controlling”-System einen “Anspruch” auf Renditemaximierung erlangen, während die Leistung von den Arbeitnehmern erbracht wird. Sogar die Innovationen werden Vermögensbestandteil des Unternehmens, und damit der Eigner, während der Erfinder eine Abfindung erhält. Dies ist nicht leistungsgerecht.

Wie können fairere Verhältnisse geschaffen werden?

Insolvenzmarkierende Maximalrenditenkennlinie

Der eigentliche Sinn von Kapitalmarktgeschäften in Bezug auf Unternehmenseigner liegt darin, einen Anreiz zur Geldvergabe zu bieten. Dies bedeutet Geldwerterhaltung bei Inflation und Kompensation von Konsumverzicht. Eigentlich geht es sogar nur um die Glättung des Einkommens im Leben, sodass Geldwerterhaltung hinreichend wäre. Die derzeitigen Verhältnisse sind hingegen unmäßig und unfair.

Deswegen bräuchten wir eine globale Regulation, die eine Kennlinie festlegt, die eine angemessene erwartete Rendite festschreibt (Rendite-Risiko-Kennlinie). Angemessenheit liegt vor allem in der Geldwerterhaltung bei etwa 2 %iger Inflation in Europa eventuell mit einem Anreiz versehen. Diese Kennlinie hätte auch Einfluss auf die Fremdkapitalvergabe / Kreditzinsen.

Diese Kennlinie entspräche der Maximal- sowie Minimalrendite entsprechend einer Risikobeurteilung. Kann ein Unternehmen mehr Ausschütten, verbleiben Spielräume für die Arbeitsentlohnung und Investitionen, kann es mittelfristig weniger ausschütten, gilt das Unternehmen als Insolvent.

Eine derartige Regulation nimmt Unternehmen Druck und führt zur Risikoreduktion im Ernstfall – das läuft in Einklang mit einer Nachhaltigkeitsorientierung. Der Aktienkurs sollte durch die Veränderungen der Risiken bestimmt werden, was mit vernünftiger Anlage im Einklang steht. Dazu müsste die Ausschüttung proportional zum Aktienkurs sein.

Wenn der Kurs zu einem definierten Zeitpunkt die Einschätzung der Rendite für alle Szenarien wiederspiegelt und gesetzlich eine Rendite-Risiko-Kennlinie, also ein Ausschüttung bei einem bestimmten Risiko bestimmt ist, spiegelt der Kurs die Markteinschätzung des zukünftigen Risikos. Es kann aus dem Kurs bestimmt werden, welcher Ausschüttungsbetrag der Rendite-Risiko-Kennlinie auszuzahlen ist.

Fraglich ist jetzt, ob das zu Spekulation in normalen Transaktionen führen würde. Der Verkäufer ist motiviert den höchsten Verkaufserlös zu erzielen und der Käufer hat folgenden unsicheren Zahlungsstrom:

(4)   \begin{equation*} Kapitalwert = -Kaufpreis + \sum \limits_{t=1}^{T} \frac{CF_{Kurs, t}}{(1+r)^t} + Verkaufserloes_{T} \end{equation*}

Da der Kurs das Risiko misst und die Rendite durch das Risiko bestimmt wird, kommt es nur auf den Verkaufserlös an. Der Verkaufserlös ist der zukünftige Kurs in Periode T, nach der Haltedauer. Spekulation würde bedeuten, bewusst teuer einzukaufen, um eine höhere Risikobewertung zu erzielen, um damit eine höhere Ausschüttung zu erhalten und das Wertpapier dann zu veräußern. Das funktioniert solange das Unternehmen nicht insolvent geht – es würde in eine falsche Risikokategorie eingeordnet werden und der Renditedruck auf Unternehmen bliebe vergleichbar zur derzeitigen Situation.

Deswegen kann das Risiko für die Bemessung der Ausschüttungen nicht durch den Kurs bestimmt werden, sondern müsste von einer unabhängigen Behörde in einem standardisierten Verfahren durch Expertengutachten bestimmt werden.

Im Ergebnis bedeutet dann Kapitalanlage Konsumglättung unter Geldwerterhaltung, sofern ähnliche Regelungen für andere Rechtsformen von Unternehmen getroffen werden. Investitionsanreize gehen nicht verloren, sind sogar noch stärker, da die Arbeitnehmer direkt von ihrem Erfolg profitieren. Die Regulation ist auf nationaler Ebene nicht gut umsetzbar, da dann Renditen eines Landes im Vergleich zur übrigen Welt niedriger, wenn auch sicherer wären.

Fazit

Der derzeitige Kapitalmarkt für Anteilsscheine begünstigt eine Elitenbildung, die die breite Masse der Bevölkerung unterdrückt. Eine insolvenzmarkierende Maximalrenditenkennline proportional zum Wechselkurs würde Eigner fair entlohnen und z. B. eine Arbeitseinkommensmaximierung ermöglichen. Die Bestimmung der Risikoklasse erfordert Expertengutachten einer neu ins Leben gerufenen Behörde. Die entsprechende Regulation ist ein Thema internationaler Kooperation.

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