Menschen groß machen

Unser Naturell

Wenn Sie in die Zukunft blicken, was fällt Ihnen ein? Wie fühlen Sie sich ob der Zukunft. Wir Menschen reagieren auf diese Fragen unterschiedlich – hoffnungsvoll, besorgt, traurig, wütend, gespannt. Was steht gerade im Vordergrund? Chancen, Gefahren, Verluste, Einschränkungen, Neugierde? Dieses Erleben ist charakteristisch für Menschen – Emotionen, Beziehungsgefühle und damit verwobene Gedanken.

Kommen wir zu Vergangenheit – Ihrem Erfahrungsschatz. Wie häufig planen, befürchten Sie etwas, und dann kommt es ganz anders und überraschend oder genau so wie erwartet? Wie häufig schaffen Sie es, dass was Sie sich in den Kopf setzen / ausmalen dann auch tatsächlich zu realisieren? Meiner Erfahrung nach, schafft man gewisse Dinge, aber es kommt anders als man denkt – man übersieht was, hat dann doch nicht die Motivation, lässt sich verleiten oder kann nicht.

Worauf ich hinaus möchte, ist dass unser Umgang mit Unsicherheit strategisch ist – wir planen strategisch und agieren flexibel und situationsbedingt. Wir sind alle nicht perfekt, unsere Modelle sind nicht vollständig und es fehlen Informationen, Wissen und Erfahrung, aber wir bewältigen unsere Situationen für gewöhnlich okay. Wenn mal etwas schief läuft, reflektieren wir und reifen – ein Prozess strategisch, flexibler Anpassung. Wenn jemand den wir mögen in der Klemme steckt, helfen wir.

Das – Mensch sein mit Emotion, Bindungsgefühlen und verwobenen Gedanken, strategisch-leitlinienhaft planend / simulierend und letztlich situativ bedingt zu interagieren – scheint mir unser Naturell zu sein.

Komplexität

Wir begreifen und strukturieren unsere Institutionen durch Ordnungssysteme. Das Rechtssystem definiert Regeln, Unternehmen sind gesteuerte Hierarchien, der Staat ist dreigeteilt – alles hat seine Ordnung. Diese Ordnung ist bei genauerem Hinblicken hochdynamisch und unterliegt häufig einer Ableitungslogik. Höherwertige Grundsätze konkretisieren sich in konkrete Regeln, CEO-Vorgaben konkretisieren sich in Maßnahmen und die Legislative wird geprüft – stets wird durch Struktur Dynamik kreiert.

Diese Strukturen prägen eine Vorstellung von Sicherheit, die auch berechtigt ist, aber im Konkreten z. B. einem Gerichtsverfahren sind wir bange. Haben wir wenig Erfahrung und Wissen von einem Ordnungssystem arbeiten wir mit einfachen strukturellen Modellen, während wir in der Erfahrungssituation dann die ganze Unsicherheit spüren. Wie fühlt es sich wohl an, tatsächlich der*die Bundeskanzler*Bundeskanzlerin zu sein? Man kann es sich nicht wirklich vorstellen, aber man kann ein mehr oder weniger reichhaltiges Bild kreieren.

Wovon ich hier gerade rede, ist Artikel 1 unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Wie können wir es uns erlauben Menschen zu beurteilen, wenn unser Verständnishorizont nicht ausreicht, um uns in die Situation hineinzuversetzen? Diese fundamentale Erkenntnis führt zu sogenannter Toleranz für Mehrdeutigkeit – Wir interpretieren Situationen, so arbeiten Gehirne, aber wir berücksichtigen Unsicherheit. Fragen ist sehr weise, denn wir können nicht alles wissen.

Eine Erfahrung die so etwas einschneidend lehrt, ist die Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Menschen, die mehrheitlich aus einer anderen Kultur kommt. Zum Teil fehlen einem die Wahrnehmungsfertigkeiten, um überhaupt das gesagte zu interpretieren – unsere Bewertungsmuster funktionieren nicht. Häufig sind wir in unserer Kultur dem Fehlglauben ausgesetzt, wir verstünden einander, aber das stimmt nur zu einem gewissen Grad.

Wir verstehen nicht einmal die Prozesse in unserem eigenen Gehirn. Den wenigsten Menschen ist überhaupt bewusst, dass unser „Ich“ aus mehreren Komponenten besteht z. B. Vorstellung, Emotion, Körpergefühl und Denken und das diese Wahrnehmung einen Eindruck in das innere Geschehen liefert, keineswegs aber ein Durchblicken der Vorgänge. Dennoch pflegen wir situationsbedingt Interaktionen, die regelmäßig okay sind.

Diese drei Dinge – Leitlinien, Menschen und Interaktionen – prägen Systemverhalten. Also Vorstrukturierung, Systemelementeigenschaften und Interaktionen. Maßgeblich für das Systemverhalten sind Interaktionen im Kontext der Vorstrukturierung, weniger die Eigenschaften des Systemelements. Dies gilt insbesondere für soziale Systeme (Vgl. den fundamentalen Attributionsfehler der Sozialpsychologie), aber auch für z. B. Volkswirtschaften.

Maßnahmen um sich als Systemelement zu verbessern sind: sich definieren, an sich arbeiten und Interaktion. Das meiste davon können wir und machen es so gut wie automatisch. Die Qualität dieser Vorgänge variiert z. B. mit unserem Wissen und unserer Erfahrung. Meines Wissens nach, sind diese Dinge auch nicht voneinander trennbar, aber Wissen / Entscheiden bedeutet noch lange nicht entsprechend zu (inter-)agieren, das braucht Training und Leitlinien strukturieren Training vor.

Ich hoffe, ich konnte das rüberbringen, dass die Strukturen des sozialen Systems und die Interaktionen das Systemverhalten maßgeblich prägen und das Systeme komplex, also unsicherheitsbehaftet sind, denn das z. B. bedeutet, dass unser (tatsächliches) Menschenbild erheblichen Einfluss auf unsere Interaktionen hat und z. B. ein strategischer Eingriff in ein komplexes System darstellt. Gleichzeitig verstehen wir das Element Mensch, uns selbst, besser, wenn wir die Grundlagen kennen. Deswegen habe ich wissensbildende Artikel geschrieben und geteilt. Zu Selbstregulation in Bezug auf Emotion, Kognition und Beziehungsfolgen sowie zu Bewusstsein und Wahrnehmung. Diese Grundlagen halte ich für zentral, aber ich bin kein voll ausgebildeter Psychologe oder Neurophysiologe.

Interaktion, Vorstrukturierung und Element

Halten wir fest, was bereits gesagt wurde: Der Mensch ist Emotion und Bindungsgefühl verwoben mit Gedanken, strategisch-leitlinienhaft planend und situationsbedingt interagierend, unser Verständnis von anderen hat meistens mehr mit uns zu tun, als mit den anderen, sodass Toleranz für Mehrdeutigkeit zum kontrafaktischen Schlussfolgern und Fragen anregen sollte und Systeme sind durch Elementeigenschaften und vorstrukturierte Interaktion gekennzeichnet, die ihre Dynamik hervorbringen.

Ich hoffe, dass sie sehen können, dass die Definition unseres Umgangs mit anderen ein zentraler – wenn nicht der – maßgebliche Hebel für Interaktion ist, die Struktur hervorbringt und wandelt, den wir hinreichend in der Hand haben, um der Unsicherheit des Systems positiv gegenüberzutreten und ein Teil der wenig absehbaren Gesamtdynamik zu werden – sie auch etwas zu beeinflussen.

Interaktionsmuster

Was sind charakteristische Interaktionsmuster in unserer Gesellschaft? Und auf welchen Definitionen basieren Sie? Sind meine Erachtens extrem interessante Fragestellungen vor dem Hintergrund derzeitiger Themen, wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Radikalisierung. Leider kann ich das nicht erschöpfend oder gar wissenschaftlich untersuchen, aber ich kann basierend auf meinen Beobachtungen sensibilisieren und abwägen – eher Fallstudienforschung :-).

Öffentliche Kommunikation vermittelt mir viel Angst und Zwang – häufig in Kombination die man als reaktives Muster bezeichnen kann. So ist Meinungsbildung häufig nach dem Muster aufgebaut Angstthema – Kausalkette – Zwangsmaßnahme. Also z. B. Künstliche Intelligenz – Konkurrenz zu menschlicher Leistung – Fortbildung, Klimakatastrophen – CO2-Ausstoß – Verzicht oder Rassismus – Uneinsichtig – Bekämpfen. Diese Dinge – verstehen Sie mich nicht falsch – sind nicht doof, aber sie sind wenig bereichernd.

Zum Teil fühle ich mich von meinen Mitmenschen derartig mit Problemen aufgeladen, dass ich fast handlungsunfähig / blockiert werde, während ich ein Bedürfnis nach Entlastung und konstruktiver Anregung entwickle – nennen wir es vielleicht „Geborgenheit“. Auf der einen Seite wollen also viele etwas von mir und auf der anderen Seite fehlt mir die Unterstützung – Angst, Zwang, Überforderung.

Dieses Muster begegnet mir immer wieder und deswegen hatte ich es irgendwann im Kontext von Anerkennung, Akzeptanz und Integration beleuchtet: Diese Interaktionsform produziert Frust und Demotivation bis hin zur Resignation und schier unüberwindlichen „Mauern“. Wir sollten uns also bewusst machen, was wir von anderen erwarten (können) und uns Gedanken machen, ob wir uns mit unperfekten Menschen anfreunden können, wollen wir gemeinsam etwas erreichen.

Definieren wir uns entsprechend um, entstehen viel konstruktiver gerahmte Interaktionen mit der Zeit und wir sind weniger enttäuscht voneinander und zufriedener – es entsteht eine freiheitlichere Kultur mit weniger Machtdistanz (Vgl. zur Zufriedenheitswirkung den Artikel Glücksländer). Hier ist auch ein weiteres Phänomen spannend: Steuerflucht. Warum minimieren Reiche Menschen ihre Steuerlast, wenn sie eigentlich weniger Zufriedenheit verlieren, als sie erzeugen und zudem Respekt gegenüber ihren Rahmenbedingungen wie der Staatsorganisation zeigen? Das ist weder rational, noch empathisch – ist doch toll, etwas beitragen zu können?

Ein weiteres Muster, das mir immer wieder begegnet, ist Kampf. Konflikte zu lösen bedeutet im Kern Perspektiven des Gegenübers zunehmend zu verinnerlichen und durch innerliche Bearbeitung gegen eine gemeinsame Lösung zu konvergieren – man kann die Lösung dem anderen nicht „einhämmern“, braucht gleichwohl die Bereitschaft zum gegenseitigen sich Hineinversetzen und Austauschen.

Warum empfinden Menschen die Konfliktbewältigung nicht als bereichernd? Liegt das nicht gerade an der Agression und Beleidigung des Kampfes, der damit selbstverstärkend und destruktiv wirkt? Weil mich das belastet, versuche ich Einsicht zu zeigen und wähle soweit möglich die Personen, mit den ich mich auseinandersetzen möchte.

Das letzte Muster, das mir immer wieder begegnet, kann man vielleicht als Konsummentalität bezeichnen. Weil ein „professionelles“ Verhältnis vorliegt, schwindet die Mitmenschlichkeit. Zum Beispiel: Kennen Sie Ihren Postboten persönlich, wie geht es ihm gerade? Stellen Sie einen Menschen ein oder einen „High-Performer“? Sagen Sie danke, wenn jemand einen Artikel für Sie schreibt, tragen Sie ihre Ideen und Ansichten bei, vermitteln Sie zwischen Blogger und Freunden, oder konsumieren Sie nur? Haben Sie schon mal bei einem Hersteller angerufen und sich bedankt? Kennen Sie den Erfinder des ABS? Loben Sie auch mal einen Politiker? Haben Sie schon mal eine Bedienung aufgebaut, als sie einen schlechten Tag hatte? Unterhalten Sie eine aufrichtige und wertvolle Beziehung zu Ihrem Vorgesetzten? Das sind so Kleinigkeiten, aber diese Form von Wertschätzung und genereller Mitmenschlichkeit hat doch eigentlich höhere Priorität als das Tauschverhältnis?

Menschen groß machen

Zusammengenommen komme ich zum Ergebnis, dass wir versuchen sollten, einander groß zu machen. Wir sollten Respekt und Wertschätzung vermitteln, Menschen auf ihre Stärken aufmerksam machen, sie akzeptieren und wohlwollend beurteilen, wir sollten Achtsam sein in der Interaktion, z. B. loben, Mitgefühl aufbringen und Zuspruch erteilen auch auf Verständigung, Informationsaustausch und Bereicherung durch unterschiedliche Perspektiven und Modelle sollten wir achten. Ich glaube solche Umgangsformen, die ja auch auf uns zurückfallen, haben erheblichen Einfluss auf unsere Zufriedenheit und unseren sozialen Wohlstand.

Wenn Sie z. B. über Nachhaltigkeit nachdenken: Ist Nachhaltigkeit nicht irgenwie auch geruhsam und genüsslich – erlesen konsumieren, geräuscharme Städte. Oder intellektuell befriedigend – die optimale Lösung für Mobilität und Heizung. Oder gesund und anregend – mit dem Fahrrad oder zufuß zum Supermarkt. Wenn ich mir z. B. nochmal ein Auto kaufe, würde es mir Spaß machen, mit diesem Modell zu tüfteln, um die optimale Entscheidung zu treffen – alleine schon, um überhaupt das Ergebnis zu kennen 🙂

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Bewusstseinsreifung

Aufgrund der Gehirnentwicklung von innen (limbisches Zentrum) nach außen (Neokortex) und der Reizoffenheit unserer Wahrnehmung, entsteht im Menschen ein Ich-Bewusstsein, das unbewusste Intelligenzleistungen des Neokortex vor dem Hintergrund emotionaler (limbisches Zentrum) Bewertung im Ich-Bewusstsein erzeugt. Somit bleiben wir im Grunde genommen aus der kindlichen Prägung denkend.

Zudem entwickeln sich erste Bahnungen zwischen Wahrnehmung und emotionalem Erleben im frühkindlichen Alter. Deswegen reagieren wir auf Muster in der Wahrnehmung mit Emotionen, die unsere Intelligenzleistungen (Unbewusstsein) im Ich-Bewusstsein vergegenwärtigen. Das menschliche Gehirn hat Eigenheiten, die als Anlage und als Prägung (Sozialisation) bevorzugte Wahrnehmung und deren Verarbeitung bestimmen.

Parallel zu diesen Grundsätzlichen Arbeitsmustern des menschlichen Gehirns entwickelt sich die Bearbeitung von Wahrnehmung und Ich-Bewusstsein durch den Neokortex insbesondere vor dem Hintergrund, die bewussten Themen positiv zu entwickeln, also z. B. Probleme zu lösen. Hier bilden sich Regelungen für Emotionen (vgl. Selbstregulation), Erinnerungsabrufe und Wahrnehmungsmanipulationen (Simulation, Filtern und Bahnen).

Dies ist der Zustand der Eckert Tolle bei Menschen beobachtet und als „Ego“ bezeichnet: Äußere Wahrnehmungen triggern Erinnerung, Intelligenzleistung und frühkindlich geprägte Emotion, die über die bewussten Gedanken entscheiden, die wiederum das Gesamtsystem anregen, ähnlich wie ein Sinn. Da die Emotionen / frühkindlichen Themen das Ich-Bewusstsein bestimmen, zirkuliert die Gehirnleistung um die Bearbeitung der Emotionen, die vom wahrnehmbaren Umfeld stimuliert wurden und werden.

Insbesondere durch aktives Regulieren von Emotionen (Wissen und Training) sowie der Kognition (vgl. Positives Denken und Kontrafaktisches Schlussfolgern) steigt die Anpassungsfähigkeit an das Umfeld. Die Bearbeitung des Ich-Bewusstseins entwickelt sich in einer positiven Dynamik und sorgt für Gemütsruhe, soweit möglich. Der Mensch verschiebt seine Bewusstheit vom Ich-Bewusstsein auf die Wahrnehmung des Umfelds (Achtsamkeit), weil die unmittelbaren Themen (Identifikation mit dem Ich-Bewusstsein) im Regelfall restabilisiert werden dürften. So beginnt eine aktive Auseinandersetzung mit den wahrgenommenen Eindrücken und der Neokortex übernimmt die Gehirnfunktionalität.

Maßgeblich für diesen Bewusstseinszustand sind unsere Intelligenzleistungen in Kopplung mit unserem Wissen. Wissen ist jedoch Vernetzung von Information, sodass wir nicht bei gleichem Informationseinfluss gleichartiges Wissen entwickeln. Informationsanregung ermöglicht Übertragung von Vernetzungsmustern in kommunikativen Akten. Beschäftigung mit dieser Vernetzung festigt die Erinnerung und kreiert die internen Zugangsschlüssel zu diesem Wissen. Weiterhin entstehen externe Zugangsschlüssel, die mehr oder minder einfach sind. Sehr einfach wäre z. B. die Kopplung / Assoziation mit dem Kommunikationspartner.

Hier entstehen drei wichtige Prozesse: 1. Im Gegensatz zur „Ego“-Phase bestimmen nur noch selten unsere Emotionen die Intelligenzleistungen bezüglich der Verarbeitung des kommunizierten Wissens, 2. arbeiten wir mit höherer Achtsamkeit an den externen Zugangsschlüsseln und 3. können wir nun entscheiden, in Bezug auf den anderen zu kommunizieren. Letzteres bedeutet eine Abkehr von: „Was bedeutet das für mich?“, zu „Was kann ich zum Wissen der Person beitragen?“. Dies eröffnet / verstärkt empathische Kommunikationsmöglichkeiten. Wir können so, basieren auf Intelligenzleistung und Wissen, Sozialisationsprozesse erstmalig in ihrer Wirkung beeinflussen und entwickeln ein gewisses Maß an bewusster Reizabschirmung und Reizbeachtung.

Zusammenfassend erscheint mir der von Eckert Tolle beschriebene Zustand der Ego-Verhaftung durch Regelung / Bearbeitung von Emotion und Kognitionsmustern und Zuwendung zur Wahrnehmung (Achtsamkeit) eine Reifung zu erfahren, die einen höheren Grad an Autonomie ermöglichen dürfte.

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Positives Denken

Erfahren Sie hier, die Komponenten Positiven Denkens, wie Sie Ihr Positives Denken durch Tests einschätzen können, wann Positives Denken hilfreich oder problematisch ist in Bezug auf Gesundheit, psychisches Wohlbefinden, Selbstregulation und Erfolg sowie Liebe und Partnerschaft. Lesen Sie, wie sie Ihr Positives Denken trainieren können. Eine Übersicht finden Sie im Fazit des Artikels. Hier finden Sie auch eine Fragenliste, die es Ihnen erlaubt angemessene Entscheidungen in Bezug auf Positives Denken zu treffen. Die Darstellungen richten sich nach Schütz und Hoge (2007).

Was ist positives Denken?

Positives Denken ist ein Begriff aus der Alltagspsychologie. Wissenschaftliche Konzepte, die unter den Begriff fallen, sind: Internale Kontrollüberzeugungen, Selbstwirksamkeitserwartungen, Hoffnung, Optimismus und günstige Attributionsstile.

Kontrollüberzeugung

Glaubt eine Person, sie habe ihr Schicksal durch ihr Handeln selbst in der Hand, anstatt zu glauben, ihr Leben werde durch äußere Umstände bestimmt, so liegen internale Kontrollüberzeugungen anstatt externaler Kontrollüberzeugungen – also Positives Denken – vor. Ein Test der Kontrollüberzeugungen kann hier käuflich erworben werden.

Selbstwirksamkeitserwartung

Die Selbstwirksamkeitserwartung besteht aus zwei Komponenten. Zum einen wird erwartet, dass eine Handlung geeignet ist, um ein Ziel zu erreichen (Konsequenzerwartung) und zum anderen wird erwartet, dass man selbst in der Lage ist, diese Handlung erfolgreich auszuführen (Kompetenzerwartung). Beide Komponenten sind Kennzeichen Positiven Denkens, denn bereits die Erwartung einen Lösungsweg zu kennen ist positiv. Ein kostenloser Test der Selbstwirksamkeitserwartung findet sich hier. Beantworten Sie die zehn Fragen auf einer Skala von (1) stimmt nicht, (2) stimmt kaum, (3) stimmt eher und (4) stimmt genau, addieren Sie die Werte Ihrer Antworten und vergleichen Sie sie mit dem Mittelwert einer deutschen Bevölkerungsgruppe Erwachsener (29,28) bzw. von Studenten (29,60).

Hoffnung

Hoffnung ist die Überzeugung, sowohl den Willen als auch die Möglichkeit zu haben, seine Ziele zu erreichen. Unterschieden wird zwischen der zielgerichteten Energie (Agency) und der Planung Ziele zu erreichen (Pathway). Einen englischsprachigen Test finden sie auf Seite drei dieser Pdf-Datei. Beantworten Sie die Fragen und bilden Sie den Mittelwert zu den beiden Skalen.

Optimismus

Es werden unterschiedliche Konzepte des Optimismus unterschieden. Der allgemeine Optimismus wird dispositionaler Optimismus genannt und misst die Neigung, das Leben von der besten Seite aufzufassen und auf einen guten Ausgang der Dinge zu vertrauen. Ein Test findet sich auf der letzten Seite dieser Pdf-Datei. „Trifft ausgesprochen zu“ hat den Wert vier und „trifft überhaupt nicht zu“ den Wert null. Die Mittelwerte für die Optimismusskala (9,00), die Pessimismusskala (6,81) und die Gesamtskala (14,18) finden sich unter Ergebnisse / Itemkennwerte auf Seite drei.

Weitere Optimismuskonzepte unterscheiden die Realität stark verzerrende und situationsunangepasste Optimismusarten von weniger extremen (und günstigeren) Varianten, je nachdem, ob ein Betroffener die Augen vor den Risiken verschließt oder sich Mut bei deren Bewältigung zuschreibt. Defensiver Optimismus z. B. blendet Risiken aus und funktionaler Optimismus verzerrt die Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf Risiken positiv. Letztlich werden noch Erwartungen von vagen Phantasien getrennt. Positive Erwartungen sind förderlich, während positive Phantasien in Bezug auf die effektive Selbstregulation hinderlich sind.

Attributionsstile

Attributionsstile betreffen die gewohnheitsmäßige Antwort auf Warum-Fragen bezüglich Ereignissen. Unterschieden werden die Aspekte internal und external, dauerhaft und vorübergehend sowie allgemein und spezifisch.

[Ein günstiger Attributionsstil ist die] (…) gewohnheitsmäßige Tendenz, sich das Zustandekommen von Ereignissen auf eine Art und Weise zu erklären, die Anlass zur Zuversicht gibt.

Günstige Ereignisse sollten demnach tendenziell internal, allgemein und dauerhaft attribuiert werden, während ungünstige Ergebnisse tendenziell external, vorübergehend und spezifisch attribuiert werden sollten. Getestet werden Attributionsstile mit dem Attributional Style Questionaire bzw. dem German Attributional Style Questionaire. Diese Fragebögen konnte ich jedoch nicht online finden.

Positives Denken und Gesundheit

[Positives Denken] (.) führt dazu, dass Menschen sich aktiv um ihre Gesundheit kümmern und beugt dadurch Krankheiten und anderen körperlichen Beschwerden vor, vermindert das Ausmaß von Beschwerden, beschleunigt die Genesung und verringert die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls. Darüber hinaus wirkt Positives Denken hilfreich, indem es das Immunsystem stärkt, im Umgang mit Belastungen unterstützt und zur Bildung eines besseren sozialen Netzes beiträgt. (…) Ungünstige Nebenwirkungen einer positiven Einstellung sind im Vergleich zu den günstigen Konsequenzen verhältnismäßig harmlos.

Zu den ungünstigen Nebenwirkungen des Positiven Denkens zählen, dass in nicht kontrollierbaren Situationen das Bemühen um eine Veränderung der Situation aussichtslos ist und selbst zur Quelle der Belastung wird, dass extrem hohe Selbstwirksamkeitserwartung und Kontrollüberzeugung zu riskantem Verhalten verleiten und dass eine Vernachlässigung gesundheitsrelevanter Informationen vorliegt, die nicht von unmittelbarer Bedeutung sind.

Während das Erleben von Hilflosigkeit die Gesundheit belastet, stärkt das Erleben von Kontrolle die Gesundheit. Es ist damit hilfreich sich ein Leben einzurichten, indem man auf viele Details, die nicht zwangsläufig mit einer Erkrankung zu tun haben, Kontrolle ausüben kann, um sich seine Lebensumwelt zu gestalten.

Positives Denken und psychisches Wohlbefinden

Viele Studien bescheinigen den verschiedenen Formen Positiven Denkens günstige Konsequenzen für psychisches Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit. Gemeint ist dabei ein positives Umdenken und aktives Gestalten der Lebensfreude, ohne dabei potentielle Schattenseiten außer Acht zu lassen.  So steht eine höhere Selbstwirksamkeitserwartung in Zusammenhang mit geringerem Belastungserleben und rückblickender Pessimismus stärkt das Gefühl etwas erreicht zu haben, was schwierig zu erreichen war bzw. lässt Rückschläge aus einer Perspektive erscheinen, in der ein besonders ehrgeiziges Ziel verfolgt wurde. Problematisch ist, dass langandauernde Belastungen die Bewältigungsressourcen von Optimisten erschöpfen und internale Kontrollüberzeugungen bei nicht kontrollierbaren Verschlechterungen belastend wirken, weil sich die Person für etwas verantwortlich macht, was außerhalb ihrer Kontrolle liegt.

Positives Denken, Selbstregulation und Erfolg

Kontrollüberzeugung, Selbstwirksamkeit und Optimismus stehen mit Führungsqualitäten in Zusammenhang. (…) Internale Kontrollüberzeugungen stehen im Zusammenhang mit Berufszufriedenheit. (…) Bei gleicher Ausgangslage führt Hoffnung zu höherem Studienerfolg. (…) Im Sport sagen Selbstwirksamkeitserwartungen bei Konkurrenten mit ähnlichen Fähigkeiten die Erfolgschancen vorher. (…) Selbstwirksamkeit und Kontrollüberzeugung stehen in Zusammenhang mit Erfolg bei Diäten, Nikotinentwöhnung und sportlicher Betätigung. (…) Menschen, die positiv denken, leiden weniger unter Angst, sind motivierter und arbeiten ausdauernder. (…) Positives Denken hilft, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen.

Aussagen wie diese – belegt durch Studien – zeigen, dass positive Einstellungen helfen, Ziele zu erreichen, bessere sportliche Leistungen zu erbringen und in Studium und Beruf erfolgreicher zu sein. Dabei können positive Einstellungen mangelnde Grundlagen nicht ersetzen, sondern lediglich helfen, existierendes Potential voll auszuschöpfen.

Hilfreich ist es, sich spezifische Ziele zu setzen und vage positive Tagträume durch konkrete Erwartungen zu ersetzen. Denn vage positive Tagträume behindern das erreichen eines Ziels mehr, als dass sie helfen. Sich auf seine Selbstwirksamkeitserwartung zu verlassen ist nur dann sinnvoll, wenn man bereits Erfahrungen mit einer Situation gesammelt hat.

Positives Denken in Liebe und Partnerschaft

Positives Denken hilft Freundschaften und Beziehungen zu knüpfen, denn die eigene Erwartungshaltung beeinflusst, wie wir eine Person wahrnehmen und uns ihr gegenüber verhalten. Unser Verhalten wird entsprechend wahrgenommen und erwiedert. So entsteht ein Prozess in dem die Erwartungshaltung bestätigt und gefestigt wird (Sich-selbst-erfüllende-Prophezeihung). Im Falle zu hoher Erwartungshaltung, bleiben die Ansprüche oft unerfüllt und es kommt zu Missverständnissen. Hier sollten die Ansprüche angepasst werden.

Beziehungen, in denen sich die Partner stark idealisieren, sind glücklicher, vertrauensvoller und dauerhafter als Beziehungen weniger positiv illusorischer Menschen. Herrscht weiterhin ein wohlwollender Erklärungsstil, sind Beziehungen zufriedener und stabiler, wohingegen pessimistische Erklärungsstile das Lösen von Konflikten behindern und nachhaltig die Qualität und Stabilität einer Beziehung beeinträchtigen. Wechselseitige positive Beeinflussung der Partner durch Selbstwirksamkeit bezüglich der Beziehung  stärkt die Beziehung und sichert die Paarzufriedenheit. Paare mit internaler Kontrollüberzeugung bezüglich der Beziehung sind am glücklichsten, während Paare mit externaler Kontrollüberzeugung bezüglich der Beziehung vergleichsweise unglücklich sind. Für den erhalt einer Beziehung werden fünf subjektiv positive Interaktionen pro einer subjektiv negativen Interaktion empfohlen.

Positives Denken hilft Sympathien zu gewinnen und schneller Zugang zu anderen Menschen zu finden. Außerdem schützt Positives Denken tendenziell vor schädlichen Einflüssen, wie Zweifel oder einer negativen Sicht des Partners, und stabilisiert so die Beziehung und die Beziehungszufriedenheit. Negative Aspekte Positiven Denkens treten auf, wenn z. B. Gewalttätigkeit verharmlost wird, oder, wenn die optimistische Perspektive sich aufgrund des Partnerverhaltens nicht halten lässt. Letzteres führt zu Enttäuschung und Unzufriedenheit.

Wann ist Optimismus schädlich und Pessimismus hilfreich?

Ängstliche Personen profitieren von einem defensiven Pessimismus. Negative Erwartungen sind für defensive Pessimisten entlastend und motivierend. Im interkulturellen Kontext wurde zudem festgestellt, dass für Asiaten Pessimismus im Zusammenhang mit aktiver Problembewältigung steht. Europäer hingegen weisen hier einen Zusammenhang mit psychischen Problemen auf. Allgemein hilft Pessimismus in Situationen, in denen die erwarteten Risiken hoch sind. Genauso wie Hoffnung und Freude haben auch Skepsis und Trauer ihre Berechtigung und dürfen nicht als Krankheiten behandelt werden, die es durch Positives Denken zu heilen gilt – negative Emotionen sind zumeist ein Richtungsgeber für wichtige Lebensentscheidungen.

Herkunft und Lernen Positiven Denkens

Zunächst wird die Herkunft Positiven Denkens erläutert, dann die Methoden, um Positives Denken zu erlernen.

Herkunft Positiven Denkens

Die Lebenszufriedenheit wird auf eine genetische Prädisposition für bestimmte Denkmuster und Verhaltensweisen zurückgeführt. Extraversion, emotionale Stabilität und Positives Denken führen zu höherer Lebenszufriedenheit.

Dispositionaler Optimismus wird in seiner Varianz zu 25 % durch genetische Faktoren erklärt. Weiterhin relevant ist das Ausmaß und die Qualität elterlicher Fürsorge und das Beispiel der Eltern – insbesondere der Mutter. Allerdings stehen sozioökonomische Variablen und schulische und berufliche Leistungen im Zusammenhang mit dispositionalem Optimismus.

Ein positiver Erklärungsstil wird über eine Prädisposition für Denkmuster, das Modelllernen vor allem an der Mutter, elterliche – vor allem mütterliche –  Akzeptanz, fehlender Einsatz psychischer Kontrolle (z. B. Liebesentzug) der Eltern, die Attribuierung durch Lehrer und durch Lebensereignisse erklärt. Negative familiäre Ereignisse führen zu pessimistischen Erklärungsstilen.

Kontrollüberzeugungen bilden sich durch frühkindliche Erfahrungen. Förderlich ist insbesondere eine Bestrafung und Belohnung die sich am Verhalten des Kindes orientiert anstatt von den Stimmungen der Eltern abhängig zu sein, denn Kontrolle und die Erfahrung von Hilflosigkeit führen zu externalen Kontrollüberzeugungen. Lebensereignisse, wie Scheidungen der Eltern, befördern externale Kontrollüberzeugeungen, wohingegen die Wertschätzung der Eltern mit internalen Kontrollüberzeugungen zusammenhängt.

Selbstwirksamkeitserwartungen bilden sich durch Erlebnisse und Erfahrungen in Zusammenhang mit bestimmten Leistungen. Lerngelegenheiten fördern die Selbstwirksamkeit, während eine starke Behütung eines Kindes durch die Eltern kontraproduktiv ist. Selbstwirksamkeitserwartungen werden auch durch stellvertretendes Lernen, wie Vorstellungen, verbale Belehrungen und das erleben positiver Emotionen gebildet.

Lernen Positiven Denkens

Um Positives Denken zu lernen helfen eigene positive Erlebnisse und persönliche Erfolge, Modelllernen, verbale Überzeugung, vorgestellte Erlebnisse und das Erleben körperlicher und emotionaler Zustände.

Um eigene positive Erlebnisse zu generieren ist das setzen von spezifischen Zielen hilfreich. Zudem sollte das angestrebte Verhalten geübt werden und es sollten Bewältigungs- und Problemlösungsstrategien erlernt werden.

Die verbale Überzeugung basiert auf positivem Feedback oder dem Hinterfragen und Verändern negativer Denkmuster. Negative Denkmuster können durch das Verfahren der Disputation hinterfragt und verändert werden. Dabei soll eine Person die folgenden Schritte verinnerlichen und selbst anwenden:

Zunächst werden die Auslöser negativen Denkens identifiziert, sodann die diesbezüglichen Gedanken und Reaktionen. Die negativen Gedanken und Reaktionen werden sodann in einer Disputation angefochten. Dabei werden Gegenbeweise und alternative Erklärungen gesucht und die Konsequenzen der Reaktionen werden auf ihre Nützlichkeit hin untersucht. Abschließend wird die Situation neu eingeschätzt.

Das Erlernen von Entspannungstechniken moduliert das Erleben körperlicher und emotionaler Zustände positiv und leistet so einen Beitrag zu Positivem Denken.

Fazit

Positives Denken scheint Menschen zu veranlassen, besser für ihre Gesundheit zu sorgen und Probleme aktiv zu bewältigen. Die Fähigkeit, Dinge mit Zuversicht zu betrachten, das Augenmerk auf das Positive zu richten und anderen mit Wohlwollen zu begegnen, macht positiv denkende Menschen zu beliebten Zeitgenossen und hilft ihnen, stabilere, zufriedenere Beziehungen zu führen. Außerdem gibt ihnen ihre Zuversicht Motivation und Kraft, um sich höhere Ziele zu setzen, härter und ausdauernder an deren Umsetzung zu arbeiten und sich weniger leicht entmutigen zu lassen. Das ermöglicht ihnen wiederum, in ihrem Beruf und in anderen wichtigen Lebensbereichen erfolgreich zu sein. (…)

Andererseits kann ein hohes Maß an Zuversicht dazu führen, dass Menschen zu viel Energie in Ziele investieren, die unerreichbar sind und so Gesundheit und Wohlbefinden belasten. Ebenso ist es möglich, dass Optimisten bestimmte Risiken unterschätzen bzw. ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen und sich dadurch in Schwierigkeiten oder gar in Gefahr bringen. Darüber hinaus kann die Überzeugung, das eigene Schicksal maßgeblich beeinflussen zu können, die Anpassung an Situationen erschweren, in denen das Individuum, objektiv gesehen, wenig Kontrollmöglichkeiten hat. (…)

[Z]ahlreiche Ergebnisse [deuten] darauf hin, dass eine leicht optimistische, etwas unrealistische Sicht der Dinge günstig ist, eine extreme Verzerrung einer wie auch immer gearteten objektiven Realität aber problematisch.

Ein wichtiges situatives Merkmal ist die Kontrollierbarkeit einer Situation. Ist die Situation durch eigenes Handeln nicht besserbar, können Versuche, die Situation zu akzeptieren oder positiv umzuinterpretieren, den Betroffenen helfen, sich zu entspannen, das Gefühl der Kontrolle wiederzuerlangen und sogar zu günstigen Auswirkungen auf das Immunsystem führen. Ist die Situation hingegen kontrollierbar, bergen Illusionen über die Zukunft und unrealistischer Optimismus die Gefahr, dass sie notwendiges Handeln verhindern.

Bezüglich der Handlungsphasen sollten Entscheidungen so realistisch wie möglich getroffen werden, während die Umsetzung leicht optimistisch betrachtet werden sollte, um Motivation und Durchhaltevermögen zu stärken. In Bezug auf Probleme sollte die Einstellung vor Eintritt des Problems die Vorbereitung unterstützen und nach Eintritt des Ergebnisses Mut machen, die nächste derartige Aufgabe anzugehen.

Wichtig ist auch die Berücksichtigung differenzierter Kriterien. So sind Zielkonflikte durch Prioritätensetzung aufzulösen, die individuelle Wirksamkeit gegenüber der Sozialverträglichkeit abzuwegen und die Verfolgung kurzfristiger Ziele gegenüber der Verfolgung langfristiger Ziele zu gewichten.

In Bezug auf Persönlichkeitsmerkmale wurde festgestellt, dass ängstliche Menschen von defensiven Pessimismus profitieren können, da sie so Probleme antizipieren und vorbeugen können.

Hilfreiche Fragen bezüglich des eigenen Positiven Denkens sind:

  • Wie ausgeprägt ist mein Optimismus (Zuversicht oder Erhabenheit)?
  • Worauf beruht meine Zuversicht (Erfahrung oder Bauchgefühl)?
  • Habe ich die möglichen Gefahren bedacht?
  • Ist meine Einschätzung der Situation angemessen?
  • Was sind die Konsequenzen meiner Einstellung?
  • Bin ich flexibel genug, bei Erfolglosigkeit aufzugeben?

Viel Gesundheit, Wohlbefinden, Erfolg und Liebe mit Ihrem wohldosierten Positiven Denken!

Quelle:

Schütz, A.; Hoge, L. (2007): "Positives Denken", Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart.


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Kooperationsmanagement – Kooperationen effektiv, effizient und flexibel gestalten

Kooperationen sind Prozesse die nach den Kriterien Effektivität, Effizienz und Flexibilität auszulegen sind. Vgl. Bogaschewsky und Rollberg (1998). Erfahren Sie hier, welche Effektivitätskriterien zu beginn einer Kooperation zu beachten sind, wie die Flexibilität einer Kooperation erhalten bleibt und welche Faktoren eine effiziente Kooperation ausmachen.

Effektive Kooperation

Die Effektivität einer Kooperation bemisst sich nach Kaschny et. al. (2015) daran, dass ein Bedarf an Wissen, Know-how oder finanziellen Mitteln für jeden Kooperationspartner dauerhaft gedeckt wird (Win-win-Situation).  Es sollten demnach komplementäre Kernkompetenzen und strategische Ziele aufeinander treffen. Die Aufgaben- und Rollenverteilung sollte fair sein, um dauerkonflikte aus Ungleichgewichten zu vermeiden. Schutzrechtliche Fragestellungen, Haftungsansprüche und der Umgang mit Mittelrückflüssen sollten geklärt sein, um existenzielle Konflikte zu vermeiden. Letztlich ist es wichtig, dass die Bedeutung der Kooperation für alle Partner ungefähr gleich ist und kein Partner ein Dominanzstreben zeigt, damit die Kooperation unter Gleichgestellten stattfindet und so von allen Seiten aufrechterhalten werden will.

Flexible Kooperation

Nach Dammer (2011) braucht eine Kooperation ein hinreichend flexibles, und dennoch stabiles Regelwerk. Zudem sollte die Eigenständigkeit der Kooperation nicht durch eine zu enge Kontrolle durch die Partnerunternehmen behindert werden. Dies schadet der Entwicklung der Kooperation und mindert ihre Leistungsfähigkeit ernsthaft. Es sollte vielmehr auf die Erarbeitung eines Leitbildes gesetzt werden, welches der Leitlinie folgt, die sich durch die Zielperspektiven der Kooperation selbst beschreiben lässt. Die Zukunftsorientierung der Kooperation sollte durch flexible interne Strukturen, die Bereitschaft zur weiteren Qualifizierung und deren Unterstützung, die Produktentwicklung und Organisationsentwicklung (Innovationsorientierung) als Thema befördert werden.

Effiziente Kooperation

Die Darstellungen folgen im Wesentlichen Dammer (2011). Zunächst gibt es zwei übergeordnete Bedingungen, die das effiziente Arbeiten eines Netzwerkmanagers erheblich erleichtern.

Zunächst sollte die Kooperation den Charakter der Eigenständigkeit besitzen. Also einen eigenständigen Stellenwert zugemessen bekommen, der jenseits ihrer direkten Funktionalität für jedes einzelne Partnerunternehmen liegt. Dieser eigenständige Stellenwert der Kooperation sollte aktiv zur Geltung gebracht werden. Sinn dieser Forderung ist es, eine Kooperation in ihrer Unvorausschaubarkeit zu würdigen und sich darauf zu verlassen, dass die Kooperation Vorteile generiert die nicht zwangsläufig sofort sichtbar oder erahnbar sind.

Weiterhin sollte eine Entwicklungsorientierung vorliegen, bei welcher die Kohärenz in der Veränderung rekonstruiert wird, sodass Veränderungen als zielgerichtet erfolgend interpretiert werden. Die Steuerung der Kooperation sollte in diesem Sinne den Prozess kontinuierlicher Verbesserung aufrecht erhalten und die Zukunftsorientierung der Kooperation befördern. Auch nach Kaschny et al. (2015) ist die Lernbereitschaft der Kooperationspartner von entscheidender Bedeutung. Sinn dieser Forderung ist es, die Zweckpassung der Kooperation fortschreitend zu gewährleisten.

Die eigentlichen Effizienzkriterien einer Kooperation sind Vertrauen, Konfliktfreundlichkeit, Lösungsorientierung, Transparenz, Verbindlichkeit und Kommunikation. Diese sechs Faktoren stehen gleichwertig nebeneinander und sind aufs innigste miteinander verwoben. Ihr Sinn ist, dass sie die effiziente Kooperation ermöglichen.

Vertrauen meint, dass man glaubt und aushält, dass die Handlungen einzelner Partner und das was insgesamt geschieht, zum Nutzen der Kooperation im Sinne ihrer Ziele ist. Die Kooperationspartner verzichten bewusst auf eine wasserdichte Absicherung und zeigen stattdessen Vertrauen gegenüber den Partnern, der Kooperation und sich selbst. Kaschny et. al. (2015) zielen wohl auf diesen Aspekt, wenn sie die Kooperationserfahrung und Kooperationsbereitschaft der Partner betonen. Ein wichtiger Aspekt, der von Dammer (2011) nicht aufgegriffen wird ist, dass Vertrauen sukzessive aufgebaut werden kann, sodass die Vertrauensinvestitionen bei Erfolg sukzessive erhöht werden können.

Konfliktfreundlichkeit meint eine Einstellung unter der Maxime: „wir profitieren von unseren Konflikten“. Dabei ist es wichtig sich die Vorzüge von Konflikten zu verdeutlichen: Konflikte spiegeln die realen Kräfte und Tendenzen in der Kooperation, helfen die Grenzen der Kooperation auszuloten und sind der wichtigste Motor für Veränderungen. Gleichwohl empfehlen Kaschny et. al. (2015) eine geringe kulturelle Distanz und Kompatibilität der Erfahrungen, Werte und Prinzipien der Kooperationspartner. Klar abgesteckte Verantwortungsbereiche und festgelegte Modi der Zusammenarbeit (Entscheidungsfindung, Konfliktmanagement, etc.) können hier ebenfalls helfen, so Kaschny et. al. (2015).

Mit Lösungsorientierung gemeint, ist die Orientierung an den Kooperationszielen als Schutz vor Partikularinteressen und die pragmatische Analyse von Fehlern, Problemen, Konflikten und Erfolgen. So wird überzogenes positives Denken aber auch die leidige Suche nach dem Sündenbock umgangen.

Transparenz hat die herausragende Bedeutung der genauste Indikator für das Verhältnis der Kooperation zu den einzelnen Partnerunternehmen und umgekehrt zu sein. Transparenz ist nicht grenzenlos möglich, denn keinem beteiligten sind alle bei ihm wirksamen Kräfte bekannt und verfügbar, sodass bewusste Absichten hier wenig zählen. Das tatsächliche Verhalten jedoch definiert die Reichweite, den Spielraum und die Handlungsmacht einer Kooperation, da diese von den intern zulässigen und verfügbaren Informationen und Strategien abhängt. In der Transparenz zeigt sich zudem der Großteil der Vertrauensinvestition der einzelnen Partner. Wohl der Transparenz förderlich ist auch die Forderung von Kaschny et. al. (2015) nach einer Zusammenarbeit der Partner direkt auf Mitarbeiterebene.

Die Verbindlichkeit drückt die Intensität des Bindungsgefühls aus. Als internes Regelwerk über Erwartungen an andere und die legitime Forderung anderer an einen selbst, wird eine Richtung vorgegeben, die, wenn sie tatsächlich umgesetzt wird, mehr Eigeninitative impliziert als im Regelwerk verlangt. Die faktische Verbindlichkeit lässt einen Schluss auf die Wichtigkeit zu, die die Partner der Kooperation tatsächlich beimessen.

Kommunikation ist das Austauschen von Informationen zwischen Individuen und Institutionen, und ist somit das Medium und der „Klebstoff“ der Kooperation. Kommunikation sollte regelmäßig, ausreichend und angemessen erfolgen. Das Klima der Kooperation drückt sich zum einen in der Kooperation aus und wird zum anderen durch die Kommunikation geschaffen. Lösungsorientierte Kommunikation erlaubt die Aufklärung der Selbstverständnisse und blinden Flecke der Partner, die aufeinanderprallen. In Bezug auf angemessene Kommunikation weisen Kaschny et. al. (2015) insbesondere auf den respektvollen Umgang hin.

Ein Aspekt den Kaschny et. al. (2015) zusätzlich zu den sechs Faktoren hervorheben ist die Qualität der Mitarbeiter und des Managements in der Kooperation.

Fazit

Gemäß den Grundsätzen des Projektmanagements – vgl. Kuster et. al. (2011) – ist in der Initialisierungsphase eines Kooperationsprojektes die Effektivität besonders zu gewichten. Effektivitätskriterien sind:

  • Existenz einer dauerhaften Win-win-Situation,
  • Vorliegen komplementärer Kernkompetenzen und strategischer Ziele,
  • faire Aufgaben- und Rollenverteilung,
  • Klärung schutzrechtlicher Fragestellungen,
  • Klärung von Haftungsansprüchen,
  • Klärung des Umgangs mit Mittelrückflüssen,
  • Vorliegen ungefähr gleicher Bedeutung der Kooperation für die Partner und
  • kein Vorliegen von Dominanzstreben eines der Partner.

Dabei ist grundsätzlich auf Flexibilität zu achten. Flexibilitätskriterien sind:

  • Kooperationsleitbild statt Kontrolle,
  • flexible interne Kooperationsstrukturen,
  • Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterqualifizierung und
  • Innovationsorientierung.

Im Verlauf der Kooperation werden die Effizienzkriterien zunehmend wichtig. Von übergeordneter Bedeutung ist es dabei, dass der Kooperation ein eigenständiger Wert beigemessen wird, dass dieser zur Geltung kommt und dass eine Entwicklungsorientierung vorliegt. Dies schließt insbesondere die Lernbereitschaft mit ein. Die Faktoren der Effizienz die dadurch gefördert werden sind:

  • Vertrauen statt wasserdichter Absicherung sukzessive aufbauen (Kooperationsbereitschaft),
  • Konfliktfreundlichkeit leben und durch Passung Reibungsflächen abbauen,
  • lösungsorientiert die Ziele der Kooperation pragmatisch beachten (Lösungsorientierung),
  • transparentes Verhalten zeigen, um die Informationen und Strategien der Kooperation zu erweitern (Transparenz),
  • Verbindlichkeit aus Eigeninitative generieren,
  • regelmäßig, ausreichend und angemessen kommunizieren (Kommunikation) und
  • qualifizierte Mitarbeiter und Manager einbinden.

Zusammengenommen kann so ein optimiert effektiver, effizienter und flexibler Kooperationsprozess gestaltet werden.

Quellen:

Bogaschewsky, R.; Rollenberg, R. (1998) "Prozeßorientiertes Management", Springer (o. A.).

Dammer, I. (2011) "Gelingende Kooperation ("Effizienz")" in "Netzwerkmanagement - Mit Kooperation zum Unternehmenserfolg", S. 37 - 47; Hrsg. Becker, T.; Dammer, I.; Howaldt, J.; Loose, A. Springer (Heidelberg, Dodrecht, London, New York), 3. Auflage.

Kaschny, M.; Nolden, M.; Schreuder, S. (2015) "Innovationsmanagement im Mittelstand - Strategien, Implementierung, Praxisbeispiele", Springer Gabler (Wiesbaden).

Kuster, J.; Huber, E.; Lippmann, R.; Schmid, A.; Schneider, E.; Witschi, U.; Wüst, R. (2011) "Handbuch Projektmanagement", Springer (Heidelberg, Dodrecht, London, New York), 3. Auflage.

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Konfliktmanagement – Das Ausleben einer produktiven Konfliktkultur

Pannen, Konflikte und Aporien

Nach Gerhard Schwarz sind Pannen zu vermeiden und Konflikte zu pflegen.

Pannen sind Missverständnisse oder Fehler die auf Unvermögen zurückgeführt werden können und für die Weiterentwicklung der Betroffenen keine Bedeutung haben sowie deren Lösung grundsätzlich bekannt ist.

Konflikte entstehen, wenn widersprüchliche Interessen von unterschiedlichen Menschen oder Menschengruppen vertreten werden und zumindest eine Abhängigkeitsvermutung in der Erreichung der Interessen besteht. Konflikte haben eine besondere Bedeutung für die Weiterentwicklung der Betroffenen.

Eine besondere Klasse der Konflikte sind Aporien. Aporien weisen mindestens zwei einander widersprechende Interessen auf, die jeweils berechtigt und voneinander abhängig sind. Aporien sind nur durch einen echten Konsens lösbar.

Ist also eine Lösung bekannt, handelt es sich um eine Panne, die möglichst reibungsarm geklärt und gelöst werden sollte. Treten jedoch Widersprüche auf, so besteht ein echter Konflikt oder sogar eine Aporie. Aporien sind daran zu erkennen, dass eine Lösung des Konflikts alle widersprüchlichen Interessen beinhalten sollte – die Interessen sind voneinander abhängig. Eine einseitige Entscheidung bezüglich eines aporetischen Konflikts ist stets unvollständig, es ist eine Lösung erforderlich in der alle Parteien sogesehen Recht behalten – ein Konsens.

Konfliktlösungen

Die Arten der Konfliktlösung lassen sich hierarchisch anordnen, sodass durch einen Lernprozess höhere Ebenen der Konfliktlösung erreicht werden können:

  1. Flucht
  2. Vernichtung
  3. Unterwerfung
  4. Delegation
  5. Kompromiss
  6. Konsens

Flucht und Vernichtung stellen archaische Muster der Konfliktbewältigung dar. Menschen verfügen über eine Anlage, die es ihnen nahelegt sich entsprechend dieser Lösungsstrategien zu verhalten. Es handelt sich folglich um so etwas, wie Basisreaktionen. Das ist deswegen problematisch, weil die Partei, die das niedrigste Konfliktniveau erreicht, definiert, auf welcher Ebene sich der Konflikt befindet.

Flucht, als Konfliktlösungsstrategie, erweist sich zur Distanzgewinnung und in kurzfristigen Beziehungen als sinnvoll. Hitzige Gemüter können dadurch abgeregt werden, dass eine der Parteien sich zurückzieht. Problematisch ist jedoch das ausblenden des Konfliktes – der Konflikt schwehlt so innerhalb der Parteien weiter und führt zu Belastungen, die sich sogar in der körperlichen Gesundheit niederschlagen können. In langfristigen Beziehungen also, ist es erforderlich echte Konflikte anzuerkennen und zu bearbeiten, um der unterschwelligen Belastung zu entgehen.

Es liegt in der Natur der Sache, das ein Konflikt, der mit Flucht gelöst werden soll, in einer langfristigen Beziehung durch temporär auftretende Vernichtungskämpfe gezeichnet ist. Dann nämlich, wenn die Belastung aus dem Fluchverhalten höher ist, als die Belastung aus der Konfrontation. Vernichtung ist die zweite Stufe der Konfliktbewältigung und entspricht dem archaischen Muster des kämpferischen Verhaltens. Das Problem mit der Vernichtungsstrategie liegt jedoch darin, dass der „Gegner“ dauerhaft vernichtet werden muss. Das ist in langfristigen Beziehungen jedoch nicht (gesetzeskonform) möglich. Weiterhin verpassen die Beteiligten die Chance sich weiterzuentwickeln und verharren in unangenehmen Kämpfen.

Als Resultat entsteht der Tausch von Selbstbestimmung gegen Sicherheit durch Unterwerfung. Mal ordnet sich der eine unter und mal der andere, sodass ein gewisses Maß an Fairness entsteht, mit dem die Beteiligten zurecht kommen müssen. Es ist jedoch so, dass derartige Agreements letztlich zu Gunsten einer dominanten Partei ausfallen und sich im Regelfall keine echte Fairness einstellt. Dadurch bleibt eine Restbelastung erhalten, die den Antrieb bildet Konflikte durch außenstehende Dritte lösen zu lassen.

In dieser Phase der Konfliktbewältigung durch Delegation werden unparteiische Dritte dazu aufgefordert den Konflikt zu entscheiden. Die resultierenden Entscheidungen, etwa durch Gerichte, hinterlassen Verlierer, da sie grundsätzlich hierarchische Entscheide hervorbringen. Es liegt somit in der Natur der Delegation, dass eine Unzufriedenheit verbleibt, die der langfristigen Beziehung entgegenwirkt. Diese Unzufriedenheit ist der Grund, warum höhere Arten der Konfliktbewältigung angestrebt werden. Ein weiterer Grund liegt darin, dass Aporien nun mal nicht durch Entscheidungen für eine Seite sinnvoll gelöst werden können, da beide Interessen in der Lösung aufgehen müssen, da Sie beide berechtigt sind. Hier kann gar keine Entscheidung von außen erfolgen.

Im betrieblichen Kontext können höhere Konfliktlösungen nur erreicht werden, wenn der systemische Widerspruch aus Hierarchie und Konfliktkompetenz zugunsten der Konfliktkompetenz ausgelegt wird. Das bedeutet, dass Machtentscheide durch Autoritäten (Delegation) vermieden werden und stattdessen die Konfliktkompetenz der Parteien gefordert und gefördert wird. Dieser Aspekt ist von zentraler Bedeutung für die produktive Konfliktkultur in Unternehmen.

Kompromisse erzielen in (zentralen) Bereichen Teileinigungen und hinterlassen somit bei jeder Partei das Gefühl etwas verloren zu haben. Dies liegt daran, dass Menschen ihre Verluste stets mehr beachten als ihre Gewinne. Letztlich kann jedoch ein Modus erreicht werden, der den Gegensatz des Konfliktes soweit entschärft, dass die Handlungsfähigkeit aller Parteien nicht weiter beeinträchtigt wird. Eine Ausnahme bilden Aporien. Hier kann der Kompromiss keine Lösung sein, da die vernachlässigten Aspekte, die der Einigung fern bleiben, nun mal berechtigt sind und in die Lösung zu integrieren wären.

Der Konsens hingegen löst Aporien. In einer Synthesephase reifen die Ansichten der ursprünglichen Gegenparteien so heran, dass sie akzeptieren, dass die Gegenansicht innerhalb der eigenen Ansicht ebenfalls erforderlich ist. Somit entsteht etwas Neues, was in der Lage ist die ursprünglichen Gegenansichten zu vereinen – ein echter Konsens.

Konfliktintervention

Um den Prozess der Konfliktlösung zu beschleunigen empfehlen sich die folgenden Interventionen, die auf der Ebene des Konflikts (Zwischenmenschlich, Dreicksbeziehung, Gruppen, Systeme) ansetzen sollten:

  • Befindet sich der Konflikt in der Fluchtphase, sollte die Anerkennung des Konfliktes durch alle betroffenen Parteien sichergestellt werden.
  • Befindet sich der Konflikt in der Phase Vernichtung, sollte es vermieden werden eine Seite zu stützen. Weiterhin sollte die Delegation des Konfliktes bzw. Machtentscheide ausgeschlossen werden.
  • In den Phasen Unterwerfung, Delegationsversuche und Kompromiss sollte die Verschiedenartigkeit der Positionen innerhalb der Parteien betont und eine Konsenslösung befürwortet werden.
  • In der Konsensphase sollten keine eigenen Lösungen angeboten werden, sondern die Kontrahenten sollten selber eine Lösung finden.

Fazit

Konfliktbewältigung stellt hohe Ansprüche an die Belastbarkeit der Kontrahenten. Einfache Lösungen sind nicht zu erreichen, da vielmehr eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Gegenüber und mit den unterschiedlichen Interessen erforderlich ist. Hieraus resultieren hohe Anforderungen an die Konfliktlösungskompetenz der Betroffenen. Sie müssen z. B. emotionale Spannungen und Rückschläge aushalten und dennoch sachlich vorankommen. Für die Konfliktkultur eines Unternehmens bedeutet dies, dass Machtentscheide grundsätzlich zu vermeiden sind, auch wenn sie sich als Scheinlösung anbieten. Vielmehr muss die Konfliktkompetenz der Mitarbeiter gefordert und gefördert werden: Konflikte müssen anerkannt werden, die Kontrahenten müssen diese eigenständig lösen, die Sachebene muss betont werden und der Konsens angestrebt sein.

Quelle: Gerhard Schwarz (2014) "Konfliktmanagement", Springer Gabler (Wiesbaden).


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