Unternehmensführung

Unternehmensführung positioniert Unternehmen an Märkten und in Gesellschaften. Das Unternehmen wird dabei strukturell und personell konfiguriert. Das systemische Wechselspiel zwischen Umwelt und Unternehmensinnerem wird strategisch gestaltet (Vgl. Strategische Planung – Methodik, Anwendung und Digitalisierung), wobei der Unternehmensleitung besondere Verantwortung zukommt (Vgl. Corporate Social Responsibility).

Umwelts- und Marktentwicklungen werden dabei für gewöhlich durch Szenarioanalyse abgeschätzt. Mein Blog widmet sich so der zukünfigen Wirtschaftspolitik im Sinne eines transformativen Konfliktmanagements (Vgl. zur Übersicht: Sozialer Frieden) und schätzt zentrale Neuerungen ab, die die Produktentwicklung bzw. das Innovationsmanagement aus Marktperspektive betreffen. Besonders hervorzuheben sind dabei Transaktionskostenreduktion und damit einhergehende Verschiebung hin zur Kooperation.

Letztlich gilt es, das Innere des Unternehmens zu gestalten, um die Unternehmensstrategie zu realisieren. Hierbei geht es um Strukturgestaltung und Beziehungsgestaltung.

Marktperspektive ohne Kooperation

Ein zentrales Thema, das in vielen Mikroökonomiebüchern nicht aufgegriffen wird, sind Marktspiralen und deren Regulation. Marktspiralen sind strategische Eingriffe in Märkte, die Dynamiken hervorbringen, die ähnlich evolutionärer Dynamiken zu verherrenden oder positiven Entwicklungen beitragen (Vgl. Modellierung von Marktspiralen).

Eine besondere Marktspirale, aber auch normale positive Marktdynamiken entstehen durch Wertschöpfungstransparenz gegenüber den Kunden. Hierbei geht es um Transparenzregulation zur Beförderung von ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit durch Begutachtung und Bewertung sowie Nudging der Konsumenten (Vgl. SuscisionHelper: Sustainable Decision Helper (OptEcoBuy)). Besonders wichtig erscheint dabei gegenüber dem derzeitigen Gemeinwohlbilanz-Konzept die Etablierung von individuellen Erhebungen von Konsumentenpräferenzen, die in das Nudging eingehen. Gerade die ökonomische Freiheit, seine eigenen Präferenzen im Kauf realisieren zu können, gilt als hoher Wert der Marktwirtschaft.

Werden z. B. menschenrechtskonforme Wertschöpfungsketten oder nachhaltigere Produkte durch Transparenzregulation direkt ersichtlich, entstehen Wettbewerbsanreize für Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung und in der Produktentwicklung. Die Produktentwicklung soll stets antizipativ sein und für physische Produkte sind Logistik (Vgl. Logistik der Zukunft) und Recycling (Vgl. Recyclingideen) zu berücksichtigen.

Letztlich ist die Digitalisierung eine besondere Marktentwicklung, da insbesondere zu günstigen Kosten replizierbare Werke geschaffen werden. Mich beschäftigt die Frage, ob nicht letztlich eine öffentliche IT-Infrastruktur ähnlich eines Cloudanbieters für serviceorientierte Architekturen wesentlich effizienter für eine Digitalisierung wäre (Vgl. Digitalisierung und öffentliche Infrastruktur).

Marktperspektive: Kooperationen

Die Digitalisierung reduziert die Transaktionskosten und verschiebt damit viele vorher von Unternehmen geleistete Wertschöpfung in kooperative Organisationsstrukturen bzw. sogar in den Markt. Ein Beispiel ist eben jene Überlegung zur öffentlichen IT-Infrastruktur. Hier wird über Markttransaktionen ein IT-Service innoviert, der staatlich geprüft wird und Bausteine für digitale Unternehmensangebote bereitstellt, anstatt, das jedes Unternehmen jeden Service selber programmieren muss. Die Cloud bietet also entsprechend die Möglichkeit für Entwicklungskooperationen zwischen Unternehmen, wenn sie Entwicklungskosten teilen wollen. Wie Kooperationen gestaltet werden sollten zeigt: Kooperationsmanagement – Kooperationen effektiv, effizient und flexibel gestalten.

Inneres Management

Im Zentrum der Überlegungen zum inneren Management steht eine logische Dekomposition von Unternehmensleistungen (Vgl. Unternehmenskonzeptionen). Diese vier Services innerhalb eines Unternehmens können durch die Digitalisierung zum Teil in Unternehmen zerfallen (Vgl. die Grafik in Sozialkapitalismus im IT-Zeitalter (Utilitismus)). Jedes dieser “Unternehmen” braucht eine eigenständige Controllinkonzeption in Bezug auf Key Performance Indikatoren und insgesamt wird ein anderes Führungsverständnis notwendig (Vgl. Strukturelles Management).

Im Interpersonellen, sowohl im Unternehmen, als auch gegenüber Kunden, vertrete ich einen systemischen-neurophysiologischen Ansatz (Vgl. Interpersonelles Management) und kritisiere zu reduktionistische Modellierungen des Homo Ökonomikus (Vgl. Homo Ökonomikus). Dabei lege ich besonderen Wert auf sozialen Nutzen. Auch mache ich deutlich, dass Integration bedeutet integriert zu werden und mit bester Intention zu handeln (Vgl. Integration)

Ein besonderes Bindeglied zwischen Struktur und Beziehungen stellt das Wissensmanagement dar. Hier lege ich IT-Systeme und einen idealen Kommunikator vor (Vgl. Wissensmanagement). Weiterhin empfehle ich transformatives Konfliktmanagement als Führungsaufgabe basierend auf dem Konfliktmanagement nach Gerhard Schwarz (Vgl. Konfliktmanagement – Das Ausleben einer produktiven Konfliktkultur).

Fazit

Unternehmensführung bedeutet der Umwelt, insbesondere den Märkten durch Strategien zu begegnen, die sich in der inneren Struktur der Unternehmen manifestieren. Dabei zergliedert Moral und Digitalisierung Unternehmen in Bereiche der Marktleistung und der Kooperation, die früher Unternehmensorganisationen erfordert haben. Diese Zergliederung braucht neben wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen spezielle strukturelle und betont interpersonelle Unternehmensführung und Mitarbeiterkompetenz. Sowohl in der internationalen Politik, als auch in der Wirtschaft sollte eine reduktionistische Modellierung des Homo Ökonomikus zugunsten einer Orientierung an sozialem Nutzen etabliert werden.

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Digitalisierung und öffentliche Infrastruktur

Stellen Sie sich vor, alle Softwareentwickler arbeiten am gemeinsamen Projekt die Wirtschaft weitest möglich zu digitalisieren. Sie arbeiten alle zusammen: Baustein für Baustein, wie Lego, aber parallel. Die digitale Gesellschaft organisiert Versorgung oder Digitalabgaben finanzieren ein Grundeinkommen für jeden Menschen. Serviceorientierte Architekturen machen das möglich, wenn Programmierer für Services entlohnt werden.

Stellen Sie sich vor, Sie können jeden Service bedenkenlos Nutzen, weil er staatlich auf Sicherheit, Datenschutz und Missbrauchsfreiheit geprüft wurde und auf einer von Sicherheitsexperten konzipierten Infrastruktur läuft. Sie können Algorithmen in Anspruch nehmen oder Leistungen zusammenbauen: Baustein für Baustein, wie Lego. Sie zahlen lediglich die Betriebskosten und eine Entwicklerabgabe.

Stellen Sie sich vor, ein Entwicklerpatent steht als Service und nicht mehr als Softwarelizenz zur Verfügung. Ihr Terminal verwendet einen Cloudservice.

Was bedeutet Digitalisierung im Kontext öffentlicher IT-Infrastruktur? Welche Vorteile bietet öffentliche Infrastruktur? Und um wie viel effizienter wären wir?

Digitalisierung

Software besteht zunehmend aus Schichten und Modulen. Sehr bekannt ist die Aufteilung in eine Ansichtsschicht, die das Design umfasst, eine Modellschicht, die die Datenbankaktionen abwickelt und eine Controllerschicht, die eine sogenannte Geschäftslogik abbildet, also Daten bearbeitet und der Ansicht geeignet vorbereitet. Diese Schichtung erlaubt einzelnd zu installierende Services, die in mehreren unterschiedlichen Programmen oder Portalen wiederverwendet werden können. So können Servicearchitekturen parallel und einzelnd in kleinen Modulen konfiguriert und adaptiert werden. Software kann dann als Webanwendung oder per automatischem Download und automatischer Installation als sogenannte Infrastructure-as-Code-Umgebungen bereitgestellt werden.

Plattformen übernehmen häufig Kommunikations- und Datenverwaltungsaufgaben, können zukünftig aber auch Software als Infrastructure as Code oder Cloudservice bereitstellen. Diese Lösungskomponenten konfigurieren sich zur Gesamtlösung.

Software selber übernimmt immer kompliziertere funktionen auf Knopfdruck oder nach wenigen Eingaben, dazu werden Optimierungsalgorithmen mit künstlicher Intelligenz verknüpft.

Künstliche Intelligenz kann tatsächlich jede einzelne Gehirnleistung des Menschen erbringen, aber weniger gut die Gesamtleistung. So trifft das Skalieren künstlicher Intelligenzen auf drei Barrieren:

  1. Mit zunehmender Anzahl von zu berechnenden Elementen wächst der Rechenaufwand überproportional, sodass manchmal unpraktikable Rechenzeiten entstehen (Laufzeitprobleme),
  2. eine künstliche Intelligenz ist auf ein Problem zugeschnitten und kann nicht auf andere Probleme übertragen werden (Übertragungsprobleme) und
  3. eine künstliche Intelligenz kann im Wesentlichen nur lernen, was ihr beigebracht wird (Trainingsdaten- und Datenabhängigkeitsprobleme).

Es werden sich also eher spezialisierte module für einzelne Probleme herausbilden, die nicht auf Laufzeit- oder Datenprobleme stoßen.

Im Bereich der Hardware beobachtet man Kostenreduktion und in Bezug auf Netzwerke Leistungssteigerung, während zusammengenommen langsam Protokolle mit höherer vorkonfigurierter Sicherheit entwickelt werden.

Zusammengenommen konfigurieren sich ein paar allgemeine Verfahren bzw. Algorithmen über Anpassungen zu Speziallösungen, dieser Bausteinansatz kann eventuell in die höhere Serviceebene übertragen werden.

Öffentliche Infrastruktur

Soweit mir bekannt sind DevOps und Continous Integration / Continious Delivery Pipelines heute der Stand der Technik. DevOps bedeutet zusammen mit CI/CD-Pipelines, dass Softwareentwicklung zusammen mit der Infrastrukturkonfiguration in Testingphasen aus der Entwicklungs- über die Test- bis hin zur Produktivumgebung entwickelt, freigegeben und installiert wird.

Die Softwarebranche ist irgendwie eine Schattenwirtschaft, denn letztlich vertrauen z. B. die Automobilindustrie und Raketenindustrie wenigen CAD-Suiten vor allem amerikanischer Hersteller, und dann stanzt Elon Musk nahezu reibungslos Tesla uns Space X aus dem Boden. Derartige – ich habe keine Indizien – Beobachtungen stimmen mich immer wieder ein wenig skeptisch.

Was mir an Software und auch Hardware fehlt sind die Zertifikate geprüfter Software und Hardware oder die Softwarezulassung. Schon ein dubioser Softwarebestandteil kann das komplette Sicherheitskonzept von z. B. entwickelnden Branchen unterwandern. Warum also gibt es nur Open Source oder Reputation (mit vielen Skandalen) anstatt einer Softwarezulassung. Es gibt im Bereich technischer Produkte viele Zulassungsverfahren, aber gerade in der IT scheinen sie zu fehlen.

Hier entspringt mein Gedanke an genehmigte Software, die Sicher ist und geprüfter Weise Datenschutz und Geheimhaltung von Geschäftsgeheimnissen bis zur Patentierung gewährleistet.

Weiterhin ist Softwareentwicklung trotz der Bibliotheken unheimlich Redundant, denn jede Firma programmiert ihre eigenen serviceorientierten Leistungen in der Cloud oder auf privaten Rechenzentren, um häufig relativ ähnliche Leistungen zu erbringen. So entwickelt momentan wohl jedes produzierende Unternehmen irgendeine Form von Predictive Maintenance Lösung für die Wartung ihrer Produktionsanlagen, anstatt dass sofort Standards entwickelt und kostengünstig verfügbar werden. Dies ist z. B. ein Thema für die Förderung des Mittelstands, der die Individuallösung nicht finanzieren kann und der Kollektivlösung nicht vertrauen darf. Warum entwickelt man also nicht auf einer gemeinsamen vertrauenswürdigen Infrastruktur / Cloud standardisierte Lösungen?

Natürlich schafft diese redundante Entwicklung ein haufen Arbeitsplätze, aber ist das Konzept des Arbeitsplatzerhalts eigentlich noch zukunftsgemäß? Ist es nicht viel mehr so, dass wir ein System post-humaner Versorgung werden sollten, indem man hin und wieder arbeitet, wenn man sich mal etwas besonderes leisten möchte oder weil es Spaß macht, während das Finanzsystem der Zukunft Maschinenleistungen in Grundeinkommen überführt? Ökonomisch jedenfalls ist dies eine relativ ineffiziente Ressourcennutzung.

Zusammengenommen, also eine staatliche Infrastruktur mit CI/CD-Pipeline und Softwarezulassung kann eventuell das nötige Vertrauen und die nötige Effizienz bereitstellen. Ob in der Anfangszeit noch mit Nutzungsentgelten und Entwicklerentlohnungen gearbeitet wird oder ein öffentliches Gut vorliegt, finde ich besonders spannend, denn wenn Software entweder gekauft, gemietet oder werbegetragen werden muss oder aber Entwicklerleistungen öffentlich zugelassen und Abgegolten werden, während die Infrastruktur ein öffentliches Gut ist, entstehen ganz unterschiedliche Anreize für die zu entwickelnden Leistungen. Was wäre z. B. Social Media, wenn es auf öffentlicher Finanzierung beruhen würde oder Open Source wäre? Was würden wir dann für Daten erheben?

Fazit

Vermissen Sie nicht auch die klassischen Diskussionen über Zulassungen, Verwertungsgesellschaften für Softwareschöpfungen oder ganz allgemein öffentliche IT-Infrastrukturen? Liegt nicht gerade in der Digitalisierung eine unfassbare Zentralisierungschance, die – geeignet sozialisiert – viel Leistungsdruck aus der Gesellschaft nehmen könnte (Vgl. Utilitismus), sodass wir uns mehr der alltäglichen Beziehungsführung widmen könnten – eine höhere Bedürfnissebene nach Maslow? Ich halte es für wichtig darüber anzufangen zu debattieren und würde mich über Ihre Kommentare freuen. Genauso würde ich gerne an Legobausteinen arbeiten, um einfach zu Digitalisieren, wenn die Bedingungen für ein post-humanes Versorgungssystem erarbeitet würden.

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Arbeitsvermittlung 4.0

Grundlagen

Psychosoziale Folgen der Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit derzeit ist für betroffene eine erhebliche Belastung. Wer sich im Umfeld von Jobcentern und Arbeitsämtern umhört, hört viele Geschichten von Frustration, Verzweiflung und Schande. Betroffene fühlen sich in ihrem Selbstwert geschwächt und berichten in Wut von mühsamen und meistens vergeblichen Bewerbungsversuchen. Sie liegen gewissermaßen brach. Depressionen und körperliche Beschwerden führen zu Gesundheitskosten und Leid.

Unternehmensperspektive

Unternehmen orientieren sich an der Normalverteilung von Ausbildungsniveaus und der umgekehrten Gammaverteilung von Erfahrungsjahren (Demographie, Sterblichkeit) in Bezug auf vorwiegend klassische Aufgabenfelder. Sie suchen Kompetenzmassen, um viel Kompetenz für wenig Geld zu erhalten und sich die Gesinnung des Menschen besser aussuchen zu können. Hochspezialisierte Experten sind regelmäßig zu teuer und der Durchschnitt passt von der notwendigen Kompetenz her nicht. Erfahrung findet sich vor allem im mittleren Erwerbsalter. Übrige Arbeitnehmer müssen sich attraktiv machen, wenn es denn geht und haben es schwerer. Es gibt aber Nischen für sie.

Staatsperspektive

Aus Staatsperspektive kosten Arbeitslose, die nicht mehr per Arbeitslosenversicherung finanziert werden (Hartz IV oder Arbeitslosengeld II) den Staat nicht nur Geld, sondern sie zahlen auch keine Einkommenssteuer – es wirkt auf der Ausgaben- und Einnahmenseite. Deswegen ist es fraglich, ob das, was wir heute Existenzsicherung nennen, aus Staatsperspektive gut gemanaged wird, denn die Kosten sind eine Funktion der Investition in den Arbeitssuchenden AI.

(1)   \begin{equation*} Kosten = (AF + VK - ES)*\Delta t(AI) + AI \end{equation*}

Hierbei bezeichnet AF die Finanzierung des Arbeitssuchenden, VK die Verwaltungskosten der Behörde, die keine Investition in den Arbeitssuchenden darstellen, ES die entgangenen Steuereinnahmen und \Delta t die Zeit der Arbeitslosigkeit. Ein beispielhafter Verlauf sieht so aus:
Staatskosten der Arbeitslosigkeit

In der vorliegenden Beispielrechnung sollten also etwa 22.000 € in den durchschnittlichen Hartz-IV-Empfänger an direkter Förderung investiert werden, um die Kosten der Arbeitslosigkeit zu minimieren. In Realität erhalten Hartz-IV-Empfänger regelmäßig Sichtung der Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsgesprächberatung. Regelmäßig erst beim festgestellten Scheitern der Vermittlung werden Fortbildungen ermöglicht. Das erscheint mir falsch und grob fahrlässig.

Volkswirtschaftliche Perspektive

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive soll der Arbeitsmarkt die Menschen entsprechend ihrer höchsten Faktorproduktivität auf Arbeit verteilen. Höchste Faktorproduktivität bedeutet, das jemand an seinem Arbeitsplatz den höchsten Beitrag zum ökonomischen Wohlstand leistet, den er im System leisten kann.

Perspektive der Gerechtigkeit

In Deutschland gibt es nicht nur den Grundsatz der Leistungsgerechtigkeit, sondern auch der Verteilungsgerechtigkeit. Deswegen sollen Menschen, die (temporär) aus ökonomischer Perspektive leistungsunfähig sind am Wohlstand beteiligt werden. Existenzsicherung und auch Sozialhilfe dienen dem Erhalt des Lebens auf Minimalniveau, deswegen sind sie nicht Verteilungsgerecht, denn es findet keine Beteiligung am Wohlstand statt. Die Orientierung am Überleben ist in Deutschland zunehmend problematisch, da der Wohlstand real steigen sollte, während Überleben real stagnant ist.

Arbeitsvermittlung 4.0

Wie sollte eigentlich Arbeitsvermittlung aussehen, wenn sie die dargelegten Grundlagen berücksichtigt und versucht gut zu sein?

Investitionsmentalität

Eine gute Arbeitsvermittlung ist stets auf dem aktuellen Stand von Beschäftigungstrends und kennt die Arbeitgeber gut. Es kann nicht sein, dass das Scheitern von Bewerbungsbemühungen nicht rechtzeitig antizipiert und durch Fortbildung und Qualifizierung konterkariert wird. Weiterhin ist eine Vermittlung eines Individuums mit eigenen Werten, Zielen und Kompetenzen an jedweden Arbeitgeber grober Unfug, da langfristig nur Arbeitnehmer, die zufrieden werden sollten, einen wirklichen Arbeitsplatz vermittelt bekommen haben. Die einfache Abwälzung von Staatskosten auf Irgendwasarbeit, die die Menschen belastet, setzt zum einen falsche Anreize für die Automatisierung unbeliebter Jobs und zum anderen ist das häufig nicht der Ort höchster Faktorproduktivität. Weiterhin führt Fehlvermittlung zu weiteren psychischen Belastungen und destabilisiert im Zweifel den Menschen weiter und führt zu Gesundheitskosten. Die Jobcenter sollten tatsächlich sogar Arbeit nur an kooperierende Firmen vermitteln, die nachweislich gute Arbeitsbedingungen haben, den die Arbeitsvermittlung kann Marktmacht ausüben, die der einzelne Bewerber nicht hat, sodass der Unternehmensmacht etwas mehr gegenüber steht.

Eine gute Arbeitsvermittlung stellt sicher, dass die Arbeitssuchenden nicht brach liegen und degenerieren. Das ist tatsächlich zum ersten psychologische Betreuung ob der Gefahr der Depression, zum zweiten aktive Vermittlung von kleineren Aufträgen als Freelancer und zum dritten Fortbildung und proaktive Qualifizierung zur Kompetenzerweiterung statt reaktiver Umschulung.

Behördenmanagement

Prozesse sind nach den Kriterien Effektivität, Effizienz und Flexibilität auszulegen. Kompetenz und Verantwortung sollten in Deckung zueinander stehen. Das sind zentrale Basics des Managements.

Es kann nicht sein, dass Arbeitssuchende zu Bewerbungschreiben (Menge / Zeit) angehalten werden und bei Zusage zur Annahme verpflichtet sind, wenn erstens klassische Bewerbungen gegenüber Networking und dem Besuch von Messen (deren Reisekosten lediglich bei vorheriger Genehmigung ersetzt werden) unterlegen sind und zweitens Motivation zur Arbeit, also dazu einen Beitrag zu leisten durch Nötigung konterkariert wird. Das ist nicht effektiv. Hier braucht es Kenntnis optimaler Bewerbungsstrategien und entsprechende Vereinbarungen.

Es kann auch nicht sein, dass ein Antrag auf Hartz-IV ein mehrstufiger Prozess ist, der das einreichen von etwa vierzig Angaben mit entsprechenden Belegen bedeutet. Das ist nicht effizient und im Kontext der Digitalisierung extrem veraltet. Solche Daten sollten dem Staat nach einfacher belegter Kundgebung der Personalien und des Umstands der Arbeitslosigkeit vorliegen – per Datenzugriff.

Derartige konstruktive Kritik aber auch Beschwerden werden in deutschen Behörden regelmäßig dadurch abgetan, dass der Mitarbeiter keine Kompetenz in Bezug auf Entscheidungen, Gesetze und Regeln habe, sodass vernünftige flexible Vereinbarungen gar nicht möglich sind. Deswegen sollte eine Arbeitsvermittlung 4.0 ein Wissensmanagement, Änderungsprozesse und Feedbackprozesse fest etabliert haben. Es kann nicht sein, dass mein Angebot Rückmeldung zu erteilen nicht angenommen wird. Hierin liegt eine Chance für die Behörde und den Gesetzgeber der kontinuierlichen Verbesserung. Stagnation ist inflexibel und Mitarbeiter ohne Verhandlungskompetenz können keine Vereinbarungen treffen, sondern maximal (starre) Regeln durchsetzen. Das ist auch für sie frustrierend.

Es ist im übrigen bemerkenswert, dass die Mitarbeiter regelmäßig die für sie relevanten Gesetze kennen, aber keine Ahnung von der Rechtsordnung an und für sich haben, sodass sie keine Einwände als Ableitung aus z. B. dem Grundgesetz oder anderer übergeordneter Rechtsetzung abwägen können. Die Arbeitsvermittlung 4.0 braucht qualifiziertes Personal.

Arbeitssuchendenfinanzierung

Wie bereits angemerkt ist der Ansatz, lediglich das Überleben der Arbeitssuchenden zu sichern unbillig aus Perspektive der Verteilungsgerechtigkeit und eventuell sogar nicht mit dem Grundgesetz zu vereinbaren. Es ist sogar noch schlimmer, denn die Existenzsicherung verkennt zur Zeit, dass Mobilität, Internet und Kommunikationsgeräte existentiell für die Vermittlung von Arbeitssuchenden sind. Dies wird nicht oder nur nach vorheriger begründeter Genehmigung finanziert. Im Übrigen gehen Raucher zugrunde, weil sie mittelfristig nicht von Hartz-IV überleben können. Es ist nun mal brachial schwer mit dem Rauchen aufzuhören, weil es eine Sucht ist – hier ist nicht mal die Existenz gesichert.

Richtig hingegen wäre eine Beteiligung am Wohlstand der Gesellschaft, also eine Finanzierung die proportional zum realen Bruttoinlandsprodukt ist, und folglich mit diesem wächst. Es existiert mit dem Ansatz des Utilitismus sogar eine Finanzierungsform fernab der klassischen Steuer für derartige Finanzierung bis hin zur negativen Einkommenssteuer / zum Grundeinkommen.

Fazit

Arbeitsvermittlung 4.0 bedeutet Investition in Arbeitssuchende, proaktive Beurteilung der Situation des Arbeitsuchenden durch Experten, moderne dynamische Behörden mit einer aktiven Feedbackkultur und einer Kultur der Verantwortung und eine Finanzierung des Arbeitssuchenden die mit dem Wohlstand der Gesellschaft harmoniert. Wenn letzteres zu mehr Langzeitarbeitslosigkeit führt, ist das auch ein wichtiges Signal an die Wirtschaft, attraktive Jobs anzubieten und unbeliebte Jobs zu automatisieren.

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