Diskussion: It´s Time for Politics to Grow Up

Dieser Vorschlag ist universell und einzigartig. Universell, weil er positive Ideen ausdrückt, die von vielen traditionellen und modernen Kulturen geteilt werden, und so von allen verstanden werden kann. Einzigartig, als konstruktive Synthese für unser aller Fortschritt in einer Form, die Diversität aufblühen lässt und nicht von spaltender Politik untergraben wird. – Dorian Furlonger (2019): “It´s Time for Politics to Grow Up”, Übersetzung von Marius A. Schulz.

Zentrale universelle Normen, die Furlonger aufnimmt sind die vertrauenshaltige Reziprozitätsnorm, die Goldene Regel und der Grundsatz systemisch-individueller Freiheit:

  • Ich gehe auf dich zu, in der Hoffnung, dass du auf mich zugehst.
  • Ich behandle andere so, wie ich selbst behandelt werden möchte.
  • Ich erlaube mir nur jede Freiheit, die nicht andere in ihrer Freiheit behindern.

Lebensqualität – ehrlich und bedacht

Er konfiguriert diese drei moralischen Grundsätze in Bezug auf Lebensqualität. Lebensqualität erfasst er als subjektive Beurteilung, die überlegt, autonom und wissensbefähigt erfolgt in Bezug auf:

  1. Leben in gutem physischen und sozialen Umfeld (mit einer guten Mischung aus Sicherheit und Chancen in physischer und sozialer Hinsicht).
  2. Leben eines erfüllten Lebens.
  3. Leben in Selbstachtung.

Im Kontext der Allgemeinheit erweitern sich folglich die Beurteilungskriterien hin zu:

  1. Ich beurteile frei von Beeinträchtigung meines Denkens (wie z. B. Manipulation oder Gruppenzusammenhalt).
  2. Ich beurteile mit offenem Zugang zu gegenwärtig relevantem Wissen, dass ich reflektieren konnte.

Schließlich zeigt sich die Integration der moralischen Normen in der Berücksichtigung der Selbstbeschränkung eigener Lebensqualität sofern sie andere oder die Gesamtgesellschaft in ihrer Lebensqualität behindern würde und der Aussage sich auf bedeutsame Unterstützung von Mitmenschen und Institutionen verlassen zu können.

Damit setzt Furlonger auf eine ehrliche und bedachte Bekundung unserer Lebenszufriedenheit. Das steht – so Furlonger implizit – in starkem Kontrast zu den Machtspielen einer Klientelpolitik, die “vorbildhaft” inszeniert wird – die Machtpolitik.

Machtpolitik nutzt sophistische Techniken, statt dem “mutual higher-self thinking”, dem selbstabstrahierenden Denken zum gemeinsamen Wohl.

Kritik

Zentral scheint mir die Fragestellung der Integration fremder Interessen in die eigenen Fühlens-, Denkens- und Verhaltensweisen zu sein. Entsprechend meiner Konzeption egoistisch-empathischen Verhaltens strebt Furlonger hier die Beachtung von Fremdinteressen an – sie sind zu bedenken. Das unterscheidet nach meiner Konzeption von Opportunismus oder gar Soziopathie, die ohne Berücksichtigung der Konsequenzen eigenen Handelns für andere auskommt.

Diese Fragestellung, also die Integration von Fremdwirkung ist jedoch ein zentrales Thema der Ethik – wir können meistens nicht alle Konsequenzen unseres Handelns absehen. So sind wir z. B. als unperfekte Wesen auf Integration entsprechend unserer Intention angewiesen (Vgl. Integration) und die Optimierung gemeinsamer Entscheidungen kann zwar modelliert werden (Vgl. Homo Ökonomikus), aber nur für ausgewählte Stakeholder, nicht das ganze System.

Hier ist folglich die richtige Konsequenz, sich Mühe mit der Modellierung von Konsequenzen eigenen Verhaltens (dazu zählt auch Kommunikation) zu geben und abzusichern aus positiver Intention zu handeln, nicht aber aus “Überforderung” und mangelndem Verständnis für die subjektiven Situationen anderer aufzugeben, Fremdwirkung zu berücksichtigen.

Dieser Anspruch ist keineswegs neu, sondern im alteuropäischen Kulturgut z. B. des Ehrbaren Kaufmanns in der sogenannten inneren Ehre erfasst (Vgl. Corporate Social Responsibility), war aber im Kontext des zweiten Weltkrieges in Vergessenheit gebracht worden. Heute finden wir diese Ideen im Kontext von Integrität, Authentizität und Verantwortung.

Konstitution

Nach Furlonger sollte folgendes Kernprinzip in die Verfassung aufgenommen werden:

In allen politischen und administrativen Entscheidungen muss die Priorität in der Zielsetzung liegen, dass die Menschheit sich hin zu nachhaltiger Lebensqualität für alle entwickelt und zwar basierend auf offenem und transparentem Wissen.

Dieses Kernprinzip elaboriert er in neun Regeln, die wie folgt zusammengefasst werden können:

  1. Lebensqualität für alle ermöglichen:
    1. Freiheit für Lebensqualität, solange andere nicht eingeschränkt werden.
    2. Entscheidungen und Infrastruktur zur Ermöglichung von Lebensqualität.
    3. Mutual higher-self thinking in Politik und Administration.
  2. Nachhaltigkeit:
    1. Ökologische Nachhaltigkeit.
    2. Soziale Nachhaltigkeit ohne Monokulturen.
    3. Langfristorientierung und Beachtung des Gesamtkontext.
  3. Offenes und transparentes Wissen:
    1. Breite Wissensforschung in allen Bereichen.
    2. Förderung von Fähigkeiten durch Bildungsoffenheit und -Distribution.
    3. Nutzung von Wissen und wissensgerechte Prüfung von Entscheidungen.

Diese Regeln sollen sich gegenseitig verstärkend im Gesamtkontext entfalten, sind also designed, um eine systemische Dynamik hervorzubringen.

Kritik

Furlonger entwirft eine ähnliche Konzeption wie Doughnut Economics. Hierbei geht es um Mindeststandards und Einhaltung von oberen Limits, also dem Setzen von Nebenbedingungen für die freie Entfaltung – in beiden Konzepten in Bezug auf soziale und materielle Mindeststandards und planetäre obere Grenzen unserer ökologischen Lebenswelt.

Furlonger betont mit seinen Regeln die Wichtigkeit von Gleichheit und Gleichwertigkeit mithin Gerechtigkeit der individuellen Entfaltung gegenüber der Einschränkung der Entfaltung Dritter. Diese Form der relationalen “Beschränkung” wird sowohl intranational als auch international eingesetzt.

Hierin zeigt sich eine zunehmende Integration von ökonomischer, ökologischer und sozialer, und damit auch politischer, Nachhaltigkeit. Konzeptionell nach Furlonger fehlt damit vor allem das Feedback bzw. die Integration der Expertise der Bildungsverantwortlichen.

Hierin dürfte das Fundament bürgerlichen Handelns durch Wissensaneignung und Kompetenzvermittlung liegen, die nicht im sozialen und medialen Miteinander erwächst. Während Furlonger auf umfassende Offenheit und Transparenz von Wissen abzielt, habe ich mich eher mit der Vernetzung von Spezialisten beschäftigt (Vgl. Jigsaw-Bildungswesen und Wissensmanagement).

Damit entsteht aus meiner Perspektive insbesondere die Frage, wie das Wissen in Form spezialisierter Aneignung in einem Expertensystem vernetzt werden kann und ich stehe der Allgemeinbildung vor diesem Hintergrund kritisch gegenüber – kann wirklich jeder so vieles Wissen, oder brauchen wir Arbeitsteilung im bürgerlichen Bereich?

Politische Implikationen

In Bezug auf politische Implikationen unterscheidet Furlonger zwischen Staatsorganisation, der Rolle der Politiker, der Rolle des Bürgertums und der Öffentlichkeit sowie der internationalen Verhältnisse.

  1. Staatsorganisation:
    1. Gewaltenteilung.
    2. Unabhängig gewählte Prüfungsinstitutionen gegen Veruntreuung.
    3. Repräsentativität des Staates durch Abbildung der Interessenslagen der Menschen.
  2. Rolle der Politiker:
    1. Ablage der Führerinterpretation gegenüber einer Interpretation als Dienstleister / Steward gegenüber den Menschen.
    2. Vereidigung der verfassungsgemäßen Verantwortung und Verpflichtung.
    3. Wahrung der Diskursqualität öffentlicher Debatten.
  3. Rolle des Bürgertums und der Öffentlichkeit:
    1. Eigenverantwortung für die eigenen Lebensqualität und Partizipation am politischen Geschehen (Bürgertum).
    2. Öffentliche Erwartung von bedeutsamer Anwendung der Prinzipien und Regeln.
  4. Internationale Verhältnisse:
    1. Kooperationsgrundsatz gegenüber Drittstaaten.
    2. Auffassung von Gewalt (und Macht) als letztes Mittel und gescheiterten Verhältnissen.

Kritik

Meiner bescheidenen Meinung nach – es handelt sich nur begrenzt um meinen Kompetenzkreis – manifestiert sich die politische Intention Furlongers vor allem in den staatsorganisatorischen Strukturen mit ihren nationalen und internationalen Kontrolleinrichtungen. Zu einem Gewissen grad wird Vertrauen über diese Kontrolleinrichtungen ermöglicht insbesondere aber durch Transparenz bestätigt, und sorgt somit für das Klima fruchtbarer Debatten, die im Kontext zunehmender Digitalisierung auch eine Form der Transparenz und Qualität erreichen könnten, die ein mündig argumentierendes Bürgertum fördern könnte.

Natürlich bedeutet dies, dass das Bürgertum für diesen Prozess auch einstehen sollte und so mitkontrollierend Wirkung entfaltet – insbesondere in liberalen Demokratien. Letztlich entscheiden natürlich unsere individuellen Selbstansprüche in kollektiver Durchdringung, wie unsere Strukturen aufgebaut sind (Vgl. Menschen groß machen) und wir können schließlich zunächst am besten bei uns und dann an den Strukturen angreifen, aber es besteht Gefahr der Überforderung.

Ökonomische Implikationen

Furlonger denkt Ökonomie problembezogen von den Zielen her, wenn er Märkte (auch Finanzmärkte) und Geschäftspraktiken mit Lebensqualität für die Menschheit abgestimmt wissen will, sodass Preise und Indikatoren die Lebensqualität messen und zwischen den Menschen abstimmen und Unternehmen zu werteorientierten Systemen mit transparentem Schutz vor illegalen Aktivitäten sind sowie Professionalität stimuliert wird.

Dem Staat kommt darüberhinaus die Förderung von Forschung in Lebensqualität bedingende Technologien und Wissen zu und die Unterstützung des Arbeitsmarktes. Dabei soll der Arbeitsmarkt durchaus Jobs zugunsten der Lebensqualität aller verschieben / aufgeben können, aber die Betroffenen sollen Unterstützung in der Jobtransition erhalten. Deswegen soll der Staat auch die Entstehung von Arbeitsplätzen insbesondere in Verbindung mit Lebensqualität fördern und Wandel in der Ökonomie und ökonomische Schocks mit Perspektive auf die Arbeitserhaltung und Transitionsförderung managen.

Die Korrektur von Preisbildung, die nicht mit realen Kosten und Nutzen harmoniert soll in einem Prozess kontinuierlicher Aufdeckung mit geeigneten Maßnahmen von Meinungsbildung über Entscheidungsunterstützung bis hin zur Besteuerung und Regulation erfolgen.

Kritik

Unternehmen balancieren Anforderungen von Absatz- und Faktormärkten mit den Faktoren Arbeit, Finanzkapital, Potentialgüter und Rohstoffe im Kontext von Wettbewerb. Dabei gibt es auf dem Absatzmarkt allgemeine Preisanteile und individuelle Preisanteile, während letztere die Spielräume auf den anderen Märkten ermöglichen. Somit liegt in professionell agierenden Unternehmen stets Fokus auf der Wettbewerbsposition über Preis und Leistung(-swahrnehmung).

Da Herr Furlonger Standards für Unternehmen einrichten möchte, müssen diese zu allgemeinen Preisanteilen werden, sodass sie anreizkompatibel im Wettbewerb sind. Hierzu kann geeignete Transparenz an Absatzmärkten eingerichtet werden oder es können Regulationsstandards geschaffen werden.

Das grundsätzliche Thema ist, dass Regulation und Transparenz bzw. Standards nachlaufend konzeptioniert sind gleichwohl sie häufig strukturell eingreifen. Das bedeutet, dass wir ausgehend von wahrgenommenen Problemen Standards etablieren, um diese Probleme und vergleichbare Problemmöglichkeiten auszuregulieren oder entscheidungswirksame Bewusstheit herzustellen und aufrecht zu erhalten – dieses reaktive Muster ist also nachlaufend. Können wir Probleme antizipieren, können wir vorauslaufend-prognostisch regulieren und beeinflussen.

Deswegen sind z. B. Transparenzframeworks basierend auf systematischer Analyse von ungewünschten Marktresultaten, die am (Absatz-)Markt wirksam werden in höherem Maße vorauslaufend, als die Korrektur von ungewünschten Marktresultaten durch Regulation und Beeinflussung. Hier setzt z. B. das Transparenznudging an, dass umfängliche Indikatoren in Kaufnudges überführt, sodass Produkte unabhängig vom Involvement der Konsumenten gut beurteilt werden können und zwar in Bezug auf messbare Eigenschaften, sodass die Vertrauenseigenschaften nur einen geringen Anteil ausmachen.

Professionelle Konsumenten (also z. B. der Verbraucherschutz) würden hier Signale von Unternehmen erwarten, die durch Transparenz echte Werte vermarkten. Hier stellen wir fest, dass die Wertschöpfungsketten am Absatzmarkt eher auf extreme Abweichungen reagieren, als auf Best Practices – Enttäuschung also relevanter ist, als Qualität behaupte ich. Diese Interpretation – sofern sie real ist – legt nahe, dass Unternehmen lediglich den extremen und medial wirksamen Vertrauensbruch meiden, anstatt proaktiv Standards zu erarbeiten.

Eine Institutionalisierung von Qualitätsstandards in Kaufhinweise überbrückt diesen blinden Fleck der Endkonsumenten, sofern das Vertrauen in die Transparenzframeworks besteht. Dies bedeutet nach den Grundsätzen der Privatautonomie, dass diese Transparenzframeworks den Konsumenten bestmöglich individuell beraten, keinesfalls aber bevormunden sollten. Hier ist auch eine Vermittlung und Transparenz der Indikatoren in bildenden Prozessen zu vermitteln – Vertrauenseigenschaften eines Transparenzframeworks sind von erheblicher Bedeutung.

Transparenz ist keinesfalls eine ungewöhnliche volkswirtschaftliche Forderung, sondern eine grundlegende Annahme effizient funktionierender Märkte. Allerdings sind in der öffentlichen Wahrnehmung eher Zertifikate und Marken präsent, die betriebswirtschaftliche Lösungen darstellen, also Geschäftsmodelle sind. Transparenzframeworks mit entsprechender Regulation oder Marktdurchdringung hingegen sind ganzheitliche Ansätze soweit derzeit absehbar. Meines Erachtens ist es wichtig die Debatte hier zu konzentrieren und sich bewusst zu machen, dass Unternehmen und auch Finanzinstitute aufgrund der systemischen Zusammenhänge auf derartige Ansätze von sich aus reagieren – in der Wirtschaft sollte fundiert am richtigen Hebel eingegriffen werden. Eine Übersicht zu Nachhaltigkeitsregulierung liefert der Artikel CO2-Steuer.

In Bezug auf die verbleibenden Vertrauenseigenschaften, also z. B. genehmigte Pharmazie- oder Pestizidforschung, die aufgrund von Informationsasymmetrien und Unmöglichkeit der Vorablangzeitstudie Spielräume für unverantwortliche Geschäftspraktiken lassen, müssen nachträgliche Transparenz eine Reputationswirkung entfalten, die vernünftige und verantwortliche Unternehmen befördern, aber letztlich braucht es in der Tat Verantwortungsbewusstsein und moralisches Handeln auf individueller und organisatorischer Ebene (Vgl. zu Verantwortungskonzepten Corporate Social Responsibility und the ethical capitalist). Streng genommen müsste man die Forschung verstaatlichen und die Nutznießer zum einen mit einer separaten Forschungssteuer belegen und zum anderen auf genehmigte Produkte beschränken.

Bildungswesen Implikationen

Furlonger hält folgende Elemente der Bildung für erwartbar:

  1. Jeder Mensch sollte hochwertige Bildung in der Jugend erhalten und im Erwachsenenalter sollte Bildung stimuliert werden und leicht zu finanzieren, wenn nicht sogar kostenlos sein.
  2. Bildung soll alle Felder enthalten, die für Lebensqualität relevant sind.
  3. Bildungswissenschaften sollten exzessiv erforscht und verbessert werden.
  4. Leistungserfolgskontrollen, die nicht der Zertifizierung von beruflicher Qualifikation dienen, sollten darauf abzielen, Strategien für besseren individuellen Lernfortschritt abzuleiten, statt soziale Pyramiden durch Selektion voranzutreiben.
  5. In der Gesamtschau soll Bildung Menschen befähigen gute Entscheidungen selbstständig treffen zu können (überlegt, autonom und wissensbefähigt), sodass sie ihre Lebensqualität verbessern können, ohne andere in ihrer Lebensqualität zu beschränken.

Furlonger erarbeitet auch die Felder der Bildung, die relevant sind, um Lebensqualität zu ermöglichen:

  1. Sprach-, Kommunikations- und Lernkompetenz.
  2. Wissenschaft von Natur und Technologie, die Verständnis der zugrundeliegenden Faktoren unserer Leben bildet inklusive der Wissenschaftstheorie, wie derartige Erkenntnisse gewonnen werden.
  3. Alles relevante Wissen, um Entscheidungen im globalen Nachhaltigkeitskontext treffen zu können.
  4. Vorurteilsfreie Bildung zu menschlichen Gesellschaften auf der Welt inklusive Kulturdifferenzen, Formen der nationalen Staatsorganisation und internationalen Eingliederung und Unterschiede der Lebensführung, physikalischen Umgebung und dem Umgang mit besonderen Herausforderungen. Ziel ist Entscheidungen im globalen sozialen Kontext treffen zu können.
  5. Unparteiische Bildung zur eigenen Nation aus sozialer, physischer und historischer Perspektive.
  6. Verständnis von Moral, Werten und menschlicher Bewusstheit (menschenbezogenes Wissen) aus Perspektive relevanter Forschung, wie Ethik, Psychologie und Neurophysiologie.
  7. Bildung zu Logik, systemischem Denken und Entscheidungsfindung mit Befähigung Offenheit mit kritischem Denken zu balancieren.
  8. Bildung zu menschlichen Beziehungen.
  9. Wissen und Fähigkeiten, um das Leben und die Karriere managen zu können.
  10. Bildung in Kunst und Sport im Kontext sozialer Kompetenz, Begeisterung und Stimulation sowie der Erhaltung physischer und mentaler Gesundheit.
  11. Anleitung zu bürgerschaftlichem Engagement in Politik und sozialen Belangen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene inklusive motivationaler Aspekte.
  12. Wissen um die intendierte Verfassung und was die zugehörigen Regeln bedeuten.

Kritik

Bildungskonzeptionen sind nicht mein Kompetenzkreis, aber aus subjektiver Erfahrung halte ich insbesondere Wissen um Recht, Menschsein und kulturelle, wie erkenntnistheoretische Wahrnehmungs- und Verhaltensunterschiede für zu wenig durchgängig vermittelt. Im Übrigen ist Bildung ein Prozess, und damit nach Effektivität, Effizienz und Flexibilität zu gestalten, wobei insbesondere Flexibilität in unseren historisch autoritär geprägten System zu wenig bedacht scheint, um eine intensive Profilbildung in Bezug auf Wissen und Kompetenzen hervorzubringen, die im Kontext der Allgemeinbildung zukunftsgerichtet Arbeitsteilung in Kooperation ermöglicht und dabei die Motivation der Lernenden betont. Ich habe dazu im Artikel Jigsaw-Bildungswesen versucht meine Eindrücke zu reflektieren.

Zentrale Zusammenstellungen meiner wissensbasierten Beschäftigung mit dem Menschsein finden Sie im Abschnitt Ich-Kompetenzen.

Fazit

Dorian Furlonger widmet sich zentralen Grundsätzen einer Konstitution und betrachtet deren Implikationen in den zentralen Gesellschaftsstrukturen: Staatsorganisation / Politik, Wirtschaft und Bildung. Die Ausführungen bleiben nicht auf nationaler Ebene hängen, sondern widmen sich auch der internationalen Gemeinschaft.

In diesem Sinne rückt er den Wert des Universalismus in den Vordergrund – wir sind eine Menschheit auf einem Planeten. Diese fundamentale Wahrheit möchte er in unseren zentralen Strukturen global wiederfinden. Deswegen sollten die Bürger der Nationen ihre Erwartung an die Politik erhöhen und sich selbst konstruktiv und mitmenschlich im Sinne höchster Lebensqualität für alle einbringen.

Eine interessante Diskussion scheint mir die Verständigung zwischen Menschen, die einen Wert zugunsten von Macht entwickelt haben mit Menschen, denen Macht eher wenig motivierende Kraft gibt, da mir der Eindruck entstanden ist, dass letztere auf eine “Macht des Sozialsinns” setzen, deren Relevanz für machtorientierte Menschen vielleicht der Verständigung bedarf. Dies scheint mir eine interessante Fragestellung, die offen geblieben ist.

Anmerkung

Das knapp gehaltene Buch von Dorian Furlonger ist in diesem Artikel in den wesentlichen Aussagen erfasst. Gleichwohl erzeugen die Darstellungen von Furlonger vielschichtige Details über Zusammenhänge, Motivation und Interaktion der Prinzipien und Regeln, die hier nicht abgebildet werden können uns sollen. Ich kann das kurze Buch empfehlen. Schade ist lediglich, dass das Buch ohne Würdigung von zum Teil Lebensleistungen von Forschern durch Referenzierung auskommt, und sich damit etwas der wissenschaftlichen Gemeinschaft entzieht.

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Diskussion: Knapp Wertvoll Sparsam

“Wir leben derzeit in einem das gesamte Leben dominierenden Wirtschaftssystem, welches versucht, auf Basis der unrealistischen Fiktion eines immerwährenden Zuwachses an materiellen Gütern alle Voraussetzungen zu zerstören, auf den es selbst steht.” Friedrich Wegenstein (2019) “Knapp Wertvoll Sparsam – Wirtschaftswachstum ist kein Fortschritt.

Herr Wegenstein – ein Betriebswirt und Großvater – beschäftigt sich mit der Spannung von Wirtschaft und Demokratie auch vor dem Hintergrund der Generationengerechtigkeit.

Demokratie

Demokratie bedeutet für den Menschen Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit und er besitzt ein Anspruch auf Lebensgrundlagen und Arbeit. Für die (supranationalen) Staatengebilde bedeutet sie Autarkie, Handlungsfähigkeit und Legitimation. Wegenstein möchte Arbeit als Menschenrecht verstanden wissen und zielt auf deren identitätsstiftende Komponente und die Selbstfinanzierung ab.

Wirtschaft

Wirtschaft strebt strategisch kalkulierend nach finanziellem Erfolg, ist opportunistisch, kurzsichtig und manipulativ, strebt nach Marktmacht und rationalisiert die Ressourcen gnadenlos, wobei sie maximal rechtshörig ist.

Der Konflikt zwischen Arbeit und Kapital erfolgt zu Ungunsten der Arbeit, da Kapital durch leichtere Verwendbarkeit wesentlich mehr Kräfte entfaltet. So kommt es, dass enorme Vermögens- und Einkommensungleichgewichte herrschen.

Menschen werden im System an allen Fronten übervorteilt – von Wahlmanipulation über Konsumindoktrination bis hin zum Leistungszwang.

Natur & Menschenrecht

Ursächlich für die Verwürfnisse ist prestigestreben um sich nivellierende Vorreiterrollen durch Anhäufung von Konsumprodukten im Sinne einer Sucht, die schon gar nicht mehr sinnhaltig oder befriedigend ist – zum Teil Kreditfinanziert.

Dem sollte seines Erachtens folgendes Prinzip entgegenstehen:

“Nur verdienen was man braucht, nur das ausgeben, was man verdient, und nur das verbrauchen, was unabdingbar notwendig ist.”

Fortschritt und Wohlstand

So möchte er auch Fortschritt in tatsächlichen Nutzen für den Menschen gesehen haben, sodass Unternehmen soziale Systeme sind und der Geldwert sich über die Verwendung bestimmt, statt über die Ziffer.

Wohlstand soll das gesamte Leben und alle Gesellschaftsschichten in Hinsicht der Zufriedenheit, Gesundheit und internationaler Kooperation betrachten und auch durch individuell relevante Informationssysteme beobachtbar machen. Dem Staat und der Gemeinschaft kommt die Rolle zu, Rahmenbedingungen für die individuelle Befriedigung körperlicher, sozialer und geistiger Bedürfnisse zu schaffen.

Das bedeutet insbesondere auch eine vollständige Berichterstattung durch Medien.

Lösungsvorschläge

Wegenstein möchte die Demokratie fördern, die Umwelt schützen und Wirtschaftsgesetze erlassen. Seine Vorschläge versteht er als Impulse für demokratische Prozesse, nicht als abschließende Lösung für komplexe / komplizierte Sachverhalte.

Demokratieförderung

  • Auf internationaler Ebene möchte Wegenstein gelebte Demokratie beobachten. Irritierend sind z. B. Vertreter demokratischer Staaten, die mit autokratischen Methoden ungelegene Stimmabgaben in internationalen Gremien sanktionieren – dies ermangelt der Legitimation durch die Fundamente dieser Demokratien und des Volkes.
  • Undemokratische Einflussnahme und Lobbyparteispenden möchte er strafrechtlich ahnden.
  • Antidemokratische Parteien sollen Werbeverbot erhalten und die demokratische Abschaffung der Demokratie soll verboten werden. Parteien sollen erst zu Wahl zugelassen sein, wenn sie beleghaft prodemokratisch sind.
  • Auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene sollen unabhängige Organisationen das Demokratieerlebnis prägen, ohne das Mehrfachfunktionen bestehen – dem Wähler soll kein intransparenter Parteiapperat gegenüberstehen.
  • Politiker sollen unabhängig durch Einkommen aber auch durch Beruf sein und Ämter nur kurz wahrnehmen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Das soll mehr Menschen ermöglichen politische Ämter zu tragen. Auch sollen Politiker Inszenierung abbauen und authentisch-bürgernah sein mit tatsächlichen Maßnahmenerarbeitungen.
  • Staatsangestellte sollen von Parteieinflüssen unabhängig sein.
  • Bürger sollen in den Künsten der Demokratie geschult sein, also z. B. im Diskurs und demokratische Bürgerpflichten wahrnehmen – zum Schutz aller. Politische Debatten sollen enttabuisiert und lösungsorientiert geführt werden.
  • Der Staat soll einfache Gesetze erlassen ohne viele Querverweise und tendenziöse Sonderregelungen.
  • Steuern sollen Kapitaleinkommen mehr belasten, Areitseinkommen entlasten und proportional zu Arbeitsbedingungen so veranschlagt werden, dass gewünschte Arbeitsbedingungen anreizkompatibel sind. Umwelt-, Entsorgungs- und Recyclingabgaben sollen eingerichtet werden.
  • Die Staatsverschuldung soll gedeckelt werden.
  • Importgüter sollen an gesetzliche Standards des Inlands gebunden oder vom Import ausgeschlossen werden, um einheimische Produktion lediglich mit strukturell vergleichbaren Gütern in Konkurrenz zu setzen – es bringt nichts Standards zu etablieren und dann Produkte aus Schwellenländern zu importieren, die diese Standards nicht kennen.

Umweltschutz

Wegenstein strebt Verbote und Verpflichtungen an, um Umweltschutz generationenübergreifend zu gewährleisten. Verbote sollen mit Strafen bewährt sein.

  • Verbot des Verbrauchs und der Verschmutzung lebenswichtiger Ressourcen inklusive Boden.
  • Verbot vorprogrammierter Alterung von Produkten.
  • Verbot nicht absolut notwendiger Verpackung.
  • Verbot jedes vermeidbaren Energie- und Ressourcenverbrauchs.
  • Recyclingverpflichtung.
  • Verplichtung erneuerbare Energien zu nutzen.

Wirtschaftsgesetze

  • Transparenz im Einzelhandel – alle relevanten Informationen für Käufer inklusive Wettbewerbsinformationen.
  • Beschränkung der Unternehmensgrößen.
  • Stärkung des Unternehmers durch weniger Börsenfinanzierung (langfristige Investoren).
  • Bindung des Höchstverdienstes an den Mindestverdienst.
  • Arbeitszeitverkürzung bei Arbeitsverknappung.
  • Verbot von Krediten für Konsum und Spekulation.
  • Kostenwahrheit – Einpreisung von Externalitäten über Pique-Steuern.

Diskussion

Demokratie zu fördern ist m. E. vor allem ein Thema der Interaktion – wie wollen wir miteinander umgehen? Unsere Werte müssen im tatsächlichen Verhalten ankommen und statt von Macht sollten wir von Verantwortung reden. Politiker sollten Befangenheit transparent machen. Was ich sagen möchte ist, dass Wegenstein gar nicht auf die Theorie des Gesellschaftsvertrags eingeht. Politiker, Bürger, Kapitalisten und Führungsorganisationen sind letztlich einer (Welt-)Gemeinschaft verpflichtet zumindest aber übernehmen wir hier alle Verantwortung in gewissen Bereichen füreinander und müssen uns aufeinander verlassen können. Interaktionsdefinitionen sind zentrale Bereiche der persönlichen Reifung (Vgl. Menschen groß machen).

Konkrete Maßnahmen zur Demokratieförderung kann ich nicht gut beurteilen, aber mir schwebt eine Digitalisierung demokratischer Prozesse vor – Regionalgruppen gehen durch Vertretung in übergeordnete Gruppen auf und aktuelle Themen werden diskutiert und abgestimmt. Gar nicht unbedingt rechtswirksam, aber öffentlich und mit Feedback.

Verbote und Verpflichtungen sind erst dann wirksam, wenn sie auch kontrolliert und durchgesetzt werden. Hierzu müssten geeignete Maßnahmen erarbeitet werden, sodass die Regeln nicht nur auf dem Papier stehen. Das Problem sehe ich insbesondere bei der Durchsetzung von Arbeitsbedingungen im Ausland. Hier sind eventuell Transparenzregulierung und Gutachten durch unabhängige Gutachter einzurichten. Auch glaube ich, dass Kostenwahrheit und Transparenz im Einzelhandel vielleicht besser durch Vertrauen in Optimierungsverfahren lösbar wären, als durch sperrige Produktkataloge (Vgl. CO2-Steuer).

Das Kartellrecht sollte ein ernstzunehmendes Ziel haben und nicht unterminierbar sein, auch sollten Marktspiralen von Kartellen aufgenommen werden (Vgl. Marktspiralen). Vielleicht sind aber auch Größenbeschränkungen sinnvoll. Jedenfalls ist es frustrierend, dass konzentrierte multinationale Großunternehmen die Regeln und Auswahl auf allen Märkten bestimmen, auch dem Arbeits- und Start-up-Markt (Vgl. Finanzsystem).

Corporate-Governance-Themen sind neben der Besteuerung von Kapitalvermögen und Automaten (Vgl. Utilitsmus) und Entlastung des Arbeitseinkommens von besonderer Bedeutung. Hier schlage ich vor über angemessene Renditen zu debattieren, sodass die Forderungen des Kapitals nicht alle anderen Märkte auslutschen, weil sie die Geschäftsführung einsetzen (Vgl. Nachhaltiger Kapitalmarkt). Insbesondere eine Definition von ehrbaren Kaufleuten (Vgl. CSR und ethical capitalist) und die Relationalisierung von Gehaltsniveaus im Führungsgefüge gegenüber dem Arbeitsgefüge ist hier auch vernünftig.

In Bezug auf die doch etwas negative Interpretation von Wirtschaft möchte ich anführen, dass die Betriebswirtschaft auf dem “Menschen”-Bild des Homo Ökonomikus basiert und aus dieser Perspektive funktionale Menschenbilder für die diversen Markt- und Vertragssituationen selektiert. So verfügen z. B. die Kommunikationspolitik der Unternehmen über Informationsverarbeitungswissen der Menschen, Arbeiter werden mit Werten, Bedürfnissen und anderen Motivations- und Leistungsfaktoren erfasst und Business-2-Business-Verhältnisse unterliegen Einblicken in professionelle strategische Kooperation und Verhandlungsführung. Es ist also in der Tat so, dass Unternehmen, als hierarchisch-ergebnisbewertete Expertensysteme mit enormen Ressourcen insbesondere relativ einfachen Konsumenten und Arbeitern gegenüberstehen – Übervorteilung geschieht in der Tat.

Anmerkung

Das Buch “Knapp Wertvoll Sparsam” weist eine hohe Informationsdichte auf und kann hier nur in Grundzügen dargestellt werden. Es greift auf aktuelle Daten zurück und beschreibt detailliert und anschaulich, aber etwas bestimmt, zentrale Probleme von Wirtschaft, Politik und Arbeit im Kontext der Demokratie. Sollten diese Themen Sie interessieren, kann ich das Buch empfehlen.

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.