Diversität (neuronal)

Was ist eigentlich neuronal betrachtet Diversität und welche Implikationen hat das für eine „Genderdebatte“ bzw. Debatte um Menschen zu integrieren im Sprachgebrauch? Ich stelle zunächst ein abstraktes Modell des psychologischen Gehirns vor, um sodann darauf basierend Distinktionen neuronaler Diversität zu überlegen.

Modellierung des psychologischen Gehirns

Das menschliche Gehirn entwickelt sich höchstwahrscheinlich ohne Daten a priori. Das bedeutet, dass neuronale Daten aus der Sinneswahrnehmung heraus entstehen (a posteriori) und gekoppelt an Sinneswahrnehmung und Handlungspotentiale unserer Physiologie sind. In einer Art qualitativen Faktoranalyse des menschlichen Gehirns unterscheide ich Wahrnehmungen, Emotionen, Bindung inklusive Sexualität, Kognitionen und Handlungsplanung. Ich vertrete die Hypothese, dass Emotionen und Bindungen sowie Kognition aus der Wahrnehmung heraus entwickelt werden, während sich insbesondere Rekombination von Sprache und Eindrücken in eine kreative Welt entwickelt, die „losgelöst“ von der Erfahrung ist.

Dementsprechend liegen neben unseren Sinnen: Hunger, Durst, Schmerz, Wärme, Berührung, Sehen, Hören, Riechen und Schmecken, vor allem Handlungspotentiale vor: Von weg gehen, verweilen und zu hin gehen, zusammenziehen und öffnen / ausstrecken, einnehmen / an sich nehmen und ab- / ausstoßen sowie begreifen / gestalten.

Emotionen nach neurologischer Feuerungsrate sind: Freude, Interesse, Zufriedenheit, Wut, Angst, Ekel, Distress, Scham und Überaschung, während Schmerz, Hunger, Durst und Ruhebedürfniss Affekte genannt werden. Bindung inklusive Sexualität ist vermutlich in eine allgemeine und eine geschlechtsspezifische Bindung und Sexualität zergliederbar, jedenfalls verfügen Hirnmänner und Hirnfrauen über ein unterschiedliches Bindungsareal von zweien. In Bezug auf Kognition unterscheidet man grob Bewusstsein, Vorbewusstsein und Unbewusstsein und differenziert nach Intelligenzen integrativer, logisch-analytischer, visuell-räumlicher, kinästhetischer, akkustischer, sprachlicher, gustatorischer und olfaktorischer Art. In Bezug auf Wahrnehmung können Sensibilitäten vorliegen. Zumindest das optische System, aber vermutlich viele Sinnessysteme erreichen sowohl das emotionale Gehirn als auch das kognitive Gehirn in seperaten Bahnen, also projezieren in zwei Bereiche parallel.

Exkurs zu neuronalen Daten: Es ist sehr kompliziert sich die Informationsverarbeitung neuronaler Systeme vorzustellen. Grob gibt es zwei Enden einer Spektrik: "Propagationssysteme" und "Drucksysteme". Propagationssysteme bedeuten, dass Aktionspotenziale und damit kodierte Daten durch das Nervensystem durchfließen, während Drucksysteme bedeuten, dass Nervensysteme in Zustände verfallen, die sie mit geringen Anteilen von Propagation ähnlich physikalischem Druck wechseln. Wahrscheinlich gibt es einen mittleren Zustand des Nervensystems mit Zustandswechseln und Propergationen. Grundsätzlich funktionieren technische neuronale Netzkarten durch annehmen eines energieminimalen Zustands also einer Kategorisierung in Zuständen, die wechseln. Ein neuronales System mit rückläufigen hemmenden und / oder aktivierenden Bahnen kann Zyklen bilden, Zustände erstarren lassen, aufsummieren (Integralglied) und Zustände wechseln. Jede Veränderung führt dabei zur Propagation in frequenz- und / oder amplitudenmodulierten Signalleitungen. Amplitudenmodulation entsteht in Zellkörpern, die diverse Transmitterschaltungen ihrer Kanalproteine aufnehmen, die sich summieren müssen, um ein Aktionspotenzial auszulösen, während Frequenzmodulation insbesondere bei Weiterleitung von Aktionspotenzialen auftritt. Im Verbund des neuronalen Systems von Wahrnehmung zu Handlung entstehen vermutlich Zyklen oder Drucksysteme auf Zyklen, die Handlungen umbahnen bzw. verzögern können (Gratifikationsaufschub / Reflektionsneigung). Neuronale Daten basieren auf Sinnen, aber sie werden hochgradig integriert und abstrakt dekompositioniert. Das bedeutet z. B. das Spiegelneurone Handlungsabschätzungen anderer ermöglichen oder das sogar elektromagnetische Felder auf höheren Abstraktionsebenen wahrgenommen werden dürften.

Diversität (neuronal)

Meines Erachtens sollte der Genderstern an seinen sechs Enden jeweils folgende Symbole aufweisen: ♂ für männlich, für weiblich, + für verletzt, * für besonders, < für hochsensibel, ∞ für jung und alt, denn zunächst unterscheiden sich hirnanatomisch Hirnmänner und Hirnfrauen insbesondere in Bezug auf Zellausdünnung und Bindungsareal II.

Zellausdünnung: Die Zellausdünnung der Testosteronschwämme des männlichen Gehirns führt m. E. zu reagibleren Nervensystemen, die mehr Daten abstrakterer Art reagibler schalten im Vergleich zu komplizierten Daten, die sich eher approximativer wandeln. Zellausdünnung findet auch mit der natürlichen Entwicklung des heranwachsenden Gehirns statt und unterscheidet jung und alt.

Sämtliche Formen von Behinderungen und Erkrankungen gehören zum Bereich der Verletzungen und Besonderheiten, da sie häufig neben Verletzungen auch andersartige Qualitäten hervorbringen: insgesamt könnten diverse „Krankheiten“ nützliche evolutionäre Ausprägungen unserer Spezies sein; Sind Autisten z. B. eventuell besondere Profiler für Habitate und Vorfälle darin? Weiterhin sind insbesondere Handlungspotentiale verändert bei physischen Behinderungen.

Hochsensibilitäten und auch intellektuelle Besonderheiten wie z. B. Inselbegabungen sind häufig ebenfalls ambivalent und auch mit Verletzungen gekoppelt. So ist etwa ein logisch-analytisch Inselbegabter Mensch kollerischer, wegen ungedult gegenüber verwaschenen Äußerungen, und intellektuell getriebener von logischen Kategorien und Zielen. Sozial sind solche Personen meistens im Problemlösungsmodus und vergessen regelmäßig mal das in den Arm nehmen. Eine Hochsensibilität, die ich mal beobachten konnte, war akkustische Hochbegabung, die dazu führt, dass Personen mit Takt, Akrebie und akkustischem Sehen etwas neurotisch rüberkommen, während sie sich mit akkustisch höher begabten Personen häufig synchronisieren und eine Form von koordinierten Bewegungsabläufen entsteht. Ich vermute akkustische Hochbegabung hätte in ernstzunehmenden Kriegs- oder Sondereinsatzkommandokonstellationen diverse Vorteile.

Ein unbekanntes Gefühl: Ein Gefühl, dass ich kenne, dass aber überhaupt nicht erwähnt wurde, nennt man Perplexität. Perplexität ist ein neuronaler Zustand der mit Distress gekoppelt ist und unlustige Widersprüche oder Überforderungen durch ein Gefühl der Handlungsunfähigkeit im Denken hervorbringt, das zeitweise eine Form von seelischem Schmerz bedingt.

Mit dem Alter entstehen Abnahmen diverser Leistungskennwerte des Gehirns und Zunahme von Erfahrung. Während die Bedeutung der Leistungsparameter häufig überhaupt nicht expliziert wird, man also z. B. überhaupt nicht angibt, welchen Zeitvorteil oder Kompliziertheitszuwachs ein IQ-Punkt bedeutet, wäre dennoch das Alter als besondere Diversität zu erfassen.

Fazit

Meines Erachtens sollte der Genderstern an seinen sechs Enden jeweils folgende Symbole aufweisen: ♂ für männlich, für weiblich, + für verletzt, * für besonders, < für hochsensibel, ∞ für jung und alt, sofern sprachlich die neuronale Diversität zum Ausdruck gebracht werden soll, die jeden Menschen aufnimmt, meint und integriert. Ich persönlich bin für einen entweder jede Distinktion aufweisenden Gendersprachgebrauch, der uns an alle erinnert oder das generische Maskulinum oder Femininum, das eine Distinktion bewusst vermeidet, damit immer alle gemeint sind und immer alle gedacht werden.

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Bewusstseinsreifung

Aufgrund der Gehirnentwicklung von innen (limbisches Zentrum) nach außen (Neokortex) und der Reizoffenheit unserer Wahrnehmung, entsteht im Menschen ein Ich-Bewusstsein, das unbewusste Intelligenzleistungen des Neokortex vor dem Hintergrund emotionaler (limbisches Zentrum) Bewertung im Ich-Bewusstsein erzeugt. Somit bleiben wir im Grunde genommen aus der kindlichen Prägung denkend.

Zudem entwickeln sich erste Bahnungen zwischen Wahrnehmung und emotionalem Erleben im frühkindlichen Alter. Deswegen reagieren wir auf Muster in der Wahrnehmung mit Emotionen, die unsere Intelligenzleistungen (Unbewusstsein) im Ich-Bewusstsein vergegenwärtigen. Das menschliche Gehirn hat Eigenheiten, die als Anlage und als Prägung (Sozialisation) bevorzugte Wahrnehmung und deren Verarbeitung bestimmen.

Parallel zu diesen Grundsätzlichen Arbeitsmustern des menschlichen Gehirns entwickelt sich die Bearbeitung von Wahrnehmung und Ich-Bewusstsein durch den Neokortex insbesondere vor dem Hintergrund, die bewussten Themen positiv zu entwickeln, also z. B. Probleme zu lösen. Hier bilden sich Regelungen für Emotionen (vgl. Selbstregulation), Erinnerungsabrufe und Wahrnehmungsmanipulationen (Simulation, Filtern und Bahnen).

Dies ist der Zustand der Eckert Tolle bei Menschen beobachtet und als „Ego“ bezeichnet: Äußere Wahrnehmungen triggern Erinnerung, Intelligenzleistung und frühkindlich geprägte Emotion, die über die bewussten Gedanken entscheiden, die wiederum das Gesamtsystem anregen, ähnlich wie ein Sinn. Da die Emotionen / frühkindlichen Themen das Ich-Bewusstsein bestimmen, zirkuliert die Gehirnleistung um die Bearbeitung der Emotionen, die vom wahrnehmbaren Umfeld stimuliert wurden und werden.

Insbesondere durch aktives Regulieren von Emotionen (Wissen und Training) sowie der Kognition (vgl. Positives Denken und Kontrafaktisches Schlussfolgern) steigt die Anpassungsfähigkeit an das Umfeld. Die Bearbeitung des Ich-Bewusstseins entwickelt sich in einer positiven Dynamik und sorgt für Gemütsruhe, soweit möglich. Der Mensch verschiebt seine Bewusstheit vom Ich-Bewusstsein auf die Wahrnehmung des Umfelds (Achtsamkeit), weil die unmittelbaren Themen (Identifikation mit dem Ich-Bewusstsein) im Regelfall restabilisiert werden dürften. So beginnt eine aktive Auseinandersetzung mit den wahrgenommenen Eindrücken und der Neokortex übernimmt die Gehirnfunktionalität.

Maßgeblich für diesen Bewusstseinszustand sind unsere Intelligenzleistungen in Kopplung mit unserem Wissen. Wissen ist jedoch Vernetzung von Information, sodass wir nicht bei gleichem Informationseinfluss gleichartiges Wissen entwickeln. Informationsanregung ermöglicht Übertragung von Vernetzungsmustern in kommunikativen Akten. Beschäftigung mit dieser Vernetzung festigt die Erinnerung und kreiert die internen Zugangsschlüssel zu diesem Wissen. Weiterhin entstehen externe Zugangsschlüssel, die mehr oder minder einfach sind. Sehr einfach wäre z. B. die Kopplung / Assoziation mit dem Kommunikationspartner.

Hier entstehen drei wichtige Prozesse: 1. Im Gegensatz zur „Ego“-Phase bestimmen nur noch selten unsere Emotionen die Intelligenzleistungen bezüglich der Verarbeitung des kommunizierten Wissens, 2. arbeiten wir mit höherer Achtsamkeit an den externen Zugangsschlüsseln und 3. können wir nun entscheiden, in Bezug auf den anderen zu kommunizieren. Letzteres bedeutet eine Abkehr von: „Was bedeutet das für mich?“, zu „Was kann ich zum Wissen der Person beitragen?“. Dies eröffnet / verstärkt empathische Kommunikationsmöglichkeiten. Wir können so, basieren auf Intelligenzleistung und Wissen, Sozialisationsprozesse erstmalig in ihrer Wirkung beeinflussen und entwickeln ein gewisses Maß an bewusster Reizabschirmung und Reizbeachtung.

Zusammenfassend erscheint mir der von Eckert Tolle beschriebene Zustand der Ego-Verhaftung durch Regelung / Bearbeitung von Emotion und Kognitionsmustern und Zuwendung zur Wahrnehmung (Achtsamkeit) eine Reifung zu erfahren, die einen höheren Grad an Autonomie ermöglichen dürfte.

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Selbstregulation

Übersicht

Selbstregulation ermöglicht bewusstere Beziehungsführung und Entscheidung im allgemeinen. Das hier vorgestellte Konzept ist erwachsen durch intensive Recherche und Anwendung. Es betrifft das gesamte Gehirn und die meisten mir bekannten Formen von Zuständen, die einer Regulation bedürfen, sei es autonom, emotional oder kognitiv. Bitte nutzen Sie das verlinkte Inhaltsverzeichnis, wenn Sie selber navigieren möchten. Viel Erfolg!

Inhaltsverzeichnis

  1. Einstimmung
  2. Autonome Reaktionen
  3. Emotionale Reaktionen
  4. Kognitive Probleme
  5. Zusammenfassung

Einstimmung

Selbstregulation ist ein Schlüssel zu besseren Beziehungen und höherer Zufriedenheit. Man verliert dadurch kaum Emotionalität in Beziehungen, sondern vermeidet die destruktiven und verkapselten Züge, die vieles von dem bestimmen, was unsere Beziehungen nachhaltig schädigen kann. Einmal gelernt und akzeptiert, ist die Umsetzung ein fast automatischer / natürlicher Prozess kontinuierlicher Verbesserung, den jeder meistern kann. Wer denkt, es sei wichtig mal so richtig auf die Kacke zu hauen, ist einem Trugschluss aufgesessen und sollte den Teil zur Wutregulation besonders ernst nehmen. Wer wenig Zeit hat, sollte sich über die für ihn wesentlichen Probleme aufklären indem er das verlinkte Inhaltsverzeichnis benutzt. Viel Erfolg mit der weiteren Lektüre.

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Autonome Reaktionen

Entsprechend der Polyvagal-Theorie von Stephen W. Porges (Porges 2010) erzeugen Hirnstammkerne, die von der Amygdala reguliert werden, autonome Ereignisse (Kampf, Flucht oder Erstarrung). Die Amygdala ist das Zentrum für Emotionen. Es handelt sich also um Hirnregionen, die für das höhere Bewusstsein schwierig zugänglich sind.

Da die Erstarrung ein äußerst extremes Ereignis ist, welches in alltäglichen Angstsituationen nicht auftritt, können wir uns hier auf die üblichere Kampf oder Flucht Reaktion beschränken.

Die Regulation der Kampf oder Flucht Reaktion, die nicht durch eine unmittelbare physische Gefahr ausgelöst wird, erfolgt über körperliche Signale an das Reptiliengehirn. Das bedeutet aufzustehen und den Aktionsradius des Oberkörpers wahrzunehmen während man einen festen Stand wahrt. Das signalisiert dem Hirnstamm und der Amygdala Einsatzbereitschaft.

Nachdem die eigene Sicherheit mit der Zeit zurückgewonnen wurde, kann man sich der kognitiven Angstregulation widmen.

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Emotionale Reaktionen

In der Neurophysiologie unterscheidet man Emotionen nach der neurologischen Feuerungsrate des limbischen Systems. Gehirnforscher kennen die Emotionen Freude, Interesse, Zufriedenheit, Wut, Angst, Ekel, Distress, Scham und Überaschung. Aus Richtung der klassischen Emotionsforschung tritt dem noch die Trauer hinzu. Die Überraschung ist eine Emotion, die keiner Regulation bedarf – soweit mir bekannt – und wird nicht weiter behandelt.

Freude, Interesse und Zufriedenheit

Freude, Interesse und Zufriedenheit sind grundsätzlich erstrebenswerte Emotionen. Gleichzeitig können sich wichtige Entscheidungen durch Euphorie oder übermäßiges Interesse zu weit von einer realistischen Einschätzung der Konsequenzen und der Machbarkeit entfernen. (Vgl. Positives Denken).

Euphorie und übermäßiges Interesse kann man durch Beachtung der Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen, Konsequenzen und der Machbarkeit regulieren.

Eine wichtige Kommunikationskompetenz ist es, Verantwortung für sein Interesse am Gegenüber zu übernehmen. Das bedeutet, dass man bewusst versucht sich für das Auffinden interessanter Themen zu interessieren, um das Gespräch aufzubauen.

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Wut

Wut ist eine trügerische Emotion. Entsprechend einer gesundheitlichen Negativspirale verstärkt sich Wut, wenn man sie nicht reguliert, und vermittelt sogar das fälschliche Gefühl einer Erleichterung (Goleman 1998). Oft ist Wut lediglich dienlich, um destruktive und übertriebene / polarisierte Kritik zu üben, ohne jedoch die Lösungsebene (sachlich und emotional) zu betreffen. Die wesentliche Ursache von Wut ist die subjektive Wahrnehmung einer Vereitelung persönlicher Ziele.

Es ist deswegen sinnvoll Wut frühzeitig zu deeskalieren indem man sich vom „Streitgegner“ distanziert und eine Pause mit Ablenkung einlegt, um sich zu beruhigen und vom Themenkreis abzulenken. Bewegung ist ebenfalls hilfreich (Goleman 1998).

Die Reflektion der Ziele, die der Wut zugrundeliegen, gibt Aufschluss über Werte und Bedürfnisse. Zudem ermöglicht sie die Bearbeitung von „unbewussten“ Zielen, die sich nicht im Einklang mit Erfordernissen oder dem Selbstbild befinden.

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Angst

Angst ist aufgrund unserer Gehirnstruktur regelmäßig auf potentiell dramatische Ereignisse fokussiert, ohne die Wahrscheinlichkeit der Ereignisse zu berücksichtigen. In unserem modernen Umfeld funktioniert unsere Angst häufig nicht gut, denn die meisten ernstzunehmenden Gefahren haben eine mittlere bis hohe Wahrscheinlichkeit und sind eher von geringer bis mittlerer Schadenshöhe.

Angstregulation bedeutet deswegen häufig Wahrscheinlichkeiten abzuschätzen oder zu erheben, um kognitiv-beruhigend gegenzuargumentieren. Ein weiterer Aspekt ist es, durch fundierte Risikoanalyse moderate Angst / Aufmerksamkeit für die wichtigen Risiken zu schaffen (hoher Schaden bei mittlerer bis hoher Wahrscheinlichkeit). Wichtig ist es zu berücksichtigen, dass Risiken zum Teil voneinander abhängen und sich gegenseitig beeinflussen.

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Ekel

Ekel kann sowohl konkret als auch abstrakt angeregt werden, sodass ekeleregende Situationen aus physisch und moralisch aversen Anlässen hervorgehen (Goleman 1998).

Bei physisch stimuliertem Ekel ist ein Akt der Säuberung im physischen Sinne regelmäßig eine gute Regulationsmaßnahme. Bei überzogenem Ekel vor z. B. Bakterien ist es hingegen nicht sinnvoll einen Putzzwang auszubilden, sondern sich professionelle Hilfe zu suchen.

Moralisch angeregter Ekel ist zunächst mal eine Beurteilung, die im Sinne einer Annahme / Urteilsheuristik darauf hin geprüft werden sollte, ob sie wirklich begründet ist. Zudem ist moralisch angeregter Ekel ein zentraler Hinweis auf eigene Werte, deren Kenntnis einem helfen kann, das eigene Handeln zu leiten, um so zufriedener mit sich selbst zu sein.

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Trauer

Trauer ist eine Reaktion auf Verluste und tiefgreifende Veränderungen. Da Trauer häufig subjektiv wichtige Verluste betrifft, ist der Umgang mit Trauernden im Durschnitt verständnisarm, denn der Umwelt fehlt häufig das Verständnis um passende Empathie zu entwickeln.

Deswegen sollte jemand, der trauert, sich (gegen Widerstand) die Zeit nehmen, um die Verluste zu verarbeiten und sich zu restrukturieren. Das Gefühl der Niedergeschlagenheit kann durch den Versuch, einfach einzurichtende Stimmungsaufheller einzurichten, ein Stück weit aufgelöst werden (Goleman 1998).

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Distress

Distress ist übermäßiger Stress und kann durch Abgrenzung und Neuplanung reguliert werden. Zudem hilft Bewegung, um den Stoffwechsel anzuregen, und so Stresshormone schneller abzubauen.

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Scham

Scham ist in den meisten Fällen eine angemessene und als sympathisch wahrgenommene Emotion, kann aber übertrieben oder zu häufig auftreten.

Das deutet dann auf ein mangelndes Selbstbewusstsein hin und kann durch Reflektion von üblicher Verhaltensvielfalt verbessert werden. In der Situation, welche Scham auslösen würde, kann anhand der Einstellungen geprüft werden, ob nicht doch „normale“ Abweichungen von einer Norm vorliegen, welche zu akzeptieren man von der Umwelt erwarten kann.

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Kognitive Probleme

Zentrale averse kognitive Zustände sind Verwirrung, übermäßige Fokussierung und ungelöste Konflikte.

Verwirrung und übermäßige Fokussierung

Beide Zustände erfordern es, wieder einen Überblick zu bekommen. Das ist insbesondere eine Aktivierung mehrerer weiterer Gehirnareale aus der analytischen uns kreativen Sphäre und ein Prozess der Sammlung und Strukturierung.

Das probate Mittel, um diesen Zustandsübergang zu erreichen, ist Meditation mit phantasieanregenden Elementen, wie z. B. Meditationsreisen.

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Konfliktlösung

Echte Konflikte sind Wiedersprüche und im Ernstfall sind mehrere Seiten der Wiedersprüche berechtigt (Schwarz 2014). Das Zentrale Problem ist, dass vernünftige Konfliktlösung auf hoher Ebene stattfindet (Kompromiss oder besser Konsens) nicht jedoch auf den Ebenen Flucht, Kampf und Delegation. (Vgl. Konfliktmanagement – Das Ausleben einer produktiven Konfliktkultur)

Zentral ist der Vorgang die Perspektive der Konfliktgegenüber zu verinnerlichen bzw. die eigene Perspektive im Gegenüber zur Anerkennung zu bringen – das ermöglicht einen Konsens. Das ist ein kommunikativer Vorgang der Zeit, Vertrauen und Aufmerksamkeit erfordert. Sofern keine intensive Vertrauensbeziehung zwischen den Konfliktparteien besteht, scheitert die Kommunikation, selbst wenn sie Verständigungsfördernd erfolgt. Deswegen sollte man in Konfliktsituationen Briefe verfassen, die besonders verständig / konstruktiv und durchdacht sind und diese über Personen höchsten Vertrauens zum Konfliktgegenüber vermitteln lassen. Nur wenige der eigenen Beziehungen sind belastbar genug für direkte Kommunikation mit solchen Briefen.

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Zusammenfassung

Im Extremfall sind wir Menschen von emotionalem Chaos überlastet und haben eine derartige Angst, dass wir autonom reagieren. Signalisieren wir dem Körper dann unsere Einsatzbereitschaft, klingt die autonome Reaktion schneller ab. Sind wir in diesem Sinne wieder beruhigt, können wir unsere Emotionen erspüren und sachgemäßer kognitiver Regulation zuführen. Die verbleibenden kognitiven Wirrungen, wie Verwirrung, übermäßige Fokussierung oder ungelöste Konflikte können letztlich auch reguliert werden. Haben wir uns so ganzheitlich in Balance gebracht, können wir durch geschickte Kommunikation mit unserer Umwelt in Kontakt treten.

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Literaturverzeichnis:
Goleman, D. (1998), "Emotionale Intelligenz", 9. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag.
Porges, S. W. (2010), "Die Polyvagal-Theorie", Junfermann Verlag.
Schwarz, G. (2014), "Konfliktmanagement - Konflikte erkennen, analysieren und lösen", 9. Auflage, Springer Gabler Verlag.

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Positives Denken

Erfahren Sie hier, die Komponenten Positiven Denkens, wie Sie Ihr Positives Denken durch Tests einschätzen können, wann Positives Denken hilfreich oder problematisch ist in Bezug auf Gesundheit, psychisches Wohlbefinden, Selbstregulation und Erfolg sowie Liebe und Partnerschaft. Lesen Sie, wie sie Ihr Positives Denken trainieren können. Eine Übersicht finden Sie im Fazit des Artikels. Hier finden Sie auch eine Fragenliste, die es Ihnen erlaubt angemessene Entscheidungen in Bezug auf Positives Denken zu treffen. Die Darstellungen richten sich nach Schütz und Hoge (2007).

Was ist positives Denken?

Positives Denken ist ein Begriff aus der Alltagspsychologie. Wissenschaftliche Konzepte, die unter den Begriff fallen, sind: Internale Kontrollüberzeugungen, Selbstwirksamkeitserwartungen, Hoffnung, Optimismus und günstige Attributionsstile.

Kontrollüberzeugung

Glaubt eine Person, sie habe ihr Schicksal durch ihr Handeln selbst in der Hand, anstatt zu glauben, ihr Leben werde durch äußere Umstände bestimmt, so liegen internale Kontrollüberzeugungen anstatt externaler Kontrollüberzeugungen – also Positives Denken – vor. Ein Test der Kontrollüberzeugungen kann hier käuflich erworben werden.

Selbstwirksamkeitserwartung

Die Selbstwirksamkeitserwartung besteht aus zwei Komponenten. Zum einen wird erwartet, dass eine Handlung geeignet ist, um ein Ziel zu erreichen (Konsequenzerwartung) und zum anderen wird erwartet, dass man selbst in der Lage ist, diese Handlung erfolgreich auszuführen (Kompetenzerwartung). Beide Komponenten sind Kennzeichen Positiven Denkens, denn bereits die Erwartung einen Lösungsweg zu kennen ist positiv. Ein kostenloser Test der Selbstwirksamkeitserwartung findet sich hier. Beantworten Sie die zehn Fragen auf einer Skala von (1) stimmt nicht, (2) stimmt kaum, (3) stimmt eher und (4) stimmt genau, addieren Sie die Werte Ihrer Antworten und vergleichen Sie sie mit dem Mittelwert einer deutschen Bevölkerungsgruppe Erwachsener (29,28) bzw. von Studenten (29,60).

Hoffnung

Hoffnung ist die Überzeugung, sowohl den Willen als auch die Möglichkeit zu haben, seine Ziele zu erreichen. Unterschieden wird zwischen der zielgerichteten Energie (Agency) und der Planung Ziele zu erreichen (Pathway). Einen englischsprachigen Test finden sie auf Seite drei dieser Pdf-Datei. Beantworten Sie die Fragen und bilden Sie den Mittelwert zu den beiden Skalen.

Optimismus

Es werden unterschiedliche Konzepte des Optimismus unterschieden. Der allgemeine Optimismus wird dispositionaler Optimismus genannt und misst die Neigung, das Leben von der besten Seite aufzufassen und auf einen guten Ausgang der Dinge zu vertrauen. Ein Test findet sich auf der letzten Seite dieser Pdf-Datei. „Trifft ausgesprochen zu“ hat den Wert vier und „trifft überhaupt nicht zu“ den Wert null. Die Mittelwerte für die Optimismusskala (9,00), die Pessimismusskala (6,81) und die Gesamtskala (14,18) finden sich unter Ergebnisse / Itemkennwerte auf Seite drei.

Weitere Optimismuskonzepte unterscheiden die Realität stark verzerrende und situationsunangepasste Optimismusarten von weniger extremen (und günstigeren) Varianten, je nachdem, ob ein Betroffener die Augen vor den Risiken verschließt oder sich Mut bei deren Bewältigung zuschreibt. Defensiver Optimismus z. B. blendet Risiken aus und funktionaler Optimismus verzerrt die Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf Risiken positiv. Letztlich werden noch Erwartungen von vagen Phantasien getrennt. Positive Erwartungen sind förderlich, während positive Phantasien in Bezug auf die effektive Selbstregulation hinderlich sind.

Attributionsstile

Attributionsstile betreffen die gewohnheitsmäßige Antwort auf Warum-Fragen bezüglich Ereignissen. Unterschieden werden die Aspekte internal und external, dauerhaft und vorübergehend sowie allgemein und spezifisch.

[Ein günstiger Attributionsstil ist die] (…) gewohnheitsmäßige Tendenz, sich das Zustandekommen von Ereignissen auf eine Art und Weise zu erklären, die Anlass zur Zuversicht gibt.

Günstige Ereignisse sollten demnach tendenziell internal, allgemein und dauerhaft attribuiert werden, während ungünstige Ergebnisse tendenziell external, vorübergehend und spezifisch attribuiert werden sollten. Getestet werden Attributionsstile mit dem Attributional Style Questionaire bzw. dem German Attributional Style Questionaire. Diese Fragebögen konnte ich jedoch nicht online finden.

Positives Denken und Gesundheit

[Positives Denken] (.) führt dazu, dass Menschen sich aktiv um ihre Gesundheit kümmern und beugt dadurch Krankheiten und anderen körperlichen Beschwerden vor, vermindert das Ausmaß von Beschwerden, beschleunigt die Genesung und verringert die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls. Darüber hinaus wirkt Positives Denken hilfreich, indem es das Immunsystem stärkt, im Umgang mit Belastungen unterstützt und zur Bildung eines besseren sozialen Netzes beiträgt. (…) Ungünstige Nebenwirkungen einer positiven Einstellung sind im Vergleich zu den günstigen Konsequenzen verhältnismäßig harmlos.

Zu den ungünstigen Nebenwirkungen des Positiven Denkens zählen, dass in nicht kontrollierbaren Situationen das Bemühen um eine Veränderung der Situation aussichtslos ist und selbst zur Quelle der Belastung wird, dass extrem hohe Selbstwirksamkeitserwartung und Kontrollüberzeugung zu riskantem Verhalten verleiten und dass eine Vernachlässigung gesundheitsrelevanter Informationen vorliegt, die nicht von unmittelbarer Bedeutung sind.

Während das Erleben von Hilflosigkeit die Gesundheit belastet, stärkt das Erleben von Kontrolle die Gesundheit. Es ist damit hilfreich sich ein Leben einzurichten, indem man auf viele Details, die nicht zwangsläufig mit einer Erkrankung zu tun haben, Kontrolle ausüben kann, um sich seine Lebensumwelt zu gestalten.

Positives Denken und psychisches Wohlbefinden

Viele Studien bescheinigen den verschiedenen Formen Positiven Denkens günstige Konsequenzen für psychisches Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit. Gemeint ist dabei ein positives Umdenken und aktives Gestalten der Lebensfreude, ohne dabei potentielle Schattenseiten außer Acht zu lassen.  So steht eine höhere Selbstwirksamkeitserwartung in Zusammenhang mit geringerem Belastungserleben und rückblickender Pessimismus stärkt das Gefühl etwas erreicht zu haben, was schwierig zu erreichen war bzw. lässt Rückschläge aus einer Perspektive erscheinen, in der ein besonders ehrgeiziges Ziel verfolgt wurde. Problematisch ist, dass langandauernde Belastungen die Bewältigungsressourcen von Optimisten erschöpfen und internale Kontrollüberzeugungen bei nicht kontrollierbaren Verschlechterungen belastend wirken, weil sich die Person für etwas verantwortlich macht, was außerhalb ihrer Kontrolle liegt.

Positives Denken, Selbstregulation und Erfolg

Kontrollüberzeugung, Selbstwirksamkeit und Optimismus stehen mit Führungsqualitäten in Zusammenhang. (…) Internale Kontrollüberzeugungen stehen im Zusammenhang mit Berufszufriedenheit. (…) Bei gleicher Ausgangslage führt Hoffnung zu höherem Studienerfolg. (…) Im Sport sagen Selbstwirksamkeitserwartungen bei Konkurrenten mit ähnlichen Fähigkeiten die Erfolgschancen vorher. (…) Selbstwirksamkeit und Kontrollüberzeugung stehen in Zusammenhang mit Erfolg bei Diäten, Nikotinentwöhnung und sportlicher Betätigung. (…) Menschen, die positiv denken, leiden weniger unter Angst, sind motivierter und arbeiten ausdauernder. (…) Positives Denken hilft, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen.

Aussagen wie diese – belegt durch Studien – zeigen, dass positive Einstellungen helfen, Ziele zu erreichen, bessere sportliche Leistungen zu erbringen und in Studium und Beruf erfolgreicher zu sein. Dabei können positive Einstellungen mangelnde Grundlagen nicht ersetzen, sondern lediglich helfen, existierendes Potential voll auszuschöpfen.

Hilfreich ist es, sich spezifische Ziele zu setzen und vage positive Tagträume durch konkrete Erwartungen zu ersetzen. Denn vage positive Tagträume behindern das erreichen eines Ziels mehr, als dass sie helfen. Sich auf seine Selbstwirksamkeitserwartung zu verlassen ist nur dann sinnvoll, wenn man bereits Erfahrungen mit einer Situation gesammelt hat.

Positives Denken in Liebe und Partnerschaft

Positives Denken hilft Freundschaften und Beziehungen zu knüpfen, denn die eigene Erwartungshaltung beeinflusst, wie wir eine Person wahrnehmen und uns ihr gegenüber verhalten. Unser Verhalten wird entsprechend wahrgenommen und erwiedert. So entsteht ein Prozess in dem die Erwartungshaltung bestätigt und gefestigt wird (Sich-selbst-erfüllende-Prophezeihung). Im Falle zu hoher Erwartungshaltung, bleiben die Ansprüche oft unerfüllt und es kommt zu Missverständnissen. Hier sollten die Ansprüche angepasst werden.

Beziehungen, in denen sich die Partner stark idealisieren, sind glücklicher, vertrauensvoller und dauerhafter als Beziehungen weniger positiv illusorischer Menschen. Herrscht weiterhin ein wohlwollender Erklärungsstil, sind Beziehungen zufriedener und stabiler, wohingegen pessimistische Erklärungsstile das Lösen von Konflikten behindern und nachhaltig die Qualität und Stabilität einer Beziehung beeinträchtigen. Wechselseitige positive Beeinflussung der Partner durch Selbstwirksamkeit bezüglich der Beziehung  stärkt die Beziehung und sichert die Paarzufriedenheit. Paare mit internaler Kontrollüberzeugung bezüglich der Beziehung sind am glücklichsten, während Paare mit externaler Kontrollüberzeugung bezüglich der Beziehung vergleichsweise unglücklich sind. Für den erhalt einer Beziehung werden fünf subjektiv positive Interaktionen pro einer subjektiv negativen Interaktion empfohlen.

Positives Denken hilft Sympathien zu gewinnen und schneller Zugang zu anderen Menschen zu finden. Außerdem schützt Positives Denken tendenziell vor schädlichen Einflüssen, wie Zweifel oder einer negativen Sicht des Partners, und stabilisiert so die Beziehung und die Beziehungszufriedenheit. Negative Aspekte Positiven Denkens treten auf, wenn z. B. Gewalttätigkeit verharmlost wird, oder, wenn die optimistische Perspektive sich aufgrund des Partnerverhaltens nicht halten lässt. Letzteres führt zu Enttäuschung und Unzufriedenheit.

Wann ist Optimismus schädlich und Pessimismus hilfreich?

Ängstliche Personen profitieren von einem defensiven Pessimismus. Negative Erwartungen sind für defensive Pessimisten entlastend und motivierend. Im interkulturellen Kontext wurde zudem festgestellt, dass für Asiaten Pessimismus im Zusammenhang mit aktiver Problembewältigung steht. Europäer hingegen weisen hier einen Zusammenhang mit psychischen Problemen auf. Allgemein hilft Pessimismus in Situationen, in denen die erwarteten Risiken hoch sind. Genauso wie Hoffnung und Freude haben auch Skepsis und Trauer ihre Berechtigung und dürfen nicht als Krankheiten behandelt werden, die es durch Positives Denken zu heilen gilt – negative Emotionen sind zumeist ein Richtungsgeber für wichtige Lebensentscheidungen.

Herkunft und Lernen Positiven Denkens

Zunächst wird die Herkunft Positiven Denkens erläutert, dann die Methoden, um Positives Denken zu erlernen.

Herkunft Positiven Denkens

Die Lebenszufriedenheit wird auf eine genetische Prädisposition für bestimmte Denkmuster und Verhaltensweisen zurückgeführt. Extraversion, emotionale Stabilität und Positives Denken führen zu höherer Lebenszufriedenheit.

Dispositionaler Optimismus wird in seiner Varianz zu 25 % durch genetische Faktoren erklärt. Weiterhin relevant ist das Ausmaß und die Qualität elterlicher Fürsorge und das Beispiel der Eltern – insbesondere der Mutter. Allerdings stehen sozioökonomische Variablen und schulische und berufliche Leistungen im Zusammenhang mit dispositionalem Optimismus.

Ein positiver Erklärungsstil wird über eine Prädisposition für Denkmuster, das Modelllernen vor allem an der Mutter, elterliche – vor allem mütterliche –  Akzeptanz, fehlender Einsatz psychischer Kontrolle (z. B. Liebesentzug) der Eltern, die Attribuierung durch Lehrer und durch Lebensereignisse erklärt. Negative familiäre Ereignisse führen zu pessimistischen Erklärungsstilen.

Kontrollüberzeugungen bilden sich durch frühkindliche Erfahrungen. Förderlich ist insbesondere eine Bestrafung und Belohnung die sich am Verhalten des Kindes orientiert anstatt von den Stimmungen der Eltern abhängig zu sein, denn Kontrolle und die Erfahrung von Hilflosigkeit führen zu externalen Kontrollüberzeugungen. Lebensereignisse, wie Scheidungen der Eltern, befördern externale Kontrollüberzeugeungen, wohingegen die Wertschätzung der Eltern mit internalen Kontrollüberzeugungen zusammenhängt.

Selbstwirksamkeitserwartungen bilden sich durch Erlebnisse und Erfahrungen in Zusammenhang mit bestimmten Leistungen. Lerngelegenheiten fördern die Selbstwirksamkeit, während eine starke Behütung eines Kindes durch die Eltern kontraproduktiv ist. Selbstwirksamkeitserwartungen werden auch durch stellvertretendes Lernen, wie Vorstellungen, verbale Belehrungen und das erleben positiver Emotionen gebildet.

Lernen Positiven Denkens

Um Positives Denken zu lernen helfen eigene positive Erlebnisse und persönliche Erfolge, Modelllernen, verbale Überzeugung, vorgestellte Erlebnisse und das Erleben körperlicher und emotionaler Zustände.

Um eigene positive Erlebnisse zu generieren ist das setzen von spezifischen Zielen hilfreich. Zudem sollte das angestrebte Verhalten geübt werden und es sollten Bewältigungs- und Problemlösungsstrategien erlernt werden.

Die verbale Überzeugung basiert auf positivem Feedback oder dem Hinterfragen und Verändern negativer Denkmuster. Negative Denkmuster können durch das Verfahren der Disputation hinterfragt und verändert werden. Dabei soll eine Person die folgenden Schritte verinnerlichen und selbst anwenden:

Zunächst werden die Auslöser negativen Denkens identifiziert, sodann die diesbezüglichen Gedanken und Reaktionen. Die negativen Gedanken und Reaktionen werden sodann in einer Disputation angefochten. Dabei werden Gegenbeweise und alternative Erklärungen gesucht und die Konsequenzen der Reaktionen werden auf ihre Nützlichkeit hin untersucht. Abschließend wird die Situation neu eingeschätzt.

Das Erlernen von Entspannungstechniken moduliert das Erleben körperlicher und emotionaler Zustände positiv und leistet so einen Beitrag zu Positivem Denken.

Fazit

Positives Denken scheint Menschen zu veranlassen, besser für ihre Gesundheit zu sorgen und Probleme aktiv zu bewältigen. Die Fähigkeit, Dinge mit Zuversicht zu betrachten, das Augenmerk auf das Positive zu richten und anderen mit Wohlwollen zu begegnen, macht positiv denkende Menschen zu beliebten Zeitgenossen und hilft ihnen, stabilere, zufriedenere Beziehungen zu führen. Außerdem gibt ihnen ihre Zuversicht Motivation und Kraft, um sich höhere Ziele zu setzen, härter und ausdauernder an deren Umsetzung zu arbeiten und sich weniger leicht entmutigen zu lassen. Das ermöglicht ihnen wiederum, in ihrem Beruf und in anderen wichtigen Lebensbereichen erfolgreich zu sein. (…)

Andererseits kann ein hohes Maß an Zuversicht dazu führen, dass Menschen zu viel Energie in Ziele investieren, die unerreichbar sind und so Gesundheit und Wohlbefinden belasten. Ebenso ist es möglich, dass Optimisten bestimmte Risiken unterschätzen bzw. ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen und sich dadurch in Schwierigkeiten oder gar in Gefahr bringen. Darüber hinaus kann die Überzeugung, das eigene Schicksal maßgeblich beeinflussen zu können, die Anpassung an Situationen erschweren, in denen das Individuum, objektiv gesehen, wenig Kontrollmöglichkeiten hat. (…)

[Z]ahlreiche Ergebnisse [deuten] darauf hin, dass eine leicht optimistische, etwas unrealistische Sicht der Dinge günstig ist, eine extreme Verzerrung einer wie auch immer gearteten objektiven Realität aber problematisch.

Ein wichtiges situatives Merkmal ist die Kontrollierbarkeit einer Situation. Ist die Situation durch eigenes Handeln nicht besserbar, können Versuche, die Situation zu akzeptieren oder positiv umzuinterpretieren, den Betroffenen helfen, sich zu entspannen, das Gefühl der Kontrolle wiederzuerlangen und sogar zu günstigen Auswirkungen auf das Immunsystem führen. Ist die Situation hingegen kontrollierbar, bergen Illusionen über die Zukunft und unrealistischer Optimismus die Gefahr, dass sie notwendiges Handeln verhindern.

Bezüglich der Handlungsphasen sollten Entscheidungen so realistisch wie möglich getroffen werden, während die Umsetzung leicht optimistisch betrachtet werden sollte, um Motivation und Durchhaltevermögen zu stärken. In Bezug auf Probleme sollte die Einstellung vor Eintritt des Problems die Vorbereitung unterstützen und nach Eintritt des Ergebnisses Mut machen, die nächste derartige Aufgabe anzugehen.

Wichtig ist auch die Berücksichtigung differenzierter Kriterien. So sind Zielkonflikte durch Prioritätensetzung aufzulösen, die individuelle Wirksamkeit gegenüber der Sozialverträglichkeit abzuwegen und die Verfolgung kurzfristiger Ziele gegenüber der Verfolgung langfristiger Ziele zu gewichten.

In Bezug auf Persönlichkeitsmerkmale wurde festgestellt, dass ängstliche Menschen von defensiven Pessimismus profitieren können, da sie so Probleme antizipieren und vorbeugen können.

Hilfreiche Fragen bezüglich des eigenen Positiven Denkens sind:

  • Wie ausgeprägt ist mein Optimismus (Zuversicht oder Erhabenheit)?
  • Worauf beruht meine Zuversicht (Erfahrung oder Bauchgefühl)?
  • Habe ich die möglichen Gefahren bedacht?
  • Ist meine Einschätzung der Situation angemessen?
  • Was sind die Konsequenzen meiner Einstellung?
  • Bin ich flexibel genug, bei Erfolglosigkeit aufzugeben?

Viel Gesundheit, Wohlbefinden, Erfolg und Liebe mit Ihrem wohldosierten Positiven Denken!

Quelle:

Schütz, A.; Hoge, L. (2007): "Positives Denken", Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart.


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