SuscisionHelper: Sustainable Decision Helper (OptEcoBuy)

SusscionHelper ist ein individuelles Optimierungsmodell, dass sich für Nachhaltigkeitsdimensionen visualisieren lässt und in ein Transparenznudging über die Produktreihenfolge mündet.

Vorteile

Sofern Nachhaltigkeitstransparenz zu nachhaltigem Konsum führt, weil die Konsumenten*Innen nachhaltiger Einkaufen, ließe die Einführung des SuscisionHelper folgende Vorzüge erwarten:

  1. Verschiebung des Billigsegments zum Preiswertsegment mit weniger Müllproduktion,
  2. nachhaltige Produktentwicklung führt zu geringerer Ökobilanz des Konsums und beschleunigt die Energiewende,
  3. bessere Arbeitsbedingungen und
  4. eine beschleunigte Energiewende reduziert die Ressourcenkonflikte um fossile Energieträger.

Nachhaltigkeitsdimensionen

Nach dem Brutlandbericht unterscheiden wir soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit. Die wohl bekanntesten Nachhaltigkeitsindikatoren aus Käufer*Innen-Perspektive sind die Ökobilanz für ökologische Nachhaltigkeit und das Preis-Leistungsverhältnis über die Lebensdauer eines Produktes. Bzw. für Produkte ähnlicher Leistung (Substitute) deren Preis pro Lebensdauer. Es existieren für aufwändige Ökobilanzen Kurzbilanzierungsmethoden, die die Umweltwirkung von Produkten abschätzen (z. B. EcoIndicator99).

Derzeit – soweit mir bekannt – ist noch keine Indikatorik für soziale Nachhaltigkeit ausgereift, da diese kompliziert bis komplex ist. Nach meinem Verständnis gehört zu einer Sozialindikatorik insbesondere:

  1. Arbeitgeber*Innenleistungen und Vertragsbedingungen,
  2. Arbeitsschutz,
  3. Demokratische Organisation eines Unternehmens (Beteiligung),
  4. Umlage der Innovationsrenditen auf die Arbeitnehmer*Innen,
  5. Finanzierung von Arbeitswechselphasen durch Abfindungen und Entschädigungen,
  6. Unterstützung / Kooperation zwischen Führung und Betriebsrat,
  7. Unterstützung bei der zukunftsgerichteten Qualifizierung durch Fortbildungen entsprechend der Ziele des/der Arbeitnehmers*Innen,
  8. die Relation der Gehaltsabstuffungen zugunsten von Verteilungs- und Leistungsgerechtigkeit (Verantwortungsproportional) und
  9. Hilfestellungen beim Jobwechsel in Rationalisierungsphasen, um Transitionszeiten und Belastungen der Arbeitslosigkeit zu verringern.

Ähnlich der Gemeinwohlbilanz, lassen sich diese Eigenschaften sozialer Nachhaltigkeit bepunkten / bewerten und aggregieren, wobei die Gewichtungen zwischen den Eigenschaften entweder demokratisch bzw. statistisch zu mitteln oder individuell zu erheben wären.

Individuelle Passung

Bei einer Conjoint-Analyse werden dem/der Kunden*In Produkte vorgestellt – meist visuell -, die gewisse Eigenschaften systematisch variiert haben. Der/die Kunde*In bewertet dann, wie gut er die Gesamtprodukte findet. Man kann dann von den Bewertungen der Gesamtprodukte auf die Bewertungen der systematisch variierten Eigenschaften mathematisch schließen.

Werden Ihnen also Produkte mit systematisch variierten Eigenschaften in den Dimensionen soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit vorgestellt, kann man Ihre individuelle Bewertung dieser Dimensionen ableiten. Dies ist viel realitätsnaher als die Bewertungen für die einzelnen Dimensionen direkt abzufragen, da sie trade-offs der Dimensionen erleben. Die nächstbeste Möglichkeit sind sog. Analytical Hierarchy Prozesse, um Gewichte für Dimensionen abzuleiten.

Im Resultat gehen dann die Gutachtenwerte der Dimensionen entsprechend Ihrer Präferenzen in einen aggregierten Indikator ein, der eine Reihenfolge der Produktalternativen für Sie berechnet. So kann z. B. eine Anpassung an Ihre finanzielle Situation und / oder Nachhaltigkeitsprioritäten erfolgen – Ihre persönlichen Wünsche für die Welt werden berücksichtigt.

Optimierungsmodell

Der wesentliche Vorzug des Optimierungsmodells ist, dass es sowohl gegenständlich in einer Raumecke (Vgl. zur Erklärung Nachhaltigkeit) durchgeführt werden kann, als auch gut Visualisierbar für drei Dimensionen ist. Dafür werden Produktalternativen entsprechend Ihrer Indikatoren in den Dimensionen als Punkte in ein 3D-Koordinatensystem platziert und eine Ebene, die Ihre Präferenzen abbildet, wird in hinreichendem Abstand zur Punktwolke der Alternativen – inklusive der Alternative des Nicht-Kaufs, falls gewünscht – eingezeichnet. Der Abstand im Neunzig-Grad-Winkel zur Ebene (Ebenennormalenvektor) entscheidet dann über die Reihenfolge.

Transparenz

Sind die Indikatoren genügend aussagekräftig, also möglichst vollständig, solide erhoben und vergleichbar, stellen sie Transparenz über die Dimensionen der Nachhaltigkeit her, sodass Sie gute Entscheidungen mit stark verdichteten Informationen treffen können. Transparenz ist besonders wichtig, sollen Preise den Nutzwert für die Konsumenten*Innen abbilden.

Transparenznudging

Aufgrund der Optimierung, und weil Präferenzen nicht jedesmal neu erhoben werden müssen, werden Ihnen Produkte in der Reihenfolge in der Sie sie bevorzugen dürften bei einer Onlinelösung einfach vorgeschlagen, sodass Sie sich zuerst über Produkte informieren dürften, die Ihnen gefallen sollten.

Das ist ein bisschen Ähnlich, wie die Empfehlungen “was andere Nutzer*Innen gekauft haben”, hier werden nur statt Präferenzen einfach ähnliche Kunden*Innen herangezogen. Das funktioniert, weil ähnliche Kunden*Innen für gewöhnlich ähnliche Präferenzen haben.

Transparenzregulation

Durch eine Einigung im Bundestag, Europäischem Parlament oder auf internationaler Ebene auf eine Indikatorik und entsprechende (Kurz-)Gutachten sowie eine Verpflichtung zur Kenntlichmachung der Informationen in moderner Form, kann der vermutlich wichtigste Hebel im Kontext der Nachhaltigkeitstransformation unseres derzeitigen Wirtschaftssystems betätigt werden, ohne die Kunden zu bevormunden. Diese Maßnahme ist gegenüber der CO2-Steuer / dem Zertifikatehandel insbesondere im Konsumgüterbereich vorziehenswert, sollte aber durch die CO2-Steuer / den Zertifikatehandel ergänzt werden. Für Unternehmen entsteht dadurch ein Zusatzaufwand, der jedoch nicht wettbewerbswirksam ist (es werden alle gleichermaßen belastet) gleichwohl aber die Entwicklungszeit verlängert. Dies erhöht leider die Kosten oder den Aufwand von Start-ups und Innovationen, dürfte aber aufgrund der Wichtigkeit gerechtfertigt sein – es würden gleich zu Beginn auch die Nachhaltigkeitsfacetten berücksichtigt werden.

Aggregierte Präferenzebenen

Es wäre möglich Präferenzebenen von Nutzern gewichtet oder gleichmäßig miteinander zu verrechnen, sodass Sie z. B. Haushaltspräferenzebenen erzeugen können, die mögliche Kompromisse für z. B. die Familie oben anzeigen würden.

Auch können größere Aggregate gebildet werden, wie z. B. nationale Präferenzen, die politisch interessant wären oder Kundensegmente. Man kann umgekehrt unter bestimmten Annahmen auch von z. B. Wahlergebnissen auf eine Gesellschaftspräferenzebene grob schließen und dann als “Deutsche(r)” einkaufen oder als “Amerikaner*In”, das ist vielleicht auch interessant.

Fazit

Der SusscionHelper als individuelles Optimierungsmodell, dass sich für Nachhaltigkeitsdimensionen visualisieren lässt und in ein Transparenznudging über die Produktreihenfolge mündet, kann wettbewerbsneutral Hebelwirkung durch Transparenz entfalten. Der/die Konsument*In sieht sofort welche Produkte seinen Nachhaltigkeitswerten entsprechen.

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Diskussion: Gemeinwohl-Ökonomie

Rechtliche Legitimation durch die Verfassung

“Eigentum verpflichtet (…) sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.”, ist der Ausgangspunkt der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung zu behaupten, dass eine Abstimmung der Wirtschaft mit einer Gemeinwohlzielsetzung geboten durch die Verfassung ist. Im Konkreten Fall der deutschen Verfassung ist dies jedoch kein Wirtschaftsgebot sondern ein Abwehrrecht der Bürger und juristischen Personen gegenüber staatlicher Willkür – grundsätzlich kodifiziert unsere Verfassung solche Gebote für den Staat. Sie können also den Staat verklagen, wenn er sein Eigentum nicht zum Wohle der Allgemeinheit verwendet. Gleichwohl strahlen manche Verfassungsgebote in das bürgerliche Recht aus und dies könnte auch hier der Fall sein, sodass Privateigentum dem Allgemeinwohl zu dienen hat. Es ist also etwas vereinfacht zu sagen, es handle sich um ein universell auf Privateigentum übertragbares Gebot, vielmehr sind Übertragungen im Einzelfall zu begründen.

Kernkonzeption Gemeinwohlökonomie

Trotz des mangelnden universellen Anspruchs, ist die Gemeinwohl-Ökonomie-Konzeption wirtschaftspolitisch möglich (Teil des Lösungsraums) und damit vorstellens- und diskussionswürdig.

Im Zentrum der wirtschaftlich orientierten Eingriffe steht die Gemeinwohlbilanz und ein System gemanagter Wechselkurse nach Keynes sowie eventuell ein Negativzinssystem sowie Gewinnverwendungsverbote. Weiterhin werden Schranken für die Verwendung und Kumulation von Gewinnen und Privateigentum vorgeschlagen sowie demokratie- und zufriedenheitsförderliche Erziehung und Bildung.

Gemeinwohlbilanz

Die Gemeinwohlbilanz soll ein Standard werden, der Transparenz bezüglich werteorientierten Wirtschaftens gemeinverständlich und öffentlich dokumentiert und in einer Indikatorik zusammenfasst. Die erreichten Punkte der Gemeinwohlbilanz werden dann verpflichtend auf Produkte in Form eines Nudging-Systems aufgebracht z. B. grün für vorbildlich usw. Gemeinwohlbilanzen sollen ähnlich einer Wirtschaftsprüfung privatwirtschaftlich geprüft und staatlich stichprobenartig kontrolliert werden.

Die indizierten Werte sind aus Verfassungsanalysen hervorgegangen und betreffen die Werte, Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz und Mitentscheidung. Sie werden jeweils auf alle Stakeholder*Innen bezogen und in Subkategorien aufgegliedert. Die Gesamtpunktzahl ergibt sich aus der Aufsummation von 50 maximal möglichen Punkten pro Kategorie-Stakeholder*Innen-Feld. Die Kategorien sind also gleichgewichtet. So soll der Konsument am Ort des Kaufes einfacher Preise von vergleichbaren Gemeinwohl-Leistungsträgern vergleichen können und Transparenz über z. B. unethische Nidrigpreise erhalten.

Besondere Forderung ist nun, dass Gemeinwohl-Bilanz-Ergebniss-Gruppen unterschiedliche wirtschaftspolitische Regularien auferlegt bekommen sollen, sodass es finanziell lohnenswert für Unternehmen ist höhere Ergebnisse anzustreben, weil z. B. Steuern erlassen werden. Diese Belohnungs- bzw. Sanktionsstruktur soll Wirtschaft mit Gesellschaftszielen alignen.

Kritik

Die Gemeinwohlbilanzierung entspricht in weiten Teilen meinem Konzept des Transparenznudgings in den Dimensionen soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit (Vgl. Nachhaltigkeit). Der zentrale unterschied wäre, dass die Gewichtung der Indikatoren in der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung aus einem demokratischen Prozess hervorgehen soll, sodass mit Gesellschaftspräferenzen die Anreizstruktur der Wirtschaftspolitik demokratisch definiert werden soll z. B. in einem Bürgerkonvent.

In meinem Konzept hingegen sollen Konsumenten durch Konjoint-Analyse – dies ist ein graphisches Verfahren, Präferenzen zu erheben – Indikatoren bzw. Dimensionen entsprechend ihrer Präferenzen erheben und dann ihre persönlich bevorzugten Produkte angezeigt bekommen. Dies erfordert digitale Berechnung der Rangfolge der Produkte am Einkaufsort basierend auf den Indikatoren (mathematisch: Euklidische Distanz Support Vector Maschinen). Hier würde eine Gesellschaftspräferenz aus den tatsächlichen Präferenzen der Bürger errechnet werden – eventuell kontinuierlich. Dieser Aspekt, an Märkten entsprechend der eigenen Präferenzen entscheiden zu können, ist so ungefähr der höchste Wert einer Marktwirtschaft. Ich denke dieser Aspekt wäre sehr Interessant für die eher demokratisch verwurzelte Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung, um die Gemeinwohlbilanz am Markt zu flexibilisieren und eventuell einen Konvent mit tatsächlichen Präferenzen zu unterfüttern.

Grundsätzlich sind jedoch genau derartige transparenzschaffenden Standards und deren Berücksichtigung in der Wirtschaftspolitik das zielführendste Mittel Wirtschaft zu regulieren eventuell auch im Kontext von Restriktionen für Werbung bzw. mediale Beeinflussung – sie sind ein systemischer Hebel.

Die Gemeinwohlbilanz-Gruppen bezogene Wirtschaftspolititk entspricht summarisch einer Pigue-Steuer, die relative Preise von Produkten beeinflusst. So schlägt z. B. auch Friedrich Wegenstein Zölle entsprechend wirtschaftspolitischer Standards vor, um nicht z. B. prekäre Arbeit lokal zu verbieten, dann aber global zu importieren (Vgl. Diskussion: Knapp Wertvoll Sparsam).

System gemanagter Wechselkurse nach Keynes

Wirtschaftspolitisch gilt das Trilemma der offenen Volkswirtschaft – sie können zwei von drei Freiheiten wählen, während die Dritte dann beschränkt ist. Die Freiheiten sind: Kapitalmobilität, feste Wechselkurse und geldpolitische Konjunkturpolitik.

Ein System gemanagter Wechselkurse kann entweder Kapitalmobilität oder geldpolitische Konjunkturpolitik erlauben, nicht jedoch beides. Wollen Sie also weiterhin Inflation stabilisieren können, müssen Sie auf Kapitalmobilität verzichten. Das entspricht der Politik Chinas.

Jetzt ist jedoch die Idee, die festen Wechselkurse in Perioden an die Fundamentalwerte anzupassen, sie zu managen. Dies soll über eine internationale intergovernmentale Organisation erfolgen. Theoretisch würde das erlauben, Kapitalmobilität zu ermöglichen und Wechselkursspekulation abzufangen. Das System entspricht also ungefähr dem Goldstandard oder Bretton-Woods-I-System, sofern nicht die Kapitalmobilität beschränkt würde.

Negativzinssystem

Grundsätzlich sollen Banken auf ihre Kernfunktionen gebunden werden und Finanzinvestments an Kapitalmärkten sowie diese Märkte verboten werden. Weiterhin sollen sie Kreditinvestitionen mit einer verbindlichen vorgelagerten Gemeinwohlprüfung bewerten, bevor die finanzielle Risikoprüfung erfolgt, um die Kreditkonditionen festzulegen. So sollen im Sinne einer Portfoliodenkweise sogar besonders gemeinwohlorientierte Projekte subventioniert werden.

Hier greift auch das regulatorische Negativzinssystem, bei dem Geldeinlagen bei Banken zum einen verbindlich sind und das Geld sich mit der Zeit entwertet, sodass Kredite zu günstigeren Konditionen vergeben werden können und so die Produktpreise sinken. Dies hätte den Effekt, dass besonders wohlhabende Leute (Nettozinsgewinner*Innen von heute) sich nicht den Mehrwert der Arbeit von konsumgebundenen Leuten (Nettozinsverlierer*Innen von heute) aneignen, sondern konsumgebundene Menschen geringere Kosten hätten. Konsumgebunden soll bedeuten, dass Menschen mit geringem Einkommen und Vermögen gar keine oder nur wenig Ersparnis bilden können. In dieser Situation können reiche Leute nur konsumieren oder gründen, wobei Anlage nicht mehr wirklich möglich ist, da auch das Einkommen begrenzt würde, also z. B. mit 100% Steuer belegt würde, wenn es einen Maximaleinkommenswert übersteigt – Geld wird zum öffentlichen Gut.

Kritik

Schmelzende Ersparnisse motivieren Konsum und sind besonders riskant in Schattenmärkte zu münden, die einer Professionalisierung des Bargelds im Kopfkissen entsprechen dürften, sodass nicht nur eine Einkommens- sondern auch eine Vermögenskontrolle erforderlich werden würde – es geht also um Meldepflichten für Einkommen und Vermögen und deren Kontrolle. Die ganze Logik von Kapitaleinkommen würde aufgelöst werden und im Sinne einer linken Politik insbesondere niedrige Einkommenssegmente entlasten. Mithin müsste Rentenversicherung insbesondere umlagebasiert anstatt kapitalmarktbasiert sein.

Gewinnverwendungsverbote

Nach der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung sollen Gewinne in ihrer Verwendung beschränkt werden. Finanzinvestments sollen verboten werden, sodass nur durch Nutzwerte Einkommen erzielt werden kann. Banken sollen nur nichtgewinnorientiert sein dürfen. Ausschüttungen an nicht Mitarbeiter sollen Verboten werden, sodass Arbeit die einzige Quelle von Einkommen wird. Firmenaufkäufe und -Fusionen sollen nicht gegen den Willen der Belegschaft möglich sein, sodass eine demokratische Unternehmensentscheidung den VERKAUF von Unternehmen verbieten kann und regelmäßig soll, um dem “Fress- und Wachstumszwang” in der Wirtschaft zu entgegnen (Vgl. zum derzeitigen System Finanzsystem). Und Parteispenden von juristischen Personen sollen untersagt werden.

Kritik

Ich habe den Verkauf besonders hervorgehoben, da ein Kaufsverbot im internationalen Kontext schwieriger durchzusetzen wäre als ein Verkaufsverbot. Das Trockenlegen der Kapitalanlage zusammen mit der Vermögensbegrenzung entzieht dem Wirtschaftssystem den zentralen Innovationsantrieb im Sinne der Rationalisiserung, die langfristig die Produktionskapazität und damit den Wohlstand der Bevölkerung sichert, eben die Ressourceneffizienz des Wettbewerbs. Dementsprechend verbleibt nur dieser mittelbare Anreiz zur Ressourceneffizienz, ohne das Druck besteht danach zu streben. Derartige mittelbare Anreize gelten als Grund für das Scheitern des realisierten Sozialismus. Wir würden also eventuell ein Versiegen von Innovation und realem Wirtschaftswachstum erleben, genau dies reduziert im Gegenzug aber auch den Druck im System.

Einkommens- und Vermögensschranken

Die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung fordert neben einem Mindest- auch einen Maximallohn und Vermögensbegrenzungen, die zwar Leistungsanreize bieten, aber individuelle Beeinflussung von Politik und Wirtschaft verunmöglichen, die im Widerspruch zur Gleichheit der Bürger in einer Demokratie steht, sowie ausschließliches Einkommen aus Arbeit. Erbe soll ab einem Maximalsatz des Erbes und der Schenkung sozialisiert und eventuell als demokratische Mifgift ausgezahlt werden.

Kritik

Einen Mindest- und Maximallohn halte ich ebenfalls für vernünftig, aber ich würde die Lohnstufen ebenfalls in Relation zueinander bringen, damit das “Kontinuum” ebenfalls fair aufgegliedert würde, nicht also der normale arbeiter im unteren Einkommensband und die Elite im oberen Einkommensband ohne einen vernünftigen Übergang in der Mitte angesiedelt würde. Die Innovationsanreizproblematik könnte eventuell gerettet werden, wenn von einer Kopplung an Absolutwerte wie einen Mindest- und oder Maximallohn (das bedingt sich ja dann) verzichtet würde und statt dessen fixe Verteilungsquoten als Relationen zum Gewinn nach Investitionen und Rücklagen definiert werden – so entsteht firmenabhängiger verdienst, der mit Innovation zunimmt. Hier wären eventuell Abfindungen / Wertschöpfungsbeteiligungen für ausscheidende Mitarbeiter zu regulieren oder per Gemeinwohlbilanz zu fördern. Weiterhin verbliebe das Verkaufs- und Fusionsverbot besonders relevant. Zur Vermeidung von unerwünschten Abweichungen im internen Unternehmensgefüge (Hierarchie) dürfte es notwendig sein die relativen Entlohnungen an Jobanforderungen zu binden, anstatt den Unternehmen zur Disposition zu überlassen. Eventuell ist auch hier eine Förderung durch die Gemeinwohlbilanz möglich.

Gerade im derzeitigen Wirtschaftssystem erachte ich die vernünftige Konzeption von Vermögensgrenzen und / oder Erbschaftsregeln für einen der wichtigsten Schritte – wir alle verdanken unseren individuellen Erfolg zum Einen eher den Leistungen vorhergehender und unserer Generation (dazu zählen auch die Ganzen öffentlichen Güter) und zum Anderen unseren Anstrengungen, nicht jedoch werden normale Bürger mit dem Privileg der leistungsarmen Weltgestaltungsmacht geboren und können mit einfachen Analysen oder Zukäufen von Expertise Unternehmenswertschöpfungsströme (Kapitalrendite) nicht nur kaufen sondern auch noch in Wettbewerb zueinander setzen, um das Maximale zu erhalten. Ich erachte es für grob fahrlässig enormes Vermögen zu vererben, da es der Gemeinschaft zustehen sollte und Kinder entfremdet, und würde eine derartige Regulation auch begrüßen (Vgl. Finanzsystem).

Die Kopplung von Einkommen an Arbeit, sodass Anteile an juristischen Personen keine Ausschüttung erwarten lassen sofern man nicht (unternehmens demokratisch legitimiert) dort arbeiten darf, würde grundsätzlich eine Kontrolle erfordern, ob nur auf dem Papier oder tatsächlich gearbeitet würde. Dies zu konzipieren wäre schwierig.

Erziehung und Bildung

Wie so häufig werden wesentliche Kritiken am Bildungswesen wiederholt, die insbesondere die persönlichen Ich-Kompetenzen betreffen, wie Gefühlskunde, Wertekunde, Kommunikationskunde und Demokratiekunde (Vgl. dazu auch Ich-Kompetenzen). Weiterhin werden Naturkunde, Kunsthandwerk und Körpersensibilisierung thematisiert. Ziel ist ein reichhaltiges werteorientiertes Innenleben zu ermöglichen, dass nicht übermäßig durch extrinsische Surrogate Befriedigung erfährt.

Fazit

Wirtschaft mit unseren Werten abzustimmen, ist sicherlich vernünftig. Die Gemeinwohlbilanz oder eine vergleichbare Indikatorik und Pigue-Steuern, sowie die Vermögensbegrenzung und die Vetorechte gegen Unternehmensveräußerungen kann ich gut mittragen, aber die Dynamik der Ressourceneffizienz durch Wettbewerb um Kapital aufzulösen ist für mich doch recht gewagt, auch wenn intrinsische Motivation bestehen bleibt – im Sozialismus ist dies neben der Planwirtschaft schief gelaufen (soweit mir bekannt); ich verbleibe dazu bei den Anmerkungen zu Verteilungsquoten und Jobanforderungszuordnung zu diesen. Meinen persönlicher Ansatz zu diesem Thema finden sie hier (Vgl. Nachhaltiger Kapitalmarkt).

Das Buch ist empfehlenswert, da es viele kontemporäre Themen anspricht und versucht konstruktiv behandelt. Es ist jedoch etwas polemisch.

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CO2-Steuer

Was passiert, wenn ein Mensch feststellt, dass er ein Idiot ist? Sie wachen eines morgens auf und stellen fest: Die ganze Welt hat riesen Probleme – Klimawandel führt zu Katastrophen, Tornados, Extremwetter, Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis… das ganze Ökosystem kann kippen, die Versorgung der Menschen mit dem Mindesten, also Nahrung und Trinkwasser leidet unter Übersäuerung, Verunreinigung und Übersalzung und Pestizide rotten Bestäuberbestände aus, Großgrundbesitzer beuten Wehrlose aus – auf Plantagen, für Mineralien, Müll und Plastik sammelt sich, Tiere werden verdinglicht, eingezäunt, geschreddert, gezüchtet, notgeschlachtet – outputoptimiert.

Die “Lebenslüge” unseres Wohlstands ist enorm – wir haben kaum Möglichkeit zurzeit das Richtige zu tun – kann man überhaupt wissen, was wirklich nachhaltig ist? Haben wir diese Transparenz und Aufklärung gegenüber Wertschöpfungsketten und deren Produkten?

Aber kommen wir zurück zur Frage: Was passiert, wenn ein Mensch feststellt, das er ein Idiot ist? Sie erwarten vielleicht eine Verhaltensänderung: “Jetzt Krempel ich mein Leben um, es muss sich was ändern!”, aber die menschliche Psyche kennt einige Fallstricke. Z. B. lösen wir kognitive Dissonanz, also unangenehme Selbsteinschätzungen gerne durch beschwichtigende Informationen auf: “Mein Nachbar ist noch schlimmer, der fährt ein SUV und hat eine Nesspresso-Kaffemaschine.”, oder “Ich hab ja eh keine Wahl, die Wirtschaft bietet einem nur Pest oder Cholera.” und vielleicht auch kontrastierend: “Nachhaltigkeit ist totaler Schwachsinn, da probieren ein paar Forscher ihren Job zu erhalten und betreiben Glaskugelforschung – den Klimawandel gibt´s nicht, ich wähle die AfD!”.

Für gewöhnlich sind die Dinge, die uns dann so einfallen nicht direkt “falsch”, aber sie sind unwesentlich oder zurechtgepriemelt, um zu passen – Im Hip Hop sagt man: “fake!”. Das sehen Sie auch an der Aussage zu den Optionen unserer “Lebenslüge”: In der Tat ist es sehr aufwändig nachhaltig einzukaufen – mein letzter Nahrungsmitteleinkauf stammt aus Europa und weiter entfernten Regionen, Bio kann ich mir nicht immer leisten. Was da an Transport-CO2 drinsteckt, Plastikmüll, Pestiziden – pfff, keine Ahnung. Ich brauchte was zu essen, hab mich zum Supermarkt geschleppt und genervt eingekauft – was brauch ich, was könnte helfen, was fallen mir für Gerichte ein, was ist günstig usw. . Zuhause angekommen setzte dann mein Gewissen ein – shit!

Pigue-Steuer

Hier kommt die CO2-Steuer bzw. allgemeiner die Pigue-Steuer ins Spiel. Sind negative Effekte von Produkten und Dienstleistungen nicht eingepreist – sieht man es nicht am Preis -, dann ist die knappheits- bzw. werthaltigkeitsabbildende Funktion der Preisbildung nicht mehr gegeben – Smiths´ unsichtbare Hand funktioniert nicht mehr. Eine Pigue-Steuer misst diesen fehlenden Preisaufschlag und preist in im Wege eine Abgabe ein, die es auch erlaubt Geschädigte im Wege der Subvention oder durch öffentliche Güter zu entschädigen oder einfach die Gemeinschaft / Nation zu finanzieren – was zurückzugeben.

Wären alle sogenannten negativen Externalitäten – ökonomisch und nach unseren Wertemaßstäben – über Pigue-Steuern eingepreist, könnten Sie einfach das günstigste Produkt kaufen, das die richtige Qualität hat – das wäre noch komplex genug. Sie müssten Werbung, Erfahrung, Marken, Zertifikate, Wissen usw. prüfen, um einen halbwegs zutreffenden Qualitätseindruck zu gewinnen. Hierbei helfen uns Institute, wie Stiftung Warentest oder Gutachten zu Antriebskonzepten usw. – Transparenz ist enorm wichtig und eine Menge an Information. Information kostet Zeit, und damit Geld in Produktion und Konsum.

Informationskosten und weitere Hürden

Wenn Sie also eine CO2-Steuer fordern, bedeutet das für Unternehmen Carbon Controlling, wenn Sie darüber hinaus umfassende Nachhaltigkeitserwägungen Fordern, brauchen Unternehmen Konzepte, wie das Global-Reporting-Initiative-Framework, und wenn dann auch noch alle Innovationen wasserdicht auf Risiken abzusichern sind, kostet das eine Menge Forschungs- und Zulassungsgelder. Das ist für viele Innovationen im Bereich Nachhaltigkeit eine Hürde: während der Absatz (Business Case for Sustainability) hochgradig unsicher ist, weil Nachhaltigkeit noch nicht im Mainstream angekommen sein dürfte, entsteht ein Haufen an Kosten, um Produkte zu innovieren, Wertschöpfungsketten zu regionalisieren (höhere Löhne) und die Nachhaltigkeit zu belegen. Deswegen gibt es eigentlich nur Zertifikate für ausgewählte Probleme, die sich – sofern nicht korrupt – im Wesentlichen auf werbewirksame und kaufwirksame Nachhaltigkeitsaspekte beziehen, die Komplexität regelmäßig jedoch ausblenden.

Wird eine marktdurchdringende CO2-Steuer für diverse Produkte eingeführt, müssen alle Unternehmen diese Informationsleistung erbringen und sie ist kein Wettbewerbsnachteil mehr – die Hürde “verschwindet”. Auch werden Innovationen in CO2-sparende Produkte zu Wettbewerbsvorteilen. Aber CO2 ist wie bereits aufgezeigt nur ein Element von Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit bedeutet soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit. Zur sozialen Nachhaltigkeit gehören Dinge, wie Ausschluss von Kinderarbeit, faire Entlohnung, faire Arbeitsbedingungen, angemessener Kündigungsschutz, Finanzierung von Transistionszeiten der Arbeitslosigkeit und Weiterbildung.

Das Ideal und die Planwirtschaft

Eigentlich ist das Thema so komplex, dass wir so etwas wie eine Marktwirtschaft bräuchten, die sich im Wettbewerb um Nachhaltigkeit befindet, denn Regeln oder Regulation können die Komplexität nicht wirklich überschauen. Das ist ein bisschen wie Planwirtschaft im Sozialismus – ineffizient, ineffektiv, unflexibel.

Vielleicht tuen sich deswegen politisch Verantwortliche so schwer mit harter Regulierung, wie einer CO2-Steuer oder CO2-Zertifikate-Handel. Wir wollen jedoch festhalten, dass an mancher Stelle schon etwas getan wurde: CO2-Zertifikatehandel im Energiesektor, Nachhaltigkeitsaufklärung, Social Entrepreneurship, Impact Investment, Doughnut Economics, Umweltdemonstrationen, Boykotte – es gibt Bewegung.

Gerade auch Social Entrepreneurship zeigt auf, dass es Menschen gibt, die Verantwortung übernehmen wollen, mitdenken und Empathie besitzen – der Ehrbare Kaufmann und Corporate Social Responsibility existieren (Zu Informationen zu Verantwortungsthemen vergleiche CSR und the ethical capitalist).

Stellen Sie sich mal vor, alle deutschen Ingenieure und andere Profis würden versuchen richtig sinnvolle Produkte zu entwickeln – eigentlich eine riesen Chance und die Methodik ist auch schon weit entwickelt (Vgl den bescheidenen Beitrag: Nachhaltigkeit, der der Produktentwicklung entsprungen ist).

Was sind Nachteile einer CO2-Steuer

Neben der schwierigen bzw. bürokratischen Regulation der Steuer sind Maßnahmen, die relative Preise verändern eher im unteren Einkommenssegment bindend und wirksam. Es könnte zu einer Steigerung des allgemeinen Preisniveaus kommen und Einkommen entwerten und “gezwungen” zum kauf von nachhaltigen Produkten sind eher die Massen, als die Vermögenden. So findet nicht unbedingt eine Verantwortungsübernahme durch die Gesamtgesellschaft, den Menschen statt – reiche juckt das im Zweifel nicht. Das ist schade, weil gerade Reiche enormen Einfluss auf Innovationen haben, indem Sie Preisaufschläge für Innovationen zahlen können und die Technologien somit in ihrer realen Kostenreduktion finanzieren. Üblicherweise werden Innovationen erst über die Zeit zu Massengütern, während sie am Anfang nur den besonders interessierten zur Verfügung stehen. Nicht umsonst also führen wir die Debatte zur Verantwotungsübernahme und vorbildlichem Verhalten der Reichen.

Weitere Nachteile ergeben sich im internationalen Handel. Werden z. B. in Deutschland steuern für CO2 erhoben, aber in anderen Absatzmärkten einer handelbaren Industrie nicht, entstehen Komplexitätskosten, um Produkte für die einzelnen Märkte zu entwickeln. Gleichwohl hätte das den Vorteil einer Zukunftsgerichtetheit des Produktportfolios im Nachhaltigkeitsbereich – also so ungefähr das Gegenteil vom SUV und eher so etwas wie funktionale, multimodale und autonom fahrende Sharingkonzepte basierend auf regenerativen Energien (Vgl. Logistik der Zukunft).

Der SUV ist im übrigen eventuell für eine Anti-Nachhaltigkeitsspirale verantwortlich (Vgl. Modellierung von Marktspiralen) und mir als Ingenieur ist es in der Tat peinlich und es macht mich tieftraurig, das eine unserer Kernindustrien in Deutschland schlichtweg asoziale Marketingkonzepte vermarktet, anstatt MASCHINEN zu bauen, die Probleme vernünftig lösen – Schande über euch! Das ist ungefähr so, wie ein Teammitglied das nicht nur Trittbrett fährt, sondern auch noch versucht maximalen Schaden anzurichten, und so etwas nennt man Soziopathie.

Weitere Nachteile im internationalen Handel entstehen dann, wenn die Absatzmärkte sich regional beschränken und das Nachhaltigkeitsziel nicht wirklich erreicht wird, weil Länder nicht mitziehen. Gut wären also internationales wirksames Engagement. Hierfür gibt es Anzeichen und internationale Vereinbarungen, auch da gibt es Bewegung – nur nicht schnell genug.

Was ebenfalls nachteilig an einer CO2-Steuer ist, ist dass Sie für viele Zwang bedeutet und Bevormundung – würden Sie lieber eine nachhaltige Maschine aus Überzeugung bauen oder, weil der Kostendruck das nahelegt? Würden Sie sich lieber durch Verantwortungsübernahme hervortun, oder dazu rechtlich gezwungen sein? Es gibt viel Kritik am “auscrowden” von intrinsischer Motivation durch harte Regulation.

Was sind Alternativen zur CO2-Steuer

Ein zentrales Element auch der CO2-Steuer ist Transparenz. Wäre es wettbewerbsneutral Transparenz herzustellen, könnten Konsumenten, liebe Mitbürger, besser Entscheiden, was sie durch ihren Kauf unterstützen wollen. Transparenz bedeutet, dass unabhängige Experten Zieldimensionen durch Kennwerte und Gutachten beurteilen und raten – das könnte gesetzlich verpflichtend und damit wettbewerbsneutral sein. Transparenz herzustellen bedeutet nicht nur Informationen zusammen zu stellen, sondern sie auch geeignet zu vermitteln. Hier spielt Transparenz-Nudging eine interessante Rolle (Vgl. z. B. SuscisionHelper). Nudging bedeutet übersetzt anschubsen und im Kontext, die Expertengutachten in einfache Hinweise zu verdichten, wie Reihenfolgen, Noten, Ampelfarben oder ähnlich.

Eine weitere Alternative sind Verbote – es ist grundsätzlich möglich besonders averse Produkte einfach zu verbieten. Das beschränkt zwar die materielle Freizügigkeit, bedeutet aber z. B. das alle Menschen gleichermaßen betroffen sind, also auch Reiche. Gleichwohl müssen Verbote kontrolliert und durchgesetzt werden und es können Schattenmärkte entstehen, wie z. B. beim Alkoholverbot in den USA.

Das Gegenteil einer Steuer ist eine Subvention – man könnte besonders wünschenswerte Produkte durch Subventionen oder Umlagen fördern und konkurrenzfähig machen, wie z. B. bei der Energieumlage.

Letztlich existiert auch die besonders softe Methode der Meinungsbildung, um Bürger zu motivieren verantwortliche Konsumenten zu werden, Führungskräfte zu motivieren nachhaltige Strategien und Maßnahmen verantwortungsvoll zu ergreifen, Reiche und Konzerne zu motivieren Steuern zu zahlen und Innovatoren zu motivieren in der Suchrichtung voranzuschreiten.

Abwägung – Was ist der richtige Weg?

Im Kern geht es meines Erachtens tatsächlich um gesamtgesellschaftlichen Wandel – vom Individualismus in Richtung Kollektivismus, von Opportunismus in Richtung Verantwortung, von Autoritätssystemen zu Vernetzung und Dezentralität, von Arbeitsfokus zu Bürgertum und Gemeinschaft, von Erfolg ist Reichtum zu Erfolg ist Zufriedenheit (Vgl. Glücksländer), von Reaktivität zu Proaktivität, von Toleranz zu Diversität und Akzeptanz, von Beschwerde zu Kostruktivität, von Unwissend zu emotional Intelligent, von Nationalismus zu Weltoffenheit, von Massenproduktion zu Mass-Customization, von Globalisierung zu Handelsteritorien (Vgl. Herstellung von Konvergenz), von Hierarchie zu Koordination (Vgl. Unternehmenskonzeptionen), von Sozialismus versus Kapitalismus zu Digitalisierung (Vgl. Utilitismus), von Drucksystem zu Motivation und von Existenzsicherung zu Verteilungsgerechtigkeit (Vgl. Arbeitsvermittlung 4.0 und Gerechtigkeit – eine Beschwerde) sowie von Ausbildung zu lebenslangem Lernen.

Die Themen der Zeit sind mannigfaltig und fordernd. Ein junger Mann, dessen Artikel ich nicht mehr finde, hatte argumentiert, dass die Entwicklung der Strömung, die sich in der AfD manifestiert inklusive Rassismus und Radikalisierung, auf der Sicherung des Gefühls ein guter Wohlstandsmensch zu sein basiert – früher war man stolz bessergestellt zu sein, das hatte man sich als Volk verdient, heute sind wir Ausbeuter und Sozialschmarotzer, obwohl wir viel Arbeiten.

Mit Komplexität umzugehen erfordert viel Agilität und enorme Verarbeitungskapazität sowie – und davon haben deutsche besonders wenig – Frustrationstoleranz, Emotionale Intelligenz und Hoffnung (Vgl. Selbstregulation, Positives Denken und Bewusstseinsreifung). Komplexität ist auch schwer alleine zu verarbeiten, wir brauchen uns, wir brauchen Gemeinschaft, wir brauchen Kooperation (Vgl. Kooperationsmanagement). Wir sollten Soziale Medien und Digitalisierung zu zielführender und hilfreicher Vernetzung einsetzen (Vgl. Wissensmanagement). Und wir können nicht im Kämpfen und Verdrängen / Flüchten und Gerichtsurteilen verharren, sondern müssen uns wertschätzen – die Würde des Menschen ist unantastbar (Vgl. Konfliktmanagement) bedeutet Menschen Respekt zu zollen und Empfehlung statt Neid.

Ich komme also zum Schluss, dass wir ein Portfolio von genannten Maßnahmen brauchen – wir brauchen Meinungsbildung und Appell genauso wie harte Regulation. Aber was hilft wirklich, Transparenzregulierung und Transparenznudging oder umfängliche CO2-Steuern. Hilfreich finde ich insbesondere die Abkehr von einer statischen Entscheidung hin zu einer dynamischen Betrachtung: wir können erst Transparenz regulieren und Nudgingsysteme ausbauen, bevor wir – falls erforderlich – zunehmend hart regulieren. Wir können in einem Prozess eine Balance aus softer und harter Regulierung entwickeln, die sich an das Problem herantastet. Angefangen mit den großen Brocken, denn wir arbeiten gegen die Zeit und wenn wir nichts tun, müssen wir eventuell irgendwann hochriskante Geoengineering-Projekte durchführen, um zu überleben.

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