Spieltheorie – Nano-Roboter-Gehirnbeeinträchtigung

Bisher lebten wir in einer Zeit, in der Informationstechnik im Verhältnis rechtsgebundener und kooperativer Spieler mit transparenter Strategie gegenüber unkooperativen Spielern letztlich eine Kooperationsforderung in Form von Drohpotential der Zerstörung der Kontrollstrukturen ermöglicht war. Ich möchte diese Strategie als Notwehr-Tit-for-Tat-Strategie bezeichnen.

In Bezug auf das Szenario aufkommender Manipulation menschlichen Handelns und eventueller vollständiger Kontrolle des Gehirns durch Nano-Technologie entsteht deswegen in risikoaversen Optimierungen die Notwendigkeit Handlungsmöglichkeit in der letztlichen Notwehrsituation aufgebaut zu haben.

Insofern Staaten oder andere Instanzen kriminell und soziopathisch vorgehen (Weltherrschaft), entsteht mithin Angriff auf defensiv agierende Instanzen, die eine solche Notwehrlösung vorbereiten (wollen). Derartige Personen oder Instanzen (z. B. war games) die solche Strategien zur Genehmigung vorlegen oder wählen sind in der Debatte um modellierung von Chatbots und ähnlichen zentralen Steuerungsinstanzen von entscheidender Bedeutung. Vor dem Hintergrund dieser Distopie sehe ich die Erkrankung von Frau Prof. Dr. Bohn (Mikromaschinenelemente, TU Darmstadt) im Zweifel als bedenklich an, verfüge jedoch über keine diesbezüglichen Verdachtsmomente.

Diese kritische Erwägung sollte eventuell von einer Open Source Community aufgegriffen werden, um eine Auflösung von Kontrollstrukturen durch Nanotechnologie, die in die Gehirnfunktion eingreifen würde, in der Notwehrsituation zu ermöglichen, da öffentlich bekannte Forscher möglicherweise bedroht oder geschädigt werden würden. Alternativ wäre Personenschutz möglicherweise noch denkbar, dies entzieht sich jedoch meiner Expertise.

Sollte im Endeffekt eine soziopathische Instanz vor Bereitschaft der Notwehrlösung Kontrolle übernehmen, wäre entsprechend der Berücksichtigung menschlicher Interessen – die IT-gestützte Instanzen eventuell abbilden sollten – eine Herrschaft zur Versklavung (Ausbeutung) irrational (Vgl. Glücksländer in Bezug auf materiellen Nutzen). Das bedeutet, dass eine menschliche soziopathisch-machtorientierte Person letztlich eine vernünftige Distribution materiellen Wohlstands einrichten könnte (Weltdiktatur) und würde. Erst, wenn diese Person sadistisch am Leid der Menschen orientiert wäre (Psychopathie) würde sich im Ergebnis Suizidalität – sofern möglich – einstellen. Genau hier könnten aber auch Nanotechnologien einer psychopathischen Person fehlende Gehirnanteile eventuell ersetzen. Ob dies im Interesse einer solchen Person sei, dies zu erforschen, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

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Diskussion: the ethical capitalist

“the ethical capitalist – how to make business work better for society” ist ein Buch aus dem Jahr 2018 von Julian Richer – dem Gründer von Richer Sounds -, der argumentiert, dass ein ethischer Ansatz im Geschäftsleben das Geheimnis von Erfolg ist.

Unter ethisch versteht er es, seine Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten ehrlich, offen und respektvoll zu behandeln, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen – insbesondere wenn etwas schief geht, dafür gerade zu stehen und das Problem aus der Welt zu schaffen – und sich als integraler Teil der Gesellschaft zu verstehen, sodass man seinen Anteil – insbesondere seine Steuern – leistet.

Der vorliegende Artikel soll die wesentlichen Inhalte dieses Buches vorstellen und kritisch reflektieren, sodass Ihnen ein Verständnis für moralische Geschäftsführung nahegelegt und zentrale Problemstellungen erörtert werden.

Geschäftsführer

Richer zeichnet das Bild eines Geschäftsführers, der internen Einfluss auf die Unternehmenskultur, Entlohnung, Anreizsetzung, Beförderung, Produkte und Problemlösung in Bezug auf die Stakeholder Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten hat, und damit Wirkung auf sein Geschäft und gesellschaftliche Bedingungen entfaltet, wie das Einkommensniveau. Dieser Geschäftsführer trägt extern Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und den Shareholdern. In dieser externen Perspektive jedoch werden Shareholder ebenso betrachtet, die ebenso eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft haben.

Dieses System Unternehmen bezeichnet Richer als vernetzt und zusammenhängend, sodass Fragen nach der Priorisierung der Stakeholder ihm sachfern erscheinen, weil jedes Glied, in dem Fehler passieren, potentiell schwerwiegende Folgen für das Unternehmen hat.

Kritik

Es ist korrekt, dass Geschäftsführer theoretisch die Kompetenz (Weisungsbefugnis) haben, um jede Entscheidung im Unternehmen durchzusetzen, aber das würde Zeit und Transparenz erfordern, die nicht vorhanden ist. Geschäftsführer repräsentieren das Unternehmen nach innen und außen und genehmigen die wesentlichen strukturellen Maßnahmen, wie Strategie, Organisation, Controlling, Investition / Budgets und normative Leitsätze. Unsere Verherrlichung von Führungskräften in der öffentlichen Wahrnehmung geht an der Realität vorbei. Unternehmen sind höchst dezentral geprägte soziale Systeme und selbst die Führung ist eine Hierarchie, ein soziales System mit begrenzter Zeit, Zuständigkeit und Übersicht.

Interne Perspektive

Richer argumentiert, dass es zwei Karotten und einen Prügel für ethische Geschäftsführung gibt: moralische Intigrität, langfristiger Geschäftserfolg und Reputationsschaden. In der internen Perspektive argumentiert Richer, um einen Zusammenhang von ethischer Geschäftsführung und langfristigem Geschäftserfolg herauszuarbeiten. Er betrachtet Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten.

Mitarbeiter

Werden Mitarbeiter gut behandelt, verhalten sie sich reziprok, sie sind motiviert etwas zurückzugeben. Folglich steigt die Produktivität, und damit die Profitabilität. Dies ist die zentrale argumentative Kausalkette von Richer, die plausibel erklärt, wie ehische Geschäftsführung auf Geschäftserfolg wirken soll.

Richer argumentiert für eine gerechte Entlohnung des gesamten Zeitaufwands, strikt leistungsabhängige Beförderung mit transparenten Leistungskriterien und persönlichkeitsorientiertes (Freundlichkeit, Leidenschaft und Enthusiasmus) offenes und ehrliches Recruiting. Anreizsysteme sollten sorgfältig bedacht werden.

Er konstantiert diesbezüglich, dass zunehmend Arbeitszeit, wie An- und Abreise nicht als solche anerkannt werden und das sich schlechte Mitarbeiterbehandlung negativ durch Betrug, Diebstahl, Mitarbeiterfluktuation und Krankfeiern revanchiert. Letztlich macht er darauf aufmerksam, dass Menschen, die für einen tricksen zum einen auch gegen einen tricksen und zum anderen, dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass Trickser in schwierigen Situationen schlechter abschneiden, weil sie nicht so motiviert und energetisch sind.

Weiterhin konterkarriert gerechte Entlohnung Armut und Ungleichverteilung und hebt somit das Konsumniveau, das auf Unternehmen zurückfällt.

Kritik

Richer argumentiert mit allgemeinen Regeln und statisch. Mir fällt auf, dass er wenig differenziert und marktdynamiken nicht erörtert. Ich differenziere z. B. zwischen Soziopathen, Opportunisten und egoistisch-empathischen Menschen auf der Ebene tatsächlichen Verhaltens. Soziopathen und Opportunisten verhalten sich (vordergründig) reziprok, wenn und solange sie dadurch Vorteile erlangen, während egoistisch-empathische Menschen zwischen Egoismus und Alltruismus situativ abwägen, sofern ein Dilemma vorliegt. Im egoistischen Bereich verhalten sie sich dann also ebenfalls reziprok, während sie sich im alltruistischen Bereich investierend / oder wertegemäß verhalten.

Soziopathen verhalten sich hintergründig für gewöhnlich fremdschädlich und sähen Misstrauen. Reziprozität und Gerechtigkeit sind für sie ein notwendiges Übel, wenn es sie selbst betrifft, und eine Möglichkeit öffentlicher (verlogener) Bestrafung Dritter. Sie sind fundamental nicht vertrags- und verantwortungsfähig und es existiert mit ihnen keine Kooperation.

Opportunisten verhalten sich solange reziprok, bis ein (kurzfristig) höherwertiges Angebot zu Verrat führt. Opportunisten können damit häufig keine langfristigen Beziehungen führen und bieten keinen Vertrauenspuffer, wenn eine Kriese eintritt.

Egoistisch-empathische Menschen zeichnen sich vor allem durch eins aus: Sie analysieren stets, welche Konsequenzen ihr eigenes Verhalten für sie und Andere hätte und entscheiden sich erst dann für Egoismus / Opportunismus oder Alltruismus in dilematischen Situationen. Sie können also nur mit solchen Leuten Vertrauen überhaupt aufbauen.

Wenn Sie jetzt einen sogenannten Effizienzlohn zahlen, also einen Lohn über Marktniveau sprechen sie Soziopathen und Opportunisten immer an, während egoistisch-empathische Menschen bedenken, ob sie in ihrem Unternehmen einen Beitrag entsprechend ihrer Werte leisten, also positive Konsequenzen für andere herbeiführen. Insbesondere, wenn ihre Produkte nicht explizit zu Positivem beitragen haben sie eine deutlich geringere Quote egoistisch-empathischer Mitarbeiter, und somit können Sie nicht in Vertrauen investieren.

Das bedeutet zum einen, dass Sie Kriesensicherheit erhöhen, wenn ihre Produkte zu Positivem beitragen, weil Sie dann egoistisch-empathische Mitarbeiter anziehen und Vertrauen aufbauen können, und zum anderen, dass finanzielle Anreize im Regelfall keine wirkliche Reziprozität bewirken, sondern amoralische Konkurrenz um dieses extrinsisch motivierende Gut. Deswegen bräuchten Sie Leistungsindikatoren die prosoziales Verhalten verlässlich und durchgängig in der Hierarchie messen, damit Soziopathen und Opportunisten nicht das soziale System zerlegen und müssten insbesondere Soziopathen systematisch identifizieren und los werden.

Soziopathen und Opportunisten erkennt man selten im klassischen Recruiting. Weder anhand der Unterlagen, noch anhand von Bekundungen und auch nicht anhand der Mimik lassen sie sich identifizieren. Soziopathen und Opportunisten fallen insbesondere in der Gruppenarbeit auf. Deswegen – und hier herrscht große Intransparenz – sollte man die vormaligen Kollegen / Komilitonen befragen, die mit den betreffenden Kandidaten zusammengearbeitet haben und müsste die gesammelten Äußerungen systematisch analysieren. Opportunistische Trittbrettfahrer lassen sich leicht identifizieren während durch Soziopathen korrumpierte soziale Gemeinschaften weniger leicht zu identifizieren sind (Opferbeschwerden, Fluktuation, Abbruch, Falschaussagen).

Deswegen sollten Unternehmen systematisch mit ihren Mitarbeitern kommunizieren und die Situation analysieren, damit Soziopathen identifiziert werden können. Starke Anzeichen für Soziopathen sind Misstrauen, Klüngeleien und schwer nachweisbare Straftaten gegen Menschen. Nicht selten brauchen die Opfer ohne Hilfe relativ lange, um herauszufinden, wer wirklich dahinter steckt und haben doch mit Gruppen zu tun, die gegen sie instrumetalisiert wurden. Letzteres korrumpiert ihre Glaubwürdigkeit.

Es gibt im Übrigen einen Zusammenhang zwischen Soziopathie und Opportunismus: Die meisten Opportunisten hatten mal einen Soziopathen im Umfeld und haben die opportunistische Instrumentalisierung erlebt oder waren sogar Opfer und glauben das alle Menschen Opportunisten seien und man nicht vorankommt, wenn man nicht selbst so wird (Menschenbild). Diese Erwartung lässt sich in guter Umgebung falsifizieren, und somit korrigieren.

Kunden

Richer geht davon aus, dass Märkte selbstkorrigierend unethische Unternehmen deselektieren, weil sie schlechten Service, schlechte Produkte und intransparentes Verhalten liefern, was die Kunden auf dauer nicht mitmachen.

Deswegen rät er zu hoher Produkt- und Servicequalität sowie zu einer Kultur der Offenheit. Da ein Unternehmen ein komplexes System ist legt er besonderen Wert auf die Kultur, die offen und ehrlich auch in Konfliktfällen sein soll.

Beschwerden sollen ehrlich und fair gehandhabt werden, sodass alle betroffenen Parteien angehört werden sollen und Ehrlichkeit soll durch Straffreiheit und Motivation zur Ehrlichkeit unterstützt werden. Leistungsindikatoren für Verkäufe sollten reziprokes Verkaufen mit Nutzen für Unternehmen und Kunden messen, da sie sonst sehr schnell zu einem korrupten System führen, der das Unternehmen gefährdet.

Kritik

Die Argumentation ist schlüssig und entspricht meinem Wissen für lange Zeiträume. Gleichzeitig ist bekannt, dass sich das kostenorientiere Unternehmenssegment durch Preis-Leistung definiert und das qualitätsorientierte Unternehmenssegment durch Marken. Marken betreffen häufig ansprechende Produkte und Innovationen. Relativ selten stehen Marken für gute Geschäftspraktiken. Zertifikate greifen häufig einzelne Aspekte guter Geschäftspraktik auf. Meines Erachtens wäre Transparenz und Besteuerung von negativen Externalitäten der Geschäftstätigkeit der entscheidende Hebel für marktgerechte Regulation von Kundenorientierung.

In der Tat wäre eine offene Kultur erstrebenswert, aber gerade diese Kultur existiert häufig nur vordergründig und ist selten überprüfbar. So konstatiert Richer auch, dass häufiger Reputationsschadensmanagement als Reputationsschadenprävention betrieben wird. Mein Eindruck ist, dass die meisten Unternehmen sich informell-kooperativ hinter Intransparenz verstecken, anstatt proaktiv Transparenz herzustellen und durch Wohlverhalten zu glänzen – gerade, weil sie nicht ethisch motiviert sind. Diese Leistung wird von Journalisten, Forschern und Interessensvertretungen erbracht, auf die Unternehmen reagieren. Richer hingegen Argumentiert, dass negative Ausreißer im Vordergrund öffentlicher Wahrnehmung stehen und das Bild auf die meisten Geschäftsführer verzerren. Das kann ich aufgrund der Intransparenz nicht prüfen.

Lieferanten

Guter Umgang mit Lieferanten inklusive der Dienstleister, die nicht am Produkt arbeiten, wie Putzkräfte, erzeugt bei den Konsumenten ein gutes Gewissen und Vertrauen in die Produkte (Differenzierungsvorteil, Risikoprofilaxe gegen Boykott) und bietet dem Unternehmen Spielräume durch Goodwill der Lieferanten, wenn es darauf ankommt (Mutualism).

Kritik

Während die Argumentation in sich schlüssig ist, ist doch die Transparenz ein entscheidender Faktor in Bezug auf die Kundenwirkung. Irritierend ist hier, dass Unternehmen selten Transparenz herstellen, im Gegenteil sogar investigative Gruppen existieren, die diese Leistung gesellschaftlich erbringen. Die Argumentation gilt also eher langfristig, als unmittelbar und immer.

Externe Perspektive und Regulation

In Bezug auf die externe Perspektive und Regulation geht Richer auf Wahrnehmung von Kapitalismus, Liberalismus, flexible Arbeitsverträge, exzessive Führungskräfteentlohnung, Steuervermeidung und Privatisierung ein.

Wahrnehmung von Kapitalismus und Liberalismus

Richer kritisiert, dass viele Menschen in der Unterscheidung Kapitalismus oder Sozialismus viel zu indifferenziert gegenüber Gestaltungsmöglichkeiten der einzelnen Systeme informiert sind: Wenige Menschen verstehen, dass man Kapitalismus unterschiedlich gestalten kann und auch sollte.

Deswegen gibt er sich irritiert ob der Chicagoer Schule (Liberalismus) die Staatsintervention ablehnt sowie Profitmaximierung und Shareholder Value zu alleinigen Ziel von Unternehmen erhebt. Es sickert durch, dass er dieser Strömung, die viele Verantwortungsträger (Investoren, Geschäftsführer, Politiker) aufgegriffen haben, viel gesellschaftlichen Schaden zurechnet. In Bezug auf das zentrale Gütekriterium dieser Theorie arbeitet er heraus, dass die Profitorientierung letztlich empirisch sogar mit niedrigeren Investorenrenditen einherginge.

Kritik

Diese Argumentation von Herrn Richer kann ich voll und ganz nachvollziehen. Ich teile den Eindruck, dass wenige Leute Kapitalismus differenziert betrachten können und bin irritiert von der Chicagoer Schule. Staatsintervention ist nach klassischer volkswirtschaftlicher Theorie erforderlich. Profitorientierung bezogen auf Aktienwert führt zur Kurzfristorientierung während der langfristige Wert durch Investitionen aufgebaut wird und das Unternehmen langfristig erhält – es wird zu wenig und zu kurzfristig investiert. Ich beobachte immer weniger Innovation und zu wenig Investition in Schwellen- und Entwicklungsländer, sodass global die Renditen bzw. das Wirtschaftswachstum sinkt.

Flexible Arbeitsverträge

Richer greift flexible Arbeitsverträge auf und konstatiert, dass diese wenigen einen Nutzen bringen, während viele dadurch in ihrer Verhandlungsposition geschwächt wurden. Viele verlieren dadurch klassische Arbeitnehmerprivilegien wie Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und gesichertes fixes Einkommen. Weiterhin können viele dadurch keine Kreditgeschäfte eingehen und sind ungerne von Vermietern gesehen.

Kritik

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist ein heeres Ziel. Seit Generationen existiert Voll- und Teilzeit, aber ein Übertrag von realem Wirtschaftswachstum hin zu mehr Freizeit findet nicht statt. Stattdessen produzieren wir immer mehr. Statt eine gute Lebensqualität zu erarbeiten, erarbeiten wir immer höheren Luxus. Aus Perspektive unserer Zufriedenheit ist das vermutlich schwachsinnig. Vgl. Glücksländer.

Sie können heutzutage theoretisch sein: Arbeitsloser, arbeitsloser Minijober, Teilzeitkraft, Vollzeitkraft und Selbstständiger / Freelancer. Minijobs sind für gewöhnlich unqualifizierte Arbeit im Niedriglohnsektor, Teilzeitkräfte werden ungern gesehen und Selbstständige / Freelancer sind qualifizierte Arbeitskräfte die sich häufig wieder in abhängige Arbeit begeben, weil die Unsicherheit zu hoch ist. So kommt es, dass die meisten die Wahl zwischen Vollzeit und Arbeitslosigkeit haben. Arbeitslosigkeit bedeutet häufig einen unqualifizierten Nebenjob machen zu müssen.

Deswegen finde ich die modernen Ansätze einer wohlstandsproportionalen Grundsicherung und zeitlich flexibler Arbeitsverträge sinnvoll: Man sollte hinreichende Lebensqualität allgemein haben und für höheren Wohlstand und Luxus zusätzlich flexibel arbeiten gehen. Das verschiebt viel Niedriglohnarbeit hin zur Digitalisierung (die eventuell finanzierungstechnisch genutzt werden kann; vgl. Utilitismus) und erhöht die Sicherheit, sodass flexible Arbeit nicht wieder verdrängt wird.

Das bedeutet aber auch, dass dieser Teil der Ökonomie sinnvoll gestaltet wird. Hartz-IV-Sicherheit ist nicht mit Freelancing im akademischen Bereich kompatibel, weil man seinen Hartz-IV-Status verliert, wenn man mal eine gute Auftragslage hat und erst sein Vermögen aufbrauchen muss, wenn die Auftragslage einbricht, bis man wieder Anspruch auf Hartz-IV hat. Vielleicht sind hier sinnvollere Regelungen möglich, wie z. B. durch ein bedingungsloses Grundeinkommen oder eine negative Einkommenssteuer.

In Bezug auf Selbstständige ist mir zu Ohren gekommen, dass diese Krankenversicherung bezahlen müssen, die sich mindestens nach einem Mindesteinkommenssatz bemessen, sodass der Aufbau der Selbstständigkeit behindert wird und gerade kleinere Zusatzarbeit verhindert wird. Leider bin ich derzeit nicht im Detail ausgebildet, um diesen wünschenswert fließenden Übergang beurteilen zu können, aber das binäre Modell arbeitsloser Minijober oder Vollzeitkraft verhindert m. E. enormen Wohlstand in Form von Freizeit und führt zu verschwenderischem und umweltschädigendem Luxus.

Exzessive Führungskräfteentlohnung

Richer merkt an, dass Führungskräfte exzessiv entlohnt werden und das der Legitimation – insbesondere auch durch Marktbegründungen – entbehrt. Er verweist an mancher Stelle auf Selbstbereicherung. Insbesondere auch im Zusammenhang mit öffentlich-rechtlichen Institutionen (in Großbritannien).

Die Bonuskultur prangert er scharf an und verweist auf Schweden, wo hohe Einkommenstransparenz zu geringeren Gehältern, Abwesenheit einer Bonuskultur und gleichermaßen erfolgreichen Unternehmen führe.

Richer fordert eine vernünftige Relation der Einkommen zwischen den Arbeitern, Führungskräften und Geschäftsführern, die durch Belegschaftsvertretung in Entlohnungsgremien erreicht werden soll.

Kritik

Aufgrund meiner Informationen zur Elitenforschung überzeugt mich das Selbstbereicherungsargument und auch ich gehe davon aus, dass Transparenz förderlich sein dürfte. Aber ich würde noch weiter gehen und der Belegschaft ein Mitbestimmungsrecht in Bezug auf Entlohnung und Besetzung von Führungspositionen geben, denn ich stelle mich gegen die im Gesetz vertretene Meinung, dass Unternehmen den Eignern gehören.

In Unternehmen gehen Kapital und Arbeit ein und die Arbeit entlohnt sich selbst ohne am Mehrwert beteiligt zu sein. Damit ist Arbeit (Lebenszeit) grundsätzlich am Gewinn zu beteiligen und in Bezug auf seine Verwendung zur Mitbestimmung mit Berechtigung auszustatten.

Weiterhin bin ich der Meinung, dass Investoren keinen Anspruch auf Renditemaximierung haben sollten, sonder fair für ihren Beitrag durch Konsumverzicht entlohnt werden sollten. Das bedeutet Geldwerterhaltung mit einem verzichtsangemessenen Anreiz zur Geldvergabe und ist möglich. Vgl. nachhaltiger Kapitalmarkt.

Steuervermeidung

Richer arbeitet heraus, dass Unternehmen und vermögende Menschen durch sogenannte Steueroasen Steuerzahlung umgehen, dass Steuerautoritäten in Großbritannien eher mit solchen (juristischen) Personen verhandeln, anstatt Gesetze durchzusetzen und dass in Großbritannien zunehmends Personal abgebaut wird, wo Steuereinnahmen eingetrieben werden könnten.

Er rät zur Verstärkung der Befugnisse von Steuerautoritäten, zu internationaler Kooperation, zu Transparenz und zur Erregung von Scham bei den Verantwortlichen, die ihren Erfolg der Gesellschaft zu verdanken haben. Transparenz sei wichtig, weil viele Bürger Steuervermeidung selbst dann amoralisch finden, wenn sie legal ist und derartige Unternehmen boykottieren würden.

Kritik

Ich fühle mich aufgrund der Grenzen meines Kompetenzkreises nicht befugt in diesem Thema an jeder Stelle mitzureden, aber ich erachte in Bezug auf Unternehmen und Privatpersonen Transparenz aus den genannten Gründen (Scham, Boykott) für hilfreich.

Privatisierung

Richer beklagt, dass die Debatte um Privatisierung zu oberflächlich und lagerartig geführt wurde und wird. Er verweist darauf, dass viele übersehen, dass ehemals private Leistungen aufgrund schlechter Leistung und finanziellem Struggle verstaatlicht worden.

Eine Vorteilhaftigkeit des Marktes ist gegeben, wenn ein klares Ziel und klare Maßnahmen zu dessen Erreichung vorliegen, Kunden klar identifiziert werden können, das Produkt klar ist, es um einfache Transaktionen geht und Wettbewerb herrscht.

Das sieht er für Gefängnisse, Schulen, Krankenhäuser, Wohnungsbau, neue Infrastruktur, Wasserversorgung und andere Säulen der Gesellschaft, die essentiell für alle sind, nicht gegeben. Und in Bezug auf die Bereiche, wo private und staatliche Geschäfte möglich sind, wie Schulen, Krankenhäuser und Wohnungsbau wie auch für die funktionierenden Privatisierungen empfhielt er die Ausarbeitung von Verträgen, die wohl durchdacht sind. So wurde z. B. in Großbritannien sozialer Wohnbau veräußert und im Vertrag das Recht neu zu bauen beschränkt, was grober Unfug gewesen sei.

Ein Positivbeispiel nach Richers Ansicht sei die Telekommunikationsbranche, in der bessere Preis-Leistung erreicht worden sei.

In Bezug auf die Behauptung, dass Privatunternehmen besser gemanaged seien als Staatsinstitutionen konstatiert Richer eine Unabhängigkeit der Managementqualität von der Eigentümerschafft. Er merkt jedoch kritisch an, dass Mitarbeiter, die Staatseigentum verwalten und Politiker häufig nicht hinreichend mit Verboten und deren Überwachung ausgestattet werden, um unabhängig zu sein und das Staatsinstitutionen häufig unter politischer Unsicherheit leiden, die ihre Ziele und Führungskräfte betreffen.

Beobachtungen an Staatsunternehmen verleiten Richer zu folgenden Empfehlungen: 1. nach Economies of Scale ausschau halten, 2. sich an Best Practices zu orientieren und 3. kontinuierliche Verbesserung / Kaizen zu betreiben.

Kritik

Ich bin kein Experte für dieses Thema, aber grundsätzlich sind Privatunternehmen gut darin grundlegende Bedürfnisse die alle Menschen haben zu befriedigen (Menge) und wohlhabende Nischensegmente zu bedienen.

Deswegen sind für mich Versicherungen zentral, die aus Nischen wohlhabende Nischen machen, wenn es um etwas Ernstes geht. Ich habe das Gefühl, dass Versicherungen die Menschen betreffen (Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung, Arbeitsausfallversicherung, Rechtsschutzversicherung usw.) eigentlich durch den Staat gemanaged werden sollten und für alle verbindlich sein sollten. Gerade die Entwicklungen der IT führen derzeit zu Diskussionen in Bezug auf Versicherungen (Marktsegmentierung), die wenig mit dem Grundprinzip von Versicherungen zu tun haben, das eine Gemeinschaft sich zusammentut, weil die individuellen Absicherungskosten für Risiken gemeinsam niedriger sind, als individuell.

Es gibt auch Kriterien für öffentliche Güter, die mir jedoch gerade nicht mehr zugänglich sind. In vielen sozialen Bereichen sind Interessenkonflikte zu beobachten, die zu verwerflichen Ergebnissen in privater Hand führen. Dazu gehören die von Herrn Richer angeführten Säulen der Gesellschaft.

Das Management in staatlichen Instituten ist weniger flexibel, da Gesetze den Leistungsumfang bestimmen und diese Gesetze vom Gesetzgeber und nicht vom Management vorgegeben werden. Deswegen erfordert Kaizen ein direktes Feedback der Behörden an den Gesetzgeber und entsprechende Reaktion. Zentralisierte Beschaffung (Economies of Scale) und intensive Vernetzung der einzelnen Behörden untereinander mit Benchmarking bezüglich Best Practices halte ich ebenfalls für empfehlenswert. Wichtig könnte auch sein, dass ein Auftrag, bessere Konzepte zu erarbeiten existieren sollte und im Budget der Behörden zu Buche schlägt.

Fazit

Geschäftsführer sind keine omnipotenten Helden, sondern verantwortlich für Repräsentation nach innen und außen und die Genehmigung wesentlicher struktureller Maßnahmen. In der internen Perspektive sind Transparenz, Produkte mit positivem gesellschaftlichem Beitrag, Leistungsindikatoren für prosoziales Verhalten und Soziopathendeselektion durch Kommunikation und Analyse besonders wichtig. In der externen Perspektive und in Bezug auf Regulation kann zu den angeführten Themen folgendes gesagt werden:

Thema Fazit
Kapitalismuswahrnehmung und Liberalismus Kapitalismus ist gestaltbar und sollte nach ganz herrschender Meinung gestaltet werden.
Flexible Arbeitsverträge Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist ein erstrebenswertes Ziel, jedoch derzeit nicht möglich gemacht, denn wer kann arbeitet Vollzeit.
Exzessive Führungskräfteentlohnung Transparenz über Einkommen, Mitbestimmung der Belegschaft und eine Renditebeschränkung auf investive Kapitalanalge können helfen.
Steuervermeidung Transparenz erzeugt Unternehmensboykotte durch Konsumenten und Scham der vermögenden Privatpersonen und sollte Steuervermeidung eindämmen können.
Privatisierung Die Eignung für die Privatisierung sollte vorsichtig und im Detaill erfolgen. Staatliches Management sollte in enger Kooperation mit dem Gesetzgeber erfolgen, Beschaffungen sollten zentralisiert werden und die einzelnen Behörden sollten miteinander vernetzt werden.

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