Diskussion: Ökonomie der Ungleichheit

Chancen sind uns nicht allen gleichermaßen gegeben. Es sind nicht nur die genetischen und sozialisierenden Faktoren, sondern auch ökonomische, die unsere Chancen unterschiedlich gestalten. Hohe Ausbildung ist heute kein Garant mehr, einen Job zu haben, der nicht der Digitalisierung anheim fällt und im Kontext zukünftiger elektronischer Bauteile, die Nervenschichten nachbauen, stellt sich die Frage, wie lange der implantatfreie Mensch überhaupt noch in Arbeit integriert werden kann. Ökonomische Ungleichheit kann auf Verwendungsunterschieden, wie bei Arbeit und Kapital, aber auch auf Marktversagen basieren, wie in intertemporalen Märkten / Kreditmärkten.

Arbeit und Kapital

Nach Thomas Piketty: Ökonomie der Ungleichheit, gibt es zwei Gründe für einen Transfer von Kapital zu Arbeit. Zum einen Ungerechtigkeit und zum anderen Marktversagen (Reproduktion von Einkommensunterscheiden durch Kapitalmarktineffizienz). Die Idee der Ungerechtigkeitsbeseitigung formuliert er wie folgt:

Wenn Ungleichheit zumindest teilweise Faktoren geschuldet ist, für die man den Einzelnen nicht verantwortlich machen kann, da sie seinem Einfluss entzogen sind, wie etwa das Startkapital, das er seiner Herkunft oder glücklichen Umständen verdankt, dann ist es gerecht, wenn der Staat die Chancen und Lebensumstände der Benachteiligten, also derjenigen zu verbessern sucht, die mit besonders misslichen unbeeinflussbaren Faktoren zu kämpfen haben. – S. 8.

Moderne Theorien sozialer Gerechtigkeit bringen diesen Gedanken in Form des Maximin-Prinzips zum Ausdruck:

Eine gerechte Gesellschaft muss die Minimalbedingungen und Chancen maximieren, die das Sozialsystem dem Einzelnen bietet. – S. 8.

Es kommt im Kontext der Einkommensunterschiede basierend auf Kapital- oder Arbeitsherkunft insbesondere auf die Substitutionselastizität von Kapital und Arbeit an, die für gewöhnlich nahe eins liegt (0,7 bis 1,1 nach Hammermesh [1986, 1993]), sodass Veränderungen der Arbeitslöhne zu Veränderungen des Arbeitseinsatzes führen. Deswegen wäre das richtige Instrument eine fiskalische Umverteilung durch Besteuerung proportional zum Kapitalstock eines Unternehmens bzw. des Kapitaleinkommens, welches an die Arbeit ausgezahlt wird.

In der Höhe der Besteuerung liegt zwar grundsätzlich eine niedrige Elastizität des Kapitalangebots vor, aber international herrscht Steuerwettbewerb, um Unternehmen anzulocken und zu binden, sodass die nationale Elastizität des Kapitals beträchtlich ist. Deswegen braucht es einen Fiskalföderalismus auf internationaler Ebene, um den Wettbewerb zu harmonisieren, sodass eine weitreichende Umverteilung erfolgen kann.

Ebenfalls relevant ist die zeitliche Frist. Kurz- und mittelfristig können Belastungen proportional zum Lohn Arbeitgeber belasten, während langfristig der Lohn sinkt und die Arbeit die Steuer bezahlt. Genauso kann eine fiskalische oder lohnbezogene Umverteilung kurzfristig Wirkung entfalten, während Wirtschaftswachstum eher langfristig den Wohlstand steigert.

Diskussion

Das Proplem der Ungerechtigkeit zwischen Arbeit und Kapital lässt sich nur international als Überwachungsbedürftige Norm regulieren, da es der Dynamik des Steuerwettbewerbs unterliegt. Der mir bekannte Lösungsraum kennt die sogenannte Flat Tax die Piketty vorschlägt und mein Konzept der Insolvenzmarkierenden Soll-Rendite-Kennlinie (vgl. Nachhaltiger Kapitalmarkt).

Die Flat Tax ist ein einfaches Mittel, um international für Gerechtigkeit zu sorgen. Sie ist insbesondere indifferent gegenüber unterschiedlichen Sektoren und belastet somit Kapitaleinkünfte gleich und relativ, sodass keine Auswirkungen auf Sektoren oder Geschäfte naheliegen.

Meine Soll-Rendite-Kennlinie ist demgegenüber ein bürokratisches Monster, das versucht Kapitalmarktentscheidungen indifferent zu machen, sodass Ersparnis in jedwedes subjektiv erwünschtes Produkt unabhängig von der Rendite fließen kann. So sollen besonders wünschenswerte Geschäfte finanziert werden, die die Mindest- und Maximalrendite (mittlere Sollrendite) abwerfen können. Allerdings wird Kapital ungleich günstiger und kapitalintensive Sektoren werden bevorzugt, mithin die Industrie gegenüber der Dienstleistung. Weiterhin bleiben die Investitionsanreize erhalten, betreffen aber unmittelbar die innere Unternehmensrefinanzierung und die Arbeitsentlohnung, während das Kapital – dem Sinn entsprechend – fair abgegolten wird. Die Bürokratie könnte eventuell im Sinne einer Wirtschaftsprüfung marktwirtschaftlich gestaltet werden uns so qualifizierte Arbeitsplätze schaffen.

Ungleichheit der Arbeitseinkommen

Die zentrale Theorie um die Ungleichverteilung von Arbeitsentlohnung ist die Theorie vom Humankapital: Durch Bildungsinvestitionen erzielen Bildungsbürger eine Rendite, die den subjektiven Aufwand des Bildungsprozesses rechtfertigt. Ist der Aufwand zu hoch oder die Bildungsrendite zu unsicher oder gering, unterbleibt häufig die Bildungsinvestition, während sie andernfalls anreizkompatibel ist. Diesem Modell liegt ein rational denkender und vorausschauend vorgehender Mensch zugrunde, aber Individuuen werden häufig in Normgefügen sozialisiert, die genau solche Optimierungsmodelle zum Ursprung haben – sie haben sich bewährt.

Piketty unterscheidet nun eine reine Umverteilung von einer effizienten Umverteilung, die direkt in die Bildung von Humankapital eingreift.

Jüngere Ungleichheit läßt sich als Nachfrage nach Talent und hoher Qualifikation interpretieren, während die einfachen Tätigkeiten zunehmend weniger Nachfrage haben, weil sich mit den neuen Technologien Talent und Qualifikation besonders produktiv integrieren kann (Skill-biased technological change). Dies führt zu erheblichen Meßproblemen, da die Inhomogenität homogener Messgruppen enorme Auswirkungen in der Lohnungleichheit hat. Zum häufig angeführten Thema Globalisierung als Ursache für Ungleichheit anzuführen sagt Piketty:

Auf dem gegenwärtigen Kenntnisstand sieht alles danach aus, dass der Anstieg der Lohnungleichheit in einem Strukturwandel der Produktion in den entwickelten Ländern wurzelt und es zu einer ähnlichen Entwicklung auch dann gekommen wäre, wenn es sich bei diesen Ländern um abgeschottete Wirtschaften gehandelt hätte, die keinen Handel mit dem Rest der Welt treiben. – S. 85.

Wieder ist die fiskalische Umverteilung z. B. Mindest – und Höchstlöhnen überlegen, sobald es eine hohe Substitutionselastizität zwischen Humankapitalniveaus gibt, denn sie erlaubt es die allokative Funktion des Preissystems nicht zu beeinträchtigen und dennoch Einkommen der Arbeiter umzuverteilen. Besonders wichtig ist also die Steuerprogression insgesammt über Transfers und Steuern, die am einfachsten über ein bedingungsloses Grundeinkommen realisiert werden kann. Die Substitutionselastizität ist höher als die von Kapital und Arbeit und Piketty resümiert:

Es ist leichter, einen gering qualifizierten Arbeiter durch eine Maschine oder einen qualifizierten Arbeiter zu ersetzen, als auf qualifizierte Arbeiter zu verzichten. – S. 86 f. .

Die nächste Frage betrifft dann die Wurzel des Themas, also das Humankapital selber auf hohem Niveau zu homogenisieren. Ein Problem ist dabei, das gerade die Ungleichheit der Einkommensniveaus die Bildungsrendite definiert, und somit Umverteilung Bildung von Humankapital konterkarriert, aber Bildung erfolgt eher Normbegleitet, als das vorwiegend junge Leute tatsächlich die Bildungsinvestition antizipierend durchkalkulieren. Deswegen sagt Piketty:

Die allgemeine Schulpflicht ist zweifellos die wichtigste aller Umverteilungsmaßnahmen. – S. 91.

Weiterhin kann man gegen die freien Marktkräfte der Humankapitalbildung einwenden, das der intertemporale Markt nur selten arme Haushalte mit hohem Bildungspotential finanziert, da die Absicherung des Geschäfts ja über Vermögenspfand erfolgt. Diese Ineffizienz rechtfertigt eine Politik, die entschlossen für finanzielle Unterstützung von Studierenden aus bescheidenen Verhältnissen eintritt.

Gegen eine entusiastische Bildungspolititk sprechen aber sozialisierende Faktoren – faktisch ist die intergenerationale Bildungsmobilität wie die intergenerationale Einkommensmobilität gering und die Bildungs- und Einkommensverhältnisse reproduzieren sich über die Generationen hinweg unabhängig von finanzieller Unterstützung. Jüngere Studien zeigen jedoch, dass die Sozialstruktur der Schülerschaft des Wohnviertels sehr viel ausschlaggebender sind, als Bildungsausgaben. Ziel der Politik ist dann Schichten in Bildungsinstitutionen per Verteilungsschlüssel zu durchmischen, was in der Praxis als extreme Politik aufgefasst und nur wenig wirksam umgesetzt wird.

Weiterhin gibt es eine Theorie der Arbeitsmarktdiskriminierung, die für alle erkennbaren Gruppen gegenüber denen Vorurteile bestehen anwendbar ist. Sie besagt, dass Vorurteile geringere Chancen zu haben Humankapital zu erwerben zusammen mit Einstellungsindikatorik (gegenüber einer Feststellung der Qualifikation) es rational erscheinen lassen zu diskriminieren, während dadurch die Bildungsinvestitionen von diskriminierten ungünstig verändert werden und das Vorurteil sich bestätigt (Sich-Selbst-Erfüllende Prophezeihung). Piketty Resümiert:

Es handelt sich also um eine zutiefst unwirtschaftliche, nutzlose Ungleichheit. – S. 98.

Regulierung dieser Ungleichheit bedeutet Nachweis der Einstellungs- und Beförderungskriterien oder Quoten zu etablieren, sodass die Vorurteile und Entmutigung abgebaut werden können. Man spricht von affirmative action. Eine Quote ist jedoch nicht unkritisch, denn sie kann als Zwang attribuiert werden und so die Vorurteile noch verstärken.

Letztlich gibt es dann noch die soziale Erzeugung von Lohnungleichheit. Z. B. durch Gewerkschaften, die bei Erfolg dazu führen, dass Unternehmen mehr Kapital und mehr qualifizierte Arbeit einsetzen, weil Gewerkschaftsmonopole die Löhne und Lohnhierarchie monopolistisch setzen, was zu Beschäftigungsrückgang führt. Gewerkschaften zu beschränken ergibt jedoch nur dann Sinn, wenn eine fiskalische Umverteilung in geeigneter Höhe an ihre Stelle tritt. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Wirkung von Branchenlöhnen auf die Humankapitalbildung, da Unternehmer so in ihre Arbeit investieren können, ohne das sie abwandert und Arbeitnehmer nicht enteignet werden, wenn sie unternehmensspezifische Bildungsinvestitionen tätigen, die in anderen Unternehmen keinen nutzen haben. Dies spricht also nicht nur für Gewerkschaften, sondern auch für regulatorische Lohnfestsetzung engegen der freien Marktkräfte.

Weiterhin können Arbeitgeber über Monopsonmacht verfügen und weniger Leute für weniger Geld einstellen, als auf einem Konkurrenzmarkt. In solchen Fällen kann z. B. ein Mindestlohn zu mehr Beschäftigung führen, während eine fiskalische Umverteilung zu Lohnreduktion führen würde. Zu einem Monopson kommt es:

(i)mmer dann, wenn es unternehmensspezifisches Humankapital gibt und Arbeitnehmer darum mehr oder weniger gezwungen sind, ihre Arbeit einem einzigen Arbeitgeber anzubieten. – S. 108.

Aber Monopsone scheinen nicht die Erklärung für Ungleichheit zu sein, Arbeitnehmer werden eher eng umkämpft. Eine Verschwörungstheorie eines Arbeitgeberkartells scheint instabil genug zu sein, um falsifiziert werden zu können. Es gibt auch Arbeitgeber, die Effizienzlöhne zahlen, also höhere Löhne als marktgängig, um Mitarbeiter zu binden und zu motivieren, anstatt sie zu kontrollieren, aber diese Effizienzlöhne führen in der Gesamtschau zu Beschäftigungsrückgang.

Diskussion

Zunächst ist Marktversagen geeignet auszuregulieren und zu erheben, was auch Bindung an makroökonomische Daten für Gewerkschaften bedeuten kann, feste Löhne für Monopsone und Quoten gegen jedwede Diskriminierung. Letzteres kann z. B. bedeuten, dass Qualifikationsnachweise im Sinne von umfänglichen Assessment Centern als öffentliches Gut angeboten werden und Unternehmen dann aus Qualifikationspools per Zufallentscheidung Kandidaten präsentiert bekommen (dies führt zu repräsentativen Verteilungen im Sinne einer natürlichen Quote), während das Lohnband einer Vorabbandbreite entsprechen muss.

Im Bezug auf die reine Umverteilung erscheint mir ein bedingungsloses Grundeinkommen / eine negative Einkommenssteuer degressiv mit dem Lohnanastieg besonders nützlich, wobei eine Existenzsicherung und weitere Sachleistungen ebenfalls vernünftig erscheinen. Damit ist gemeint, dass eine vernünftige Existenzsicherung ausgezahlt wird, was z. B. bedeutet soziale Teilhabe wie Mobilität und Besuch von Cafés sowie IT-Geräte und Internet ebenfalls zu berücksichtigen, während die wohlstandsproportionale Leistung des bedingungslosen Grundeinkommens in Form von Sachleistungen wie Bildung, Assessment Centern, Vermittlungsberatung und Therapie / Kur “ausgezahlt” wird.

Besonders wichtig ist mir persönlich die Motivation im Bildungssystem zu fördern und dazu habe ich einen Vorschlag zum Bildungswesen reflektiert, der freude und öffentliche Güter bei Kostenersparnis und Digitalisierung ermöglichen soll: Jigsaw-Bildungswesen. Und auch die konstruktiven Erwägungen zur Arbeitsvermittlung zu Berücksichtigen (Vgl. Arbeitsvermittlung 4.0). Weiterhin sollte jedwede Regulation im Europäischen Währungsraum harmonisiert bzw. abgestimmt werden.

Fazit

Das Buch von Thomas Piketty (2020): Ökonomie der Ungleichheit ist besonders wertvoll für Themen der Ungleichheit zu lesen, die hier nur knapp dargestellt werden können. Es zeigt sich sachlich unvoreingenommen und bildet so auch zu hitzig ideologisch umkämpften Bereichen wie dem Arbeits-Kapital-Konflikt.

Der Lösungsraum internationaler Politik im finanziellen Arbeits-Kapital-Konflikt umfasst meiner derzeitigen Kenntnis nach die Flat Tax und die Soll-Rendite-Kennlinie mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften, die öffentlich zu dikutieren wären – ich freue mich auf Ihre Kommentare.

In der Lohnungleichheit sollte Marktversagen geeignet, wie geschildert, überprüft und reguliert werden, während eine reine Umverteilung insbesondere den Nidriglohnsektor subventionieren sollte, während eine Mischung aus lockererer Existenzsicherung und nützlichen Sachleistungen mein Gerechtigkeitsgefühl besonders anspricht. Dabei sollte das Bildungswesen motivationsförderlich und die arbeitsvermittlung humanzetriert, professionell und serviceorientiert erfolgen.

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Gerechtigkeit – eine Beschwerde

Der nachfolgende Artikel versucht konstruktiv zu sein, aber es ist ein sehr emotionales Thema. Die Enttäuschung junger Menschen, die realisieren, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert, nachdem sie versucht haben das Beste aus sich zu machen und Verantwortung für ihre Entwicklung übernommen haben, ist groß. Zu sehen und zu hören, wie Worthülsen in Bezug auf zentralste Werte unserer Gesellschaft propagiert werden, um Menschen ohne fachliche Spezialisierung in Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsrecht ein Gefühl eines erstebenswerten Zustands vorzuspielen, ist schmerzlich. Und dann auch noch diese Mitmenschen, die als blinde Passagiere Anpassungsleistungen erbringen, um dem hinterherzurennen, was man ihnen als werthaltig suggeriert hat und dann “legitimiert” durch “Erfolg” / “Normalität” meinen einen abschätzig behandeln zu dürfen um ihren instabilen Selbstwert zu erhöhen.

Die ewige meinungsbasierte Mitläufer-Kritik an jedem Konzept ohne inhaltlich zu argumentieren, Zensur auf Blogs, Ablenkung von den Themen, Grabenkämpfe nur um oberflächlich Eindruck zu schinden, Konsum von Blogs ohne Feedback, ohne Diskussion: Ich betreibe seit fast drei Jahren einen Blog aus intrinsischer Motivation heraus, aber es ist extrem enttäuschend zu sehen, wie wenig mitgedacht wird, wie viel konsumiert wird und wie wenig konstruktives Feedback man erhält.

Ich hatte in den letzten neun Jahren kontinuierlich taffeste Probleme im intellektuellen, wie sozialen Bereich zu bewältigen und so gut wie keine zwischenmenschliche Unterstützung – im Gegenteil die Leute um mich herum produzieren förmlich Probleme. Dieser Artikel drückt einfach mal aus, was aus mir raus muss. Und im Kern möchte ich der großen Mehrheit dieser Gesellschaft (jung wie alt) mitteilen, dass es mir peinlich ist, was aus Ihnen geworden ist. Wir leben in einer Gesellschaft vieler ichschwacher, unreflektierter und unausgeglichener Personen, die durch ihren Schwachsinn andere am Vorankommen behindern. Die wenigsten Menschen merken überhaupt, wenn man sich für sie einsetzt und unsere Kultur flacht ab; von Dankbarkeit ganz zu schweigen.

Mich haben in den letzten drei Jahren Mitbürger (Vermieter, zwei Führungskräfte) um insgesamt etwa 1.950 € gebracht, weil ich es nicht leisten und finanzieren kann, sie zu verklagen. Solche Menschen sind unfassbar erbärmlich, weil ich als junger Mann nun mal keine finanziellen Spielräume habe und sie nicht mal wirklich ihr eigenes Geld verwalten. Ich wurde in den letzten neun Jahren von drei Frauen, in die ich beziehungstechnisch investiert hatte, nach der Trennung kommunikativ blockiert – macht man heute so: passt mir nicht, blockier ich. Mein Freundeskreis hat einen Opportunisten freie Hand gelassen mich kontinuierlich zu schikanieren, bis ich ihn nach letztmaliger Bitte um Hilfe nach vier Jahren verlassen habe. Mitbewohner in meiner vormaligen WG haben in Kooperation mit der Nachbarwohnung – vermutlich einer faschistischen Gruppierung aus Nordhessen von denen ich mich nicht habe einschüchtern lassen – 5 1/2 Jahre Mobbing gegen mich betrieben, während ich die Verantwortung in der WG getragen habe und sämtliche Mitbewohner, die nicht am Mobbing selbst beteiligt waren, haben sich rausgehalten. Jetzt wohne ich in einer WG mit einer wahrscheinlich soziopathischen Nachbarin, die höchstwahrscheinlich mein T-Shirt auf dem Wäscheständer aufgeschlitzt hat, deren Mutter mich als Sozialschmarotzer bezeichnet, und einem Nachbarn, der kollerisch und penibel ist. Diese Leute werden vom Vermieter unterstützt, wo die Rechtslage andere Maßstäbe vorsieht und, weil ich keine Kraft mehr für solchen Schwachsinn aufbringen möchte, weil das in Rechtsverfahren mündet, die wenig bringen, toleriere ich die “Machtkonstellation”. Die ganzen Lasten neben meinem anspruchsvollen Studium haben mich psychisch in eine Situation gebracht, die viel Zeit zur Bewältigung vereinnahmt. Diese Leute beeinträchtigen meine Lebensführung, meinen Erfolg, meine Gesundheit für nichts und wieder nichts. Das ist meine soziale Situation und so etwas prägt unser Verhalten / Handeln, aber mein Ruf wird systematisch geschädigt und auf Abweichungen von der Norm aus persönlichen Charakteristika attributiert.

Ich garantiere Ihnen, dass ich nicht eine Person kenne, die in meiner Situation so eisern versucht hätte das Beste daraus zu machen und das viele gewalttätig oder suizidal geworden wären. Für diese taffe Leistung habe ich noch nicht ein Wort der Anerkennung von irgendwem erhalten.

Was ich damit sagen möchte ist, dass Verantwortungsübernahme in diesem meinigen Teil der Gesellschaft bestraft wurde und wenn das verallgemeinerbar ist, dann befindet sich unsere Gesellschaft in einer Entwicklungsdynamik des Zerfalls. So etwas führt zu Krieg und Leid.

Es geht hier nicht um Mitgefühl, ich möchte, dass Sie ihre Kinder erziehen, sich selbst reflektieren und einen sozialen Beitrag leisten und aufhören Anpassungsleistungen unreflektiert zur Norm zu erklären. In dieser Gesellschaft stimmt etwas nicht, auf der Beziehungsebene und was sie dadurch verlieren, ist das höchste Gut für ein soziales Wesen.

Leistungsgerechtigkeit

Gesellschaftlicher Wert unternehmerischer Leistung liegt in der Versorgung der Weltbevölkerung mit Gütern und der identitätsstiftenden Arbeit in einer Weltgemeinschaft. Reales Wirtschaftswachstum soll bedeuten, Versorgung mit weniger Zeitaufwand sicherzustellen und Kapazitäten freizusetzen. Deswegen sind Innovation und Arbeit die wesentlichen Beiträge.

Führung dient der Koordination, Motivation und Repräsentation. Führungskräfte sind aufgrund ihrer Verantwortung mit Kompetenzen ausgestattet. Kapitalgeber sollen für Konsumverzicht entschädigt werden und den Wert ihrer Leistung erhalten können (Geldwerterhaltung).

Die Entlohnung (zunehmend sortiert) entfällt auf Arbeiter, Innovatoren, Führungskräfte und Kapitalgeber, während die Leistung (zunehmend sortiert) durch Kapitalgeber, Führungskräfte, Arbeiter und Innovatoren erbracht wird. Es gibt im derzeit herschenden Kapitalismus ein Mismatch von Leistung und Einkommen: Unser Kapitalismus ist nicht leistungsgerecht.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein junger Wirtschaftsingenieur und spezialisiert auf Innovation nachhaltiger mechatronischer Produkte im Prozess wie in der vertikalen Organisation von Unternehmen, wie ich. Sie wurden und haben sich ausgebildet, um am zentralen Tätigkeitsfeld Deutschlands zu arbeiten. Damit Sie arbeiten können, brauchen Sie eine Einigung der Gesellschaft auf eine wirtschaftliche Vision, damit Sie richtig investieren können und die durch Diskurs erarbeitet werden sollte, und Sie brauchen gewisse Potentialfaktoren wie Software, Prototypenbau und Mitstreiter – also Kapital.

Wenn Sie ein Unternehmen gründen, haben Sie den Vorteil, dass Ihre Leistung, also immaterielle Güter, wie Patente, ihnen und den Eignern ihres Unternehmens gehören, während in abhängiger Arbeit ein Gehalt und eine Abfindung gegen ihr intellektuelles Kapital getauscht werden und dieses somit den Eignern zusteht. Kurz: Sie sind potentiell der Fortschritt dieser Gesellschaft, Sie ermöglichen Arbeitsplätze, aber andere verdienen mit, weil Sie ihnen Kapital zur Verfügung stellen. Das könnte grundsätzlich fair sein, aber Sie sind abhängig und vulnerabel, währen Kapitalgeber zahlreiche Optionen haben. Man wird Sie – das ist faktisch ein strukturelles Phänomen – ausbeuten. Man lässt Ihnen im Prinzip die Option besser gestellt zu sein, wenn Sie mitspielen, als wenn Sie nicht mitspielen.

In klassischen ökonomischen Modellen würden Sie also mitspielen, aber ich bin im Vertrauen in unser System groß geworden und mir wurden gesellschaftliche Werte vermittelt. Weiterhin handle ich menschlich-psychologisch und bin defakto demotiviert. Ihre ganze Investition in Sinn und höchsten wirtschaftlich-gesellschaftlichen Beitrag wird durch das System korrumpiert.

Verstehen Sie bitte, dass das abgefahren ist, das der “Motor” unserer Wirtschaft ausgebeutet wird. Das ist ähnlich, wie die abgefahrene Diskrepanz der Entlohnung sozialer Leistungen und Nahrungsmitteln gegenüber der Entlohnung von Komfortkonsumprodukten und Statusgütern. Nochmal: Unser Wirtschaftssystem ist nicht leistungsgerecht.

Ein nicht leistungsgerechtes Wirtschaftssystem hat – ähnlich wie der Sozialismus – eine Anreizproblematik. Während im Sozialismus Trittbrettfahren eintritt, tritt im Kapitalismus Machtsicherung ein. Sie verdienen in unserem System am meisten, wenn Sie Macht zugesichert bekommen. Ideologisch wird eben das durch Verantwortung und Leistungsgerechtigkeit begründet, aber faktisch wird Ausbeutung zur Normalität, wie Sie überall sehen können außer in der Meinungsbildung.

Unsere Kultur hat heere Werte, ist aber im tatsächlichen Verhalten in maßgeblichen Entscheidungssituationen opportunistisch bis soziopathisch. Einige Menschen wägen immerhin zwischen Egoismus und Beitrag ab. Zentrale Bereiche unserer Kultur werden immer kämpferischer, individualistischer, weniger moralisch und statusorientiert. Argumentationen weichen vermehrt Meinungsäußerungen, Grabenkämpfen und Interessensvertretungen – wofür bilden wir eigentlich die Experten aus?

Paradoxer Weise – hören Sie mal den Rapper Gzuz – werden Statussymbole, wie hochmotorisierte Großwagen, Cocain, Staatsrebellion, Selbstjustiz und Gewalt sowie transaktionsorientierte, unverbindliche Intimbeziehungen zu Erfolgskriterien (Hedonismus und Macht), während die Rahmenbedingungen auf denen unser individueller Wohlstand und Frieden historisch basiert, wie Umwelt, Gesundheit, Gesellschaftsvertrag, Beziehungen, Erziehung, Kultur, Vertrauen usw. faktisch nahelegen, dass eben diese “Erfolgskriterien” einen Sozialschmarotzer ausmachen. Es gibt bei mir eine direkte Korrelation zwischen sogenannten “Erfolgreichen”, die als Vobilder inszeniert werden, und negativem Affekt. Menschen, die Sie höchstwahrscheinlich toll finden, ekeln mich, machen mich traurig und machen mich wütend.

Jetzt ist nur mein Ansatz anders als der von Gzuz: Ich versuche durch Überzeugungstransferdialektik eine Rückbesinnung auf Werte und Diskurs zu bewirken und Lösungen für uns alle zu erarbeiten, während Gzuz – seinen Inhalten nach – einen Machtbereich sichert und mit seinen Freunden im Kampf gegen den Rest der Welt steht. Ich stehe damit in der Tradition der Menschen, die unsere Gesellschaft aufgebaut haben und Gzuz in der Tradition der Oligarchen.

Mir geht es nicht um Gzuz – den ich gerne höre um abzuschalten und Energie freizusetzen – sondern um die Demonstration, dass die Menschen, die wir als erfolgreich definieren, eher im Gzuz-Bereich unterwegs sind als in der Tradition der Staatsmänner. Dieses Problem ist fundamental im Kapitalismus, wie er derzeit global gestaltet ist und führt dazu, dass unsere Gesellschaften auf der Beziehungsebene stark eingeschränkt sind. Wir kratzen in der Maslow´schen Bedürfnispyramide an der Sicherheitsebene – unkooperativ.

Verstehen Sie mich nicht falsch, aber wenn die Machthaber, die man Verantwortungsträger nennen sollte, nicht arbeiten, sondern auf Stimmungen reagieren und größenwahnsinnige nationalistische Gemüter bedienen. Wenn sie nicht argumentieren, wenn sie nicht unabhängig sind und man von ihnen opportunistisches / soziopathisches Verhalten erwartet, sodass globale Vereinbarungen unmöglich sein dürften, um ein paar Beispiele zu nennen, dann setzen sich diese Menschen über ihre Legitimation hinweg. Das nennt man Schande.

Wenn Führungskräfte im Wesentlichen vordergründig Public Relations betreiben und hintergründig Machtspiele spielen, immer mitlaufen, wenn eine Gesetzeslücke im Wettbewerb ausgenutzt werden kann und sich auf Systemrelevanz ausruhen, anstatt mal zu begreifen, was das eigentlich für eine Verantwortung bedeutet, dann begibt sich kein Mensch, der verfassungsgemäß Wert auf seine Würde legt, in abhängige Arbeit ihnen gegenüber. Das ist Antiführung. Die vernünftigsten Leute arbeiten schlicht und ergreifend nicht im kapitalistischen Teil unserer Gesellschaft, denn da findet Demotivation statt (Adverse Selection).

Wenn Investoren ihre Risiko-Ertrags-Position optimieren, anstatt in Wert zu investieren, stellt sich die Frage, wie ungebildet und realitätsfern diese Leute sind? Positive Assoziationen zu Produkten sind einfacher zu kreieren als faktische Überzeugungen einen Wert gekauft zu haben – Konsumenten sind psychologisch, nicht logisch erreicht worden, mithin bildet Geld wenig faktischen Wert ab. Menschen wie ich greifen durch abgefahren langwierige Überzeugungsarbeit diese Manipulationen auf und korrigieren in Sissifusarbeit den Unfug der in die Welt gesetzt wird – Investoren produzieren soziale Kosten und unsere Arbeit wird immer schwieriger, weil die Leute abstumpfen und immer weniger Handlungsspielraum haben.

Maßnahmenbündel für Leistungsgerechtigkeit

Die erste Maßnahme – und die erfordert nun mal internationale Kooperation – ist die Renditen auf investive Kapitalanlagen zu beschränken. Das ist ein grundlegender Fehler des Kapitalismus, dass die Verhandlungsmacht vermögender Familien (In Realität Erbe, nicht Leistung) ein Drucksystem der Ausbeutung ermöglicht und unsere erbärmliche Kultur das auch noch als “cool” bezeichnet, in solchen Strukturen erfolgreich zu sein. Zu dieser Maßnahme habe ich einen Artikel geschrieben: Nachhaltiger Kapitalmarkt.

Die zweite Maßnahme ist es, die Einkommensverteilung auf die Arbeiter und Führungskräfte in ein Verhältnis zu setzen, welches die Verantwortung und Produktivität wiederspiegelt. Und hier – es tut mir leid – sind nicht die Führungskräfte, sondern die Innovatoren verantwortlich für den Erfolg der Unternehmen. Führungskräfte sind faktisch normale Arbeiter, die eine Koordinationsleistung und Motivationsleistung erbringen sollten. Und Erfinder vermeiden es in abhängiger Arbeit zu arbeiten, weil sie dort intellektuell “enteignet” werden, genau wie im wissenschaftlichen Betrieb. Die Innovatoren, die den Erfolg ihres Unternehmens bedingt haben, bedingen auch ihr Vermögen, mit dem sie die Innovationen aufkaufen und in ihr Unternehmen integrieren. Im Übrigen ist die zentrale Leistung des Top-Managements die Koordination (inkl. Strategie), Motivation und Repräsentation des Unternehmens und hier sehe ich kaum Strategien die ihren Namen verdienen, Drucksysteme und ungelebte Werte – was den Verfall unserer Kultur mitbedingt.

Deswegen wäre es angemessen, wenn Unternehmen, die von einer Erfindung gebrauch machen – auch außerhalb ihres Unternehmens – verpflichtet wären eine Gewinnrate an den Erfinder abzutreten, sodass dieser an der Wertschöpfung seiner Erfindung in allen Märkten beteiligt ist. Das wäre die dritte Maßnahme. Niemand hat etwas gegen reiche Leute, die bahnbrechendes geleistet haben. Wir sind eine Maschinenbauernation und ich kenne nicht einen Erfinder außer in der Wissenschaft – solche Leute sind Vorbilder.

Die vierte Maßnahme ist die Demokratisierung der Führungsbestellung. Es ist schlichtweg falsch, zu behaupten die Eigner würden das Geschäft alleinig ermöglichen. Das Geschäft ermöglichen Erfinder, Arbeiter und das Kapital, womit sie Stakeholder sind, die ein durchsetzbares Mitspracherecht bezüglich der Verwendung ihrer Lebenszeit haben sollten. Das geht soweit, dass man argumentieren könnte, das Erfinder geschäfte verbieten können sollten, wie z. B. im Falle der Atombombe.

Verteilungsgerechtigkeit

Benachteiligte Menschen sind, abgesehen von manchen öffentlichen Gütern, nicht am Wohlstand der Gesellschaften beteiligt. Deutschland zählt mit seinem Sozialsystem zur oberen Klasse, aber es ist an Existenzsicherung orientiert, nicht an Wohlstand. Soziale Sicherung orientiert sich an Güterkörben und verhält sich im Bestfall proportional zu deren Preisentwicklung. Benachteiligte Menschen konsumieren existenznotwendiges zum günstigsten Preis seit Dekaden – es gibt für sie kaum Wirtschaftswachstum und kaum technologischen Fortschritt. Sie werden am Kacken gehalten und es reicht meist nicht für soziale Begegnungen in z. B. Kaffees. Deswegen sind sie wirtschaftlich entmündigte Randgruppen der Gesellschaft, die man selten kennenlernt.

Während die meisten arbeitstätigen Menschen sich immer mehr Wohlstand durch ihre Arbeit leisten können – dank der unterbezahlten Innovatoren -, sinkt die prozentuale Abgabe an benachteiligte Menschen. Während heutzutage viele Menschen um Statussymbole konkurrieren und Plunder ansammeln, leben benachteiligte Menschen vom Mindesten. Ihnen sind höchstwahrscheinlich Statussymbole wichtiger als Mitmenschlichkeit und wie abgefahren das ist werden Sie vermutlich erst verstehen, wenn Sie aufgrund gesundheitlicher Probleme auf der anderen Seite stehen. Sie können sich versichern, diese Leute konnten das meistens nicht – Glück für Sie.

Ich meine das sehr ernst, wenn ich sage, dass der durchschnittliche Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger viel mehr Verantwortung im Konsum übernimmt als der durchschnittliche Arbeitstätige. Und mal ganz direkt: Erklären Sie mal einer solchen Person, welchen Mehrwert ein SUV hat und lassen Sie sich mal erklären, was für so eine Person eine Innovation darstellt.

Bisher habe ich nicht aus wirtschaftlicher Perspektive argumentiert, aber das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Der Wohlstand der Benachteiligten ist an Güterkörbe gekoppelt und definiert damit deren Verhandlungsposition gegenüber Arbeitgebern. Das führt – ohne Mindestlohn – dazu, dass der Niedriglohnsektor ebenfalls an Güterkörbe gekoppelt ist. Die “lustigen” realen Lohnentwicklungen im Niedriglohnsektor sind so stagnant, während die übrigen Löhne bei konstanter Anzahl und Verteilung erwerbstätiger Personen mit dem realen Wachstum des BIP wachsen. So entsteht eine kontinuierlich zunehmende Einkommensschere, die nur überwunden werden kann, wenn die Verhandlungsposition z. B. durch Gewerkschaften oder durch Qualifizierung verbessert wird.

Der Ansatz zur Lösung ist aber ein Mindestlohn, der am Wachstum des BIP wohl beteiligt sein soll. Dies ist eine Segmentierung in arbeitsfähige und nicht arbeitsfähige benachteiligte Menschen, die einen erheblichen Unterschied im Wohlstand bedeutet. Die Verhandlungsmacht arbeitsfähiger benachteiligter Menschen wurde gesetzlich im Preis erhöht.

Insbesondere langfristig entsteht so ein Inflationsdruck proportional zum Wachstum des Mindestlohns, der insbesondere die Preise von einfachen Dienstleistungen erhöht. Diese Dienstleistungen werden dann im Güterkorb der Benachteiligten im Bestfall angepasst. Da aber diese Arbeiter zum Großteil selbst die Produkte konsumieren müssen, die sie produzieren ergibt sich langfristig wieder ein real stagnantes Einkommen, es sei denn es kommt in diesem Bereich zu technologischem Fortschritt – also z. B. in Kaffees, Restaurants, bei Friseuren, Bäckereien, Supermärkten, Fabriken, in der Landwirtschaft usw. . Hier ist aber häufig Substitution des Menschen im Potential zu erwarten oder wenig technologischer Fortschritt. Damit sinkt langfristig die Beschäftigung und es wird Qualifizierung notwendig. Womit wir wieder beim Anfang sind.

Was ich sagen möchte ist, dass das Problem vor allem darin liegt, dass international keine Einigung errungen wird, benachteiligte Menschen an das Wohlstandswachstum zu koppeln. Wir sprechen von “Entwertung” einfacher Arbeit durch Fortschritt – was es tatsächlich gibt -, wo defakto die wirtschaftliche Not der Bevölkerung von Nationen gegeneinander ausgespielt werden. Fehlt es an einer internationalen Vereinbarung, können Nationen nur bei nicht handelbaren Gütern, mithin der Binnenwirtschaft ein Wachstum mit dem Wohlstand ermöglichen. Und das bedeutet, dass Menschen an der Innovationskraft des Landes partizipieren. Das ist die Idee von Verteilungsgerechtigkeit, dass Menschen mit besonderen Chancen Menschen mit Benachteiligungen unter die Arme greifen, weil sie realisieren, dass sie Glück haben.

Was würde passieren, wenn benachteiligte Menschen proportional zum Wirtschaftswachstum finanziert werden? In Bezug auf Arbeit im Niedriglohnsektor kommt es zur gleichen Entwicklung, wie bei einem Mindestlohn: Außer in grundlegenden Bereichen der menschlichen Dienstleistung kommt es zum Beschäftigungsabbau und Qualifizierung ist erforderlich. Diese Qualifizierung führt langfristig jedoch wiederum zu einer Beschäftigung in einem Niedriglohnsektor, weil das durchschnittliche Qualifizierungsniveau steigt. Aber in Bezug auf benachteiligte Menschen findet zumindest keine Unterscheidung in arbeitsfähig und nicht arbeitsfähig statt und die sodann automatisierten Dienstleistungen werden günstiger im Vergleich zum Einkommen / zur Finanzierung. Das ist also reales Einkommenswachstum.

Also nochmal knapp zusammengefasst: Ein Mindestlohn führt zu Automatisierung, Beschäftigungsrückgang, realer Einkommensstagnation und Auseinanderdriften der Einkommensschere, während eine wachstumsproportionale Finanzierung Benachteiligter zu Automatisierung, Beschäftigungsrückgang, realem Einkommenswachstum und Reduktion der Einkommensschere führt. Belastet werden im letzteren Fall die begünstigten, wie das für Verteilungsgerechtigkeit so üblich ist. Ein überraschender Mindestlohn funktioniert nur beim ersten mal, dann kennen die Geschäftsleute das Ding.

Fazit

Ich könnte jetzt ein Fazit schreiben und alles nochmal zusammenfassen, aber es ist mir wichtiger folgendes zu schreiben: Wenn ein Wirtschaftsingenieur mit viel Druck in der Umgebung, anstatt ein heiden Geld durch Arbeiten zu verdienen und ein angenehmes Leben in Wohlstand zu leben, anfängt einen Blog über die zentralen Probleme unserer Gesellschaft zu schreiben, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Kacke am dampfen ist, als das Sie es mit einem Sozialist oder Idealist zu tun haben. Und wenn Sie meinen, dass sei mein persönliches Problem, dann unterschätzen Sie, dass ich anderes Wissen habe als Sie und diese intellektuelle Situation mir gebietet Sie anzusprechen – sie übersehen etwas.

Hier sind – verdammt noch mal – wirklich zentrale Fragen ungeklärt. Und wenn zentrale Fragen ungeklärt sind, dann setzt man sich auf den Allerwärtesten und überlegt, wie zu verfahren ist, anstatt einfach weiter zu machen wie zuvor. Und ich brauche nun mal wirklich Hilfe von Menschen die mitdenken. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie mal kapieren, dass das hier meine Profession ist, mein Kompetenzkreis, darin bin ich ausgebildet und dieser Fakt sollte Ihnen mal etwas Respekt abbringen, sich nicht sofort über mich zu stellen und mit Meinungen und Urteilen um sich zu werfen, sondern sich damit auseinanderzusetzen. In Bereichen, die nicht mein Kompetenzkreis sind, mache ich das auch, weil es Sinn ergibt und anders grob unhöflich wäre.

Wenn wir in dieser Gesellschaft nicht langsam mal anfangen Menschen zu erkennen und zu würdigen, die Verantwortung übernehmen, wird diese Gesellschaft noch weiter verfallen und das bedeutet ganz pragmatisch, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Ihre Nachkommen im Krieg elendig verrecken oder von korrupten unmenschlichen Systemen z. B. unterdrückt, gefoltert und / oder umgebracht werden.

Der Wohlstand in dem Sie leben, den verdanken Sie Generationen von Bildungsbürgern, Staatsmännern und – verdammt nochmal – Menschen die für ihre Rechte verreckt sind.

Während hier die meisten im Land von Statusgütern träumen, lebe ich in einer günstigen WG von Hartz IV, arbeite fast jeden Tag, auch am Wochenende, um Lösungen für uns und mich zu finden, schone die Umwelt so gut ich kann, gehe höflich und konstruktiv mit Mitmenschen um, solange es geht, lerne kontinuierlich und analysiere – verdammt nochmal – abgefahrene Verschwörungstheorien, um die wirklichen Probleme zu identifizieren und Leuten ihre Ängste zu nehmen und investiere alles, was irgendwie übrig bleibt in Fachliteratur. Weil ich Experte für Entscheidungsfindung bin, Entscheidungen beobachte und analysiere und zum Ergebnis komme, dass so gut wie kein Mensch in dieser Gesellschaft Verantwortung versteht und übernimmt.

Ich fühle mich von Ihnen hängen gelassen, und deswegen muss ich alleine Lösungen finden, diese präsentieren und – verdammt nochmal – am Besten in einer Form, die Ihnen ein angenehmes Leseerlebnis ermöglicht, damit ich in den Spiegel gucken kann ohne mich zu ekeln.

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Nachhaltiger Kapitalmarkt

Hinführung

Am Kapitalmarkt werden Waren, Schuldscheine, Anteile und Optionen sowie Devisen gehandelt. Schuldscheine berechtigen zu zukünftiger Auszahlung bis zu einem Ablaufdatum, Anteile berechtigen zur Mitbestimmung und Teilhabe an Ausschüttungen und Optionen berechtigen zum Kauf von Anteilen. Devisen sind Währungsgeschäfte.

Der Wert eines Wertpapiers (Kurs) ist grundsätzlich der Kapitalwert zukünftiger Auszahlungen:

(1)   \begin{equation*} Kurs = \sum \limits_{t=1}^{\infty} \frac{CF_{t}}{(1+r)^t} \end{equation*}

Dabei ist CF_{t} der Cashflow / Ausschüttungsbetrag in Periode t und r die Verzinsung einer risikolosen Anleihe.

Damit bezahlt man im Gleichgewicht den fairen Preis eines zukünftigen Zahlungsstroms, der es erlaubt sich an der Marktrendite zu beteiligen.

Diese Wertpapiere werden in einem Portfolio gehalten:

(2)   \begin{equation*} Depot = \sum \limits_{i=1}^{\infty} \frac{CF_{1,t} + CF_{2,t} + ... + CF_{n,t}}{(1+r)^t} \end{equation*}

Da der Cashflow unsicher ist, ist der erwartete Cashflow gemeint. Der erwartete Cashflow CF_{i,t} ist die Summe aller Szenarien S mit deren Ausschüttungen CF_{i,t,s} mal der Wahrscheinlichkeit des Eintritts p_{i,t,s}:

(3)   \begin{equation*} CF_{i,t} = \sum \limits_{s=1}^{S} (CF_{i,t,s}*p_{i,t,s}) \end{equation*}

Da die Risiken zwischen den einzelnen Wertpapieren miteinander korreliert sind, ist eine optimale Konfiguration des Depots eine Rendite-Sicherheits-Maximierung für ein gegebenes Budget. Zur Bestimmung der Risiken und Renditeerwartungen werden historische Daten und zukünftige Prognosen verarbeitet.

Aus Unternehmensperspektive gilt es die Renditesicherheit zu maximieren, um im Wettbewerb mit anderen Unternehmen günstig Eigenkapital aufzunehmen. Entsprechend des Zwangs zur Maximierung der Renditesicherheit ergibt sich eine Fluktuation an den dominanten Positionen eines Rendite-Risiko-Verhältnisses (effizienter Rand) für verschiedene Anlagefristen. Dieser Zwang führt dazu, dass Arbeit so günstig wie möglich einzukaufen ist.

Hierin liegt die Ursache für eine Elitenbildung vermögender Personen und der von Ihnen eingesetzten obersten Führung, die durch einfache Forderung und Erzeugung von impliziten Weisungen über das “Controlling”-System einen “Anspruch” auf Renditemaximierung erlangen, während die Leistung von den Arbeitnehmern erbracht wird. Sogar die Innovationen werden Vermögensbestandteil des Unternehmens, und damit der Eigner, während der Erfinder eine Abfindung erhält. Dies ist nicht leistungsgerecht.

Wie können fairere Verhältnisse geschaffen werden?

Insolvenzmarkierende Maximalrenditenkennlinie

Der eigentliche Sinn von Kapitalmarktgeschäften in Bezug auf Unternehmenseigner liegt darin, einen Anreiz zur Geldvergabe zu bieten. Dies bedeutet Geldwerterhaltung bei Inflation und Kompensation von Konsumverzicht. Eigentlich geht es sogar nur um die Glättung des Einkommens im Leben, sodass Geldwerterhaltung hinreichend wäre. Die derzeitigen Verhältnisse sind hingegen unmäßig und unfair.

Deswegen bräuchten wir eine globale Regulation, die eine Kennlinie festlegt, die eine angemessene erwartete Rendite festschreibt (Rendite-Risiko-Kennlinie). Angemessenheit liegt vor allem in der Geldwerterhaltung bei etwa 2 %iger Inflation in Europa eventuell mit einem Anreiz versehen. Diese Kennlinie hätte auch Einfluss auf die Fremdkapitalvergabe / Kreditzinsen.

Diese Kennlinie entspräche der Maximal- sowie Minimalrendite entsprechend einer Risikobeurteilung. Kann ein Unternehmen mehr Ausschütten, verbleiben Spielräume für die Arbeitsentlohnung und Investitionen, kann es mittelfristig weniger ausschütten, gilt das Unternehmen als Insolvent.

Eine derartige Regulation nimmt Unternehmen Druck und führt zur Risikoreduktion im Ernstfall – das läuft in Einklang mit einer Nachhaltigkeitsorientierung. Der Aktienkurs sollte durch die Veränderungen der Risiken bestimmt werden, was mit vernünftiger Anlage im Einklang steht. Dazu müsste die Ausschüttung proportional zum Aktienkurs sein.

Wenn der Kurs zu einem definierten Zeitpunkt die Einschätzung der Rendite für alle Szenarien wiederspiegelt und gesetzlich eine Rendite-Risiko-Kennlinie, also ein Ausschüttung bei einem bestimmten Risiko bestimmt ist, spiegelt der Kurs die Markteinschätzung des zukünftigen Risikos. Es kann aus dem Kurs bestimmt werden, welcher Ausschüttungsbetrag der Rendite-Risiko-Kennlinie auszuzahlen ist.

Fraglich ist jetzt, ob das zu Spekulation in normalen Transaktionen führen würde. Der Verkäufer ist motiviert den höchsten Verkaufserlös zu erzielen und der Käufer hat folgenden unsicheren Zahlungsstrom:

(4)   \begin{equation*} Kapitalwert = -Kaufpreis + \sum \limits_{t=1}^{T} \frac{CF_{Kurs, t}}{(1+r)^t} + Verkaufserloes_{T} \end{equation*}

Da der Kurs das Risiko misst und die Rendite durch das Risiko bestimmt wird, kommt es nur auf den Verkaufserlös an. Der Verkaufserlös ist der zukünftige Kurs in Periode T, nach der Haltedauer. Spekulation würde bedeuten, bewusst teuer einzukaufen, um eine höhere Risikobewertung zu erzielen, um damit eine höhere Ausschüttung zu erhalten und das Wertpapier dann zu veräußern. Das funktioniert solange das Unternehmen nicht insolvent geht – es würde in eine falsche Risikokategorie eingeordnet werden und der Renditedruck auf Unternehmen bliebe vergleichbar zur derzeitigen Situation.

Deswegen kann das Risiko für die Bemessung der Ausschüttungen nicht durch den Kurs bestimmt werden, sondern müsste von einer unabhängigen Behörde in einem standardisierten Verfahren durch Expertengutachten bestimmt werden.

Im Ergebnis bedeutet dann Kapitalanlage Konsumglättung unter Geldwerterhaltung, sofern ähnliche Regelungen für andere Rechtsformen von Unternehmen getroffen werden. Investitionsanreize gehen nicht verloren, sind sogar noch stärker, da die Arbeitnehmer direkt von ihrem Erfolg profitieren. Die Regulation ist auf nationaler Ebene nicht gut umsetzbar, da dann Renditen eines Landes im Vergleich zur übrigen Welt niedriger, wenn auch sicherer wären.

Fazit

Der derzeitige Kapitalmarkt für Anteilsscheine begünstigt eine Elitenbildung, die die breite Masse der Bevölkerung unterdrückt. Eine insolvenzmarkierende Maximalrenditenkennline proportional zum Wechselkurs würde Eigner fair entlohnen und z. B. eine Arbeitseinkommensmaximierung ermöglichen. Die Bestimmung der Risikoklasse erfordert Expertengutachten einer neu ins Leben gerufenen Behörde. Die entsprechende Regulation ist ein Thema internationaler Kooperation.

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