Freier Wille

Das Buch, Fühlen, Denken, Handeln von Gerhard Roth diskutiert eine Abwesenheit des freien Willens, weil neuronaler Zufall überhaupt nicht maßgeblich in der Gehirnverarbeitung wäre. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass wir einen (eingeschränkten) freien Willen besitzen und insbesondere das Spiel wichtig für jung und alt ist. Das möchte ich Ihnen in diesem Artikel begründen!

Verstärkung neuronaler Zufälle

Zur Argumentation von Gerhard Roth ist anzumerken, dass neuronale Schaltungen insbesondere durch rückläufige Nervenverbindungen wie Integralglieder in der Regelungstechnik wirken können. Integralglieder in der Regelungstechnik summieren einfach Signale auf. Damit kann insbesondere ein neuronales Netzwerk aus wenig Eingangsdaten eine Verstärkung hervorbringen. Fraglich ist aber, ob eine Nervenzelle neuronalen Zufall in Aktionspotentiale übersetzen kann? Dies ist theoretisch zu bejahen, insbesondere, wenn die Nervenzelle an einer kritischen Schwelle für Aktionspotentiale angeregt ist und dann Zufälle über Aktionspotentiale entscheiden. Zusammengenommen ist es also theoretisch denkbar, dass neuronale Zufälle verstärkt werden und bis hin zur Handlungsrelevanz gereichen. Aber die Diskussion ist eigentlich fehl am Platz, da es genug Zufälle für uns gibt, die wir nicht als deterministisch erfahren.

Zufälle und Monte-Carlo-Simulation

Um uns Menschen herum existieren genug Zufälle symbolischer Art, die es erlauben, uns zu inspirieren. Insbesondere können Zufälle genutzt werden, um Monte-Carlo-Simulationen hervorzubringen. Monte-Carlo-Simulationen nutzen zufällige Eingangssignale, die entsprechend einer Verarbeitungslogik (Funktional) verarbeitet werden und dann Ergebnisse produzieren, die man auf Eignungen entsprechend seiner Ziele hin untersuchen kann. Der Mensch hat zumindest einen freien Willen dadurch, dass er Szenarien simulieren kann und dann gegen sein subjektiv wünschenswertestes Szenario konvergiert. Damit können wir z. B. erklären, wie auf gleichartige Situationen doch verschiedene Handlungen entstehen: der Mensch hat einen zumindest eingeschränkten freien Willen!

Eigenschaften unseres freien Willens

Unser freier Wille ist psychologisch und nicht logisch! Insbesondere würde man logisch argumentieren, dass Zeitdruck eine wesentliche Beschränkung unseres freien Willens ist, was auch zu einem maßgeblichen Anteil (vgl. Straffähigkeit und Vorsatz) der Fall ist, aber psychologisch sind wir aktiver in der „Reflektion“ / Simulation, wenn wir emotional involviert sind oder Handlungsdruck verspüren (Vgl. Affect Infusion in Homburg und Krohmer: Marketingmanagement).

Damit ist unser freier Wille am performantesten in Bezug auf wichtige Angelegenheiten unter gebührlichem zeitlichen Druck! Insbesondere massiver Zeitdruck führt zu eher unüberlegtem Verhalten!

Freier Wille unter hohem Zeitdruck

Unter hohem Zeitdruck folgen wir unseren erstbesten Impulsen und sind als Menschen auch evolutionär entwickelt, um recht sinnvolle Handlungen zu realisieren, die unser Überleben und unsere Vermehrung sicherstellen! Aber wir können auch auf „Intuitionen“ zurückgreifen, die sich aus Vorbereitungen ergeben. Intuitionen entwickeln sich, wenn man Erfahrungen rund um ein Thema oder eine SItuation erlernt, wie z. B. bei einem Feuerwehrmann. Damit haben wir eine theoretische Option insbesondere vorbereitend zu simulieren, was auch viel durch z. B. Ängste geschieht. Insbesondere sind wir aber nicht in der Lage uns auf alles vorzubereiten aus Zeit- und Motivationsgründen, sondern es braucht eine Nähe zur Problemstellung: Menschen entwickeln sich eher mit ihren individuellen Aufgaben und Themen, als das sie eine Simulation aller Eventualitäten hervorbringen. Wir sind als Menschen kognitiv und vermutlich auch in einigen Emotionen (vgl. emotionale Konditionierung in Gerhard Roth: Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern).

Was tun, wenn man keine Lösung kennt?

Wenn wir Menschen einen Rat geben wollen oder selber nach Lösungen für ein Problem suchen und nicht wissen, was eine denkbare Lösung sein kann, dann haben wir die Option überhaupt wünschenswerte und weniger wünschenswerte Szenarien zu kreieren bzw. zu kommunizieren. Ein Mensch kann, wenn er Zeit hat und nicht weiter weiß über diverse versuche (zufällige) Szenarien zu bilden, versuchen gegen eine Entscheidung zu konvergieren. Hierbei ist insbesondere das, von vielen Erwachsenen vernachlässigte, Spielen von besonderer Bedeutung, da uns Vergegenwärtigungen mit Symboliken und auch das bloße Aufsuchen von anderen Orten (sei es auch fiktiv) sowie Phantasien helfen, auf neue Szenarien zu kommen: viele Innovationen entstehen bei Spaziergängen mit plötzlichen einfällen und Kinder sind im allgemeinen kreativer als Erwachsene. Wenn Sie die Lösung nicht kennen und auch keine Szenarien Ihnen einfallen, können sie überhaupt auf andere Aspekte hinweisen, wie Suchrichtungen, Abwechslungen oder einfach Inspirationen.

Fazit

Der Mensch hat einen (eingeschränkten) freien Willen und ist unter Berücksichtigung von insbesondere Vorsatz und Zeitdruck, aber auch Handlungsoptionen, straffähig! Stimulationen von Szenariobildung auch zufälliger Art können uns helfen profunderen Willen zu bilden! Es ist nicht erwartbar, dass wir alles vorbereitend simulieren und dann erinnern, sondern wir sind viel mehr kognitiv (und emotional) entwickelte Individuen! Mal rausgehen und spielen ist auch für Erwachsene empfehlenswert!

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Soziale Systeme

Ziel des sozialen Bezugs ist nicht nur blanke gegenseitige Versorgung, Beziehungssicherheit, wechselseitige Spiegelung und Harmonie, sondern auch selbstwirsame Zusammenarbeit zur wechselseitigen produktiven Entfaltung. Es geht um Liebe, Anerkennung und Respekt genauso wie um Resilienz in Wut, Trauer und Schmerz. Beziehungen sind intensiv wie das Wetter über weiten Landschaften.

Wir beginnen die Darstellung mit dem Innen und dessen Innenaußen, wenden uns dann der wechselseitigen Interaktion zu bis hin zu Beziehungsnetzwerken in denen wir der Komplexität mit Unvorausschaubarkeitsintention entgegentreten.

Innen und Innenaußen

Gehirne sind zutiefst emotional geprägt und in der Wahrnehmung reizoffen. Erst die Selbstregulation – die kognitive Emotionsregulation – und das Positive Denken knacken unser Bewusstsein aus den reaktiven inneren Zyklen (Vgl. Bewusstseinsreifung), sodass es sich ruhig mit dem wahrgenommenen Umfeld, dem Innenaußen beschäftigen kann. Unser Bezug zum Außen liegt in uns wie ein Vorgarten. Den genauen Aufbau der inneren Dominanz der Emotionen über die emotionale Konditionierung und Sozialisation hin zur Handlungsplanung in Verwebung mit Kognition und Wahrnehmung erläutert der erste Teil des Artikels Beziehungen. Ein würdevolles Leben zu führen, bedeutet in innerer und äußerer Ehre zu leben, wie der Ehrbare Kaufmann (Vgl. Corporate Social Responsibility).

Wechselseitige Interaktion

Schon die Wahrnehmung anderer ist ein hochgradig filigraner Dechiffrierungsprozess und ein aktives Zuhören und Kommunizieren ist eine höchst individualisierte Einstellungsleistung und braucht viel Übung, Wissen und Konzentration (Vgl. Wissensmanagement). Da die Handlungsantworten im Kontext unserer Unvorausschaubarkeitsintentionen komplex sind wie Billiardanstöße, erfordert es fast eine strategische Planung der eigenen Umgangsformen und Kommunikationsweisen um Wirksam in der Interaktion zu sein. Dieses heere Ziel erreicht man nicht ohne Analyse von Hebelwirkungen und entsprechendes selbstveränderndes Training (Vgl. Menschen groß machen).

Sollten Beziehungen doch zu Bruch gehen – meist durch Negativspiralen (Vgl. Beziehungen mittlerer Teil) – oder schwere Kriesen erfahren, müssen wir uns gegen Selbstverhätschelung und das Zurechtprimeln der Realität wappnen, denn ohne realistische Analyse von Beziehungsentscheidungen verlieren wir uns in Kartenhäusern aus Lügen bis unser Ruf gescheiterter Beziehungen uns isoliert und keiner mehr etwas mit uns zu tun haben möchte, oder aber wir Vertrauen erarbeiten und durch kontrafaktisches Schlussfolgern realistische Beziehungsentscheidungen und -Bewertungen entwickeln (Vgl. Kontrafaktisches Schlussfolgern und generalisiertes Vertrauen).

Beziehungsnetzwerke

Beziehungsnetzwerke sind komplizierte Kooperationen, die uns das Kooperationsmanagement zu führen lehrt (Vgl. Kooperationsmanagement). Insbesondere die Beziehung zwischen Individuen aus unterschiedlichen Netzwerken (Bridging) verinnerlicht die Konflikte der Netzwerke und macht die beteiligten Individuen zu Spielbällen ihrer Sozialisation (Vgl. Beziehungen letzter Teil). Konfliktlösung ist theoretisch ein Prozess des integrierens fremder Perspektiven in eine innere Kompromiss- oder Konsenslösung, aber in der Praxis gestaltet sich der Konfliktprozess eher wie ein Wegintegrieren der Perspektiven – wir stoßen sie ab und nehmen sie langsam doch auf (Vgl. Konfliktmanagement).

In Netzen bleibt uns – mit geschulter Kommunikationsstrategie – die stete Abwägung, wann wir uns durchsetzen und unsere egoistischen Ziele verfolgen und wann wir verzichten und empathische Ziele verfolgen (Vgl. zuvorders Situative Kompetenz und grundsätzlich zur Nutzenintegration Homo Ökonomikus). Diese – in Realität komplizierte Abwägung, die spontan zu entscheiden ist – lernen wir vor allem durch Erfahrung und deren Reflektion, sodass sich Intuition bildet.

Fazit

Man sollte sich bewusst gute Beispiele wählen, wenn es um soziale Interaktion geht und ehrgeizig an sich trainieren, geht es doch um gegenseitige Versorgung, Beziehungssicherheit, wechselseitige Spiegelung, Harmonie und selbstwirksame Zusammenarbeit zur wechselseitigen produktiven Entfaltung. Um Liebe, Anerkennung und Respekt genauso wie um Resilienz in Wut, Trauer und Schmerz.

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