Diskussion: Ökonomie der Ungleichheit

Chancen sind uns nicht allen gleichermaßen gegeben. Es sind nicht nur die genetischen und sozialisierenden Faktoren, sondern auch ökonomische, die unsere Chancen unterschiedlich gestalten. Hohe Ausbildung ist heute kein Garant mehr, einen Job zu haben, der nicht der Digitalisierung anheim fällt und im Kontext zukünftiger elektronischer Bauteile, die Nervenschichten nachbauen, stellt sich die Frage, wie lange der implantatfreie Mensch überhaupt noch in Arbeit integriert werden kann. Ökonomische Ungleichheit kann auf Verwendungsunterschieden, wie bei Arbeit und Kapital, aber auch auf Marktversagen basieren, wie in intertemporalen Märkten / Kreditmärkten.

Arbeit und Kapital

Nach Thomas Piketty: Ökonomie der Ungleichheit, gibt es zwei Gründe für einen Transfer von Kapital zu Arbeit. Zum einen Ungerechtigkeit und zum anderen Marktversagen (Reproduktion von Einkommensunterscheiden durch Kapitalmarktineffizienz). Die Idee der Ungerechtigkeitsbeseitigung formuliert er wie folgt:

Wenn Ungleichheit zumindest teilweise Faktoren geschuldet ist, für die man den Einzelnen nicht verantwortlich machen kann, da sie seinem Einfluss entzogen sind, wie etwa das Startkapital, das er seiner Herkunft oder glücklichen Umständen verdankt, dann ist es gerecht, wenn der Staat die Chancen und Lebensumstände der Benachteiligten, also derjenigen zu verbessern sucht, die mit besonders misslichen unbeeinflussbaren Faktoren zu kämpfen haben. – S. 8.

Moderne Theorien sozialer Gerechtigkeit bringen diesen Gedanken in Form des Maximin-Prinzips zum Ausdruck:

Eine gerechte Gesellschaft muss die Minimalbedingungen und Chancen maximieren, die das Sozialsystem dem Einzelnen bietet. – S. 8.

Es kommt im Kontext der Einkommensunterschiede basierend auf Kapital- oder Arbeitsherkunft insbesondere auf die Substitutionselastizität von Kapital und Arbeit an, die für gewöhnlich nahe eins liegt (0,7 bis 1,1 nach Hammermesh [1986, 1993]), sodass Veränderungen der Arbeitslöhne zu Veränderungen des Arbeitseinsatzes führen. Deswegen wäre das richtige Instrument eine fiskalische Umverteilung durch Besteuerung proportional zum Kapitalstock eines Unternehmens bzw. des Kapitaleinkommens, welches an die Arbeit ausgezahlt wird.

In der Höhe der Besteuerung liegt zwar grundsätzlich eine niedrige Elastizität des Kapitalangebots vor, aber international herrscht Steuerwettbewerb, um Unternehmen anzulocken und zu binden, sodass die nationale Elastizität des Kapitals beträchtlich ist. Deswegen braucht es einen Fiskalföderalismus auf internationaler Ebene, um den Wettbewerb zu harmonisieren, sodass eine weitreichende Umverteilung erfolgen kann.

Ebenfalls relevant ist die zeitliche Frist. Kurz- und mittelfristig können Belastungen proportional zum Lohn Arbeitgeber belasten, während langfristig der Lohn sinkt und die Arbeit die Steuer bezahlt. Genauso kann eine fiskalische oder lohnbezogene Umverteilung kurzfristig Wirkung entfalten, während Wirtschaftswachstum eher langfristig den Wohlstand steigert.

Diskussion

Das Proplem der Ungerechtigkeit zwischen Arbeit und Kapital lässt sich nur international als Überwachungsbedürftige Norm regulieren, da es der Dynamik des Steuerwettbewerbs unterliegt. Der mir bekannte Lösungsraum kennt die sogenannte Flat Tax die Piketty vorschlägt und mein Konzept der Insolvenzmarkierenden Soll-Rendite-Kennlinie (vgl. Nachhaltiger Kapitalmarkt).

Die Flat Tax ist ein einfaches Mittel, um international für Gerechtigkeit zu sorgen. Sie ist insbesondere indifferent gegenüber unterschiedlichen Sektoren und belastet somit Kapitaleinkünfte gleich und relativ, sodass keine Auswirkungen auf Sektoren oder Geschäfte naheliegen.

Meine Soll-Rendite-Kennlinie ist demgegenüber ein bürokratisches Monster, das versucht Kapitalmarktentscheidungen indifferent zu machen, sodass Ersparnis in jedwedes subjektiv erwünschtes Produkt unabhängig von der Rendite fließen kann. So sollen besonders wünschenswerte Geschäfte finanziert werden, die die Mindest- und Maximalrendite (mittlere Sollrendite) abwerfen können. Allerdings wird Kapital ungleich günstiger und kapitalintensive Sektoren werden bevorzugt, mithin die Industrie gegenüber der Dienstleistung. Weiterhin bleiben die Investitionsanreize erhalten, betreffen aber unmittelbar die innere Unternehmensrefinanzierung und die Arbeitsentlohnung, während das Kapital – dem Sinn entsprechend – fair abgegolten wird. Die Bürokratie könnte eventuell im Sinne einer Wirtschaftsprüfung marktwirtschaftlich gestaltet werden uns so qualifizierte Arbeitsplätze schaffen.

Ungleichheit der Arbeitseinkommen

Die zentrale Theorie um die Ungleichverteilung von Arbeitsentlohnung ist die Theorie vom Humankapital: Durch Bildungsinvestitionen erzielen Bildungsbürger eine Rendite, die den subjektiven Aufwand des Bildungsprozesses rechtfertigt. Ist der Aufwand zu hoch oder die Bildungsrendite zu unsicher oder gering, unterbleibt häufig die Bildungsinvestition, während sie andernfalls anreizkompatibel ist. Diesem Modell liegt ein rational denkender und vorausschauend vorgehender Mensch zugrunde, aber Individuuen werden häufig in Normgefügen sozialisiert, die genau solche Optimierungsmodelle zum Ursprung haben – sie haben sich bewährt.

Piketty unterscheidet nun eine reine Umverteilung von einer effizienten Umverteilung, die direkt in die Bildung von Humankapital eingreift.

Jüngere Ungleichheit läßt sich als Nachfrage nach Talent und hoher Qualifikation interpretieren, während die einfachen Tätigkeiten zunehmend weniger Nachfrage haben, weil sich mit den neuen Technologien Talent und Qualifikation besonders produktiv integrieren kann (Skill-biased technological change). Dies führt zu erheblichen Meßproblemen, da die Inhomogenität homogener Messgruppen enorme Auswirkungen in der Lohnungleichheit hat. Zum häufig angeführten Thema Globalisierung als Ursache für Ungleichheit anzuführen sagt Piketty:

Auf dem gegenwärtigen Kenntnisstand sieht alles danach aus, dass der Anstieg der Lohnungleichheit in einem Strukturwandel der Produktion in den entwickelten Ländern wurzelt und es zu einer ähnlichen Entwicklung auch dann gekommen wäre, wenn es sich bei diesen Ländern um abgeschottete Wirtschaften gehandelt hätte, die keinen Handel mit dem Rest der Welt treiben. – S. 85.

Wieder ist die fiskalische Umverteilung z. B. Mindest – und Höchstlöhnen überlegen, sobald es eine hohe Substitutionselastizität zwischen Humankapitalniveaus gibt, denn sie erlaubt es die allokative Funktion des Preissystems nicht zu beeinträchtigen und dennoch Einkommen der Arbeiter umzuverteilen. Besonders wichtig ist also die Steuerprogression insgesammt über Transfers und Steuern, die am einfachsten über ein bedingungsloses Grundeinkommen realisiert werden kann. Die Substitutionselastizität ist höher als die von Kapital und Arbeit und Piketty resümiert:

Es ist leichter, einen gering qualifizierten Arbeiter durch eine Maschine oder einen qualifizierten Arbeiter zu ersetzen, als auf qualifizierte Arbeiter zu verzichten. – S. 86 f. .

Die nächste Frage betrifft dann die Wurzel des Themas, also das Humankapital selber auf hohem Niveau zu homogenisieren. Ein Problem ist dabei, das gerade die Ungleichheit der Einkommensniveaus die Bildungsrendite definiert, und somit Umverteilung Bildung von Humankapital konterkarriert, aber Bildung erfolgt eher Normbegleitet, als das vorwiegend junge Leute tatsächlich die Bildungsinvestition antizipierend durchkalkulieren. Deswegen sagt Piketty:

Die allgemeine Schulpflicht ist zweifellos die wichtigste aller Umverteilungsmaßnahmen. – S. 91.

Weiterhin kann man gegen die freien Marktkräfte der Humankapitalbildung einwenden, das der intertemporale Markt nur selten arme Haushalte mit hohem Bildungspotential finanziert, da die Absicherung des Geschäfts ja über Vermögenspfand erfolgt. Diese Ineffizienz rechtfertigt eine Politik, die entschlossen für finanzielle Unterstützung von Studierenden aus bescheidenen Verhältnissen eintritt.

Gegen eine entusiastische Bildungspolititk sprechen aber sozialisierende Faktoren – faktisch ist die intergenerationale Bildungsmobilität wie die intergenerationale Einkommensmobilität gering und die Bildungs- und Einkommensverhältnisse reproduzieren sich über die Generationen hinweg unabhängig von finanzieller Unterstützung. Jüngere Studien zeigen jedoch, dass die Sozialstruktur der Schülerschaft des Wohnviertels sehr viel ausschlaggebender sind, als Bildungsausgaben. Ziel der Politik ist dann Schichten in Bildungsinstitutionen per Verteilungsschlüssel zu durchmischen, was in der Praxis als extreme Politik aufgefasst und nur wenig wirksam umgesetzt wird.

Weiterhin gibt es eine Theorie der Arbeitsmarktdiskriminierung, die für alle erkennbaren Gruppen gegenüber denen Vorurteile bestehen anwendbar ist. Sie besagt, dass Vorurteile geringere Chancen zu haben Humankapital zu erwerben zusammen mit Einstellungsindikatorik (gegenüber einer Feststellung der Qualifikation) es rational erscheinen lassen zu diskriminieren, während dadurch die Bildungsinvestitionen von diskriminierten ungünstig verändert werden und das Vorurteil sich bestätigt (Sich-Selbst-Erfüllende Prophezeihung). Piketty Resümiert:

Es handelt sich also um eine zutiefst unwirtschaftliche, nutzlose Ungleichheit. – S. 98.

Regulierung dieser Ungleichheit bedeutet Nachweis der Einstellungs- und Beförderungskriterien oder Quoten zu etablieren, sodass die Vorurteile und Entmutigung abgebaut werden können. Man spricht von affirmative action. Eine Quote ist jedoch nicht unkritisch, denn sie kann als Zwang attribuiert werden und so die Vorurteile noch verstärken.

Letztlich gibt es dann noch die soziale Erzeugung von Lohnungleichheit. Z. B. durch Gewerkschaften, die bei Erfolg dazu führen, dass Unternehmen mehr Kapital und mehr qualifizierte Arbeit einsetzen, weil Gewerkschaftsmonopole die Löhne und Lohnhierarchie monopolistisch setzen, was zu Beschäftigungsrückgang führt. Gewerkschaften zu beschränken ergibt jedoch nur dann Sinn, wenn eine fiskalische Umverteilung in geeigneter Höhe an ihre Stelle tritt. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Wirkung von Branchenlöhnen auf die Humankapitalbildung, da Unternehmer so in ihre Arbeit investieren können, ohne das sie abwandert und Arbeitnehmer nicht enteignet werden, wenn sie unternehmensspezifische Bildungsinvestitionen tätigen, die in anderen Unternehmen keinen nutzen haben. Dies spricht also nicht nur für Gewerkschaften, sondern auch für regulatorische Lohnfestsetzung engegen der freien Marktkräfte.

Weiterhin können Arbeitgeber über Monopsonmacht verfügen und weniger Leute für weniger Geld einstellen, als auf einem Konkurrenzmarkt. In solchen Fällen kann z. B. ein Mindestlohn zu mehr Beschäftigung führen, während eine fiskalische Umverteilung zu Lohnreduktion führen würde. Zu einem Monopson kommt es:

(i)mmer dann, wenn es unternehmensspezifisches Humankapital gibt und Arbeitnehmer darum mehr oder weniger gezwungen sind, ihre Arbeit einem einzigen Arbeitgeber anzubieten. – S. 108.

Aber Monopsone scheinen nicht die Erklärung für Ungleichheit zu sein, Arbeitnehmer werden eher eng umkämpft. Eine Verschwörungstheorie eines Arbeitgeberkartells scheint instabil genug zu sein, um falsifiziert werden zu können. Es gibt auch Arbeitgeber, die Effizienzlöhne zahlen, also höhere Löhne als marktgängig, um Mitarbeiter zu binden und zu motivieren, anstatt sie zu kontrollieren, aber diese Effizienzlöhne führen in der Gesamtschau zu Beschäftigungsrückgang.

Diskussion

Zunächst ist Marktversagen geeignet auszuregulieren und zu erheben, was auch Bindung an makroökonomische Daten für Gewerkschaften bedeuten kann, feste Löhne für Monopsone und Quoten gegen jedwede Diskriminierung. Letzteres kann z. B. bedeuten, dass Qualifikationsnachweise im Sinne von umfänglichen Assessment Centern als öffentliches Gut angeboten werden und Unternehmen dann aus Qualifikationspools per Zufallentscheidung Kandidaten präsentiert bekommen (dies führt zu repräsentativen Verteilungen im Sinne einer natürlichen Quote), während das Lohnband einer Vorabbandbreite entsprechen muss.

Im Bezug auf die reine Umverteilung erscheint mir ein bedingungsloses Grundeinkommen / eine negative Einkommenssteuer degressiv mit dem Lohnanastieg besonders nützlich, wobei eine Existenzsicherung und weitere Sachleistungen ebenfalls vernünftig erscheinen. Damit ist gemeint, dass eine vernünftige Existenzsicherung ausgezahlt wird, was z. B. bedeutet soziale Teilhabe wie Mobilität und Besuch von Cafés sowie IT-Geräte und Internet ebenfalls zu berücksichtigen, während die wohlstandsproportionale Leistung des bedingungslosen Grundeinkommens in Form von Sachleistungen wie Bildung, Assessment Centern, Vermittlungsberatung und Therapie / Kur “ausgezahlt” wird.

Besonders wichtig ist mir persönlich die Motivation im Bildungssystem zu fördern und dazu habe ich einen Vorschlag zum Bildungswesen reflektiert, der freude und öffentliche Güter bei Kostenersparnis und Digitalisierung ermöglichen soll: Jigsaw-Bildungswesen. Und auch die konstruktiven Erwägungen zur Arbeitsvermittlung zu Berücksichtigen (Vgl. Arbeitsvermittlung 4.0). Weiterhin sollte jedwede Regulation im Europäischen Währungsraum harmonisiert bzw. abgestimmt werden.

Fazit

Das Buch von Thomas Piketty (2020): Ökonomie der Ungleichheit ist besonders wertvoll für Themen der Ungleichheit zu lesen, die hier nur knapp dargestellt werden können. Es zeigt sich sachlich unvoreingenommen und bildet so auch zu hitzig ideologisch umkämpften Bereichen wie dem Arbeits-Kapital-Konflikt.

Der Lösungsraum internationaler Politik im finanziellen Arbeits-Kapital-Konflikt umfasst meiner derzeitigen Kenntnis nach die Flat Tax und die Soll-Rendite-Kennlinie mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften, die öffentlich zu dikutieren wären – ich freue mich auf Ihre Kommentare.

In der Lohnungleichheit sollte Marktversagen geeignet, wie geschildert, überprüft und reguliert werden, während eine reine Umverteilung insbesondere den Nidriglohnsektor subventionieren sollte, während eine Mischung aus lockererer Existenzsicherung und nützlichen Sachleistungen mein Gerechtigkeitsgefühl besonders anspricht. Dabei sollte das Bildungswesen motivationsförderlich und die arbeitsvermittlung humanzetriert, professionell und serviceorientiert erfolgen.

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Jigsaw-Bildungswesen

Wie sieht ein modernes Bildungswesen aus? Als Wirtschaftsingenieur, der das Bildungswesen durchlaufen hat, möchte ich konstruktives Feedback geben, obwohl ich kein Experte für Erziehungswissenschaften bin. Das Jigsaw-Bildungswesen mit Projektdatenbank und Expertenvernetzung ist entstanden, als ich versuchte mein Wissen zu nutzen, um ein Bildungswesen für Entwicklungsländer zu gestalten.

Zunächst folgt eine Einstimmung mit Darlegung zentraler Probleme des derzeitigen Bildungswesens. Dann folgt eine Definition von Zielkriterien für Bildungswesen und anschließend die Darlegung des Jigsaw-Bildungswesens. Der Artikel schließt mit einem Fazit.

Einstimmung

Leidensfähigkeit und Erfolgserlebnisse

Schüler zu sein ist – wenn es um Unterricht und Lernen geht – grau. Befriedigung entsteht durch positive soziale Interaktion und Erkenntnis. Die zentrale Frage der Erkenntnis ist wohl: “Was bedeutet das?”. Schüler und Studenten lernen durch Erklärung in Frontalunterricht und Vorlesungen inklusive Diskussion, Übung vorwiegend in Hausaufgaben und Übungen sowie seltener in Gruppenarbeiten und Präsentationen sowie durch Wiederholung als direkte Prüfungsvorbereitung.

Kurz: In der Schule findet noch soziale Interaktion mit dem Lehrer statt, aber das Wesentliche ist Verhaltensdisziplin / Anpassung, Zuhören und Fleiß. So kommen Erfolgsfaktorenuntersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Fähigkeit zur Aufschiebung von Belohnungen maßgeblich für den Bildungserfolg ist – das ist Leidensfähigkeit.

Was zu fehlen scheint sind Erfolgserlebnisse, Errichtung sinnvoller Dinge mit Bedeutung, intensive soziale Interaktion, Bezug zu den Lehrinhalten als sinnvoll, individuelle Förderung und Raum für die eigene Persönlichkeit und Flexibilität in einer schöpferischen Form, die als modern gelten kann.

Bildungswesen – eine hierarchische Institution

Das Bildungswesen ist eine Matrixorganisation gegenüber dem Lehrer und hierarchisch gegenüber dem Schüler. Lehrer sind disziplinarisch der Schulleitung unterstellt und fachlich dem Kultusministerium. Unterrichtsvorbereitung ist zwar theoretisch frei, aber durch Ausbildung vorstrukturiert. Deswegen ist das Bildungswesen eine höchst hierarchische Institution mit wenig Freiräumen für Lehrer und Schüler. Lernen erfolgt aber grundsätzlich spielerisch durch Neugierde und Ausprobieren und Spiele sind nun mal hochgradig flexibel.

Ich z. B. habe stets Konflikte mit (unfairer) Autorität gehabt und wurde dafür massiv bestraft (in Noten und disziplinarisch), konnte mich mit Fleißarbeit nie identifizieren, sodass ich meine Zeit abgesessen habe und Hausaufgaben ad-hoc erzeugt habe oder wegen ungehorsam bestraft wurde und habe mich meiner Neugierde hingegeben, um Projekte zu kreieren, um den Lernstoff mal anzuwenden. Konsequenz – das möchte ich nicht verbergen – ist, dass Sprachen mir schwer fallen, weil Sie viel Übung brauchen.

Meine Emotionen als Schüler

Als Schüler war ich wütend wegen Unfairness und Sinnverlust. Häufig fragte ich mich: “Was soll das?”, und: “Was bedeutet das?”. In Bezug auf Lernstoff konnte ich irgendwann meist Antworten finden, während ich in Bezug auf (illegitime) Autoritäten meist Groll empfinde.

Selbst nach jahrelangem kontrafaktischem Schlussfolgern komme ich häufig zum Ergebnis, dass Inkompetenz in Konfliktlösung (vgl. Konfliktmanagement), mangelnde Lösungsorientierung und Machtmissbrauch im Vordergrund standen. Das hat einer meiner ehemaligen Klassen enormen Schaden zugefügt – persönlich, kulturell sowie vom Bildungsabschluss her. Lehrer kämpften als unreife Geschöpfe gegen Kinder, anstatt sie weise zu leiten und aufzubauen. Kampf ist ein typisches Reaktionsmuster in Konflikten, aber ein Kampf in einem hierarchischen System ist nun mal Unterdrückung. Das vermittelt Kindern wenig Wert zu sein.

So spielt auch Angst eine hohe Rolle. Viele Schüler – die das System “verstanden” haben – passen sich an autokratische Lehrer an, weil sie nicht den Mut haben für ihre Werte einzustehen. Solche integeren Leute, die für ihre Werte einstehen, werden im übrigen Rebellen genannt. Machen Rebellen – mangels emotionaler Kompetenz – Fehler werden sie schnell der Schule verwiesen. Der fundamentale Attributionsfehler der Sozialpsychologie legt nahe, dass “Rebellen” sich nicht durch Persönlichkeit, sondern durch ihre Situation bedingt, zur wehr setzen.

Mein Interesse, eine weitere Emotion galt immer der Frage der Nützlichkeit von Wissen, also abstrakt: “Was bedeutet das?”, und konkret: “Was kann ich mit dem Wissen anfangen bzw. aufbauen?”. Das Abliefern von Prüfungsleistungen und eine anschließende Bewertung durch den Lehrer mit einer Kennzeichnung aller Fehler hingegen, hat mich irgendwie nicht wirklich weitergebracht oder nachhaltig erfreut.

Früher fande ich es traurig, so wenig Autonomie zu haben und heute finde ich es traurig, wie unreif Großteile der Bevölkerung sind. Wesentliche soziale Kompetenzen und sogar ein Grundverständnis über die Bedeutungen und Fallstricke des psychischen Erlebens werden kaum vermittelt bzw. trainiert. Einige dieser Aspekte habe ich selbst erarbeitet und zusammengestellt:

  1. Selbstregulation,
  2. Beziehungsreflektion: Kontrafaktisches Schlussfolgern und generalisiertes Vertrauen,
  3. Positives Denken und Realismus,
  4. Kooperationsmanagement,
  5. Konfliktmanagement und
  6. Integration / streben nach Akzeptanz.

Wie sich wohl Lehrer fühlen

Lehrer zeigten Wut, wenn sie mit der unreife der Schüler konfrontiert wurden, die zu destruktivem Verhalten geführt hat. Angst liegt wohl im Kontext von sozialer Interaktion, weil die Autorität des Lehrers zum einen angegriffen wird und er inhaltlich häufig angreifbar ist, weil er die Komplexität für die Schüler vereinfachen soll, was inhaltlich angreifbar macht.

Vermutlich liegt das Interesse vieler Lehrer am Unterrichten brach, weil sie derartig hierarchisch eingebunden sind und zudem repetitiv jährlich wiederholen, dass Selbstentfaltung wohl ein Fremdwort bleibt. Amoralisch, ekelig finden Lehrer wahrscheinlich neben Amoral von Schülern die Diskrepanz zwischen Curriculum und Lehrmethode als Vorgaben und Erkenntnissen über wertvolle Bildung aus der Wissenschaft.

Traurig fühlen sich Lehrer wohl ob mangelnder Anerkennung, mangelndem Ergebnis und der Wiederholung gleicher Inhalte Jahr für Jahr. Manchen Lehrern macht hingegen konstruktive Zusammenarbeit mit den Schülern und der Schulleitung Freude.

Fazit der Einstimmung

Vieles im Bildungswesen ist m. E. avers, wenn auch vieles im Kern sehr wertvolles vermittelt wird. Das weckt die Frage, ob man etwas verbessern kann, um den sozialen Wohlstand zu erhöhen. Doch worum geht es eigentlich legitimer Weise im Bildungswesen?

Grundlagen

Bildung als Prozess

Grundsätzlich ist Bildung ein Prozess (horizontale Perspektive) und Prozesse sollten optimiert werden, um Effektivität, Effizienz und Flexibilität möglichst gut zu erreichen. Vgl. Bogaschewsky und Rollberg (1998). Weiterhin liegt die Wertschöpfung im Prozess, sodass die Organisation den Prozess stützen sollte (vertikale Perspektive).

Effektivitätskriterien

Effektivität wird an den Zielen gemessen. Die wesentlichen Ziele der Bildung beziehen sich m. E. auf Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Persönlichkeit. Staatliche und gesellschaftliche Effektivitätskriterien versuche ich zu fassen, obwohl sie nicht meinem Kompetenzkreis entspringen.

Staat

Ziel der Bildung ist es durchaus den unterstellten Gesellschaftsvertrag zu vermitteln, damit Verantwortungen gegenüber dem Staat und in entgegengesetzte Richtung definiert sind. Hierbei geht es um Überzeugungstransfer, sodass wir unseren Staat aus Überzeugung bilden und unsere Rolle im Staat positiv ausfüllen. Ziel ist:

Wir verstehen unsere staatliche Ordnung und den Umgang mit anderen Staaten den begründenden Faktoren entsprechend. Wir verstehen Gerechtigkeit, Kompromiss und Konsens.

Gesellschaft

Ziel der Bildung ist es, dass wir lernen, wie wir in unserer Gesellschaft leben wollen (Werte und Normen) und wie wir miteinander Umgehen. Themen wie der demokratische Diskurs, Integration und Generationengerechtigkeit fallen hierunter. Grundsätzlich geht es um die Prinzipien unserer gesellschaftlichen Ordnung. Auch kulturelle Besonderheiten gehören hierzu, wie kulturelle Selbsteinordnung (vgl. beispielhaft Glücksländer). Ziel ist:

Wir einigen uns sachlich auf vertretbare Umgangsformen und Moral und verstehen wesentliche gesellschaftliche Erfordernisse. Wir können die Prinzipien gesellschaftlicher Ordnung den Gründen nach nachvollziehen und wir können unsere Kultur im internationalen Kontext einordnen.

Wirtschaft

Ich denke es gibt drei zentrale wirtschaftliche Effektivitätskriterien: Spezialisierung, Moral und Dienstbarkeit. Zudem ist die volkswirtschaftliche Perspektive der Faktorproduktivität relevant.

Spezialisierung

Wirtschaftliche Organisationen sollen soziale Systeme sein, in welcher spezialisierte Experten durch Führung konfiguriert werden, um mit hoher Faktorproduktivität effizient Wert zu schöpfen. So können qualitativ hochwertige Lösungen in Kooperation erzeugt werden, weil nicht jeder alles wissen kann. Das gilt auch für nicht-akademische Berufe.

So ist z. B. ein Maschinenschlosser auf die Maschinenbedienung spezialisiert, die dem Maschinenbauer nicht in der Tiefe beigebracht wurde oder ein Pfleger auf den täglichen Kontakt mit Patienten durch z. B. Notfallintervention, die dem Arzt häufig nicht so zentral ist wie die Diagnostik. Das Ziel ist:

Bildung soll zur Arbeitsteilung befähigen, indem hochspezialisiertes Wissen und hochspezialisierte Kompetenz erworben werden. Gleichzeitig soll eine Verständigungsbasis über die Fachdisziplinen hinweg erworben werden.

Moral

Moral ist ein sehr zentrales Thema der Wirtschaft, da sie im Kern soziale Systeme betrifft und die Versorgung einer Gesellschaft sicherstellen soll. In sozialen Systemen, wie Unternehmen bedeutet moralisches Bewusstsein und Verhalten eine Vertrauensbasis, während Amoral zu Komplexitätskosten führt, die eine “Vergiftung” (Versorgung mit Ungütern) bedeutet, die direkt zu Leid und Kosten führt (z. B. Mobbing oder soziopathisches sähen von Misstrauen und schüren von Ängsten) und die Produktivität sinken lässt (Kosten des Unternehmens).

Moral bezüglich der Versorgung besteht darin, dass Versorgungsleistungen aus gesellschaftlicher Sicht Güter sein sollen, die Nutzen zu vertretbaren Kosten erzeugen. Mit falschem Nutzen (z. B. Status) und / oder vernachlässigten Kosten (z. B. Umweltbelastung oder Ausbeutung) anzubieten ist nun mal opportunistisch bis soziopathisch und schädigt Menschen direkt und indirekt.

Moral ist so wichtig, weil Regeln / Gesetze und Verträge häufig unvollständig sind und mit dem Wandel nicht rechtzeitig mithalten. Genauso wie es eine gute Entscheidung sein kann nicht zu konsumieren, ist auch nicht jedes Produkt oder Geschäftsmodell durch positive Rendite gerechtfertigt. Regeln sollen vor Soziopathie und Opportunismus schützen, während konstruktives Verhalten meist flexibler und kooperativ-situationsbezogen ist. Das Ziel ist:

Wirtschaftliche Tätigkeit bedeutet tatsächlichen Wert zu schöpfen und sicherzustellen, dass die tatsächlichen Kosten vertretbar sind. Nur Soziopathen und Opportunisten warten darauf, dass der Staat die Externalitäten einpreist, anstatt proaktiv moralisch zu handeln und einen Beitrag zu leisten. Vgl. Corporate Social Responsibility.

Dienstbarkeit

Dienstbarkeit ist in der deutschen Kultur eher definiert als Gehorsam gegenüber den Vorgesetzten, was ein Zeichen reaktiver Persönlichkeit ist. Autorität hat in der deutschen Kultur einen hohen Stellenwert. Arbeitszeit wird – so das Denken – gekauft.

Doch Dienstbarkeit bedeutet einen Beitrag zur Gesellschaft entsprechend seiner Möglichkeiten zu leisten. Das bedeutet, dass man nicht gegen den Nutzen der Gesellschaft leistet, sondern Macht als Verantwortung betrachtet.

Das bedeutet auch, dass man nicht Dienst nach Vorschrift leistet, es sei den man wird dazu gezwungen. Denn wenn man dienstbar ist, wechselt man einen Arbeitsplatz, der keinen wirklichen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Das Ziel ist:

Bildung zur Mitverantwortung für eigene Motivation und den Konsens, dass jeder entsprechend seiner Möglichkeiten versucht hochwertige Beiträge zu leisten.

Faktorproduktivität

Wenn Schüler ein individuelles Bildungsprofil erarbeiten, dann ist es Aufgabe ihrer Person und der Gesellschaft einen Platz zu finden, an dem sie idealer Weise den höchsten Beitrag zur Gesellschaft leisten – im werteorientierten Kapitalismus bedeutet das auch die höchste Entlohnung, als Wertschätzung der Leistung. Um Wohlstand / Erfolg zum Vorbild zu erklären sollte also genau auf die tatsächliche Wertschöpfung im Einflussbereich einer Person und nicht Statussymbole geachtet werden. Ziel ist:

Bildung soll Schülern ein weitgehend individuelles Bildungsprofil ermöglichen, um mit höchster Faktorproduktivität gesellschaftlichen Beitrag leisten zu können – im Kontext von Allgemeinbildung.

Persönlichkeit

Bildung findet vorwiegend an jungen Menschen statt, die typische Stufen der Persönlichkeitsentwicklung durchlaufen (auch noch im Erwachsenenalter). Deswegen hat Bildung das Ziel Persönlichkeit aufzubauen und Raum für Persönlichkeitsentwicklung zu bieten.

Bis ein Mensch egoistisch-empathisches und visionäres Verhalten zeigen kann, bedarf es viel Zeit, Erfahrung und Bildung. Bis ein Mensch einen stabilen Selbstwert entwickelt und sozialen Herausforderungen emotional und kognitiv gewachsen ist ebenfalls. Bis ein Mensch derartige Integrität besitzt sich bewusst gegen Mehrheiten zu stellen, statt Konformität zu zeigen oder sich selbst kritisch reflektiert anstatt sich etwas vorzumachen, auch hier braucht es Zeit, Erfahrung und Wissen.

Mangelnde Reife wird zum Teil in der Wirtschaft gerne gesehen, weil sie Kontrolle ermöglicht, aber eigentlich produzieren fehlendes Wissen in Bezug auf einen Selbst und fehlende Reife enorme Komplexitätskosten in Unternehmen, Diskursen und Nachbarschaften. Das Ziel ist:

Bildung zu vermitteln, die der Persönlichkeitsentwicklung angemessen sind und die Reifung der Persönlichkeit fördern, sodass wir nicht nur wissen, wie etwas funktionierend gestalltet werden kann, sondern es auch aus konstruktiver Intention heraus errichten.

Effizienzkriterien

Effizienz im Bildungswesen betrifft die Kosten des Bildungswesen gemessen am Ergebnis und die Geschwindigkeit der Vermittlung des Wissens (Reaktualisierung des Gesellschaftswissens). Beide sollten möglichst gering sein.

Flexibilitätskriterien

Flexibilität kann organisatorisch, inhaltlich und ergebnisbezogen sein.

Organisatorische Flexibilität misst sich an der Anpassungsfähigkeit an neue Aufgabenstellungen durch z. B. technologischen Wandel.

 

Inhaltliche Flexibilität misst sich an der situationsadequaten Konfiguration von inhaltlicher Ausrichtung im Kontext sinnvoller Curriculi. Und der raschen Integration neuartiger Inhalte im Kontext technologischen Fortschritts.

 

Ergebnisbezogene Flexibilität lässt zu, dass Schüler ein individuelles Bildungsprofil (Wissen, Kompetenzen) im Kontext von Allgemeinbildung erzielen können.

Fazit Grundlagen

Bildung ist ein Prozess und Prozesse sollten nach den Kriterien Effektivität, Effizienz und Flexibilität ausgelegt werden. Effektivität betrifft Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Persönlichkeit, Effizienz betrifft Kosten und Geschwindigkeit der Bildungsdienstleistung und Flexibilität betrifft Organisation, Inhalt und Bildungsergebnis. Doch wie sähe ein optimal konfiguriertes Bildungswesen aus?

Jigsaw-Bildungswesen mit Neo4j-Expertenvernetzung und Projektdatenbank

Jigsaw-Gruppen

Unser Gehirn arbeitet im Grunde mit Assoziationen. Lernen bedeutet einen Wissensbestandteil mit bereits gelerntem Wissen zu vernetzen. Je mehr “Referenzen” ein Wissensbestandteil hat, desto stabiler und gefestigter wird er in Prüfungen und faktischer Situation erinnert. Gutes Lernen bedeutet also häufige Anwendung in diversen Szenarios.

Zwischenmenschliche Kompetenzen sind ein hoher Wert in einer Arbeitsteiligen Gesellschaft und in der Beziehungsführung, die ein Grundbedürfniss sozialer Wesen ist. Auch der Abbau von Vorurteilen und der Umgang mit Unwägbarkeiten in Planung und zwischenmenschlichem Umgang sind von hoher Bedeutung. Für diese Zielsetzungen wurde eine Lehrform entwickelt, die Bestergebnisse erzielt: Die Jigsaw-Gruppe. Vgl. Aronson, Wilson und Akert (2014).

Jigsaw-Gruppen sind Projektgruppen, die mit Informationen versorgt werden, sodass jeder Teilnehmer eine Information besitzt, die für die Erbringung der Gesamtleistung erforderlich ist. So muss jedes Gruppenmitglied integriert werden, um das Gruppenziel erreichen zu können, da anderen Gruppenmitglieder ohne ein Gruppenmitglied Informationen fehlen.

Deswegen ist das homomorphe Grundkonzept eines modernen Bildungswesens die Jigsaw-Gruppe in Projekten. Klassen bestehen aus Jigsaw-Gruppen, Vertreter der Jigsaw-Gruppen bilden eine übergeordnete Jigsaw-Gruppe. Klassenvertreter bilden eine Jigsaw-Gruppe der Stufe und Stufenvertreter eine Jigsaw-Gruppe der Schule. Letztlich wird das gesamte primäre, sekundäre, tertiäre und quartäre Bildungswesen über Plattformen für den Austausch jigsaw-gruppen-artig vernetzt, als Wissensmanagement für neue Erkenntnisse in einer Art Konferenz. So bleiben die Einheiten mit der Gesamtheit vernetzt.

Projekte, Curriculum und Projektdatenbank

Projekte für die einzelnen Jigsaw-Gruppen sollen das Curriculum nebenbei erarbeiten lassen und Prüfungen beziehen sich auf dieses Curriculum, nicht die Projektergebnisse. Das Curriculum wird weiterhin von Experten des Kultusministeriums altersgerecht erarbeitet. Derartige Projekte bieten die Chance Ergebnisse zu erzielen, und wenn die Projekte tatsächliche öffentliche Güter betreffen, wie z. B. nützliche Apps zu entwickeln, entsteht auch ein gesellschaftlicher Mehrwert, auf den die Schüler stolz sein können. Ideal wäre es, wenn aktuelle Projekte innoviert und in einer Datenbank entsprechend des Curriculums und der Altersstufe verfügbar wären, sodass die Wertschöpfung und der Ideenreichtum vorstrukturiert sind (Wissensmanagement).

Expertenvernetzung

Der Lehrer hat jedoch eine ganz andere Rolle. Er dient als Vermittlungsperson zwischen den Schülern und Experten, indem er Expertenbeiträge für die Schüler aufarbeitet und erklärt. Er definiert zusammen mit den Schülern geeignete Projekte im Kontext des Curriculums. Die Frontalarbeit weicht der Individualarbeit in Bezug auf Fragen der Schüler.

Wie soll das gehen?

Moderne technische Möglichkeiten erlauben ein Matching von Fragen mit Expertise (künstliche Intelligenz) und Graphendatenbanken erlauben Erfassung und Suche nach Kompetenzen über Schlagworte und deren Synonyme. Stellen Sie sich vor, jeder Experte mit Bildungsauftrag, wäre in einer Graphendatenbank (z. B. Neo4j) mit seiner Expertise verzeichnet. Wenn Sie jetzt eine Frage haben und auf relevante Expertise (Schlagworte) schließen können, wie eine künstliche Intelligenz das könnte, dann können Sie Kontakt mit einem hochspezialisierten Experten aufnehmen, der up-to-date in seinem Thema ist. Dieser kann Ihnen dann eine Erklärung und Lehrmaterial zukommen lassen, sodass Sie hochaktuelles Expertenwissen vermittelt bekommen. Das ist effektiv, effizient und flexibel.

Der Lehrer bereitet dann durch seine schnelle Auffassungsgabe die Antwort und das Material so auf, dass er die Frage eines Schülers beantworten kann. Dadurch müssten Lehrer vor allem in solcher Aufbereitung, dem Umgang mit Schülern und weniger in Wissensbereichen ausgebildet werden. Kurz: sie müssten intelligent, pädagogisch ausgebildet und wissend in Bezug auf Mathematik, Statistik und weiterer Allgemeinbildung sein. So etwas erlaubt z. B. in Entwicklungsländern erhebliche Kosteneinsparung für Lehrkräfte, da der Großteil der Wissensvermittlung ad-hoc erfolgt.

Vorteile des Jigsaw-Bildungswesens

Ich möchte kurz die Vorteile des Jigsaw-Bildungswesens gegenüber dem derzeitigen deutschen Bildungswesen auflisten:

  1. Lernen durch Projektarbeit beantwortet Fragen, wie: “Wofür braucht man das?”, und: “Was bedeutet das?” während des Lernens.
  2. Projektergebnisse liefern Erfolgserlebnisse und möglicherweise öffentliche Güter.
  3. Die Jigsaw-Gruppenarbeit fördert soziale Kompetenz in Bezug auf Emotionen, Kommunikation, Planung, Vorurteilsabbau, eigenständiges Arbeiten, Sozialsinn und viel mehr.
  4. Dank Projektdatenbank werden viele nützliche Projekte realisiert und innoviert. So bleiben Projekte aktuell, curriculumskonform und nützlich.
  5. Lehrkräfte müssen nicht mehr alles Wissen, sondern sich mit Experten vernetzen. Erhebliche Kosten können gespart werden z. B. in Entwicklungsländern.
  6. Schüler arbeiten direkt – vermittelt über die Aufbereitung des Lehrers – mit aktuellem Expertenwissen.
  7. Neue Erkenntnisse werden im System Schule / Universität und darüber hinaus in Konferenzen durch Vertreter besprochen (Wissensmanagement).
  8. Hierarchisch geprägter Frontalunterricht weicht der Kooperation zwischen Experten, vermittelnden Lehrkräften und Schülern in der individuellen Beantwortung von Fragen.

Fazit

Das Jigsaw-Bildungswesen (ein grobes Konzept eines ehemaligen Schülers und Studenten ohne fachliche Ausbildung in Erziehungswissenschaften) ist als Wirtschaftsingenieur konzipiert worden, um den Bildungsprozess zu optimieren. Dabei gingen meine persönlichen Eindrücke dessen, was problematisch in der Schule war, ein und es wurden Ziele des Bildungswesens erarbeitet, soweit mir das entsprechend meines Wissens möglich ist.

Dieser Vorschlag – insbesondere aber die Expertenvernetzung – soll ein konstruktiver Beitrag zur Debatte um ein modernes Bildungswesen sein und konstruktives Feedback eines Absolventen unseres Bildungswesens.

Das Jigsaw-Bildungswesen arbeitet mit einer homomorphen Struktur von Jigsaw-Gruppen, die Projekte erarbeiten und nebenher das Curriculum. Das curriculum wird weiterhin geprüft und durch das Kultusministerium erarbeitet. Die Projekte jedoch sind Inventionen, die in einer Datenbank hinterlegt werden (eventuell mit Statusangabe). Lehrer sind über künstliche Intelligenz und Graphendatenbanken dazu befähigt Fragen der Schüler und ihre eigenen direkt an Experten mit entsprechender Expertise zu richten und beantwortet zu bekommen. Das Kompetenzprofil der Lehrer verdichtet sich auf Pädagogig, Aufarbeitung und schnelle Auffassungsgabe.

Quellen: Bogaschewsky, R.; Rollenberg, R. (1998) "Prozeßorientiertes Management", Springer (o. A.).

Aronson, E.; Wilson, T.; Akert, R. (2014) "Sozialpsychologie", Pearson (Hallbergmoos).

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.