Kommunikation in Unternehmen

Menschen können handeln (physisch und kommunikativ), fühlen und denken, andere beauftragen (Lohn) und Maschinen betreiben (Energie), und müssen dafür ihren Körper psychisch und körperlich gesund halten, wozu positive Ineraktion gehört.

Kommunikation nimmt eine zentrale Stellung im menschlichen Leben ein, als zentrale Handlungsoption, aber auch als Grundlage der Interaktion. Gute Kommunikation erlaubt wesentliche menschliche Interaktionen konstruktiv zu vereinfachen und emotional und kognitiv zu führen. Eine (theoretische) Kernkompetenz von Wirtschaftsingenieuren ist Kommunikation (vorwiegend im unternehmerischen Kontext).

Einige zentrale theoretische Grundlagen

Dieser Abschnitt soll die Media-Richness-Theorie und ihre Erweiterung sowie das moderne Shannon`sche Kommunikationssystem nach Weaver und eine psychologische Anmerkung umfassen.

Media-Richness-Theorie

Die Media-Richness-Theorie legt nahe, dass einfache Zusammenhänge mit weniger reichhaltigen Medien vermittelt werden und komplexere Zusammenhänge mit reichhaltigeren Medien. Werden zu simple Medien für komplexe Zusammenhänge verwendet, entsteht unzulässige Versimpelung und im Falle von zu komplexen Medien für simple Zusammenhänge Konfusion. Eine Verbesserung der Media-Richness-Theorie ist die Medien-Synchronizitäts-Theorie.

Medien-Synchronizitäts-Theorie

Es gibt divergierende und konvergierende Kommunikationsaufgaben: Zu verteilende Informationen (divergierend) sollten über Medien mit geringer Synchronizität erfolgen, während Kommunikationsprozesse, die zu Verdichtung von Informationen führen soll, eine hohe Synchronizität des Mediums erfordert. Zentral für die Synchronizität ist die rasche Feedbackmöglichkeit und die gemeinsame Kommunikation über einen Kanal. Demnach ist also ein Gruppenchat oder Meeting gut für konvergierende Kommunikationsaufgaben, während ein Rundschreiben / eine Rundmail gut für divergierende Kommunikationsaufgaben ist.

Shannon`sches Kommunikationssystem

Das nachrichtentechnische Modell kennt einen Sender und Empfänger, die über einen Kommunikationskanal mit Transmitter und Receiver kommunizieren. Auf dem Signalübertragungsweg kann es zu Störungen kommen. Die Botschaft wird also kodiert, übertragen und dekodiert. Weaver kritisiert diesen Prozess, dahingehend, dass es einer pragmatische (Urteilsebene), semantischen und syntaktischen Verschlüsselung in der menschlichen Kommunikation bedarf, die auch wieder syntaktisch, semantisch und pragmatisch zu entschlüsseln ist. Neben Urteilen sind kognitive und praktische Orientierungen häufig für die Kommunikationsgüte zentral (Vgl. Burkhart und Hömberg [2015]).

Psychologische Anmerkungen

Nachrichten werden aus psychologischer Perspektive durch Wahrnehmungsprozesse und Denkvorurteile, Denkheuristiken und emotionale Schematainterpretation stark verzerrt, bis sie verstanden werden. Kommunikation ist fordernd und kann schnell ermüdend wirken. Im Kontext von multiplen Informationen spielen Aufmerksamkeitsprozesse eine erhebliche Rolle.

Zwischenfazit

Kommunikation erfordert die richtige Medienwahl und sollte so kodiert werden, dass der Empfänger sie möglichst zutreffend verstehen kann. Insbesondere rasche Feedbackmöglichkeiten erlauben interaktive Annäherung an zutreffendes Verständnis. Aufmerksamkeitsprozesse entscheiden über den Anfang eines Wahrnehmungsprozesses, während Wahrnehmung die Kommunikation verzerrt, selbst wenn keine Störungen der Kommunikation vorliegen.

Unternehmerische Kommunikationssysteme

Gute Kommunikation in Unternehmen entlasstet insbesondere Führungskräfte und steigert die Effektivität und Effizienz des Unternehmens. Ein guter Prozess wird ausgelegt um effektiv, effizient und flexibel zu sein. Zentral an unternehmerischen Kommunikationsprozessen ist Geschwindigkeit, Reflektion, Verständlichkeit und Informationssicherung / Überblick. Diese Abschnitt zeigt ein Kommunikationssystem bestehend aus einem Prozess für reflektionsintensive Kommunikation, Kommunikationsregeln und Best Practices für Reporting und reflektionsintensive E-Mails.

Kommunikationsprozess (reflektiv)

Ein reflektionsintensiver, Verständigung herbeiführender und Überblick sichernder Kommunikationsprozess zum laufenden Geschäft startet mit einem (wöchentlichen) Reporting und E-Mails für reflektionswürdige Erfassung von Ist- und Soll-Zusammenhängen in laufenden Projekten bzw. Themenstellungen, wie kontinuierlicher Verbesserung. Das Kommunikationsmedium dafür ist ein schriftliches, damit eine hinreichende Reflektion gewährleistet ist.

Sind alle Inhalte hinreichend abgestimmt, liegen also keine Verständigungsschwierigkeiten vor, können die Ergebnisse der Reflektion (Anmerkungen) der Informationssicherung zugeführt werden, und z. B. auf einem Wiki veröffentlicht werden. Hierfür bieten sich Übersichten an, die z. B. ein Kommunikationsdesigner idealer Weise erstellt.

Sind die Inhalte hingegen nicht hinreichend abgestimmt, bedarf es der Kommunikation mit hoher Synchronizität, wie Chats, Telefonaten oder Meetings, wobei Meetings und persönliche Gespräche für schwierige Aufgaben insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich geeignet sind. Sind die Inhalte hinreichend abgestimmt, nach dieser Kommunikation hoher Synchronizität, sollte das Ergebnis wieder gesichert und Überblick verschaffend veröffentlicht werden.

Kommunikationsregeln

Aus dem reflektiven Kommunikationsprozess ergeben sich zusammen mit den theoretischen Grundlagen Ansätze für Kommunikationsregeln. Diese können in Form eines Entscheidungsprozesses gefasst werden:

  1. Liegt eine einfache kurze Benachrichtigung (Einzeiler) vor?
  2. Ja:
    1. Wie wichtig ist die Benachrichtigung?
    2. Wie dringlich ist die Benachrichtigung?
    3. Welche Gesamtwichtigkeit ergibt sich daraus?
    4. Schreiben einer kurzen E-Mail mit Wichtigkeitsangaben im Betreff.
  3. Nein:
    1. Liegt ein Item im Reporting (kurze Information, Abhängigkeit, Frage) vor oder ein Reflektion erfordernder Schaverhalt mit einigen Details oder ein kompliziertes Verständnisproblem?
    2. Reporting-Item:
      1. Aufnahme in das Reporting.
    3. Reflektionssachverhalt:
      1. Formulieren einer E-Mail mit Kennzeichnung als Reflektionsbedürftig im Betreff klar, einfach und prägnant und dennoch hinreichend umfänglich unter Bezugnahme zum Projekt bzw. Thema.
    4. Verständnisproblem:
      1. Schreiben einer kurzen E-Mail mit bitte um Rückruf / Meeting unter Angabe der Gesamtwichtigkeit, Dringlichkeit und Wichtigkeit, siehe oben.

Reporting & Reflektionssachverhalt

Das Reporting und Reflektionssachverhalte haben im unternehmerischen Kontext häufig eine geeignete Darstellungsform, die der betriebswirtschaftlichen Methode entspricht. So werden Programme und Projekte in spezifischen Grafiken (Vorgangsknotenpläne, Gant-Diagramme und Portfoliodiagramme) dargestellt und es gilt das Paradigma des One-Sheet-Reportings, also Reporting auf einer übersichtlichen Seite, wie bei der SWOT-Analyse. Das klassische Projektreporting im laufenden Projekt informiert tabellarisch über abeschlossene und anstehende Aufgaben / Fragestellungen und macht dabei den Fortschritt im Zeitplan farblich kenntlich. Abhängigkeiten für kommende Aufgaben und Fragestellungen werden farblich kodiert, um Abstimmungsbedarfe durch den Projektmanager bzw. Vorgesetzten zu kommunizieren.

Fazit

Nach dem hier vorgestellten Kommunikationskonzept werden grundsätzlich Ad-hoc-Informationen und reflektionsbedürftige Informationen unterschieden sowie Verständnisprobleme und einfachere Kommunikation. Entsprechend des Prozesses für reflektionsbedürftige Kommunikation werden zentrale Überblicke aktuell und anschaulich gehalten, während jedes Unternehmensmitglied sich an einem Entscheidungsbaum für gute Kommunikation (Kommunikationsregeln) orientieren kann. Reporting und reflektionsreiche Kommunikation werden mit typischen BWL-Tools nach dem Paradigma des One-Sheet-Reportings übersichtlich und klar gehalten.

Quellen:

Bogaschewsky, R.; Rollenberg, R. (1998) "Prozeßorientiertes Management", Springer (o. A.).

Burkart, R. ; Hömberg, W. (2015) "Kommunikationstheorien", new academic press (Wien)

 

Diskussion: Ökonomie der Ungleichheit

Chancen sind uns nicht allen gleichermaßen gegeben. Es sind nicht nur die genetischen und sozialisierenden Faktoren, sondern auch ökonomische, die unsere Chancen unterschiedlich gestalten. Hohe Ausbildung ist heute kein Garant mehr, einen Job zu haben, der nicht der Digitalisierung anheim fällt und im Kontext zukünftiger elektronischer Bauteile, die Nervenschichten nachbauen, stellt sich die Frage, wie lange der implantatfreie Mensch überhaupt noch in Arbeit integriert werden kann. Ökonomische Ungleichheit kann auf Verwendungsunterschieden, wie bei Arbeit und Kapital, aber auch auf Marktversagen basieren, wie in intertemporalen Märkten / Kreditmärkten.

Arbeit und Kapital

Nach Thomas Piketty: Ökonomie der Ungleichheit, gibt es zwei Gründe für einen Transfer von Kapital zu Arbeit. Zum einen Ungerechtigkeit und zum anderen Marktversagen (Reproduktion von Einkommensunterscheiden durch Kapitalmarktineffizienz). Die Idee der Ungerechtigkeitsbeseitigung formuliert er wie folgt:

Wenn Ungleichheit zumindest teilweise Faktoren geschuldet ist, für die man den Einzelnen nicht verantwortlich machen kann, da sie seinem Einfluss entzogen sind, wie etwa das Startkapital, das er seiner Herkunft oder glücklichen Umständen verdankt, dann ist es gerecht, wenn der Staat die Chancen und Lebensumstände der Benachteiligten, also derjenigen zu verbessern sucht, die mit besonders misslichen unbeeinflussbaren Faktoren zu kämpfen haben. – S. 8.

Moderne Theorien sozialer Gerechtigkeit bringen diesen Gedanken in Form des Maximin-Prinzips zum Ausdruck:

Eine gerechte Gesellschaft muss die Minimalbedingungen und Chancen maximieren, die das Sozialsystem dem Einzelnen bietet. – S. 8.

Es kommt im Kontext der Einkommensunterschiede basierend auf Kapital- oder Arbeitsherkunft insbesondere auf die Substitutionselastizität von Kapital und Arbeit an, die für gewöhnlich nahe eins liegt (0,7 bis 1,1 nach Hammermesh [1986, 1993]), sodass Veränderungen der Arbeitslöhne zu Veränderungen des Arbeitseinsatzes führen. Deswegen wäre das richtige Instrument eine fiskalische Umverteilung durch Besteuerung proportional zum Kapitalstock eines Unternehmens bzw. des Kapitaleinkommens, welches an die Arbeit ausgezahlt wird.

In der Höhe der Besteuerung liegt zwar grundsätzlich eine niedrige Elastizität des Kapitalangebots vor, aber international herrscht Steuerwettbewerb, um Unternehmen anzulocken und zu binden, sodass die nationale Elastizität des Kapitals beträchtlich ist. Deswegen braucht es einen Fiskalföderalismus auf internationaler Ebene, um den Wettbewerb zu harmonisieren, sodass eine weitreichende Umverteilung erfolgen kann.

Ebenfalls relevant ist die zeitliche Frist. Kurz- und mittelfristig können Belastungen proportional zum Lohn Arbeitgeber belasten, während langfristig der Lohn sinkt und die Arbeit die Steuer bezahlt. Genauso kann eine fiskalische oder lohnbezogene Umverteilung kurzfristig Wirkung entfalten, während Wirtschaftswachstum eher langfristig den Wohlstand steigert.

Diskussion

Das Proplem der Ungerechtigkeit zwischen Arbeit und Kapital lässt sich nur international als Überwachungsbedürftige Norm regulieren, da es der Dynamik des Steuerwettbewerbs unterliegt. Der mir bekannte Lösungsraum kennt die sogenannte Flat Tax die Piketty vorschlägt und mein Konzept der Insolvenzmarkierenden Soll-Rendite-Kennlinie (vgl. Nachhaltiger Kapitalmarkt).

Die Flat Tax ist ein einfaches Mittel, um international für Gerechtigkeit zu sorgen. Sie ist insbesondere indifferent gegenüber unterschiedlichen Sektoren und belastet somit Kapitaleinkünfte gleich und relativ, sodass keine Auswirkungen auf Sektoren oder Geschäfte naheliegen.

Meine Soll-Rendite-Kennlinie ist demgegenüber ein bürokratisches Monster, das versucht Kapitalmarktentscheidungen indifferent zu machen, sodass Ersparnis in jedwedes subjektiv erwünschtes Produkt unabhängig von der Rendite fließen kann. So sollen besonders wünschenswerte Geschäfte finanziert werden, die die Mindest- und Maximalrendite (mittlere Sollrendite) abwerfen können. Allerdings wird Kapital ungleich günstiger und kapitalintensive Sektoren werden bevorzugt, mithin die Industrie gegenüber der Dienstleistung. Weiterhin bleiben die Investitionsanreize erhalten, betreffen aber unmittelbar die innere Unternehmensrefinanzierung und die Arbeitsentlohnung, während das Kapital – dem Sinn entsprechend – fair abgegolten wird. Die Bürokratie könnte eventuell im Sinne einer Wirtschaftsprüfung marktwirtschaftlich gestaltet werden uns so qualifizierte Arbeitsplätze schaffen.

Ungleichheit der Arbeitseinkommen

Die zentrale Theorie um die Ungleichverteilung von Arbeitsentlohnung ist die Theorie vom Humankapital: Durch Bildungsinvestitionen erzielen Bildungsbürger eine Rendite, die den subjektiven Aufwand des Bildungsprozesses rechtfertigt. Ist der Aufwand zu hoch oder die Bildungsrendite zu unsicher oder gering, unterbleibt häufig die Bildungsinvestition, während sie andernfalls anreizkompatibel ist. Diesem Modell liegt ein rational denkender und vorausschauend vorgehender Mensch zugrunde, aber Individuuen werden häufig in Normgefügen sozialisiert, die genau solche Optimierungsmodelle zum Ursprung haben – sie haben sich bewährt.

Piketty unterscheidet nun eine reine Umverteilung von einer effizienten Umverteilung, die direkt in die Bildung von Humankapital eingreift.

Jüngere Ungleichheit läßt sich als Nachfrage nach Talent und hoher Qualifikation interpretieren, während die einfachen Tätigkeiten zunehmend weniger Nachfrage haben, weil sich mit den neuen Technologien Talent und Qualifikation besonders produktiv integrieren kann (Skill-biased technological change). Dies führt zu erheblichen Meßproblemen, da die Inhomogenität homogener Messgruppen enorme Auswirkungen in der Lohnungleichheit hat. Zum häufig angeführten Thema Globalisierung als Ursache für Ungleichheit anzuführen sagt Piketty:

Auf dem gegenwärtigen Kenntnisstand sieht alles danach aus, dass der Anstieg der Lohnungleichheit in einem Strukturwandel der Produktion in den entwickelten Ländern wurzelt und es zu einer ähnlichen Entwicklung auch dann gekommen wäre, wenn es sich bei diesen Ländern um abgeschottete Wirtschaften gehandelt hätte, die keinen Handel mit dem Rest der Welt treiben. – S. 85.

Wieder ist die fiskalische Umverteilung z. B. Mindest – und Höchstlöhnen überlegen, sobald es eine hohe Substitutionselastizität zwischen Humankapitalniveaus gibt, denn sie erlaubt es die allokative Funktion des Preissystems nicht zu beeinträchtigen und dennoch Einkommen der Arbeiter umzuverteilen. Besonders wichtig ist also die Steuerprogression insgesammt über Transfers und Steuern, die am einfachsten über ein bedingungsloses Grundeinkommen realisiert werden kann. Die Substitutionselastizität ist höher als die von Kapital und Arbeit und Piketty resümiert:

Es ist leichter, einen gering qualifizierten Arbeiter durch eine Maschine oder einen qualifizierten Arbeiter zu ersetzen, als auf qualifizierte Arbeiter zu verzichten. – S. 86 f. .

Die nächste Frage betrifft dann die Wurzel des Themas, also das Humankapital selber auf hohem Niveau zu homogenisieren. Ein Problem ist dabei, das gerade die Ungleichheit der Einkommensniveaus die Bildungsrendite definiert, und somit Umverteilung Bildung von Humankapital konterkarriert, aber Bildung erfolgt eher Normbegleitet, als das vorwiegend junge Leute tatsächlich die Bildungsinvestition antizipierend durchkalkulieren. Deswegen sagt Piketty:

Die allgemeine Schulpflicht ist zweifellos die wichtigste aller Umverteilungsmaßnahmen. – S. 91.

Weiterhin kann man gegen die freien Marktkräfte der Humankapitalbildung einwenden, das der intertemporale Markt nur selten arme Haushalte mit hohem Bildungspotential finanziert, da die Absicherung des Geschäfts ja über Vermögenspfand erfolgt. Diese Ineffizienz rechtfertigt eine Politik, die entschlossen für finanzielle Unterstützung von Studierenden aus bescheidenen Verhältnissen eintritt.

Gegen eine entusiastische Bildungspolititk sprechen aber sozialisierende Faktoren – faktisch ist die intergenerationale Bildungsmobilität wie die intergenerationale Einkommensmobilität gering und die Bildungs- und Einkommensverhältnisse reproduzieren sich über die Generationen hinweg unabhängig von finanzieller Unterstützung. Jüngere Studien zeigen jedoch, dass die Sozialstruktur der Schülerschaft des Wohnviertels sehr viel ausschlaggebender sind, als Bildungsausgaben. Ziel der Politik ist dann Schichten in Bildungsinstitutionen per Verteilungsschlüssel zu durchmischen, was in der Praxis als extreme Politik aufgefasst und nur wenig wirksam umgesetzt wird.

Weiterhin gibt es eine Theorie der Arbeitsmarktdiskriminierung, die für alle erkennbaren Gruppen gegenüber denen Vorurteile bestehen anwendbar ist. Sie besagt, dass Vorurteile geringere Chancen zu haben Humankapital zu erwerben zusammen mit Einstellungsindikatorik (gegenüber einer Feststellung der Qualifikation) es rational erscheinen lassen zu diskriminieren, während dadurch die Bildungsinvestitionen von diskriminierten ungünstig verändert werden und das Vorurteil sich bestätigt (Sich-Selbst-Erfüllende Prophezeihung). Piketty Resümiert:

Es handelt sich also um eine zutiefst unwirtschaftliche, nutzlose Ungleichheit. – S. 98.

Regulierung dieser Ungleichheit bedeutet Nachweis der Einstellungs- und Beförderungskriterien oder Quoten zu etablieren, sodass die Vorurteile und Entmutigung abgebaut werden können. Man spricht von affirmative action. Eine Quote ist jedoch nicht unkritisch, denn sie kann als Zwang attribuiert werden und so die Vorurteile noch verstärken.

Letztlich gibt es dann noch die soziale Erzeugung von Lohnungleichheit. Z. B. durch Gewerkschaften, die bei Erfolg dazu führen, dass Unternehmen mehr Kapital und mehr qualifizierte Arbeit einsetzen, weil Gewerkschaftsmonopole die Löhne und Lohnhierarchie monopolistisch setzen, was zu Beschäftigungsrückgang führt. Gewerkschaften zu beschränken ergibt jedoch nur dann Sinn, wenn eine fiskalische Umverteilung in geeigneter Höhe an ihre Stelle tritt. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Wirkung von Branchenlöhnen auf die Humankapitalbildung, da Unternehmer so in ihre Arbeit investieren können, ohne das sie abwandert und Arbeitnehmer nicht enteignet werden, wenn sie unternehmensspezifische Bildungsinvestitionen tätigen, die in anderen Unternehmen keinen nutzen haben. Dies spricht also nicht nur für Gewerkschaften, sondern auch für regulatorische Lohnfestsetzung engegen der freien Marktkräfte.

Weiterhin können Arbeitgeber über Monopsonmacht verfügen und weniger Leute für weniger Geld einstellen, als auf einem Konkurrenzmarkt. In solchen Fällen kann z. B. ein Mindestlohn zu mehr Beschäftigung führen, während eine fiskalische Umverteilung zu Lohnreduktion führen würde. Zu einem Monopson kommt es:

(i)mmer dann, wenn es unternehmensspezifisches Humankapital gibt und Arbeitnehmer darum mehr oder weniger gezwungen sind, ihre Arbeit einem einzigen Arbeitgeber anzubieten. – S. 108.

Aber Monopsone scheinen nicht die Erklärung für Ungleichheit zu sein, Arbeitnehmer werden eher eng umkämpft. Eine Verschwörungstheorie eines Arbeitgeberkartells scheint instabil genug zu sein, um falsifiziert werden zu können. Es gibt auch Arbeitgeber, die Effizienzlöhne zahlen, also höhere Löhne als marktgängig, um Mitarbeiter zu binden und zu motivieren, anstatt sie zu kontrollieren, aber diese Effizienzlöhne führen in der Gesamtschau zu Beschäftigungsrückgang.

Diskussion

Zunächst ist Marktversagen geeignet auszuregulieren und zu erheben, was auch Bindung an makroökonomische Daten für Gewerkschaften bedeuten kann, feste Löhne für Monopsone und Quoten gegen jedwede Diskriminierung. Letzteres kann z. B. bedeuten, dass Qualifikationsnachweise im Sinne von umfänglichen Assessment Centern als öffentliches Gut angeboten werden und Unternehmen dann aus Qualifikationspools per Zufallentscheidung Kandidaten präsentiert bekommen (dies führt zu repräsentativen Verteilungen im Sinne einer natürlichen Quote), während das Lohnband einer Vorabbandbreite entsprechen muss.

Im Bezug auf die reine Umverteilung erscheint mir ein bedingungsloses Grundeinkommen / eine negative Einkommenssteuer degressiv mit dem Lohnanastieg besonders nützlich, wobei eine Existenzsicherung und weitere Sachleistungen ebenfalls vernünftig erscheinen. Damit ist gemeint, dass eine vernünftige Existenzsicherung ausgezahlt wird, was z. B. bedeutet soziale Teilhabe wie Mobilität und Besuch von Cafés sowie IT-Geräte und Internet ebenfalls zu berücksichtigen, während die wohlstandsproportionale Leistung des bedingungslosen Grundeinkommens in Form von Sachleistungen wie Bildung, Assessment Centern, Vermittlungsberatung und Therapie / Kur „ausgezahlt“ wird.

Besonders wichtig ist mir persönlich die Motivation im Bildungssystem zu fördern und dazu habe ich einen Vorschlag zum Bildungswesen reflektiert, der freude und öffentliche Güter bei Kostenersparnis und Digitalisierung ermöglichen soll: Jigsaw-Bildungswesen. Und auch die konstruktiven Erwägungen zur Arbeitsvermittlung zu Berücksichtigen (Vgl. Arbeitsvermittlung 4.0). Weiterhin sollte jedwede Regulation im Europäischen Währungsraum harmonisiert bzw. abgestimmt werden.

Fazit

Das Buch von Thomas Piketty (2020): Ökonomie der Ungleichheit ist besonders wertvoll für Themen der Ungleichheit zu lesen, die hier nur knapp dargestellt werden können. Es zeigt sich sachlich unvoreingenommen und bildet so auch zu hitzig ideologisch umkämpften Bereichen wie dem Arbeits-Kapital-Konflikt.

Der Lösungsraum internationaler Politik im finanziellen Arbeits-Kapital-Konflikt umfasst meiner derzeitigen Kenntnis nach die Flat Tax und die Soll-Rendite-Kennlinie mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften, die öffentlich zu dikutieren wären – ich freue mich auf Ihre Kommentare.

In der Lohnungleichheit sollte Marktversagen geeignet, wie geschildert, überprüft und reguliert werden, während eine reine Umverteilung insbesondere den Nidriglohnsektor subventionieren sollte, während eine Mischung aus lockererer Existenzsicherung und nützlichen Sachleistungen mein Gerechtigkeitsgefühl besonders anspricht. Dabei sollte das Bildungswesen motivationsförderlich und die arbeitsvermittlung humanzetriert, professionell und serviceorientiert erfolgen.

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Diskussion: It´s Time for Politics to Grow Up

Dieser Vorschlag ist universell und einzigartig. Universell, weil er positive Ideen ausdrückt, die von vielen traditionellen und modernen Kulturen geteilt werden, und so von allen verstanden werden kann. Einzigartig, als konstruktive Synthese für unser aller Fortschritt in einer Form, die Diversität aufblühen lässt und nicht von spaltender Politik untergraben wird. – Dorian Furlonger (2019): „It´s Time for Politics to Grow Up“, Übersetzung von Marius A. Schulz.

Zentrale universelle Normen, die Furlonger aufnimmt sind die vertrauenshaltige Reziprozitätsnorm, die Goldene Regel und der Grundsatz systemisch-individueller Freiheit:

  • Ich gehe auf dich zu, in der Hoffnung, dass du auf mich zugehst.
  • Ich behandle andere so, wie ich selbst behandelt werden möchte.
  • Ich erlaube mir nur jede Freiheit, die nicht andere in ihrer Freiheit behindern.

Lebensqualität – ehrlich und bedacht

Er konfiguriert diese drei moralischen Grundsätze in Bezug auf Lebensqualität. Lebensqualität erfasst er als subjektive Beurteilung, die überlegt, autonom und wissensbefähigt erfolgt in Bezug auf:

  1. Leben in gutem physischen und sozialen Umfeld (mit einer guten Mischung aus Sicherheit und Chancen in physischer und sozialer Hinsicht).
  2. Leben eines erfüllten Lebens.
  3. Leben in Selbstachtung.

Im Kontext der Allgemeinheit erweitern sich folglich die Beurteilungskriterien hin zu:

  1. Ich beurteile frei von Beeinträchtigung meines Denkens (wie z. B. Manipulation oder Gruppenzusammenhalt).
  2. Ich beurteile mit offenem Zugang zu gegenwärtig relevantem Wissen, dass ich reflektieren konnte.

Schließlich zeigt sich die Integration der moralischen Normen in der Berücksichtigung der Selbstbeschränkung eigener Lebensqualität sofern sie andere oder die Gesamtgesellschaft in ihrer Lebensqualität behindern würde und der Aussage sich auf bedeutsame Unterstützung von Mitmenschen und Institutionen verlassen zu können.

Damit setzt Furlonger auf eine ehrliche und bedachte Bekundung unserer Lebenszufriedenheit. Das steht – so Furlonger implizit – in starkem Kontrast zu den Machtspielen einer Klientelpolitik, die „vorbildhaft“ inszeniert wird – die Machtpolitik.

Machtpolitik nutzt sophistische Techniken, statt dem „mutual higher-self thinking“, dem selbstabstrahierenden Denken zum gemeinsamen Wohl.

Kritik

Zentral scheint mir die Fragestellung der Integration fremder Interessen in die eigenen Fühlens-, Denkens- und Verhaltensweisen zu sein. Entsprechend meiner Konzeption egoistisch-empathischen Verhaltens strebt Furlonger hier die Beachtung von Fremdinteressen an – sie sind zu bedenken. Das unterscheidet nach meiner Konzeption von Opportunismus oder gar Soziopathie, die ohne Berücksichtigung der Konsequenzen eigenen Handelns für andere auskommt.

Diese Fragestellung, also die Integration von Fremdwirkung ist jedoch ein zentrales Thema der Ethik – wir können meistens nicht alle Konsequenzen unseres Handelns absehen. So sind wir z. B. als unperfekte Wesen auf Integration entsprechend unserer Intention angewiesen (Vgl. Integration) und die Optimierung gemeinsamer Entscheidungen kann zwar modelliert werden (Vgl. Homo Ökonomikus), aber nur für ausgewählte Stakeholder, nicht das ganze System.

Hier ist folglich die richtige Konsequenz, sich Mühe mit der Modellierung von Konsequenzen eigenen Verhaltens (dazu zählt auch Kommunikation) zu geben und abzusichern aus positiver Intention zu handeln, nicht aber aus „Überforderung“ und mangelndem Verständnis für die subjektiven Situationen anderer aufzugeben, Fremdwirkung zu berücksichtigen.

Dieser Anspruch ist keineswegs neu, sondern im alteuropäischen Kulturgut z. B. des Ehrbaren Kaufmanns in der sogenannten inneren Ehre erfasst (Vgl. Corporate Social Responsibility), war aber im Kontext des zweiten Weltkrieges in Vergessenheit gebracht worden. Heute finden wir diese Ideen im Kontext von Integrität, Authentizität und Verantwortung.

Konstitution

Nach Furlonger sollte folgendes Kernprinzip in die Verfassung aufgenommen werden:

In allen politischen und administrativen Entscheidungen muss die Priorität in der Zielsetzung liegen, dass die Menschheit sich hin zu nachhaltiger Lebensqualität für alle entwickelt und zwar basierend auf offenem und transparentem Wissen.

Dieses Kernprinzip elaboriert er in neun Regeln, die wie folgt zusammengefasst werden können:

  1. Lebensqualität für alle ermöglichen:
    1. Freiheit für Lebensqualität, solange andere nicht eingeschränkt werden.
    2. Entscheidungen und Infrastruktur zur Ermöglichung von Lebensqualität.
    3. Mutual higher-self thinking in Politik und Administration.
  2. Nachhaltigkeit:
    1. Ökologische Nachhaltigkeit.
    2. Soziale Nachhaltigkeit ohne Monokulturen.
    3. Langfristorientierung und Beachtung des Gesamtkontext.
  3. Offenes und transparentes Wissen:
    1. Breite Wissensforschung in allen Bereichen.
    2. Förderung von Fähigkeiten durch Bildungsoffenheit und -Distribution.
    3. Nutzung von Wissen und wissensgerechte Prüfung von Entscheidungen.

Diese Regeln sollen sich gegenseitig verstärkend im Gesamtkontext entfalten, sind also designed, um eine systemische Dynamik hervorzubringen.

Kritik

Furlonger entwirft eine ähnliche Konzeption wie Doughnut Economics. Hierbei geht es um Mindeststandards und Einhaltung von oberen Limits, also dem Setzen von Nebenbedingungen für die freie Entfaltung – in beiden Konzepten in Bezug auf soziale und materielle Mindeststandards und planetäre obere Grenzen unserer ökologischen Lebenswelt.

Furlonger betont mit seinen Regeln die Wichtigkeit von Gleichheit und Gleichwertigkeit mithin Gerechtigkeit der individuellen Entfaltung gegenüber der Einschränkung der Entfaltung Dritter. Diese Form der relationalen „Beschränkung“ wird sowohl intranational als auch international eingesetzt.

Hierin zeigt sich eine zunehmende Integration von ökonomischer, ökologischer und sozialer, und damit auch politischer, Nachhaltigkeit. Konzeptionell nach Furlonger fehlt damit vor allem das Feedback bzw. die Integration der Expertise der Bildungsverantwortlichen.

Hierin dürfte das Fundament bürgerlichen Handelns durch Wissensaneignung und Kompetenzvermittlung liegen, die nicht im sozialen und medialen Miteinander erwächst. Während Furlonger auf umfassende Offenheit und Transparenz von Wissen abzielt, habe ich mich eher mit der Vernetzung von Spezialisten beschäftigt (Vgl. Jigsaw-Bildungswesen und Wissensmanagement).

Damit entsteht aus meiner Perspektive insbesondere die Frage, wie das Wissen in Form spezialisierter Aneignung in einem Expertensystem vernetzt werden kann und ich stehe der Allgemeinbildung vor diesem Hintergrund kritisch gegenüber – kann wirklich jeder so vieles Wissen, oder brauchen wir Arbeitsteilung im bürgerlichen Bereich?

Politische Implikationen

In Bezug auf politische Implikationen unterscheidet Furlonger zwischen Staatsorganisation, der Rolle der Politiker, der Rolle des Bürgertums und der Öffentlichkeit sowie der internationalen Verhältnisse.

  1. Staatsorganisation:
    1. Gewaltenteilung.
    2. Unabhängig gewählte Prüfungsinstitutionen gegen Veruntreuung.
    3. Repräsentativität des Staates durch Abbildung der Interessenslagen der Menschen.
  2. Rolle der Politiker:
    1. Ablage der Führerinterpretation gegenüber einer Interpretation als Dienstleister / Steward gegenüber den Menschen.
    2. Vereidigung der verfassungsgemäßen Verantwortung und Verpflichtung.
    3. Wahrung der Diskursqualität öffentlicher Debatten.
  3. Rolle des Bürgertums und der Öffentlichkeit:
    1. Eigenverantwortung für die eigene Lebensqualität und Partizipation am politischen Geschehen (Bürgertum).
    2. Öffentliche Erwartung von bedeutsamer Anwendung der Prinzipien und Regeln.
  4. Internationale Verhältnisse:
    1. Kooperationsgrundsatz gegenüber Drittstaaten.
    2. Auffassung von Gewalt (und Macht) als letztes Mittel und gescheiterten Verhältnissen.

Kritik

Meiner bescheidenen Meinung nach – es handelt sich nur begrenzt um meinen Kompetenzkreis – manifestiert sich die politische Intention Furlongers vor allem in den staatsorganisatorischen Strukturen mit ihren nationalen und internationalen Kontrolleinrichtungen. Zu einem Gewissen grad wird Vertrauen über diese Kontrolleinrichtungen ermöglicht insbesondere aber durch Transparenz bestätigt, und sorgt somit für das Klima fruchtbarer Debatten, die im Kontext zunehmender Digitalisierung auch eine Form der Transparenz und Qualität erreichen könnten, die ein mündig argumentierendes Bürgertum fördern könnte.

Natürlich bedeutet dies, dass das Bürgertum für diesen Prozess auch einstehen sollte und so mitkontrollierend Wirkung entfaltet – insbesondere in liberalen Demokratien. Letztlich entscheiden natürlich unsere individuellen Selbstansprüche in kollektiver Durchdringung, wie unsere Strukturen aufgebaut sind (Vgl. Menschen groß machen) und wir können schließlich zunächst am besten bei uns und dann an den Strukturen angreifen, aber es besteht Gefahr der Überforderung.

Ökonomische Implikationen

Furlonger denkt Ökonomie problembezogen von den Zielen her, wenn er Märkte (auch Finanzmärkte) und Geschäftspraktiken mit Lebensqualität für die Menschheit abgestimmt wissen will, sodass Preise und Indikatoren die Lebensqualität messen und zwischen den Menschen abstimmen und Unternehmen zu werteorientierten Systemen mit transparentem Schutz vor illegalen Aktivitäten sind sowie Professionalität stimuliert wird.

Dem Staat kommt darüberhinaus die Förderung von Forschung in Lebensqualität bedingende Technologien und Wissen zu und die Unterstützung des Arbeitsmarktes. Dabei soll der Arbeitsmarkt durchaus Jobs zugunsten der Lebensqualität aller verschieben / aufgeben können, aber die Betroffenen sollen Unterstützung in der Jobtransition erhalten. Deswegen soll der Staat auch die Entstehung von Arbeitsplätzen insbesondere in Verbindung mit Lebensqualität fördern und Wandel in der Ökonomie und ökonomische Schocks mit Perspektive auf die Arbeitserhaltung und Transitionsförderung managen.

Die Korrektur von Preisbildung, die nicht mit realen Kosten und Nutzen harmoniert soll in einem Prozess kontinuierlicher Aufdeckung mit geeigneten Maßnahmen von Meinungsbildung über Entscheidungsunterstützung bis hin zur Besteuerung und Regulation erfolgen.

Kritik

Unternehmen balancieren Anforderungen von Absatz- und Faktormärkten mit den Faktoren Arbeit, Finanzkapital, Potentialgüter und Rohstoffe im Kontext von Wettbewerb. Dabei gibt es auf dem Absatzmarkt allgemeine Preisanteile und individuelle Preisanteile, während letztere die Spielräume auf den anderen Märkten ermöglichen. Somit liegt in professionell agierenden Unternehmen stets Fokus auf der Wettbewerbsposition über Preis und Leistung(-swahrnehmung).

Da Herr Furlonger Standards für Unternehmen einrichten möchte, müssen diese zu allgemeinen Preisanteilen werden, sodass sie anreizkompatibel im Wettbewerb sind. Hierzu kann geeignete Transparenz an Absatzmärkten eingerichtet werden oder es können Regulationsstandards geschaffen werden.

Das grundsätzliche Thema ist, dass Regulation und Transparenz bzw. Standards nachlaufend konzeptioniert sind gleichwohl sie häufig strukturell eingreifen. Das bedeutet, dass wir ausgehend von wahrgenommenen Problemen Standards etablieren, um diese Probleme und vergleichbare Problemmöglichkeiten auszuregulieren oder entscheidungswirksame Bewusstheit herzustellen und aufrecht zu erhalten – dieses reaktive Muster ist also nachlaufend. Können wir Probleme antizipieren, können wir vorauslaufend-prognostisch regulieren und beeinflussen.

Deswegen sind z. B. Transparenzframeworks basierend auf systematischer Analyse von ungewünschten Marktresultaten, die am (Absatz-)Markt wirksam werden in höherem Maße vorauslaufend, als die Korrektur von ungewünschten Marktresultaten durch Regulation und Beeinflussung. Hier setzt z. B. das Transparenznudging an, dass umfängliche Indikatoren in Kaufnudges überführt, sodass Produkte unabhängig vom Involvement der Konsumenten gut beurteilt werden können und zwar in Bezug auf messbare Eigenschaften, sodass die Vertrauenseigenschaften nur einen geringen Anteil ausmachen.

Professionelle Konsumenten (also z. B. der Verbraucherschutz) würden hier Signale von Unternehmen erwarten, die durch Transparenz echte Werte vermarkten. Hier stellen wir fest, dass die Wertschöpfungsketten am Absatzmarkt eher auf extreme Abweichungen reagieren, als auf Best Practices – Enttäuschung also relevanter ist, als Qualität behaupte ich. Diese Interpretation – sofern sie real ist – legt nahe, dass Unternehmen lediglich den extremen und medial wirksamen Vertrauensbruch meiden, anstatt proaktiv Standards zu erarbeiten.

Eine Institutionalisierung von Qualitätsstandards in Kaufhinweise überbrückt diesen blinden Fleck der Endkonsumenten, sofern das Vertrauen in die Transparenzframeworks besteht. Dies bedeutet nach den Grundsätzen der Privatautonomie, dass diese Transparenzframeworks den Konsumenten bestmöglich individuell beraten, keinesfalls aber bevormunden sollten. Hier ist auch eine Vermittlung und Transparenz der Indikatoren in bildenden Prozessen zu vermitteln – Vertrauenseigenschaften eines Transparenzframeworks sind von erheblicher Bedeutung.

Transparenz ist keinesfalls eine ungewöhnliche volkswirtschaftliche Forderung, sondern eine grundlegende Annahme effizient funktionierender Märkte. Allerdings sind in der öffentlichen Wahrnehmung eher Zertifikate und Marken präsent, die betriebswirtschaftliche Lösungen darstellen, also Geschäftsmodelle sind. Transparenzframeworks mit entsprechender Regulation oder Marktdurchdringung hingegen sind ganzheitliche Ansätze soweit derzeit absehbar. Meines Erachtens ist es wichtig die Debatte hier zu konzentrieren und sich bewusst zu machen, dass Unternehmen und auch Finanzinstitute aufgrund der systemischen Zusammenhänge auf derartige Ansätze von sich aus reagieren – in der Wirtschaft sollte fundiert am richtigen Hebel eingegriffen werden. Eine Übersicht zu Nachhaltigkeitsregulierung liefert der Artikel CO2-Steuer.

In Bezug auf die verbleibenden Vertrauenseigenschaften, also z. B. genehmigte Pharmazie- oder Pestizidforschung, die aufgrund von Informationsasymmetrien und Unmöglichkeit der Vorablangzeitstudie Spielräume für unverantwortliche Geschäftspraktiken lassen, müssen nachträgliche Transparenz eine Reputationswirkung entfalten, die vernünftige und verantwortliche Unternehmen befördern, aber letztlich braucht es in der Tat Verantwortungsbewusstsein und moralisches Handeln auf individueller und organisatorischer Ebene (Vgl. zu Verantwortungskonzepten Corporate Social Responsibility und the ethical capitalist). Streng genommen müsste man die Forschung verstaatlichen und die Nutznießer zum einen mit einer separaten Forschungssteuer belegen und zum anderen auf genehmigte Produkte beschränken.

Bildungswesen Implikationen

Furlonger hält folgende Elemente der Bildung für erwartbar:

  1. Jeder Mensch sollte hochwertige Bildung in der Jugend erhalten und im Erwachsenenalter sollte Bildung stimuliert werden und leicht zu finanzieren, wenn nicht sogar kostenlos sein.
  2. Bildung soll alle Felder enthalten, die für Lebensqualität relevant sind.
  3. Bildungswissenschaften sollten exzessiv erforscht und verbessert werden.
  4. Leistungserfolgskontrollen, die nicht der Zertifizierung von beruflicher Qualifikation dienen, sollten darauf abzielen, Strategien für besseren individuellen Lernfortschritt abzuleiten, statt soziale Pyramiden durch Selektion voranzutreiben.
  5. In der Gesamtschau soll Bildung Menschen befähigen gute Entscheidungen selbstständig treffen zu können (überlegt, autonom und wissensbefähigt), sodass sie ihre Lebensqualität verbessern können, ohne andere in ihrer Lebensqualität zu beschränken.

Furlonger erarbeitet auch die Felder der Bildung, die relevant sind, um Lebensqualität zu ermöglichen:

  1. Sprach-, Kommunikations- und Lernkompetenz.
  2. Wissenschaft von Natur und Technologie, die Verständnis der zugrundeliegenden Faktoren unserer Leben bildet inklusive der Wissenschaftstheorie, wie derartige Erkenntnisse gewonnen werden.
  3. Alles relevante Wissen, um Entscheidungen im globalen Nachhaltigkeitskontext treffen zu können.
  4. Vorurteilsfreie Bildung zu menschlichen Gesellschaften auf der Welt inklusive Kulturdifferenzen, Formen der nationalen Staatsorganisation und internationalen Eingliederung und Unterschiede der Lebensführung, physikalischen Umgebung und dem Umgang mit besonderen Herausforderungen. Ziel ist Entscheidungen im globalen sozialen Kontext treffen zu können.
  5. Unparteiische Bildung zur eigenen Nation aus sozialer, physischer und historischer Perspektive.
  6. Verständnis von Moral, Werten und menschlicher Bewusstheit (menschenbezogenes Wissen) aus Perspektive relevanter Forschung, wie Ethik, Psychologie und Neurophysiologie.
  7. Bildung zu Logik, systemischem Denken und Entscheidungsfindung mit Befähigung Offenheit mit kritischem Denken zu balancieren.
  8. Bildung zu menschlichen Beziehungen.
  9. Wissen und Fähigkeiten, um das Leben und die Karriere managen zu können.
  10. Bildung in Kunst und Sport im Kontext sozialer Kompetenz, Begeisterung und Stimulation sowie der Erhaltung physischer und mentaler Gesundheit.
  11. Anleitung zu bürgerschaftlichem Engagement in Politik und sozialen Belangen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene inklusive motivationaler Aspekte.
  12. Wissen um die intendierte Verfassung und was die zugehörigen Regeln bedeuten.

Kritik

Bildungskonzeptionen sind nicht mein Kompetenzkreis, aber aus subjektiver Erfahrung halte ich insbesondere Wissen um Recht, Menschsein und kulturelle, wie erkenntnistheoretische Wahrnehmungs- und Verhaltensunterschiede für zu wenig durchgängig vermittelt. Im Übrigen ist Bildung ein Prozess, und damit nach Effektivität, Effizienz und Flexibilität zu gestalten, wobei insbesondere Flexibilität in unseren historisch autoritär geprägten System zu wenig bedacht scheint, um eine intensive Profilbildung in Bezug auf Wissen und Kompetenzen hervorzubringen, die im Kontext der Allgemeinbildung zukunftsgerichtet Arbeitsteilung in Kooperation ermöglicht und dabei die Motivation der Lernenden betont. Ich habe dazu im Artikel Jigsaw-Bildungswesen versucht meine Eindrücke zu reflektieren.

Zentrale Zusammenstellungen meiner wissensbasierten Beschäftigung mit dem Menschsein finden Sie im Abschnitt Ich-Kompetenzen.

Fazit

Dorian Furlonger widmet sich zentralen Grundsätzen einer Konstitution und betrachtet deren Implikationen in den zentralen Gesellschaftsstrukturen: Staatsorganisation / Politik, Wirtschaft und Bildung. Die Ausführungen bleiben nicht auf nationaler Ebene hängen, sondern widmen sich auch der internationalen Gemeinschaft.

In diesem Sinne rückt er den Wert des Universalismus in den Vordergrund – wir sind eine Menschheit auf einem Planeten. Diese fundamentale Wahrheit möchte er in unseren zentralen Strukturen global wiederfinden. Deswegen sollten die Bürger der Nationen ihre Erwartung an die Politik erhöhen und sich selbst konstruktiv und mitmenschlich im Sinne höchster Lebensqualität für alle einbringen.

Eine interessante Diskussion scheint mir die Verständigung zwischen Menschen, die einen Wert zugunsten von Macht entwickelt haben mit Menschen, denen Macht eher wenig motivierende Kraft gibt, da mir der Eindruck entstanden ist, dass letztere auf eine „Macht des Sozialsinns“ setzen, deren Relevanz für machtorientierte Menschen vielleicht der Verständigung bedarf. Dies scheint mir eine interessante Fragestellung, die offen geblieben ist.

Anmerkung

Das knapp gehaltene Buch von Dorian Furlonger ist in diesem Artikel in den wesentlichen Aussagen erfasst. Gleichwohl erzeugen die Darstellungen von Furlonger vielschichtige Details über Zusammenhänge, Motivation und Interaktion der Prinzipien und Regeln, die hier nicht abgebildet werden können uns sollen. Ich kann das kurze Buch empfehlen. Schade ist lediglich, dass das Buch ohne Würdigung von zum Teil Lebensleistungen von Forschern durch Referenzierung auskommt, und sich damit etwas der wissenschaftlichen Gemeinschaft entzieht.

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Homo Ökonomikus

Der Homo Ökonomikus gilt als Menschenbild der Wirtschaftswissenschaften. Tatsächlich ist er jedoch ein deskriptives / beschreibendes Modell intensiv kognitiv arbeitender Menschen oder Instanzen, das durchaus geeignet ist Entscheidungsgrenzen zu bestimmen, die empathische Bewertung integrieren können. Diese Modellierung von empathischen Nutzenerwägungen (mehrere Nutzenfunktionen von Individuen / Instanzen koppelnd) ist mir jedoch noch nicht in mathematischer Form begegnet.

Damit ist das Modell des Homo Ökonomikus vor allem egozentrisch und nicht auf gemeinsamen / utilitaristischen Nutzen oder Fremdnutzen gerichtet. Damit lässt sich der Homo Ökonomikus als individualistischer Rückfall des isolierten Menschen / Unternehmens bezeichnen. Dies interpretiere ich als risikoavers-robuste Modellierungsstrategie, keinesfalls aber als Menschenbild.

Konsumentenmodellierung

Insbesondere werden Konsumenten überzogen modelliert, da sie vor allem nur schwer intensiv kognitiv kaufen können (Behavioral Economics) und da Markttransparenz häufig nicht umfassend erarbeitet wird. Deswegen schlagen Ökonomen sogenanntes Nudging von sinnvollen Käufen vor, also Signalnutzung, um gewisse Eigenschaften zu kommunizieren, um rasch und einfach entscheiden zu können. Hier habe ich z. B. das OptEcoBuy-Portal vorgeschlagen, das Produktreihenfolgen so arrangiert, das individuell vorliebengerechte Produkte basierend auf Gutachten (Transparenzfunktion) oben angeführt werden würden (Nudging).

Betriebswirtschaftliche Menschenbilder

Während der Homo Ökonomikus vor allem in der volkswirtschaftlichen Modellierung und unternehmerischen Entscheidung Anwendung findet, kennt die Betriebswirtschaftslehre Menschenbilder in Marketing und Unternehmensführung. Das Menschenbild des Marketing dient der kommunikativen Beeinflussung von Käufen und Wiederkäufen (Kundenbeziehung). Das Menschenbild der Unternehmensführung dient der Motivation von Arbeitnehmern. Hier werden also funktionell relevante Menschenbilder modelliert, um die Unternehmensziele (Homo-Ökonomikus-basiert) zu erreichen. Weitere Darstellungen von betriebswirtschaftlichen Menschenbildern finden Sie im Artikel Kontrafaktisches Schlussfolgern und generalisiertes Vertrauen.

Modellierung von Systemnutzen

Damit fehlen in der Modellierung von Unternehmen, Märkten und Beziehungen vor allem empathische und generalisiert empathische Komponenten. Generalisierte Empathie definiere ich als Empathie in Bezug auf Lebewesen, die dem Entscheidungsträger nicht direkt bekannt sind. Also z. B. wenn man sich Sorgen um Menschen macht, die in anderen Teilen der Welt in Armut leben.

Empathie kann wie folgt modelliert werden:

  1. gemeinsame Nutzenfunktionen optimieren,
  2. individualistischen Nutzen von empathischen Ergebnissen modellieren und
  3. Aufspaltung der Nutzenerwägung in egoistische und empathische Dimensionen bei Optimierung entsprechend einer Präferenz (Grenzrate der Substitution) für diese Dimensionen basierend auf z. B. Konjoint-Analyse.

Mehrdimensionale Optimierung

Zu letzterem habe ich ein Optimierungsmodell erarbeitet, das es erlaubt die Dimensionen egoistischen und empathischen Nutzens über Präferenzen zu optimieren oder entsprechend der Brutlandsberichtsbetrachtung ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit zu optimieren, wie im Artikel Nachhaltigkeit erläutert. Mir ist nicht bekannt, ob das Modell in den N-Dimensionalen Raum übertragen werden kann, und ob gekrümmte Präferenzen modelliert werden können.

Qualitative Nutzenkopplung

Forschungsbereiche der Betriebswirtschaftslehre, die qualitativ mit Nutzenkopplung beschäftigt sind, sind Corporate Social Responsibility und Kooperationsmanagement, die ich in Bezug auf zentrale Werke in Artikeln exzerpiert habe.

Persönliches Menschenbild

Mein persönliches Menschenbild, das ökonomisch, psychologisch, kommunikationstheoretisch und neurophysiologisch beeinflusst ist, lässt sich vielleicht bildlich mit einer halb geschälten Banane vergleichen oder mit Zeitreihendekomposition:

Im Trend sind wir durch Werte insbesondere frühkindlich geprägt und entwickeln uns durch diese, während wir von diesem weichen Kern situativ abweichen. Insbesondere ist unsere Kommunikation und verbunden Emotion polarisierend selbstwerterhaltend und unser tatsächliches Verhalten in Bereichen nicht zentraler Problematisierung heuristisch.

In problematisierten Bereichen hingegen streben wir nach Harmonie / Problemlösung und verhalten uns wertegerecht, weil wir kontrafaktisch schlussfolgern bzw. reflektieren (Kognition).

Im Ergebnis erzeugt das in der Komplexität durchaus vorstrukturierte sozialisierte Individuen, die vorwiegend durch Werte, Emotionen, Wissen, Intelligenzpräferenzen, Gesundheit und Konflikte geprägt sind und nicht alles wissen und bedenken können.

Somit decken sich normative und deskriptive Überlegungen, dass normal gereifte Menschen egoistisch-empathisches Verhalten zeigen, sofern Problembewusstsein erzeugt und bedacht werden konnte. Ich teile somit die Perspektive sozial orientierter Wesen und komme zum Ergebnis, dass Moral in subjektiv kritischen Situationen mit hinreichender Bedenkzeit erwartet werden kann, also insbesondere in langfristiger Betrachtung.

Deswegen sind gesellschaftlich-kommunikative Prozesse von zentraler Bedeutung und sollten verantwortungsbewusst konzipiert und wahrgenommen werden (Vgl. Wissensmanagement und Global Consciousness) für mögliche Erweiterung von kommunikativen Prozessen.

Fazit

Der Homo Ökonomikus ist eine robuste Modellierungsstrategie intensiv kognitiv arbeitender Entscheidungsträger. Damit bildet er vor allem Institutionen ab und erfahrene Entscheidungsträger. Er ist zwar geeignet um empathischen Nutzen zu modellieren, aber explizite Modelle, wie gemeinsame Nutzenoptimierung (Vgl. Integration) oder mehrdimensionale Optimierung (Vgl. Nachhaltigkeit) sind eventuell bedeutsam.

Mein persönliches Menschenbild sieht durch Werte geprägte Wesen, die vor allem in Bezug auf problematisierte Themen und mit ausreichender Bedenkzeit ihren Werten entsprechend handeln. Von diesem strukturellen Verhalten weichen sie situativ ab.

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Wissensmanagement

Wissensmanagement wird im deutsch-wirtschaftlichen Bereich (wissensorientierte Unternehmensführung) von Prof. Dr. North untersucht. Jedenfalls stammt von ihm das Standardwerk zum Thema. Aus Perspektive des Wissensmanagement existieren meiner Meinung nach im wesentlichen drei Arbeitsgebiete: Unternehmensführung, Wissensnutzung und -Propagation sowie Sicherung von Wissen. Dieser Artikel bezieht sich vor allem auf die Wissensnutzung und -Propagation.

Nach der sog. Wissenstreppe von North ist Wissen die Vernetzung von Information und transformiert sich bei Handlungsbezug zu Kompetenzen. Dieser Artikel konzentriert sich auf Wissensbildung und -Propagation, und damit insbesondere auf kommunikative Prozesse im persönlichen und digitalen Informationsweg.

Kommunikationsmodell

Kommunikation soll als Chiffrierung – Übermittlung – Dechiffrierung verstanden werden. Deswegen muss in einer Form chiffriert werden, die Dechiffrierung erlaubt. Informationsübermittlung erfolgt über Wahrnehmungskanäle, die Einfluss auf bewusstes Denken nehmen (Wahrnehmungs-Emotions-Filter basierend auf vorwiegend frühkindlicher Prägung; vgl. Bewusstseinsreifung). Diese frühkindliche Prägung (Werteprofil) bestimmt unsere Interessen und aktivierte Bedürfnisse zusammen mit Bedürfnissdynamiken (ERG-Theorie, vgl. Selbst- und Menschenbild). Unsere auf Intelligenzen (analytisch, kinästhetisch, sprachlich, musikalisch, räumlich, haptisch, emotional, etc.) bezogenen Präferenzen bestimmen unsere vorwiegenden Wahrnehmungsprozesse.

Der Kommunikationsexperte würde im Idealfall erlernen entsprechend der Werte, Bedürfnisse und Wahrnehmungspräferenzen des Rezipienten zu chiffrieren, um unter Anknüpfung an geteiltes Wissen (Konzepte, Modelle) auch in Analogie den Dechiffrierungsprozess zu erleichtern. Im Wahrnehmungsfall würde er sich trainieren Chiffrierungen zu entschlüsseln. Geteiltes Wissen sind gemeinsame Informationen, deren subjektive Vernetzung erläutert wird. So kann Bezug auf Wissen anderer Menschen genommen werden. Dies erlaubt Expansion, Umkonfiguration und Analogiekopplung in Assoziationen und Bisoziationen.

Wissensmanagement

News

Das Global Conciousness Konzept kann im Wesentlichen wie folgt konfiguriert werden:

Ereignisse werden von Nutzern übermittelt und zusammengefasst. Die Zusammenfassungen werden an Nutzergruppen für Emotionen übermittelt, die ein Rating vornehmen sollen. Die Ratings werden aggregiert und kategorisiert, um in der Bearbeitungsreihenfolge sortiert übermittelt zu werden. Durch Durchsuchung eines Entscheidungsbaums der das Wissen der Community abbildet, wird Expertenwissen identifiziert. Personen die über dieses Wissen verfügen (Graphendatenbank) werden kontaktiert, um Schlagwörter in Bezug auf die vorliegenden Informationen geschickt einzubringen. Schlagwörter betreffen Risiken bzw. Gegenargumente, Chancen bzw. befürwortende Argumente, Kontextinformationen zu betreffenden Personen und themenspezifische Kontextinformationen. Alle Informationen werden zusammen zu einem Artikel erweitert, der sodann veröffentlicht wird (z. B. als Blog).

Fragen und Antworten (Expertenvernetzung)

Nutzer können Fragen verfassen und mit Hilfe eines Entscheidungsbaums relevantes Expertenwissen definieren. Die Frage wird dann den relevanten Experten (Graphendatenbank) zukommen gelassen. In einem Chat-Thread antworten diese dann eventuell unter Referenzierung von Dokumenten und Veranschaulichungsmaterial.

Persönlicher Kontakt / Meetings

Nach erster Betrachtung des Themenfelds ergeben sich fünf wesentliche Meetingkonzeptionen: 1. Vorträge, 2. Lagebesprechungen, 3. Interviews, 4. Brain Storming und andere Kreativitätstechniken sowie 5. gemütliches Beisammensein. Während sich beim gemütlichen Beisammensein eher zufällig Interaktionen entwickeln sind die anderen Kommunikationsanlässe häufig Themenbezogen. Entsprechend des geteilten Wissens, können Kommunikationspfade zu Wissensaustausch führen, wobei zumeist Informationsaustausch stattfindet, der eine gemeinsame Wissensbasis zumindest analog erfordert.

Man unterscheidet also Shared Knowledge, Bilateral Shared Knowledge und direkte oder indirekte Kommunikationspfade. Weiterhin können Kommunikationspfade zufällig bzw. strukturiert erfolgen. Hier liegt zum Teil ein analoges Problem vor, wie im Artikel Integration beschrieben.

Informationssicherheit (zwischenmenschlich)

Die Informationssicherheit in sozialen Systemen erfordert Wissensbildung, die es erlaubt über Begriffe Assoziationen oder Biosoziationen nach der Wahrnehmung des Rezipienten zu kreieren, sodass Verschlüsslung stattfindet. Kommunikationsexperten können bei intensivem Wissen übereinander mit dynamischen Verschlüsselungen arbeiten. Die Dimensionen der physikalen Welt eines Geschöpfes sind Raum (3 D), Zeit und Information.

Fazit

Kommunikation ist Chiffrierung und Übermittlung von dechiffrierbaren Informationen und deren Vernetzung (explizit und / oder implizit). Kommunikationsexperten können rezipientenbezogen chiffrieren und umfänglich dechiffrieren, sofern genügend Wissen abgestimmt wurde.

Wissensmanagment in Bezug auf News, Fragen, themenbezogener und offener persönlicher Kommunikation wurde in den zentralen Architekturen beschrieben. Ein zentrales Element von Wissensmanagement ist deren Propagation, die letztlich zufällig oder bewusst erfolgen kann.

Informationssicherheit in der Kommunikation sozialer Systeme findet letztlich statt, wenn Äußerungen und Verhalten für Außenstehende nicht mehr dechiffrierbar ist, weil es völlig andere Wissensnetze anregt.

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Finanzsystem

Der Markt für Vermögensanlagen bietet diverse Anlagemöglichkeiten (Wertpapiere, Termingeschäfte und Derivate), die insbesondere Bankkunden angeboten werden. Diese Form der Anlage ist jedoch nach der Kapitalmarktheorie (Rendite-Risiko-Optimierung) nicht wirklich sinnvoll, wie ich in diesem Artikel darlegen werde. Insbesondere die privaten Anlagestrategien der kurz und mittelfristigen Kursspekulation sowie die Idee von sicheren Anlagen, wie Immobilien, Gold oder Cryptowährungen, erweisen sich eher als Prozess der Vermögensumschichtung (Spekulationsblasen) zu Vermögensverwaltern mit Geschwindigkeits-, Informations- und Budgetvorteilen (Fonds). Deswegen stelle ich Modelle für eine vernünftige Anlage dar und nehme Stellung zu der früher plausibilisierten Verschwörungstheorie einer Vermögens- und Führungselite. Hierbei gehe ich auch auf unterschiedliche Gestaltung des Erbes ein.

Derzeitiges Finanzsystem

Es gibt im Wesentlichen drei Vermögen:

  1. Fondsvermögen,
  2. Mehrheitsbeteiligungsvermögen und
  3. Privatvermögen.

Mehrheitsbeteiligungsvermögen

Die klassische Verschwörungstheorie in Bezug auf Netzwerke der Vermögens- und Führungselite dreht sich um Mehrheitsbeteiligungsvermögen vor allem an Großunternehmen und mittelständischen Unternehmen. Diese Form der Anlage bringt zum Ausdruck, dass diese Personen bzw. Netzwerke auf Vermögensbildung (Rendite) verzichten, weil sie persönliches Interesse an den gehaltenen Unternehmen haben, sofern Kartellbildung ausgeschlossen bleibt.

Fondsvermögen

Würden sie optimierte Portfolios bilden, würden sie ein Fondsportfolio halten, um die Expertise der Fondsverwalter zu nutzen (Informations-, Geschwindigkeits- und Budgetvorteil). Die Risikoposition ist nämlich für höhere Budgets besser diversifizierbar, wodurch das Risiko sinkt, und damit die erwartete Rendite steigt. Ich möchte also nochmal hervorheben, dass sich die sogenannte Vermögens- und Führungselite nach dieser Betrachtung nicht entsprechend eines rein monetär motivierten Homo Ökonomikus verhält, sondern persönliches Interesse an ihren Unternehmen zu haben scheint (z. B. Leidenschaft), sofern es nicht um Kartellbildung geht.

Privatvermögen

Privatvermögen wird häufig in einzelne „sichere“ Anlagen, Termingeschäfte und Derivate investiert oder zur Kursspekulation verwendet.

Kursspekulation

Es ist nachgewiesen, dass Kursveränderungen die nicht auf Trends oder neuen Informationen basieren ein Zufallsprozess sind. Gleichwohl ist auch bekannt, dass insbesondere private Investoren sich wie Herden verhalten, sodass die Kursspekulanten letztlich versuchen gegengerichtet zu agieren. Zusammengenommen wird so möglicherweise ein Zufallsprozess im Aggregat erzeugt, das aus Herdenverhalten und gegengerichteten Käufen resultiert. Es ist naheliegend, dass professionelle Institute hier ebenfalls der privaten Kursspekulation überlegen sind. Privatpersonen sollten also m. E. Abstand von sogenannter Chartanalyse nehmen.

„Sichere“ Anlagen

Sogenannte sichere Anlagen sind häufig Trends in der Wahrnehmung der Privatpersonen die zur Blasenbildung führen, sodass eine zyklische Enttäuschung neue Trends erzeugt und sich ein Kreislauf bildet. Diese Prozesse werden von großen Vermögensverwaltern professionell erhoben, sodass diese einen den Zeitpunkt des Kursverfalls bestimmenden Einfluss haben, sodass Blasenspekulation aus Perspektive von privaten Investoren letztlich nicht rational sein dürfte.

Wirkung von Vermögensbildung

Alle diese Vermögen halten letztlich Eigenkapital und Schuldscheine (Fremdkapital), die über andere Finanzmärkte (Derivate, Termingeschäfte) Risiko- und Liquiditätsoptimiert werden. Diese Finanzkapitalquellen finanzieren Unternehmen und Staatsbudgets in Bezug auf Kapazitätsausweitung und -Erhaltung des Realvermögens sowie diverse Überbrückungskredite (Liquiditätsmanagement). So entstehen Kapazitätsanpassungen und Realisation von Inventionen (Innovation), die das Wachstum des realen BIP von Nationen erzeugen.

Portfolio-Hierarchie

Unternehmen werden in Europa nach Groß-, mittelständische und Kleinunternehmen eingeteilt. Großunternehmen und mittelständische Unternehmen sind in Zeiten der Globalisierung für gewöhnlich international tätig. Während Großunternehmen eher als branchenbezogene oder leistungsbezogene Systemanbieter und Wertschöpfungsketten agieren, sind mittelständische Unternehmen häufig spezialisiert. Kleinunternehmen sind meist Dienstleister, Einzelhandelsgeschäfte oder innovative Start-ups, die wachsen sollen. Start-ups entwickeln sich bei erfolgreicher Innovation für gewöhnlich zu mittelständischen Unternehmen oder werden von Großunternehmen übernommen und verwertet. Zusammengenommen bildet sich grob eine Portfoliostruktur, in der Großunternehmen Portfolios sind und Start-ups aufkaufen. Weiterhin übernehmen Großunternehmen auch mittelständische Unternehmen und halten Anlagen.

Mittelständische Unternehmen und zunehmende Unternehmenskonzentration

In Bezug auf mittelständische Unternehmen entstehen so sogenannte Familienunternehmen im Mehrheitseigentum, sofern die Gründer die Verträge mit Finanzkapitalgebern sorgfältig durchdacht haben (Eigenkapitalanteil, Gewinnbeteiligung, Kapitalrückzahlung, Verfügungsrechte usw.). Diese Entwicklung ist in Deutschland rückläufig, soweit mir bekannt. Potentielle Ursachen könnten insbesondere an mangelnder Innovation im Bereich von spezialisierten Leistungen liegen, mangelnder desruptiver Innovation, Patentkauf und Patententwicklung zur Behinderung einer desruptiven Innovation. So nimmt auch ohne Fusionen die Unternehmeskonzentration mit der Zeit zu.

Rolle von Inkubatoren

Großunternehmen scheinen durch Inkubatoren gerichtete Innovation und Desruptionsschutz zu etablieren, was z. B. in Bezug auf intergovernmentale Institutionen zu gesellschaftlich erwünschter gerichteter Innovation führen sollte, aber in Bezug auf Großunternehmen, durchaus perverse gerichtete Innovation zur Folge haben kann. Hier kommt es letztlich auf Regulation und gesellschaftlichee Verantwortung (Ehrbarer Kaufmann) der Entscheidungsträger (Großunternehmen, Investoren) an, um vernünftige Marktleistungen und Marktdynamiken zu erzeugen. Ein Beispiel für eine sicherheits- und nachhaltigkeitsbedenkliche Marktdynamik ist z. B. der SUV (vgl. Modellierung von Marktspiralen).

Es ist davon auszugehen, dass Inkubatoren letztlich mit Venture-Capital-Gebern kooperieren, die in Fonds gebündelt werden können.

Fazit – derzeitiges Finanzsystem

Das Finanzsystem ist also zusammenfassend vor allem eine Struktur von Portfolios, die Portfolios halten – Fonds, Großunternehmen, mittelständische Unternehmen, Start-ups.

Marxistischer Arbeit-Kapital-Konflikt

Im Artikel nachhaltiger Kapitalmarkt habe ich dargelegt, wie der Refinanzierungsdruck auf Unternehmen reduziert werden könnte. Dieser wird kritisiert, da er (Shareholder Value) zur Folge hat, dass Arbeitseinkommen, Lieferantenumsätze und Veräußerungsumsätze optimiert werden, um kompetitive Renditen (kurzfristig) ausschütten zu können (Zielhierarchie). Ein solcher nachhaltiger Kapitalmarkt würde eine Stakeholder-Value-Orientierung erleichtern und bietet ein Referenzszenario für faire Renditen.

Probleme – Shareholder-Value-Optimierung

In Bezug auf die Shareholder-Value-Optimierung beobachtet man verschiedene Probleme von denen mir folgenden bekannt sind:

  1. Marktleistungen die manipulativ sind und letztlich keine Problemlösung in Bezug auf Versorgung bringen,
  2. Ausnutzung von Gesetzeslücken im Wettbewerb oder Wirtschaftskriminalität (Skandale),
  3. Steuervermeidung ebenfalls im Wettbewerb,
  4. Aufbau von Marktmacht (Intransparenz, Lock-in, Marktsegmentierung usw.)
  5. Kooperation im Arbeitsmarkt zum Abbau von Gewerkschaften, ungebührliche Beeinflussung von Betriebsräten und Normdurchsetzung gegenüber Arbeitssuchenden und
  6. exorbitante Einkommensunterschiede entlang der Führungshierarchie.

Zweck der Shareholder-Value Beachtung

Der eigentliche Sinn der Maximierung der erwarteten Rendite ist es, Finanzvermögen in Unternehmen zu lenken, die aufgrund ihrer vorziehenswerten Leistung besondere Renditen ermöglichen, um Innovation in Bezug auf Produkte und Unternehmen zu belohnen. Meines Erachtens ist das insbesondere ein Thema der Herstellung von Transparenz für Konsumentenkaufentscheidungen in Bezug auf soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit, weil dann nachhaltige Produkte Umsätze generieren und entsprechende Unternehmen Wettbewerbsvorteile entwickeln.

Transparenz-Nudging und Transparenzregulation

Diese Marktleistung zu ermöglichen ist die zentrale Idee von SuscisionHelper, es gäbe aber auch Möglichkeit durch Regulation Transparenz einzufordern, was auch schon in Bezug auf einige Informationen realisiert wurde (z. B. Energieefizienzrating von Kühlschränken). Leider picken die bisherigen Nudging-Ansätze nur einzelne Komponenten der Nachhaltigkeit heraus. Hier würde der SuscisionHelper umfänglicher eingreifen.

Lösungsansätze – Corporate Governance

Könnte Fairness (Stakeholder-Value-Management) erreicht werden, wäre Leistungsgerechtigkeit tatsächlich besser ermöglicht. Soweit mir bekannt, dreht sich die derzeitige Governanze-Diskussion jedoch eher um variable Vermögensbestandteile der oberen Führung, die Langfristorientierung fördern sollen. Hierin bin ich jedoch nicht mehr up-to-date.

Fazit – Sollzustand in Bezug auf den Konflikt

In einem weitgehend leistungsgerechten System erzielen alle ein faires Einkommen, dass Vermögensbildung erlaubt. Nach Konsum und Liquiditätsmanagement (z. B. Tagesgeld) sollte Ersparnis in ein Fondsportfolio investiert werden. Die vernünftige Investition in Fonds basiert auf der Analyse der Prospekte und einer mathematischen Modellierung des Portfolios (Rendite-Risiko-Optimierung). Gerade heutzutage, wo die Weltwirtschaft verschiedene Problemthemen hat, möchte ich jedoch auf die Möglichkeit hinweisen, durch Selektion von Fonds neben der Finanzinteressen auch ein Interesse für verschiedene Werte abzubilden (z. B. Entwicklungsfonds und / oder Nachhaltigkeitsfonds). Interessant wäre z. B. ein Fonds für Foreign Direct Cluster Investments (Vgl. Herstellung von Konvergenz).

Erbe

Meines Erachtens ist das persönliche Erbe eine Hilfe zur persönlichen Absicherung und eine Übertragung von Vermögen mit ideellem Wert, während übrig gebliebenes Vermögen interessengerichtet in z. B. Entwicklungshilfe oder Stiftungen zu investieren wäre. Vermögensakkumulation in Familien kommt mir hingegen komisch vor, denn ein ursprünglich erfolgreiches sozialisiertes Individuum verdankt im Regelfall seinen Erfolg nicht seinen Kindern. Mir erscheint Familienerbe dennoch als Möglichkeit ein erfolgreiches Unternehmen zu treuen Händen eines maßgeblich sozialisierten Kindes zu geben, um gewissen Einfluss zu nehmen. Nach geltender Verfassung ist diese Abwägung dem Bürger freigestellt, aber auch dem Grundsatz, Eigentum verpflichtet unterworfen. Dieser Grundsatz bedarf möglicherweise einer Konkretisierung, auch in Bezug auf Vermögensanlagen und insbesondere Vermögensverwaltungen (Fonds).

Fazit

Vernünftige Anlage nutzt Fonds, sofern kein vernünftiges persönliches Interesse die Direktanlage erforderlich macht. Das Finanzsystem ist eine Hierarchie von gemanagten Portfolios (Fonds, Groß- bzw. mittelständische Unternehmen, Start-ups und sonstige Kleinunternehmen). Die Verschwörungstheorie der Vermögens- und Führungselite (marxistischer Konflikt) ist beobachtbar, aber bei leistungsgerechter Entlohnung, die über Transparenzregulierungen befördert werden könnte, kann der normale Bürger sich insbesondere auch an Fonds beteiligen. Die beobachtbare familiäre Vermögensakkumulation könnte vor dem Hintergrund der Verfassung durch eine Konkretisierung des Grundsatzes, Eigentum verpflichtet in Bezug auf das Erbe und auf Vermögensanlageverwaltung sozial nachhaltig gebahnt werden.

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Unternehmenskonzeptionen

Dieser Artikel betrachtet Märkte, Ressourcen und zentrale Güter, um eine karrikaturartige Unternehmenskonzeption vorzulegen, damit deren Entwicklung antizipiert werden kann, sodass eine moderne Unternehmenskonzeption erarbeitet wird. Im Ergebnis kann dann zum einen die moderne Konzeption mit den Märkten, Ressourcen und zentralen Gütern abgeglichen werden und zum anderen sollte transparent werden, dass nationalistischer Kapitalismus nach derzeitiger Gestaltung nicht unseren Werten entspricht. Der Artikel ist so etwas wie eine Ideensammlung und Fixierung von Gedanken, soll also nicht als abschließende Weisheit aufgefasst werden.

Märkte

Soweit mir bekannt existieren folgende unterscheidbare Märkte:

Produktmärkte sollen physische Produkte ohne Rohstoffe betreffen, deren Eigentum an Endkonsumenten übergeht. Komponentenmärkte sollen physische Produkte ohne Rohstoffe betreffen, deren Eigentum an Unternehmen und Institute übergeht.

Ressourcen

Soweit mir bekannt existieren folgende unterscheidbare Ressourcen:

Ich erfasse Nutztiere als Rohstoffe wohl wissend, das insbesondere Wirbeltiere unter Verdacht stehen Lebensqualität betreffende Ansprüche gegenüber Menschen zu besitzen, was sich in der Ressource Gesundheit äußern würde. Energieträger erfasse ich als Rohstoffe, während mit Energie Exergie (technisch nutzbare Energie) gemeint ist. Obwohl wissenschaftlich zwischen Kognition und Emotion unterschieden wird, nutze ich den Begriff Kognition für die verwobenen menschlichen Intellektsleistungen die auch Emotionen beinhalten sollen. Naturgesetze erfasse ich als Ressource, auch wenn sie häufig nur mittelbar eingehen. Wenn wir von menschlicher Arbeit sprechen ist das für gewöhnlich eine Kombination aus Information, Zeit, Gesundheit und Kognition, es gibt jedoch auch Kognition die in Form von Information gespeichert ist, Zeit als nicht menschliche Ressource (z. B. Termingeschäfte) und Geschäfte über Gesundheit wie einige Versicherungen. Geld ist ein Speicher von menschlicher Arbeit und Energie. Rechte (Kompetenzen und Macht) erfasse ich nicht als Ressourcen, weil sie nicht originär sind, sondern zugeordnet werden und physische Kraft Energie ist. Geld hingegen ist originär, weil Währungen entstehen, wenn Täusche an ihre Grenzen stoßen. Zentrales Geld ist z. B. Vertrauen. Kognition erfasst nicht „Kognitionsleistungen“ von IT-Geräten, die eine Kombination aus Naturgesetzen, Territorien, Rohstoffen und Energie sind. Das die menschliche Kognition gesondert erfasst wird, also nicht als Resultat eines biologischen Systems dargestellt wird, beruht auf deren Eigentümlichkeit und Würde, die jeder Mensch zumindest in Bezug auf sich selbst verstehen kann. Der Begriff Territorien soll auch Räume bezeichnen, aber wurde gewählt, weil wir Menschen Räume für gewöhnlich in Bezug zur Erdoberfläche definieren.

Von Ressourcen zu Gütern

Aus den Ressourcen der Erde wurden zentrale Güter geschaffen:

Klassische Unternehmenskonzeption

Ein Unternehmen ist eine Hierarchie oder Einzelperson bzw. Gruppe im Eigentum der Eigenkapitalgeber die gebildete Arbeit in einer Wertschöpfungskette organisiert, um Produkte oder Dienstleistungen aus dem Bereich Eigentumsverschaffung, Versorgung, Bildung, Beeinflussung, Ablenkung und / oder Bewaffnung zu vermarkten. Die Arbeit teilt sich auf Führung, Wertschöpfung und Querschnittsleistung auf.

Warum zeichne ich dieses extreme und stark faktorisierende Bild einer Unternehmenskonzeption?

Weil es alle Komponenten erhält die unser nationalistisch-kapitalistisches System charakterisieren. Es geht um Eigentumssicherung und Versorgung von Individuen und gewachsener Nationen sowie um Ablenkung und Beeinflussung von Individuen, Waffen sichern die Befugnisse, soziale Systeme werden hierarchisch organisiert (Vermögenskonzentration) und Querschnittsfunktionen definieren die optimale Größe von Unternehmen (Konzentration des Marktangebots). Querschnittsfunktionen können ausgelagert sein, wie z. B. Grundlagenforschung und Start-ups / Innovation. Menschen, die aus dem Wirtschaftsgeschehen ausscheiden werden über versorgungssichernde Systeme (Rente, Sozialversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld II / Hartz IV, Berufsunfähigkeitsversicherung) zum Teil mit arbeitsabhängiger Komponente abgesichert.

Ähnlich einer Karrikatur hebt es die funktionserhaltenden Elemente hervor und bezeichnet z. B. die Kulturbranche als Ablenkungs-Bildungs-Dienstleister oder den Rechtsstaat als Hoheitsgebiet. Diese Überzeichnung soll verdeutlichen, dass unsere Systemfunktionalität und unsere Wertegemeinschaft nicht überall in Deckung liegen. Insbesondere werden die diplomatischen und hilfeleistenden Elemente (Kooperation mit dem Ausland) nicht herausgearbeitet. Sinn der Sache ist, dass Sie verstehen, wie dieses System gewachsen ist und das es nicht unseren Vorstellungen entspricht und auch nicht in eine Richtung weiter wächst, die im Sinne der Weltbevölkerung ist.

Netze und Bildung

Netze und Bildung sind die Güter die Unternehmen funktionsfähig machen. Netze sind z. B. Stromnetze, Gasnetze, Wirtschaftscluster und Verkehrsnetze und befinden sich in öffentlicher Hand, privater Hand oder sind organisch gewachsen.

Moderne Unternehmenskonzeption

Der Prozess Wertschöpfung ist mittlerweile eine irreführende Bezeichnung und sollte Produktion & Logistik für physische Güter heißen, Analyse und Bedürfnissbefriedigung für Dienstleistungen, Risikomanagement für Versicherungen, Kredite und Finanzmanagment, Portfolioverwaltung für langfristige Finanzkapitalanlage und Spekulation für durch Marktpreissteigerung angeregtes Wetten. Daran können sie rasch erkennen, dass Steigerungen die in Geld gemessen werden nicht wirklich immer Wert abbilden (Bedürfnissbefriedigung kann z. B. Kompensation schlechten Selbstwerts sein). Es handelt sich auch weniger um Wertschöpfung als um Vermarktungsrekombination.

Wertschöpfungen sind Inventionen (Schöpfung) und deren Realisierung Innovationen sowie Erschließen neuer Kundensegmente sofern ein tatsächlicher Wert geschaffen wird. Sich gegen eine Konkurrenz am Markt durchzusetzen (Insolvenz der Konkurrenz) ist im Falle von durch Kapitalgeber subventioniertem Preiskampf eine Schadschöpfung und führt zu Konzentration. Diese Praxis könnte kartellrechtlich relevant sein.

Worauf ich hinaus will ist, dass der klassische sogenannte Wertschöpfungsprozess, der vielleicht eher Vermarktungsrekombinationsprozess heißen sollte, in naher Zukunft vermutlich automatisiert sein wird, sofern es nicht um zwischenmenschliche Dienstleistungen oder innovative Projekte geht. Dann verschiebt sich in vielen Unternehmen die menschliche Arbeit in Querschnittsfunktionen, die nicht automatisiert werden.

Mir bekannte Querschnittsfunktionen sind:

Im Bereich der Kundenbetreuung entwickeln sich Chatbots, Rechnungswesen haben in großen Bereichen Automatisierungspotential und der Einkauf hat bei digitalisierten Märkten einfacher Transaktionen ebenfalls Automatisierungspotential. IT, Distributionsmanagement und Qualitätsmanagement werden zu Aufgabenfeldern im Bereich Umsetzungsprojekte. Führung, Public Relations, Personalmanagement und CSR hängen direkt mit dem Personal zusammen. Werbung ist eine Reaktion auf Umsatzentwicklungen und kann plangemäß beauftragt werden.

So komme ich zu neuartigen Unternehmen:

Überwachungsunternehmen dienen der Überwachung automatisierter Unternehmen. Die Unternehmen hängen zusammen wie nachfolgende Grafik veranschaulicht, wobei der Einzelhandel vermutlich doch kein Humanunternehmen ist, sondern ein digitale Plattform mit Produktvorstellung in virtueller Realität.

Inventionsunternehmen basieren auf Wissen, Kreativität und Forschung sowie Kenntnis der automatisierten Unternehmen als Geschäftsmodellkonfiguration und algorithmisch gesteuerte Technologiekette.

Umsetzungsprojektunternehmen basieren auf Projektmanagement, Informatik, Produktionstechnologiekenntnis, Marktkenntnis für Anlagen, Mikroökonomie, Betriebswirtschaftslehre und Kenntnis von Logistikdienstleistern und realisieren ein vorgegebenes Konzept durch Aufbau oder Umgestaltung eines automatisierten Unternehmens. Sie sind klassische Projektmanagementunternehmen.

Innovationsunternehmen brauchen Wissen (Information, Kognition und Zeit) und Test- bzw. Forschungsmöglichkeiten (Simulation, Modelle, Labore) und eine Koordination der Menschen, sodass die Invention, also das fertige automatisierte Unternehmen durch Ideen und deren Ausarbeitung befruchtet wird. Das könnte z. B. so aussehen:

Also es gibt Automatisierte Unternehmen, für die ein Konfigurator(-team) verantwortlich ist und es gibt Forschungszweige die von Forschern / Forscherteams bearbeitet werden und Fortschritt kann Konsequenz für mehrere Konfiguratoren haben oder sogar Konfiguratorenprojekte initiieren (Spin-offs).

Strategisch richten sich die Forschungszweige nach Experteneinschätzungen und ein solches Inventionsunternehmen bildet über die Konfiguratoren Verantwortlichkeit für bestimmte Automatisierte Unternehmen. Führung ist weniger notwendig, als Vernetzung. Führung würde sich ungefähr auf die strategische Auswahl der Automatisierten Unternehmen richten und diese Auswahl ist eher dem Fortschritt geschuldet als der Antizipierbarkeit insbesondere durch Führungskräfte.

Organisatorisch sind diese Unternehmen mit universitärer Forschung vergleichbar, bei der ein Professor (Koordinator) Wissenschaftliche Mitarbeiter in Projekten einstellt indem er oder sie für diese Projekte Förderung erhalten und die Förderung ist über Fonds, Stiftungen und Staatsbudgets organisiert. Es ist aber – insbesondere bei neuartigem Immaterialgüterrecht in Verbindung mit einem Grundeinkommen für alle – selbstfinanzierte Forschung möglich.

Ein derartiges Immaterialgüterrecht macht den Erfinder zum Eigentümer seiner Invention und sichert dem Konfigurator einen Anteil an der Invention zu. Die Berechtigung zur Nutzung der Invention wird gegen angemessenen Anteil am Umsatz aller betroffenen Automatisierten Unternehmen für eine Schutzdauer gewährt. Ich habe also weniger ein Unternehmen vor Augen, als eine Vernetzung von freiwilligen Forschern in regionalen Innovationszentren, die vom Staat finanziert werden in einer Gesellschaft denen die Automatisierten Unternehmen vermittelt über den Staat gehören und deren Grundeinkommen aus diesen Unternehmen finanziert wird.

Fazit

Herausgearbeitet wurden existierende Märkte, Ressourcen und zentrale Güter unserer Gesellschaften, um eine klassische Unternehmenskonzeption karrikaturartig herauszuarbeiten. Hierdurch werden zentrale Probleme des nationalistisch-kapitalistisch geprägten Systems unserer Zeit deutlich: nationale Konkurrenz (Auflösung durch Föderalismus), Vermögenskonzentration (Diverse Auflösungsmöglichkeiten; hier nicht im Fokus) und Unternehmenskonzentration (Auflösung nicht im Fokus). Dies soll zum einen zum Denken anregen, sodass Lösungen erarbeitet werden und zum anderen veranschaulichen welche Abweichung zwischen unseren Werten und unserem System besteht, sodass verständlich wird, das die Entwicklung ohne Eingriff nicht in unserem Sinne fortschreitet.

Weiterhin wurde eine moderne Unternehmenskonzeption dargelegt, die auf der klassischen Unternehmenskonzeption basiert und eine Aufgliederung in Automatisierte Unternehmen, Umsetzungsprojektunternehmen und Inventionsunternehmen aufzeigt in welcher Invention dezentral organisiert wird, Innovation von klassischen Unternehmen geleistet wird und Automatisierte Unternehmen im Staatsbesitz befindlich sind. Diese Konzeption harmoniert in weiten Teilen mit meinen anderen Ausarbeitungen.

In der Gesamtschau wird deutlich, dass insbesondere Finanzmärkte durch die Unternehmenskonzeption womöglich noch nicht gut abgebildet werden, sodass dieses Thema Anlass zu weiterführender Untersuchung gibt.

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Diskussion: the ethical capitalist

„the ethical capitalist – how to make business work better for society“ ist ein Buch aus dem Jahr 2018 von Julian Richer – dem Gründer von Richer Sounds -, der argumentiert, dass ein ethischer Ansatz im Geschäftsleben das Geheimnis von Erfolg ist.

Unter ethisch versteht er es, seine Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten ehrlich, offen und respektvoll zu behandeln, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen – insbesondere wenn etwas schief geht, dafür gerade zu stehen und das Problem aus der Welt zu schaffen – und sich als integraler Teil der Gesellschaft zu verstehen, sodass man seinen Anteil – insbesondere seine Steuern – leistet.

Der vorliegende Artikel soll die wesentlichen Inhalte dieses Buches vorstellen und kritisch reflektieren, sodass Ihnen ein Verständnis für moralische Geschäftsführung nahegelegt und zentrale Problemstellungen erörtert werden.

Geschäftsführer

Richer zeichnet das Bild eines Geschäftsführers, der internen Einfluss auf die Unternehmenskultur, Entlohnung, Anreizsetzung, Beförderung, Produkte und Problemlösung in Bezug auf die Stakeholder Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten hat, und damit Wirkung auf sein Geschäft und gesellschaftliche Bedingungen entfaltet, wie das Einkommensniveau. Dieser Geschäftsführer trägt extern Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und den Shareholdern. In dieser externen Perspektive jedoch werden Shareholder ebenso betrachtet, die ebenso eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft haben.

Dieses System Unternehmen bezeichnet Richer als vernetzt und zusammenhängend, sodass Fragen nach der Priorisierung der Stakeholder ihm sachfern erscheinen, weil jedes Glied, in dem Fehler passieren, potentiell schwerwiegende Folgen für das Unternehmen hat.

Kritik

Es ist korrekt, dass Geschäftsführer theoretisch die Kompetenz (Weisungsbefugnis) haben, um jede Entscheidung im Unternehmen durchzusetzen, aber das würde Zeit und Transparenz erfordern, die nicht vorhanden ist. Geschäftsführer repräsentieren das Unternehmen nach innen und außen und genehmigen die wesentlichen strukturellen Maßnahmen, wie Strategie, Organisation, Controlling, Investition / Budgets und normative Leitsätze. Unsere Verherrlichung von Führungskräften in der öffentlichen Wahrnehmung geht an der Realität vorbei. Unternehmen sind höchst dezentral geprägte soziale Systeme und selbst die Führung ist eine Hierarchie, ein soziales System mit begrenzter Zeit, Zuständigkeit und Übersicht.

Interne Perspektive

Richer argumentiert, dass es zwei Karotten und einen Prügel für ethische Geschäftsführung gibt: moralische Intigrität, langfristiger Geschäftserfolg und Reputationsschaden. In der internen Perspektive argumentiert Richer, um einen Zusammenhang von ethischer Geschäftsführung und langfristigem Geschäftserfolg herauszuarbeiten. Er betrachtet Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten.

Mitarbeiter

Werden Mitarbeiter gut behandelt, verhalten sie sich reziprok, sie sind motiviert etwas zurückzugeben. Folglich steigt die Produktivität, und damit die Profitabilität. Dies ist die zentrale argumentative Kausalkette von Richer, die plausibel erklärt, wie ehische Geschäftsführung auf Geschäftserfolg wirken soll.

Richer argumentiert für eine gerechte Entlohnung des gesamten Zeitaufwands, strikt leistungsabhängige Beförderung mit transparenten Leistungskriterien und persönlichkeitsorientiertes (Freundlichkeit, Leidenschaft und Enthusiasmus) offenes und ehrliches Recruiting. Anreizsysteme sollten sorgfältig bedacht werden.

Er konstantiert diesbezüglich, dass zunehmend Arbeitszeit, wie An- und Abreise nicht als solche anerkannt werden und das sich schlechte Mitarbeiterbehandlung negativ durch Betrug, Diebstahl, Mitarbeiterfluktuation und Krankfeiern revanchiert. Letztlich macht er darauf aufmerksam, dass Menschen, die für einen tricksen zum einen auch gegen einen tricksen und zum anderen, dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass Trickser in schwierigen Situationen schlechter abschneiden, weil sie nicht so motiviert und energetisch sind.

Weiterhin konterkarriert gerechte Entlohnung Armut und Ungleichverteilung und hebt somit das Konsumniveau, das auf Unternehmen zurückfällt.

Kritik

Richer argumentiert mit allgemeinen Regeln und statisch. Mir fällt auf, dass er wenig differenziert und marktdynamiken nicht erörtert. Ich differenziere z. B. zwischen Soziopathen, Opportunisten und egoistisch-empathischen Menschen auf der Ebene tatsächlichen Verhaltens. Soziopathen und Opportunisten verhalten sich (vordergründig) reziprok, wenn und solange sie dadurch Vorteile erlangen, während egoistisch-empathische Menschen zwischen Egoismus und Alltruismus situativ abwägen, sofern ein Dilemma vorliegt. Im egoistischen Bereich verhalten sie sich dann also ebenfalls reziprok, während sie sich im alltruistischen Bereich investierend / oder wertegemäß verhalten.

Soziopathen verhalten sich hintergründig für gewöhnlich fremdschädlich und sähen Misstrauen. Reziprozität und Gerechtigkeit sind für sie ein notwendiges Übel, wenn es sie selbst betrifft, und eine Möglichkeit öffentlicher (verlogener) Bestrafung Dritter. Sie sind fundamental nicht vertrags- und verantwortungsfähig und es existiert mit ihnen keine Kooperation.

Opportunisten verhalten sich solange reziprok, bis ein (kurzfristig) höherwertiges Angebot zu Verrat führt. Opportunisten können damit häufig keine langfristigen Beziehungen führen und bieten keinen Vertrauenspuffer, wenn eine Kriese eintritt.

Egoistisch-empathische Menschen zeichnen sich vor allem durch eins aus: Sie analysieren stets, welche Konsequenzen ihr eigenes Verhalten für sie und Andere hätte und entscheiden sich erst dann für Egoismus / Opportunismus oder Alltruismus in dilematischen Situationen. Sie können also nur mit solchen Leuten Vertrauen überhaupt aufbauen.

Wenn Sie jetzt einen sogenannten Effizienzlohn zahlen, also einen Lohn über Marktniveau sprechen sie Soziopathen und Opportunisten immer an, während egoistisch-empathische Menschen bedenken, ob sie in ihrem Unternehmen einen Beitrag entsprechend ihrer Werte leisten, also positive Konsequenzen für andere herbeiführen. Insbesondere, wenn ihre Produkte nicht explizit zu Positivem beitragen haben sie eine deutlich geringere Quote egoistisch-empathischer Mitarbeiter, und somit können Sie nicht in Vertrauen investieren.

Das bedeutet zum einen, dass Sie Kriesensicherheit erhöhen, wenn ihre Produkte zu Positivem beitragen, weil Sie dann egoistisch-empathische Mitarbeiter anziehen und Vertrauen aufbauen können, und zum anderen, dass finanzielle Anreize im Regelfall keine wirkliche Reziprozität bewirken, sondern amoralische Konkurrenz um dieses extrinsisch motivierende Gut. Deswegen bräuchten Sie Leistungsindikatoren die prosoziales Verhalten verlässlich und durchgängig in der Hierarchie messen, damit Soziopathen und Opportunisten nicht das soziale System zerlegen und müssten insbesondere Soziopathen systematisch identifizieren und los werden.

Soziopathen und Opportunisten erkennt man selten im klassischen Recruiting. Weder anhand der Unterlagen, noch anhand von Bekundungen und auch nicht anhand der Mimik lassen sie sich identifizieren. Soziopathen und Opportunisten fallen insbesondere in der Gruppenarbeit auf. Deswegen – und hier herrscht große Intransparenz – sollte man die vormaligen Kollegen / Komilitonen befragen, die mit den betreffenden Kandidaten zusammengearbeitet haben und müsste die gesammelten Äußerungen systematisch analysieren. Opportunistische Trittbrettfahrer lassen sich leicht identifizieren während durch Soziopathen korrumpierte soziale Gemeinschaften weniger leicht zu identifizieren sind (Opferbeschwerden, Fluktuation, Abbruch, Falschaussagen).

Deswegen sollten Unternehmen systematisch mit ihren Mitarbeitern kommunizieren und die Situation analysieren, damit Soziopathen identifiziert werden können. Starke Anzeichen für Soziopathen sind Misstrauen, Klüngeleien und schwer nachweisbare Straftaten gegen Menschen. Nicht selten brauchen die Opfer ohne Hilfe relativ lange, um herauszufinden, wer wirklich dahinter steckt und haben doch mit Gruppen zu tun, die gegen sie instrumetalisiert wurden. Letzteres korrumpiert ihre Glaubwürdigkeit.

Es gibt im Übrigen einen Zusammenhang zwischen Soziopathie und Opportunismus: Die meisten Opportunisten hatten mal einen Soziopathen im Umfeld und haben die opportunistische Instrumentalisierung erlebt oder waren sogar Opfer und glauben das alle Menschen Opportunisten seien und man nicht vorankommt, wenn man nicht selbst so wird (Menschenbild). Diese Erwartung lässt sich in guter Umgebung falsifizieren, und somit korrigieren.

Kunden

Richer geht davon aus, dass Märkte selbstkorrigierend unethische Unternehmen deselektieren, weil sie schlechten Service, schlechte Produkte und intransparentes Verhalten liefern, was die Kunden auf dauer nicht mitmachen.

Deswegen rät er zu hoher Produkt- und Servicequalität sowie zu einer Kultur der Offenheit. Da ein Unternehmen ein komplexes System ist legt er besonderen Wert auf die Kultur, die offen und ehrlich auch in Konfliktfällen sein soll.

Beschwerden sollen ehrlich und fair gehandhabt werden, sodass alle betroffenen Parteien angehört werden sollen und Ehrlichkeit soll durch Straffreiheit und Motivation zur Ehrlichkeit unterstützt werden. Leistungsindikatoren für Verkäufe sollten reziprokes Verkaufen mit Nutzen für Unternehmen und Kunden messen, da sie sonst sehr schnell zu einem korrupten System führen, der das Unternehmen gefährdet.

Kritik

Die Argumentation ist schlüssig und entspricht meinem Wissen für lange Zeiträume. Gleichzeitig ist bekannt, dass sich das kostenorientiere Unternehmenssegment durch Preis-Leistung definiert und das qualitätsorientierte Unternehmenssegment durch Marken. Marken betreffen häufig ansprechende Produkte und Innovationen. Relativ selten stehen Marken für gute Geschäftspraktiken. Zertifikate greifen häufig einzelne Aspekte guter Geschäftspraktik auf. Meines Erachtens wäre Transparenz und Besteuerung von negativen Externalitäten der Geschäftstätigkeit der entscheidende Hebel für marktgerechte Regulation von Kundenorientierung.

In der Tat wäre eine offene Kultur erstrebenswert, aber gerade diese Kultur existiert häufig nur vordergründig und ist selten überprüfbar. So konstatiert Richer auch, dass häufiger Reputationsschadensmanagement als Reputationsschadenprävention betrieben wird. Mein Eindruck ist, dass die meisten Unternehmen sich informell-kooperativ hinter Intransparenz verstecken, anstatt proaktiv Transparenz herzustellen und durch Wohlverhalten zu glänzen – gerade, weil sie nicht ethisch motiviert sind. Diese Leistung wird von Journalisten, Forschern und Interessensvertretungen erbracht, auf die Unternehmen reagieren. Richer hingegen Argumentiert, dass negative Ausreißer im Vordergrund öffentlicher Wahrnehmung stehen und das Bild auf die meisten Geschäftsführer verzerren. Das kann ich aufgrund der Intransparenz nicht prüfen.

Lieferanten

Guter Umgang mit Lieferanten inklusive der Dienstleister, die nicht am Produkt arbeiten, wie Putzkräfte, erzeugt bei den Konsumenten ein gutes Gewissen und Vertrauen in die Produkte (Differenzierungsvorteil, Risikoprofilaxe gegen Boykott) und bietet dem Unternehmen Spielräume durch Goodwill der Lieferanten, wenn es darauf ankommt (Mutualism).

Kritik

Während die Argumentation in sich schlüssig ist, ist doch die Transparenz ein entscheidender Faktor in Bezug auf die Kundenwirkung. Irritierend ist hier, dass Unternehmen selten Transparenz herstellen, im Gegenteil sogar investigative Gruppen existieren, die diese Leistung gesellschaftlich erbringen. Die Argumentation gilt also eher langfristig, als unmittelbar und immer.

Externe Perspektive und Regulation

In Bezug auf die externe Perspektive und Regulation geht Richer auf Wahrnehmung von Kapitalismus, Liberalismus, flexible Arbeitsverträge, exzessive Führungskräfteentlohnung, Steuervermeidung und Privatisierung ein.

Wahrnehmung von Kapitalismus und Liberalismus

Richer kritisiert, dass viele Menschen in der Unterscheidung Kapitalismus oder Sozialismus viel zu indifferenziert gegenüber Gestaltungsmöglichkeiten der einzelnen Systeme informiert sind: Wenige Menschen verstehen, dass man Kapitalismus unterschiedlich gestalten kann und auch sollte.

Deswegen gibt er sich irritiert ob der Chicagoer Schule (Liberalismus) die Staatsintervention ablehnt sowie Profitmaximierung und Shareholder Value zu alleinigen Ziel von Unternehmen erhebt. Es sickert durch, dass er dieser Strömung, die viele Verantwortungsträger (Investoren, Geschäftsführer, Politiker) aufgegriffen haben, viel gesellschaftlichen Schaden zurechnet. In Bezug auf das zentrale Gütekriterium dieser Theorie arbeitet er heraus, dass die Profitorientierung letztlich empirisch sogar mit niedrigeren Investorenrenditen einherginge.

Kritik

Diese Argumentation von Herrn Richer kann ich voll und ganz nachvollziehen. Ich teile den Eindruck, dass wenige Leute Kapitalismus differenziert betrachten können und bin irritiert von der Chicagoer Schule. Staatsintervention ist nach klassischer volkswirtschaftlicher Theorie erforderlich. Profitorientierung bezogen auf Aktienwert führt zur Kurzfristorientierung während der langfristige Wert durch Investitionen aufgebaut wird und das Unternehmen langfristig erhält – es wird zu wenig und zu kurzfristig investiert. Ich beobachte immer weniger Innovation und zu wenig Investition in Schwellen- und Entwicklungsländer, sodass global die Renditen bzw. das Wirtschaftswachstum sinkt.

Flexible Arbeitsverträge

Richer greift flexible Arbeitsverträge auf und konstatiert, dass diese wenigen einen Nutzen bringen, während viele dadurch in ihrer Verhandlungsposition geschwächt wurden. Viele verlieren dadurch klassische Arbeitnehmerprivilegien wie Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und gesichertes fixes Einkommen. Weiterhin können viele dadurch keine Kreditgeschäfte eingehen und sind ungerne von Vermietern gesehen.

Kritik

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist ein heeres Ziel. Seit Generationen existiert Voll- und Teilzeit, aber ein Übertrag von realem Wirtschaftswachstum hin zu mehr Freizeit findet nicht statt. Stattdessen produzieren wir immer mehr. Statt eine gute Lebensqualität zu erarbeiten, erarbeiten wir immer höheren Luxus. Aus Perspektive unserer Zufriedenheit ist das vermutlich schwachsinnig. Vgl. Glücksländer.

Sie können heutzutage theoretisch sein: Arbeitsloser, arbeitsloser Minijober, Teilzeitkraft, Vollzeitkraft und Selbstständiger / Freelancer. Minijobs sind für gewöhnlich unqualifizierte Arbeit im Niedriglohnsektor, Teilzeitkräfte werden ungern gesehen und Selbstständige / Freelancer sind qualifizierte Arbeitskräfte die sich häufig wieder in abhängige Arbeit begeben, weil die Unsicherheit zu hoch ist. So kommt es, dass die meisten die Wahl zwischen Vollzeit und Arbeitslosigkeit haben. Arbeitslosigkeit bedeutet häufig einen unqualifizierten Nebenjob machen zu müssen.

Deswegen finde ich die modernen Ansätze einer wohlstandsproportionalen Grundsicherung und zeitlich flexibler Arbeitsverträge sinnvoll: Man sollte hinreichende Lebensqualität allgemein haben und für höheren Wohlstand und Luxus zusätzlich flexibel arbeiten gehen. Das verschiebt viel Niedriglohnarbeit hin zur Digitalisierung (die eventuell finanzierungstechnisch genutzt werden kann; vgl. Utilitismus) und erhöht die Sicherheit, sodass flexible Arbeit nicht wieder verdrängt wird.

Das bedeutet aber auch, dass dieser Teil der Ökonomie sinnvoll gestaltet wird. Hartz-IV-Sicherheit ist nicht mit Freelancing im akademischen Bereich kompatibel, weil man seinen Hartz-IV-Status verliert, wenn man mal eine gute Auftragslage hat und erst sein Vermögen aufbrauchen muss, wenn die Auftragslage einbricht, bis man wieder Anspruch auf Hartz-IV hat. Vielleicht sind hier sinnvollere Regelungen möglich, wie z. B. durch ein bedingungsloses Grundeinkommen oder eine negative Einkommenssteuer.

In Bezug auf Selbstständige ist mir zu Ohren gekommen, dass diese Krankenversicherung bezahlen müssen, die sich mindestens nach einem Mindesteinkommenssatz bemessen, sodass der Aufbau der Selbstständigkeit behindert wird und gerade kleinere Zusatzarbeit verhindert wird. Leider bin ich derzeit nicht im Detail ausgebildet, um diesen wünschenswert fließenden Übergang beurteilen zu können, aber das binäre Modell arbeitsloser Minijober oder Vollzeitkraft verhindert m. E. enormen Wohlstand in Form von Freizeit und führt zu verschwenderischem und umweltschädigendem Luxus.

Exzessive Führungskräfteentlohnung

Richer merkt an, dass Führungskräfte exzessiv entlohnt werden und das der Legitimation – insbesondere auch durch Marktbegründungen – entbehrt. Er verweist an mancher Stelle auf Selbstbereicherung. Insbesondere auch im Zusammenhang mit öffentlich-rechtlichen Institutionen (in Großbritannien).

Die Bonuskultur prangert er scharf an und verweist auf Schweden, wo hohe Einkommenstransparenz zu geringeren Gehältern, Abwesenheit einer Bonuskultur und gleichermaßen erfolgreichen Unternehmen führe.

Richer fordert eine vernünftige Relation der Einkommen zwischen den Arbeitern, Führungskräften und Geschäftsführern, die durch Belegschaftsvertretung in Entlohnungsgremien erreicht werden soll.

Kritik

Aufgrund meiner Informationen zur Elitenforschung überzeugt mich das Selbstbereicherungsargument und auch ich gehe davon aus, dass Transparenz förderlich sein dürfte. Aber ich würde noch weiter gehen und der Belegschaft ein Mitbestimmungsrecht in Bezug auf Entlohnung und Besetzung von Führungspositionen geben, denn ich stelle mich gegen die im Gesetz vertretene Meinung, dass Unternehmen den Eignern gehören.

In Unternehmen gehen Kapital und Arbeit ein und die Arbeit entlohnt sich selbst ohne am Mehrwert beteiligt zu sein. Damit ist Arbeit (Lebenszeit) grundsätzlich am Gewinn zu beteiligen und in Bezug auf seine Verwendung zur Mitbestimmung mit Berechtigung auszustatten.

Weiterhin bin ich der Meinung, dass Investoren keinen Anspruch auf Renditemaximierung haben sollten, sonder fair für ihren Beitrag durch Konsumverzicht entlohnt werden sollten. Das bedeutet Geldwerterhaltung mit einem verzichtsangemessenen Anreiz zur Geldvergabe und ist möglich. Vgl. nachhaltiger Kapitalmarkt.

Steuervermeidung

Richer arbeitet heraus, dass Unternehmen und vermögende Menschen durch sogenannte Steueroasen Steuerzahlung umgehen, dass Steuerautoritäten in Großbritannien eher mit solchen (juristischen) Personen verhandeln, anstatt Gesetze durchzusetzen und dass in Großbritannien zunehmends Personal abgebaut wird, wo Steuereinnahmen eingetrieben werden könnten.

Er rät zur Verstärkung der Befugnisse von Steuerautoritäten, zu internationaler Kooperation, zu Transparenz und zur Erregung von Scham bei den Verantwortlichen, die ihren Erfolg der Gesellschaft zu verdanken haben. Transparenz sei wichtig, weil viele Bürger Steuervermeidung selbst dann amoralisch finden, wenn sie legal ist und derartige Unternehmen boykottieren würden.

Kritik

Ich fühle mich aufgrund der Grenzen meines Kompetenzkreises nicht befugt in diesem Thema an jeder Stelle mitzureden, aber ich erachte in Bezug auf Unternehmen und Privatpersonen Transparenz aus den genannten Gründen (Scham, Boykott) für hilfreich.

Privatisierung

Richer beklagt, dass die Debatte um Privatisierung zu oberflächlich und lagerartig geführt wurde und wird. Er verweist darauf, dass viele übersehen, dass ehemals private Leistungen aufgrund schlechter Leistung und finanziellem Struggle verstaatlicht worden.

Eine Vorteilhaftigkeit des Marktes ist gegeben, wenn ein klares Ziel und klare Maßnahmen zu dessen Erreichung vorliegen, Kunden klar identifiziert werden können, das Produkt klar ist, es um einfache Transaktionen geht und Wettbewerb herrscht.

Das sieht er für Gefängnisse, Schulen, Krankenhäuser, Wohnungsbau, neue Infrastruktur, Wasserversorgung und andere Säulen der Gesellschaft, die essentiell für alle sind, nicht gegeben. Und in Bezug auf die Bereiche, wo private und staatliche Geschäfte möglich sind, wie Schulen, Krankenhäuser und Wohnungsbau wie auch für die funktionierenden Privatisierungen empfhielt er die Ausarbeitung von Verträgen, die wohl durchdacht sind. So wurde z. B. in Großbritannien sozialer Wohnbau veräußert und im Vertrag das Recht neu zu bauen beschränkt, was grober Unfug gewesen sei.

Ein Positivbeispiel nach Richers Ansicht sei die Telekommunikationsbranche, in der bessere Preis-Leistung erreicht worden sei.

In Bezug auf die Behauptung, dass Privatunternehmen besser gemanaged seien als Staatsinstitutionen konstatiert Richer eine Unabhängigkeit der Managementqualität von der Eigentümerschafft. Er merkt jedoch kritisch an, dass Mitarbeiter, die Staatseigentum verwalten und Politiker häufig nicht hinreichend mit Verboten und deren Überwachung ausgestattet werden, um unabhängig zu sein und das Staatsinstitutionen häufig unter politischer Unsicherheit leiden, die ihre Ziele und Führungskräfte betreffen.

Beobachtungen an Staatsunternehmen verleiten Richer zu folgenden Empfehlungen: 1. nach Economies of Scale ausschau halten, 2. sich an Best Practices zu orientieren und 3. kontinuierliche Verbesserung / Kaizen zu betreiben.

Kritik

Ich bin kein Experte für dieses Thema, aber grundsätzlich sind Privatunternehmen gut darin grundlegende Bedürfnisse die alle Menschen haben zu befriedigen (Menge) und wohlhabende Nischensegmente zu bedienen.

Deswegen sind für mich Versicherungen zentral, die aus Nischen wohlhabende Nischen machen, wenn es um etwas Ernstes geht. Ich habe das Gefühl, dass Versicherungen die Menschen betreffen (Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung, Arbeitsausfallversicherung, Rechtsschutzversicherung usw.) eigentlich durch den Staat gemanaged werden sollten und für alle verbindlich sein sollten. Gerade die Entwicklungen der IT führen derzeit zu Diskussionen in Bezug auf Versicherungen (Marktsegmentierung), die wenig mit dem Grundprinzip von Versicherungen zu tun haben, das eine Gemeinschaft sich zusammentut, weil die individuellen Absicherungskosten für Risiken gemeinsam niedriger sind, als individuell.

Es gibt auch Kriterien für öffentliche Güter, die mir jedoch gerade nicht mehr zugänglich sind. In vielen sozialen Bereichen sind Interessenkonflikte zu beobachten, die zu verwerflichen Ergebnissen in privater Hand führen. Dazu gehören die von Herrn Richer angeführten Säulen der Gesellschaft.

Das Management in staatlichen Instituten ist weniger flexibel, da Gesetze den Leistungsumfang bestimmen und diese Gesetze vom Gesetzgeber und nicht vom Management vorgegeben werden. Deswegen erfordert Kaizen ein direktes Feedback der Behörden an den Gesetzgeber und entsprechende Reaktion. Zentralisierte Beschaffung (Economies of Scale) und intensive Vernetzung der einzelnen Behörden untereinander mit Benchmarking bezüglich Best Practices halte ich ebenfalls für empfehlenswert. Wichtig könnte auch sein, dass ein Auftrag, bessere Konzepte zu erarbeiten existieren sollte und im Budget der Behörden zu Buche schlägt.

Fazit

Geschäftsführer sind keine omnipotenten Helden, sondern verantwortlich für Repräsentation nach innen und außen und die Genehmigung wesentlicher struktureller Maßnahmen. In der internen Perspektive sind Transparenz, Produkte mit positivem gesellschaftlichem Beitrag, Leistungsindikatoren für prosoziales Verhalten und Soziopathendeselektion durch Kommunikation und Analyse besonders wichtig. In der externen Perspektive und in Bezug auf Regulation kann zu den angeführten Themen folgendes gesagt werden:

Thema Fazit
Kapitalismuswahrnehmung und Liberalismus Kapitalismus ist gestaltbar und sollte nach ganz herrschender Meinung gestaltet werden.
Flexible Arbeitsverträge Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist ein erstrebenswertes Ziel, jedoch derzeit nicht möglich gemacht, denn wer kann arbeitet Vollzeit.
Exzessive Führungskräfteentlohnung Transparenz über Einkommen, Mitbestimmung der Belegschaft und eine Renditebeschränkung auf investive Kapitalanalge können helfen.
Steuervermeidung Transparenz erzeugt Unternehmensboykotte durch Konsumenten und Scham der vermögenden Privatpersonen und sollte Steuervermeidung eindämmen können.
Privatisierung Die Eignung für die Privatisierung sollte vorsichtig und im Detaill erfolgen. Staatliches Management sollte in enger Kooperation mit dem Gesetzgeber erfolgen, Beschaffungen sollten zentralisiert werden und die einzelnen Behörden sollten miteinander vernetzt werden.

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Konjunkturregelung

Konjunktur bezeichnet die Reaktionskurven von Volkswirtschaften auf externe Schocks, bis es wieder zum Gleichgewichtszustand kommt. Mit Konjunktur gehen strukturelle Arbeitsplatzverluste und Arbeitsplatzwechsel einher, die sozial belastend auf Betroffene wirken und nur zu einem geringen Teil dem strukturellen Wandel der Volkswirtschaft geschuldet sind. Denn viel Arbeitslosigkeit wird durch Kapazitätsanpassungen runter und wieder hoch gefahren. Eine Reduktion der Konjunktur auf das Nötigste, würde also Schaden reduzieren. Wie kann man strukturell Konjunktur vermindern?

Idee / Hypothese

In der höheren Volkswirtschaftslehre lernen Studenten mathematische Modelle für volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu bilden. Das Grundelement solcher mathematischer Modelle sind Differentialgleichungen.

Im Maschinenbau werden mechatronische Systeme einsatztauglich gemacht, indem das mechanische System durch Sensoren und Aktoren über einen Regler stabilisiert wird. Das mechanische System ist im wesentlichen durch Differentialgleichungen modelliert.

Folglich sollte es möglich sein, die maschinenbauliche Systemtheorie und Regelungstechnik auf volkswirtschaftliche Regelstrecken zu übertragen. Ich habe hier so etwas, wie ein Matlab / Simulink Modell vor Augen.

Volkswirtschaftliche Aktoren

Die klassischen volkswirtschaftlichen „Aktoren“ sind das Staatsbudget und der Leitzins der Zentralbank, aber theoretisch denkbar sind ebenfalls die Sparrate der Bevölkerung, die Kreditvergabe von Banken und die Investition von Unternehmen, die auf freiwilliger Basis per Meinungsbildung koordiniert werden könnten. Weiterhin die Markteingriffe der Zentralbank in Kapitalmärkte (makroprudentiale Zentralbankpolitik).

Volkswirtschaftliche Sensoren

Es werden im Kontext der Volkswirtschaft zahlreiche Statistiken von staatlichen, intergovermentalen und privaten Institutionen sowie den Zentralbanken veröffentlicht, die zur Parametrisierung und als Variablen in volkswirtschaftliche Modelle eingehen. Die volkswirtschaftlichen Statistiken beinhalten die Daten als „Sensor“ der Volkswirtschaften. Es ist für die Zukunft möglich, dass diese Statistiken zunehmend in Richtung der real-time Datenverarbeitung verfügbar werden.

Volkswirtschaftlicher Regler

Während die Zentralbanken modellbasiert entscheiden, ob die sogenannte Taylorregel eine Leitzinsanpassung erfordert, wurde mir gelehrt, dass Staatsbudgetentscheidungen der Konjunkturpolitik in Deutschland regelmäßig und parteiübergreifend konjunkturdestabilisierend wirkten, weil die Entscheidungsträger historisch Fehlentscheidungen für sogenannte Konjunkturprogramme getroffen haben.

Ein digitaler Regler könnte so eingestellt werden, dass er diskrete Budgets oder Raten in Zusammenhang mit statistischer Veröffentlichung (Sensordaten) zur Regelung des volkswirtschaftlichen Modells festlegt. Diese Budgets und Raten wären dann Sollgrößen für Konjukturprogramme und Meinungsbildung gegenüber eventuell kooperierenden Institutionen, wie Banken (Kredite), Unternehmen (Investitionen) und Haushalten (Sparrate).

Wichtig ist jedoch, zu wissen, dass volkswirtschaftliche Modelle im Kontext von Krisen häufig reparametrisiert werden müssen, sodass Ökonomen die Regelstrecke im Falle besonderer Krisen weiterhin durch Identifikation struktureller Veränderungen an die derzeitige Situation anpassen müssen. Dies erfolgt im Regelfall in Kooperationen mit Wissenschaft und volkswirtschaftlichen Institutionen, wie der Europäischen Zentralbank.

Fazit

Um unnötige Konjunktur zu vermeiden, sollten volkswirtschaftliche Modelle im Wege eines digitalen Reglers der Systemtheorie und Regelungstechnik ausgelegt werden können, der Budgets und Raten für volkswirtschaftliche Eingriffsmöglichkeiten als Sollgrößen definieren können sollte, da volkswirtschaftliche Modelle wie mechanische Modelle Differentialgleichungen sind.

Die Sollgrößen können Konjunkturprogramme, Leitzins und Meinungsbildung bestimmen, um gemeinschaftlich im Sinne der Volkswirtschaft zu agieren.

Im Falle von Krisen sind Wissenschaftler und amtstätige Ökonomen gefordert, die Modelle eventuell durch Identifikation der Veränderungen zu reparametrisieren.

Es ist zu erwarten, dass die „Sensorik“ / volkswirtschaftliche Statistik zunehmend real-time-nah zur Verfügung stehen wird und eventuell automatische Parametrisierung möglich wird.

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Corporate Social Responsibility

Corporate Social Responsibility (CSR) ist in der Wahrnehmung vieler eine neue Forderung an Unternehmen Beiträge zu ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit zu leisten. In der jüngeren Vergangenheit wurde noch lediglich erwartet hochwertige und sichere Produkte zu produzieren und durch nachhaltiges und gesetzeskonformes Wirtschaften Arbeitsplätze zu sichern. Vgl. Fries, Ries und Brink 2015.

Doch die Kultur unternehmerischer Verantwortung existiert mit dem Ehrbaren Kaufmann seit der Antike in Europa. Erst der Nationalsozialismus verdrängte dieses Kulturgut in der Ausbildung und Praxis von Kaufleuten, sodass CSR heute wiederaufkommt. Selbstverständlich gab es immer schwarze Schafe. Vgl. Schwalbach und Klink 2015.

Wirtschaftssysteme dienen der Versorgung der Menschen mit Gütern, indem sie die Menschen Arbeitsteilig zur Wertschöpfung für andere bringen und ihnen im Gegenzug Tauschmittel für die Selbstversorgung zukommen lassen. Sie lösen das Versorgungsproblem einer Zivilisation. Hierbei gibt es „Güter“, die profitabel aber gesellschaftlich nicht erwünscht sind, also eigentlich „Ungüter“ sind und es gibt auch eine Entfremdung von Versorgung und Luxus, sodass viele „Güter“ eigentlich keinen tatsächlichen Versorgungswert haben, sondern Kompensation für mangelnden Selbstwert und Selbstsicherheit sind.

CSR zielt auf die moralische Begründung von Geschäftstätigkeit und fordert von Wirtschaftssubjekten tatsächlichen Versorgungswert nach gesellschaftlichen Maßstäben zu leisten. Investoren, Führungskräfte und Mitarbeiter werden aufgefordert Verantwortung für tatsächliche Wertschöpfung und Minimierung negativer Externalitäten zu übernehmen. Negative Externalitäten sind volkswirtschaftliche Schadschöpfung, deren Kosten nicht durch den Marktpreis wiedergespiegelt werden, wie z. B. Umweltvergiftung die Grundwasserreinigungskosten erhöhen.

Dieser Artikel möchte zunächst die verschiedenen „Spieler“ der Wirtschaft im Kontext von CSR untersuchen, um das Handlungspotential einzuordnen, dann die moderne CSR bündig vorstellen und letztlich in der Gesamtschau die Erkenntnisse kritisch reflektieren. Die Ergebnisse werden in einem Fazit zusammengefasst.

„Spieler“ im Kontext von CSR

Künstliche Intelligenz hin oder her, der zentrale Spieler im wirtschaftlichen Geschehen ist der Mensch. Der Mensch tritt im wirtschaftlichen Geschehen in unterschiedlichen Rollen auf. Als Konsument, Mitarbeiter, Führungskraft, Investor, Mitglied einer Interessensvertretung, der Medien oder Non-Governmental Organisations (NGOs), als politischer Entscheidungsträger und / oder als Handlungssubjekt der Judikative.

Zunächst soll der Mensch im wirtschaftlichen Geschehen nach Sednak 2015 erläutert werden. Das wirft zentrale Fragen bezüglich Verantwortung und Vertrauen auf, die ebenfalls erläutert werden. Anschließend sollen Unternehmen entsprechend ihrer Stakeholder charakterisiert werden. Dann folgen Abschnitte zu den einzelnen Stakeholdern, um noch einmal Unternehmen aufzugreifen und im Kontext der Stakeholdereinflüsse aus Perspektive der CSR zu erläutern.

Menschen im Wirtschaftsgeschehen

Menschen treten nach Sednak 2015 in drei abgrenzbaren Rollen auf: 1. mitmenschlich-kooperativ, 2. unternehmerisch und 3. menschengemäß respondierend. Die Ausführungen dieses Abschnitts lehnen sich an Sednak 2015 an.

Mitmenschlicher Kooperationspartner

Wirtschaft wird im Kern durch Kooperation in den Grundakten Herstellen und Tauschen durch Menschen ermöglicht. Durch zunehmende Automatisierung könnte menschliche Arbeit möglicherweise in den nächsten Dekaden im Potential ersetzt werden. Lösungsansätze für dieses Szenario zeigt der Utilitismus. Aber im Fokus hiesiger Darstellungen steht auch der Akt des Tauschens.

Da der Tausch unterschiedliches betrifft benötigt er ein Vertrauen gedachter Gleichwertigkeit der getauschten Güter, da Fairness ein wesentliches Merkmal zwangsfreien Tauschens ist. Damit ist Vertrauen zentral für zwangsfreie wirtschaftliche Transaktionen und Schuldverhältnisse.

Vertrauen wird mühsam aufgebaut und geht schnell verloren. Vertrauen in Systeme leitet sich aus dem Vertrauen in Personen sowie auch der Vertrautheit an und für sich ab. Deswegen sind zwischenmenschliche Versprechen und der Umgang mit gebrochenen Versprechen zentral für die Vertrauensbildung.

Nach Suchanek 2015 gibt es eine Bestätigungs-Wiederlegungs-Asymmetrie des Vertrauens. Denn Vertrauensnehmer erwarten aufgrund ihres Vertrauens Bestätigung ihrer Erwartung, sodass eine solche nicht besonders wahrgenommen wird. Widerlegungen der Vertrauenserwartung hingegen stellen Enttäuschungen dar und werden stark wahrgenommen. Deswegen bedeutet Vertrauensbildung im wesentlichen Widerlegungen zu vermeiden, anstatt Bestätigungen zu erzeugen.

Wenn Vertrauen zentral für jede Geschäftstätigkeit ist und bedeutet eine Widerlegung eigener Vertrauenswürdigkeit zu vermeiden, ist wiederum Verantwortung ein zentraler Anspruch an Wirtschaftssubjekte. Nach Schwalbach und Klink 2015 umfasst Verantwortung notwendige Grundprinzipien, tatsächliche Verpflichtungen und Verdiensthandlungen. Folglich kommen in Bezug auf Verantwortliche bzw. verantwortlich gemachte Personen nicht nur Nichtschädigungsgebote (negative Verantwortung) sondern auch prosoziale Einstellungen und Wohlverhaltenspflichen (positive Verantwortung) zu Anwendung. Letztlich kommt es auf die Versprechen bzw. kulturellen Erwartungen an.

Unternehmerischer Mensch

Der Mensch als unternehmerisches Selbst übersetzt Möglichkeiten in Gelegenheiten. Es geht darum Gewinnchancen zu nutzen, Innovationen zu entwickeln, Risiken zu tragen, Kontakte und Abläufe zu koordinieren und die Logik des Marktes zu verstehen. Der Mensch tritt hier entsprechend der Gestaltungsmöglichkeiten, seiner Gestaltungsfähigkeit und seines Gestaltungswillens visionär auf.

Durch die Beschäftigung mit den Gegenständen der Sorge und des Kümmerns bildet der Mensch seine Identität. Er geht mit seiner gesamten Persönlichkeit in diese identitätsstiftenden Projekte ein. Nicht alle Erwerbstätigkeit leistet einen Beitrag zur Identitätsarbeit.

Menschengemäßer Respondent

Als menschengemäßer Respondent reagiert das Wirtschaftssubjekt auf Probleme anderer, die er zu lösen sucht, und versucht die Lebensqualität anderer zu steigern. Hier wird also vom Problem auf Lösungen hin gearbeitet, nicht von den Möglichkeiten auf Visionen hin.

Fazit: Menschen im Wirtschaftsgeschehen

Menschen organisieren arbeitsteilig kooperativ die Versorgungsleistung der Zivilisation (Mitmenschlicher Kooperationspartner) als Subjekte der Verantwortung in Beziehungen des Vertrauens, lösen Probleme und steigern die Lebensqualität basierend auf zwischenmenschlichem Feedback (Menschengemäßer Respondent) und erarbeiten Visionen entsprechend der Gestaltungsmöglichkeit und ihrer Persönlichkeit und Motivation (Unternehmerischer Mensch).

Stakeholder eines Unternehmens

Unternehmen bilden in Wertschöpfungsketten Kapital-Arbeits-Kombinationen (hier wird Boden als eine Form realen Kapitals betrachtet) um Produkte / Dienstleistungen an Konsumenten zu veräußern. Die Unternehmen agieren in einem Rechtsgefüge und mehr oder minder organisierten Gesellschaften. Um in Kapital und Arbeit zu investieren, können Unternehmen sich aus Rücklagen, Fremdkapital und Eigenkapital sowie Mischformen finanzieren. Unternehmen befinden sich üblicherweise im Wettbewerb.

Damit sind die Stakeholder von Unternehmen zunächst Konsumenten als Märkte hohen Wertschöpfungsniveaus (Einkommen) und / oder hoher Bevölkerungszahl. Sodann ihre Arbeitnehmer und Führungskräfte sowie ihre Lieferanten und Investoren. Hier wird Kapital und Wissen über Technologieforschung und Bildung ermöglicht. Letztlich bilden die Nationen mit ihren Rechtssystemen und kontinuierlicher Gesetzgebung und Jurisdiktion weitere Stakeholder, kodifiziert und / oder in Entstehung. Hier greifen externe Stakeholder wie Interessensvertretungen, NGOs und Medien an. Wettbewerber können Stakeholder sein, sofern Kooperationen kartellrechtlich zulässig sind.

Konsumenten

Konsumenten optimieren ihren Lebenskonsum entsprechend ihres Budgets, sodass (kurzfristig) höchster Nutzen für sie erzeugt wird. Ihr Budget ist abhängig von ihrer Faktorproduktivität, ihrem Einsatz entsprechend dieser Leistungsfähigkeit und den Marktbedingungen für diese Leistungen am Arbeitsmarkt. Ihr Nutzen ist notwendig bis psychologisch-situativ, entsprechend des Budgets.

Wenn Konsumenten ihren Konsum bewusst und reflektiert nach ihren Vorstellungen planen und planen können (Transparenz), anstatt sich verführen zu lassen, entstehen Marktleistungen von Wertschöpfungsketten, die den Vorstellungen der Konsumenten entsprechen. Es ist aber kein Geheimnis, dass viele Marktleistungen intransparent sind und durch psychologische Beeinflussung als werthaltig erscheinen.

Es gibt diverse Studien zur Gespaltenheit der Konsumenten, deren Bekundungen von ihrem tatsächlichen Verhalten stark abweicht. Gründe können neben der Heuchelei dieser Personen auch Überforderungsphänomene in Kaufentscheidungen sein. Es ist jedoch so, dass lediglich das tatsächliche messbare Verhalten der Konsumenten für Unternehmen relevant ist.

Faktisch gesehen bringt es nichts, wenn Konsumenten ihre kognitive Dissonanz auflösen, um ihr tatsächliches Verhalten zu rechtfertigen. Dieses kulturelle Phänomen schwächt das Vertrauen in Bekundungen von Menschen erheblich und hat massiven Einfluss auf generalisiertes Vertrauen. Dies zu steigern erfolgt vor allem im Kontext reflektierter Beziehungsführung. Vgl. Kontrafaktisches Schlussfolgern und generalisiertes Vertrauen.

Externe Stakeholder

Externe Stakeholder sind organisierte Menschenguruppen, die im Wege von Lobbyismus, Rechtsklagen und Meinungsbildung staatliche Akteure und Konsumenten für bestimmte Themen sensibilisieren und auch (tendenziöse) Haltungen fördern sowie Unternehmen in Schranken weisen. Sie schaffen so indirekt und direkt Bedingungen für Unternehmen über Regulation und Beeinflussung / Überzeugung der Konsumenten.

Mitarbeiter und Führungskräfte

Personal eines Unternehmens sind Menschen mit Bedürfnissen und Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung (Restriktionen). Wohlstand würde bedeuten, seine Lebenszeit so zu gestalten, dass die Bedürfnisbefriedigung optimiert wird, durch Einkommen, Lebensqualität auf der Arbeit und individuelle Zeitgestaltung.

Arbeitsmärkte koordinieren diese unvollständigen Verträge über Dienstleistung / Werk sowie Einkommen und Arbeitsbedingungen, sind aber nicht vollständig transparent. Zu arbeiten bedeutet zu einem gewissen Grad Unterordnung und Aufgabe von Autonomie entsprechend der Markt- und Rechtsbedingungen – es geht um Dienstbarkeit. Das liegt in der Natur der Sache, aber meistens haben Menschen Alternativen und Entscheidungsmöglichkeiten mithin Mitverantwortung. Auf manchen Arbeitsmärkten sind Arbeitnehmer jedoch machtlos.

Machtlosigkeit findet sich vor allem für einfache Tätigkeiten geringer Qualifizierung und aufgrund strukturell geringer Verhandlungsmacht. So dürfen Pflegekräfte z. B. nicht streiken und Langzeitarbeitslose / Hartz-IV-ler sind nicht am Wohlstand beteiligt und zur Bewerbung und Arbeitsannahme gezwungen. Das ist durchaus kritisch, wie folgender Artikel aufzeigt: Arbeitsvermittlung 4.0.

Auch gibt es systematische Schwächung von Gewerkschaften und Koordination von Großunternehmen über Vermögens- und Führungseliten, die systematisch Macht zugunsten eines Auseinanderdriftens der Einkommensschere aufbauen, anstatt Verantwortung für Verteilungsgerechtigkeit und Beiträge zur Zufriedenheit zu leisten. Vgl. den Artikel Glücksländer zum Zusammenhang zwischen Einkommen und Zufriedenheit, der aufzeigt, dass das opportunistisch bis soziopathisch ist.

Lieferanten

Lieferanten sind grundsätzlich eigene Unternehmen, die auch in anderen Rechtsgebieten und Kulturen ansässig sein können, aber der Business-to-Business-Markt ist anders strukturiert als derjenige zu Konsumenten. Ganz grob wird hier viel analytischer Verhandelt, sodass Fakten eher gewichtet werden als psychologische Entscheidungskriterien.

Da Lieferanten ihre Leistung an Märkten anbieten, bedarf es regelmäßig der Koordination der Abnehmer, um diese zu beeinflussen, wenn das für sie nicht direkt naheliegt. Deswegen ist es eine extreme Forderung, dass Unternehmen Verantwortung für die Wertschöpfungskette übernehmen sollen – oft und insbesondere kurzfristig ist dies kaum möglich. Kooperation von Wettbewerbern gegenüber den Lieferanten ist zudem kartellrechtlich eventuell problematisch.

Investoren

Investoren bilden Portfolios entsprechend ihres Budgets, die Spitzenrenditen entsprechend der Risikoposition des Portfolios fordern. Bergius 2015 weist darauf hin, dass institutionelle Investoren entsprechend ihrer treuhänderischen Pflichten sämtliche relevante Risikofaktoren, also auch Risikofaktoren durch negative Externalitäten, berücksichtigen müssen und in einen effektiven Aktionärsdialog mit den Unternehmen eintreten müssen. Sie verletzen sonst ihre Sorgfaltspflichten.

Grundsätzlich verringert die Berücksichtigung und Minimierung von negativen Externalitäten in Unternehmen das Risiko des Marktportfolios, sodass Unternehmen zwischen CSR und Rendite eine strategische Position am Kapitalmarkt beziehen können – dies ist nicht ausgeschlossen.

Weiterhin weist Bergius 2015 darauf hin, dass Eigentum gemäß Grundgesetz verpflichtet, wenn auch das nicht weiter im Gesetz konkretisiert ist. Hierin liegt jedenfalls eine Verantwortungszuschreibung gegenüber Investoren, die möglicherweise mit der allgemeinen Haltung maximale erwartete Rendite fordern zu können nicht vereinbar ist.

Erwägungen die Refinanzierung von Unternehmen von der Maximierungsforderung der Rendite hin zu fairen Entlohnungen für Kapitalgeber umzustrukturieren, sind durch Risikogutachter und fixe erwartete Rendite denkbar, müssten aber in Bezug auf alles investitive Eigentum angewendet werden, also auch Immobilien und Grundstücke und das wäre sehr bürokratisch. Dies schafft jedoch auch qualifizierte Arbeitsplätze. Das Konzept ist in folgendem Artikel erläutert: Nachhaltiger Kapitalmarkt.

Staat

Nach Verständnis der Gesellschaftstheorie hat der Staat die Aufgabe / das Privileg für das Volk Regelungen und öffentliche Güter zu verantworten. Er schafft so konkrete und abstrakte Güter für das Gemeinwohl, die Bürger und Wirtschaftsubjekte individuell und in Beziehungen ausstatten. Deswegen ist ein Dialog mit den Subjekten und Institutionen der Subjekte innerhalb, wie auch außerhalb der Nation Grundlage der hoheitlich-regulatorischen Entscheidungsfindung.

Grundsätzlich wäre es die Verantwortung von Machthabern die entsprechende Staatsorganisation eines Gesellschaftsvertrags zu etablieren, wenn auch derartige Verfassungen historisch im Wege der Gewalt erkämpft wurden und noch heute Machthaber versuchen Verfassungen außer Gefecht zu setzen (Soziopathie).

Exkurs zum Bürgertum

Es ist meines Erachtens auch Teil unserer deutschen Kultur eher von Macht als von Verantwortung zu reden. Viele Menschen streben nach Macht und Status, wenige zeigen Demut vor Verantwortung. Viele Menschen haben positive Visionen, zeigen dann jedoch ihr desillusioniertes Menschenbild und sagen z. B.:

„Es geht in unserer Welt nur um Macht und Geld.“

Derartige „Erkenntnisse“ mit Negativbeispielen, die auf alle generalisiert / übertragen werden, dienen dem Opportunisten als Rechtfertigungsgrundlage für selbstbezogenes und schädliches Handeln. Menschen deren Verantwortungsübernahme ich faktisch beobachtet habe, sagten mir gegenüber:

„An solchen Leuten nimmt man sich kein Vorbild.“

Hier geht es, wie auch beim Konsumenten oder Menschen im Allgemeinen um Auflösung kognitiver Dissonanz. Ein menschlich-psychologisches Phänomen, das bizarrer Weise nicht zur Allgemeinbildung gehört. Allgemein wissen die wenigsten Menschen etwas über das Menschsein in Bezug auf neurophysiologische Phänomene wie Emotionen und Kognition und deren Verzerrung sowie auch soziale Beeinflussung.

Der fundamentale Attributionsfehler der Sozialpsychologie z. B. weist nach, dass menschliches Attributierungsverhalten von Verhalten anderer auf deren Persönlichkeit im Regelfall Schwachsinn ist, weil wir Menschen eher durch die (soziale) Situation als durch unsere Persönlichkeit im Verhalten / Handeln geleitet sind. Zu Regulation und Ausschöpfung von Emotionen und Kognition vergleiche den Artikel Selbstregulation.

Ich z. B. werde regelmäßig als Sozialist wegen einiger Artikel und als Sozialschmarotzer in meist weniger konstruktiven Online- und Real-life-Situationen abgewertet. Aber meine Artikel greifen nun mal aktuelle Debatten wie Digitalisierung, Grundeinkommen, Nachhaltigkeit, CSR usw. auf, die Forderungen von Menschen nach mehr Gerechtigkeit in der öffentlichen Debatte sind, sodass ich Lösungsansätze erarbeite, die nun mal naturgemäß vom Ist-Zustand abweichen. Hier fließen zwar meine Werte indirekt ein, aber ich bin nicht mein Artikel. Der Artikel ist üblicherweise eine Anwendung fachlichen Wissens und nicht Argumentation entsprechend meiner Persönlichkeit.

Diese Beteiligung am gesellschaftlichen Diskurs, die meine Bildung im Kontext moderner Forderungen anwendet, um Wissen (vernetzte Information) zu bilden ist zum einen Arbeit an der Gesellschaft, wenn auch nicht vergütet, und damit ein Beitrag, der mich klar vom Sozialschmarotzer abgrenzt, und zum anderen eine Investition in meine Fähigkeit wirtschaftlich zu arbeiten, den mein Studium ist derartig informationslastig und breit, dass es Zeit braucht die Informationen gegeneinander abzuwägen und zu vernetzen.

Wie soll ich am Arbeitsmarkt auftreten, also mein Arbeitsangebot definieren, wenn ich nicht weiß, was meine Leistungsfähigkeit ist? Das die meisten Menschen behaupten man solle einfach etwas nehmen und sich hocharbeiten, ist weniger Zeichen von Verantwortungsübernahme, als von materieller Abhängigkeit und mangelnder Fähigkeit sozialen Druck auszuhalten und im Kontext der Volkswirtschaft ineffizient.

Würden sie sich mit Volkswirten auseinandersetzen, könnten diese Ihnen erklären, dass man sich gegen Widerstand als Arbeitnehmer für seine Faktorproduktivität einsetzen sollte: Sie sollten sich nicht unter Wert verkaufen. Es wird nie vernünftige Einstiegsjobs geben, wenn sich Absolventen nicht dafür einsetzen.

Ich könnte also argumentieren, dass Generationen von Absolventen mich „verraten“ haben, weil sie den nächst besten Job wählten und so Unternehmen / Führungsstrukturen Macht zukommen lassen haben. In dieser Debatte hört man im Übrigen fast nie, dass Absolventen neues Wissen in Unternehmen tragen würden, wenn man ihnen verantwortungsvolle Positionen gäbe.

Viele Absolventen, die das durchschauen sind letztlich gezwungen Unternehmer aufzutreiben, die sie in verantwortungsvoller Position einsetzen (Start-ups, Kleinunternehmen mit Personalmangel). Solche Kontakte sind jedoch schwierig aufzubauen. Für Recruiter wäre es durchaus eine Überlegung wert, welche Konsequenz (Adverse Selektion) eigentlich die Machtausübung auf Absolventen hat – im Extremfall sammeln sich „Idioten“ in Großunternehmen, die durch mangelnde persönliche Autonomie auffallen.

Unternehmen und CSR

In Bezug auf Verantwortung von Unternehmen stellt sich zunächst die Frage, wer das oder die Verantwortungssubjekte sind. Klar ist, dass Verantwortungssubjekte kulturell den Ehrbaren Kaufmann zum Ideal erarbeitet und früher auch vermittelt bekommen haben. Letztlich stellt sich die Frage, wie Verantwortung mit Möglichkeit vereint werden, da Verantwortung ohne Gestaltungsspielraum nicht tragbar und die Zuschreibung unfair wäre. Nach diesen Gesichtspunkten folgt die Gliederung dieses Abschnitts.

Verantwortungssubjekt

Nach deutschem Arbeitsrecht werden Führungskräfte dem Unternehmen zugeordnet und die Belegschaft dem Betriebsrat. Regulatorisch wird so eine theoretisch soziopathensichere Organisation des Kampfes etabliert. CSR und Verantwortung fordern aber, dass Führungskräfte und Belegschaftsvertreter keine Soziopathen und Opportunisten sind, sondern kooperieren. Letztlich sollte der Experte, der die Führung berät wohl eher Kooperationspartner als Widersacher sein. Anleitung zur Kooperation bietet der Artikel Kooperationsmanagement.

Gerade in Deutschland ist es aber üblich, sich auf sein Recht und explizite Verpflichtungen zu berufen und weitere Verantwortung von sich zu weisen – so mein Eindruck. Verantwortung wird an Institutionen delegiert. Dies korreliert auch mit Statistiken zur Reife von Erwachsenen, die mehrheitlich reaktiv-ängstlich anstatt proaktiv-visionär sind. Vgl. Anderson und Adams 2016. In Bezug auf Recht und unreflektierte Forderungen basierend auf einem „Recht“ ist der Artikel Integration bestimmt aufschlussreich.

Wie dem auch sei, jedenfalls werden Führungskräfte dem Unternehmen zugeschrieben, und sind damit im Kontext von CSR die zentralen Subjekte der Verantwortung. Die Führungskräfte sind jedoch selbst hierarchisch vertikal und horizontal segmentiert organisiert, sodass sie Verantwortungs- und Einflussbereiche haben, die von oben koordiniert werden sollen. Damit liegt die Verantwortung für die Koordination beim obersten Management.

Dieses Verantwortungssubjekt, das oberste Management ist nicht unabhängig und auch rechtlich nicht legitimiert das Geschäft einzustellen (Kündigungsgründe), weil es aus gesellschaftlicher Sicht Schadschöpfung betreibt, die jedoch profitabel ist, in solchen Fällen kann es möglicherweise das Unternehmen wechseln.

In solchen Fällen wären also die Investoren verantwortlich unredliche Geschäfte nicht zu finanzieren und ein soziopathensicheres Rechtssystem würde diese Geschäfte verbieten. Hier käme also eine Verantwortung des Staates hinzu, die sich in Deutschland auf die Bundestags- und Bundesratsabgeordneten beläuft oder die richterrechtliche Konkretisierung von Eigentum verpflichtet. Für uns relevant sind die Geschäftsmänner, die als Führungskraft oder Investoren auftreten. Für sie wurde der Ehrbare Kaufmann als Ideal seit der europäischen Antike entwickelt und bis zum Nationalsozialismus auch gelehrt.

Ehrbarer Kaufmann

Nach Schwalbach und Klink 2015 (dieser Abschnitt folgt deren Darstellung) existiert ein Ehrbarer Kaufmann im engeren wie im weiteren Sinne. Dies erwächst der historischen Unterscheidung von innerer und äußerer Ehre. Die eine attributiert das Individuum sich selbst, während die andere das Umfeld dem Individuum zuschreibt. Der historische Begriff der Ehre wird heutzutage mit dem Begriff Verantwortung erfasst.

Der Ehrbare Kaufmann im engeren Sinne beschreibt die Eigenverantwortung. Aufbauend auf humanistischer Grundbildung benötigt jeder Ehrbare Kaufmann umfassendes wirtschaftliches Fachwissen. Neben der theoretischen Ausbildung kommt das praktische Wissen durch Tätigkeit in Unternehmen hinzu. Diese Bildung wird umschlossen von einem gefestigten Charakter der sich an Tugenden orientiert, die Wirtschaftlichkeit fördern:

„Redlichkeit, Sparsamkeit, Weitblick, Ehrlichkeit, Mäßigkeit, Schweigen, Ordnung, Entschlossenheit, Genügsamkeit, Fleiß, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung, Reinlichkeit, Gemütsruhe, Keuschheit und Demut muss der Kaufmann in einem Lern- und Erziehungsprozess erwerben, um ein Ehrbarer Kaufmann zu werden.“ – Schwalbach und Klink 2015, S. 189.

Dieser Charakter dient der eigenen körperlichen und seelischen Gesundheit für ein erfülltes Leben mit langfristig ausgerichteter Geschäftstätigkeit. Er ermöglicht Geschäftsbeziehungen durch Vertrauen, welches durch Stärkung der eigenen Glaubwürdigkeit geschaffen wird. Der Ehrbare Kaufmann wird durch diesen Charakter vor unüberlegten Handlungen, um sich kurzfristig auf Kosten anderer Vorteile zu verschaffen (Opportunismus), geschützt.

„Im Ehrbaren Kaufmann sind Wirtschaft und Ethik nicht voneinander zu trennen, sie sind zu einer Einheit verschmolzen, mit dem Ziel erfolgreich zu wirtschaften (Wert zu schaffen)“ – Schwalbach und Klink 2015, S. 189.

Ehrbare Kaufmänner entwickeln ein Verantwortungsbewusstsein für die Dinge, die ihren geschäftlichen Erfolg bedingen. Dies wird durch den Ehrbaren Kaufmann im weiteren Sinne erfasst. Zunächst geht es um das Verantwortungsbewusstsein auf Unternehmensebene, dann auch jenes gegenüber der Gesellschaft. Ersteres prägt seinen Alltag stärker als letzteres.

Auf Unternehmensebene geht es zunächst um Mitarbeiter, dann um Geschäftskunden und Lieferanten gefolgt von Investoren und Wettbewerbern. Mitarbeiter bedingen direkt den Erfolg und sollen fair und menschlich behandelt werden, wenn auch Disziplin und Leistung zu fordern ist. Geschäftskunden, Lieferanten und Investoren sollen nach den Grundsätzen des Ehrbaren Kaufmanns behandelt werden, mit dem Ziel langfristig gute Beziehungen zu ihnen aufzubauen und zu erhalten. Wettbewerbern soll der Ehrbare Kaufmann ein loyaler Konkurrent sein.

Kaufmänner verdanken der Gesellschaft die Grundbildung ihrer Angestellten, die öffentlich finanzierte Infrastruktur, die den Gütertransport ermöglicht und das politische System, das die Eigentumsrechte sichert. Dem Ehrbaren Kaufmann ist dies bewusst.

Er zielt auch darauf den Endkonsumenten zu schützen, weil deren Zufriedenheit zukünftige Verkäufe ermöglichen könnte, während unzufriedene Kunden den Ruf eines Unternehmens beeinträchtigen. Er stärkt die Gemeinde, weil er ihr sein qualifiziertes Personal zu verdanken hat. Der Ruf des Unternehmens in der Gemeinde wirkt zusätzlich auf die Motivation der Mitarbeiter. In Bezug auf die Öffentlichkeit verdankt er ihr, dass er seine Interessen bekunden kann und über seine gesellschaftlich bedeutsame Rolle aufklären kann. Ohne die soziale Marktwirtschaft wäre das Unternehmen gar nicht möglich. Rechtssicherheit wird durch das System geleistet.

„Eine politische Tätigkeit ist für den Ehrbaren Kaufmann nicht ausgeschlossen, um die wirtschaftlichen Interessen der Ehrbaren Kaufleute in der Regierung zu vertreten und um in der Politik das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge zu stärken.“ – Schwalbach und Klink 2015, S. 190.

Letztlich kommt die Sphäre der Umwelt hinzu:

Als verantwortlich Entscheidender hat [der Ehrbare Kaufmann] auch die langfristigen Folgen für die Umwelt zu bedenken, mit Hinblick auf die nachhaltige Sicherung des Fortbestands des Unternehmens, auch über mehrere Generationen hinweg.“ – Schwalbach und Klink 2015, S. 190.

Ökonomisch nachhaltige Strategien von Unternehmen

Ökonomisch nachhaltig waren in der jüngeren Vergangenheit (moderne Strategieforschung) vor allem Qualitätsführer oder Kostenführer. Zudem ist das Überleben von Unternehmen kritisch mit der Investition verknüpft. Vgl. Homburg und Krohmer 2009. Pragmatisch betrachtet können Unternehmen nur dann CSR-konform agieren, wenn das im Kontext des Wettbewerbs profitabel ist (Business Case for CSR). Vgl. Schreck 2015.

Schreck 2015, S. 73, Abb. 1 unterteilt Geschäfte nach gesellschaftlich erwünscht und ökonomisch sinnvoll in einer 2×2-Matrix:

Er erarbeitet dazu, dass Unternehmen durch CSR-Maßnahmen entweder Differenzierungs- oder Kostenvorteile erhalten müssen (intern) z. B. durch ökologische und / oder soziale Produktinnovation oder extern Chancen in Form von neuen Märkten bzw. Marktsegmenten und ethischen Kapitalmärkten erschließen bzw. Risiken in Form von Kundenabwanderung, Investorenabwanderung und Druck externer Anspruchsgruppen z. B. durch Wertewandel reduzieren müssen.

In Bezug auf die Konfliktfälle konstatiert er, dass sie in einen Business Case überführt oder unerwünscht und unprofitabel werden sollen. Während es Hilfe zum Konfliktmanagement gibt, ist unklar, wer die Konfliktparteien sind. Denkbar sind Subventionen für unprofitable, aber erwünschte Wertschöpfung sowie Steuern und Verbote für profitable aber unerwünschte Wertschöpfung durch den Staat. Interessant wäre aber auch den Grundsatz, Eigentum verpflichtet dahingehend zu konkretisieren, dass unerwünschte aber profitable Geschäfte zu sanktionieren sind. Dies könnte der Staat oder die Jurisdiktion bei entsprechender Klage hervorbringen. Letztlich können auch Innovationen möglicherweise Konfliktfälle lösen.

Grundsätzlich jedoch widersprechen diese Maßnahmen (abgesehen von Innovation) der Grundidee theoretischer CSR, freiwillig zu sein, sodass verantwortungsvolle Unternehmen sich hervortun können. Gleichwohl ist es gewachsene Erkenntnis, dass unsere Systeme soziopathensicher zu gestalten sind, weil eben Soziopathen und Opportunisten existieren, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden.

Hier könnten Transparenzregulierungen über Externalitäten von Wertschöpfung durch den Staat Wirkung über Konsumentenboykott dieser Unternehmen erzielen, was ein dynamischerer / flexiblerer Ansatz ist. Problematisch an diesem Ansatz ist jedoch, dass manche Konsumenten – insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Einkommensschere – gezwungen sind das billigste Produkt zu kaufen.

Moderne CSR

Der Corporate-Responsibility-Managementprozess (CR) nach Fries, Riess und Brink 2015 erfolgt in folgenden Phasen:

  1. Strategieentwicklung & Ziele.
  2. Governance & Organisation.
  3. CR-Maßnahmen.
  4. Messung.
  5. CR-Kommunikation.

Nach dem Corporate Responibility Index 2013 gibt es zentrale Abweichungen von den Erfolgskriterien für die Phasen des Managementprozesses, sodass folgende Empfehlungen zentral waren:

  • CR sollte in die Gesamtstrategie und das Kerngeschäft implementiert werden.
  • CR bedeutet in einen aktiven Dialog mit allen Stakeholdern zu treten.
  • CR sollte in der gesamten Wertschöpfungskette und allen Geschäftsprozessen wirksam werden, also kulturell oder per Durchgriffsrecht der CR-Verantwortlichen.
  • CR sollte mit regelmäßigen Messungen und Prüfungen einhergehen.

Diese Empfehlungen zeigen, dass Unternehmen mit CR hadern. Auch eine Orientierung an Benchmarks zeigt das Unternehmen eher versuchen nicht die schlechtesten im Bereich CR zu sein, als die Besten.

Kritische Reflektion

Die Verantwortungssubjekte der Unternehmen, also die Führungshierarchie sind Menschen die mit dem Ideal des Ehrbaren Kaufmanns im Hinterkopf zwischen den Stakeholdern vermitteln sollen. So erarbeitete Kompromisse sollen durch CR-Management in der gesamten Wertschöpfungskette etabliert werden.

Konsenslösungen der Stakeholder und Unternehmen sind vielleicht in ferner Zukunft durch neue oder massiv restrukturierte Unternehmen mit entsprechendem strukturellen Eingriff der internationalen Gemeinschaft denkbar – Unternehmen sind eher träge und pfadabhängig. Konstruktive Ansätze dazu bieten folgende Artikel:

  1. Herstellung von Konvergenz,
  2. Nachhaltiger Kapitalmarkt und
  3. Utilitismus.

Für nachhaltigkeitsorientierte Konsumenten bietet folgender Artikel eine Entscheidungshilfe für nachhaltige Kaufentscheidungen.

Wir konnten sehen, dass Unternehmen erwünschte Wertschöpfung, die unprofitabel ist, nicht leisten können und profitable, aber unerwünschte „Wertschöpfung“ nicht fundamental aufgeben können. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Verantwortungssubjekte sind hier beschränkt.

Strategisch konnten wir sehen, dass Qualitätsführer durch CSR Differenzierungsvorteile erzielen können, was zumeist bedeutet, dass die Konsumenten eine höhere Zahlungsbereitschaft haben, und dass Kostenführer durch CSR-Maßnahmen Kostenvorteile erzielen müssen. Beides kann auch durch Vorteile an ethischen Kapitalmärkten realisiert werden. Auch hier sind die Gesaltungsmöglichkeiten der unternehmerischen Verantwortungssubjekte beschränkt.

Es konnte gezeigt werden, dass Transparenzregulierung über Wirkung auf die Konsumenten letztlich Investoren und unternehmerische Verantwortungssubjekte und die Belegschaft zu Anpassung an moralische Forderungen der Gesellschaft per Boykott oder ethischer Selbstbindung von Banken treiben können.

Derartige Regelungen sind jedoch freiwillig und werden nicht von allen Menschen getragen, sodass z. B. bei amoralischen Geschäftspraktiken Soziopathen oder Opportunisten Informationen verheimlichen und weniger wohlständige Personen zum Kauf „verpflichtet“ sind. Hier ist es klassische Staatsaufgabe durch Subventionen, Steuern, Gebote und Verbote regulatorisch in die soziale Marktwirtschaft einzugreifen, sodass soziopathensichere Systeme in der Jurisdiktion durchgesetzt werden können.

In Bezug auf Großunternehmen und Holdinggesellschaften finden Elitenforscher Netzwerke, die wie Seilschaften Führungspositionen vermitteln, sodass normale Bürger als Leistungsträger ab einer gewissen Karrierestufe nicht mehr befördert werden. Diese Führungselite verfügt wohl über private Bildung und ist auch durch Vermögen wohl anders aufgewachsen als der Großteil der Bevölkerung.

In einem solchen Kontext zum Ehrbaren Kaufmann herangezogen zu werden entzieht sich den öffentlichen Bildungsinstitutionen und auch dem lebenspraktischen Bezug zu den Problemen einer Gesellschaft. Derartige Führung kennt auch die Unternehmensabläufe eher auf hohem Abstraktionsniveau durch Zahlen, Produkte und Berichte, statt durch Erfahrung in der Unternehmenstätigkeit, sodass der Bezug zum Menschen im Unternehmen den Eindruck der Instrumentalisierung und Verdinglichung hinterlässt.

In Gesprächen mit Rentnern wurde mir vermittelt, dass zu einem gewissen Zeitpunkt in Deutschland menschliche Gemeinschaft in der Belegschaft bewusst sabotiert wurde. Mit der Konsequenz heutiger Isolation der Mitarbeiter. Mir fehlt es jedoch an Erfahrung, um das einschätzen zu können. Vergleiche folgenden Artikel zur Isolation, der versucht die Theorie zu beschreiben.

Fazit

Verantwortung bedeutet für Führungskräfte die Stakeholder (Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Investoren, Wettbewerber, Saatsakteure und externe Stakeholder, wie Medien, NGOs und Interessensgruppen) in Dialoge einzubinden, um Kompromisse zu erarbeiten.

Es kann jedoch nicht von Unternehmen erwartet werden jetzt unerwünschte Produkte und Dienstleistungen vom Markt zu nehmen, ohne die Chance zur langfristigen Innovation / Restrukturierung geboten bekommen zu haben, wenn das die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens gefährdet. Das liegt außerhalb der Möglichkeiten von Führungskräften. Ein solcher Schritt kann lediglich von Konsumenten und Eigentümern realisiert werden oder durch gesetzliches Verbot – mit der Konsequenz von Arbeitsplatzverlusten. Diese Personen sind dort in der Verantwortung.

Ein wesentlicher Schritt Verantwortung durch Konsumenten zu ermöglichen, ist Transparenzregulierung bezüglich der Nachhaltigkeitsdimensionen sozial, ökologisch und ökonomisch. Derartige Regulierung ist national nur zu gewissen Grenzen realisierbar, besser wären internationale Vereinbarungen.

Als Wirtschaftssubjekte Europas können wir mit dem Ehrbaren Kaufmann auf ein gewachsenes und verloren gegangenes Kulturgut zurückblicken, das wir wiederaufleben lassen können. Hier geht es um Fachwissen und Charakter im engeren Sinne und Verantwortung auf Unternehmens- und Gesellschaftsebene im weiteren Sinn.

Der CR-Managementprozess erfolgt in den Phasen:

  1. Strategieentwicklung & Ziele.
  2. Governance & Organisation.
  3. CR-Maßnahmen.
  4. Messung.
  5. CR-Kommunikation.

Und soll letztlich Differenzierungs- oder Kostenvorteile ermöglichen, wenn nicht die Wettbewerbsfähigkeit regulatorisch oder kooperativ koordiniert wird. Letzteres könnte in einigen Fällen kartellrechtlich problematisch sein.

Während im Kapitalismus letztlich die Individuen ihre Vorlieben zum Ausdruck bringen können sollten, kann der Staat die Privatautonomie aus Kollektivinteressen begrenzen und Zwangsentscheidungen entsprechend der Möglichkeiten, die Sachzwänge offen lassen, verhindern oder abmildern. Somit trägt jeder Bürger eine Teilverantwortung in Bezug auf seinen Wirkungskreis, wie Arbeit, Konsum, Investition sowie politische und ehrenamtliche Aktivität.

Anderson, R. J. und Adams, W. A. 2016: "Mastering Leadership - An Integrated Framework for Breakthrough Performance and Extraordinary Business Results".
 
Bergius, S. 2015: "CSR und Finanzmarkt - Investoren fordern ESG-Leistungen und Transparenz von Unternehmen", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

Fries, A.; Riess, B. und Brink, A. 2015: "CRI Corporate Responsibility Index 2013 - Erfolgsfaktoren unternehmerischer Verantwortung", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

Homburg, C. und Krohmer, H. 2009: "Marketingmanagement - Strategie - Instrumente - Umsetzung - Unternehmensführung".

Schreck, P. 2015: "Der Business Case for Corporate Social Responsibility", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

Schwalbach, J. und Klink, D. 2015: "Der Ehrbare Kaufmann als individuelle Verantwortungskategorie der CSR-Forschung", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

Sednak, C. 2015: "CSR - eine humanistische Sichtweise", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

Suchanek, A. 2015: "Vertrauen als Grundlage nachhaltiger unternehmerischer Wertschöpfung", in "Corporate Social Responsibility - Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis", Hrsg.: Schneider, A.; Schmidpeter, R..

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